Lähmung nach Bandscheiben-OP: Ursachen, Behandlung und Prävention

Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, und eine Operation ist oft die letzte Option, um Linderung zu verschaffen. Nach einer Bandscheibenoperation (Discektomie) ist es wichtig, den Heilungsprozess zu verstehen und auf mögliche Komplikationen zu achten. Eine solche Komplikation kann eine Lähmung sein. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Lähmungen nach einer Bandscheiben-OP, die verschiedenen Arten von Paresen, Behandlungsmethoden und gibt Tipps zur Vorbeugung.

Ursachen für Lähmungen nach einer Bandscheiben-OP

Eine Lähmung nach einer Bandscheiben-OP kann verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht jede Operation erfolgreich ist und Komplikationen auftreten können. Hier sind einige mögliche Ursachen:

  • Nervenschädigung während der Operation: Während des Eingriffs kann es zu einer direkten Schädigung der Nerven kommen. Dies kann durch versehentliches Durchtrennen, Quetschen oder Überdehnen der Nervenfasern geschehen.
  • Druck auf die Nervenwurzel: Auch nach der Operation kann es weiterhin zu Druck auf die Nervenwurzel kommen, beispielsweise durch verbliebenes Bandscheibengewebe, Knochenfragmente oder Narbengewebe.
  • Entzündung und Schwellung: Entzündungen und Schwellungen im Operationsgebiet können ebenfalls Druck auf die Nerven ausüben und zu Lähmungserscheinungen führen.
  • Infektionen: In seltenen Fällen können Infektionen im Operationsgebiet zu einer Schädigung der Nerven führen.
  • Hämatome: Blutergüsse (Hämatome) können ebenfalls Druck auf die Nerven ausüben.
  • Instabilität der Wirbelsäule: In manchen Fällen kann die Wirbelsäule nach der Operation instabil sein, was zu einer Kompression der Nerven führen kann.

Arten von Lähmungen (Paresen)

Eine Parese ist ein teilweiser oder unvollständiger Ausfall der motorischen Funktionen eines Muskels, einer Muskelgruppe oder einer Extremität. Es gibt verschiedene Arten von Paresen, die sich durch den Umfang der betroffenen Körperteile unterscheiden:

  • Monoparese: Betrifft nur einen Arm oder ein Bein.
  • Diparese: Betrifft zwei Gliedmaßen, beispielsweise beide Arme oder beide Beine.
  • Tetraparese: Betrifft alle vier Gliedmaßen, also Arme und Beine.

Die Dauer einer Parese kann variieren und hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Nervenschädigung ab. Sie kann vorübergehend sein und innerhalb von Wochen oder Monaten abklingen, oder dauerhaft bestehen bleiben.

Symptome einer Parese

Die Symptome einer Parese können vielfältig sein und hängen von der Art und dem Ausmaß der Lähmung ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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  • Kraftverlust: Schwierigkeiten, die betroffenen Muskeln oder Gliedmaßen vollständig zu bewegen oder zu belasten.
  • Missempfindungen: Kribbeln, Taubheit oder Brennen in den betroffenen Körperteilen.
  • Gefühlsstörungen: Verminderte oder fehlende Wahrnehmung von Berührungen, Temperatur oder Schmerz.
  • Koordinationsprobleme: Schwierigkeiten, Bewegungen zu koordinieren oder das Gleichgewicht zu halten.
  • Reflexveränderungen: Abnormale oder fehlende Reflexe in den betroffenen Gliedmaßen.

Diagnose einer Parese

Um die Ursache einer Parese nach einer Bandscheiben-OP zu ermitteln, führt der Arzt eine gründliche Untersuchung durch. Dazu gehören:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und des Operationsverlaufs.
  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Muskelkraft, Reflexe, Sensibilität und Koordination.
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Nervenfunktionen.
  • Bildgebende Verfahren: MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie), um die Wirbelsäule und die Nervenstrukturen darzustellen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: EMG (Elektromyographie) und NLG (Nervenleitgeschwindigkeit), um die Funktion der Nerven und Muskeln zu überprüfen.

Behandlung von Lähmungen nach einer Bandscheiben-OP

Die Behandlung von Lähmungen nach einer Bandscheiben-OP richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Nervenschädigung. Ziel ist es, die Nervenfunktion wiederherzustellen und die Symptome zu lindern. Zu den möglichen Behandlungsoptionen gehören:

  • Konservative Therapie:
    • Schmerzmittel: Zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen.
    • Physiotherapie: Zur Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination.
    • Ergotherapie: Zur Anpassung des Alltags an die körperlichen Einschränkungen und zum Erlernen von Kompensationsstrategien.
    • Nervenstimulierende Medikamente: Zur Förderung der Nervenregeneration.
    • Elektrotherapie (EMS): Bei Lähmungen bzw. Teillähmungen eines Muskels führen schwache Stromimpulse von Elektroden, die auf der Haut liegen, zu einer Kontraktion des Muskels. Dies macht man sich zunutze, um einen Muskel trotz fehlender Nervenversorgung zu trainieren.
  • Operative Therapie:
    • Revisionseingriff: Wenn die Lähmung durch Druck auf die Nervenwurzel verursacht wird, kann eine erneute Operation erforderlich sein, um das verbliebene Bandscheibengewebe, Knochenfragmente oder Narbengewebe zu entfernen und den Nerv zu entlasten.
    • Dekompression: Bei einer Spinalkanalstenose kann eine Dekompression des Spinalkanals durchgeführt werden, um den Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln zu verringern.
    • Stabilisierungsoperation: Bei Instabilität der Wirbelsäule kann eine Stabilisierungsoperation (Spondylodese) durchgeführt werden, um die Wirbelkörper miteinander zu verbinden und die Wirbelsäule zu stabilisieren.

Rehabilitation

Unabhängig von der gewählten Behandlungsmethode ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um die bestmöglicheFunktionsfähigkeit wiederzuerlangen. Die Rehabilitation kann folgende Elemente umfassen:

  • Physiotherapie: Gezieltes Training zur Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit, Koordination und des Gleichgewichts.
  • Ergotherapie: Anpassung des Alltags an die körperlichen Einschränkungen, Erlernen von Kompensationsstrategien und Hilfsmittelversorgung.
  • Schmerzmanagement: Erlernen von Strategien zur Schmerzlinderung und -bewältigung.
  • Psychologische Unterstützung: Unterstützung bei der Verarbeitung der Erkrankung und der Anpassung an die veränderten Lebensumstände.

Vorbeugung von Lähmungen nach einer Bandscheiben-OP

Obwohl Lähmungen nach einer Bandscheiben-OP nicht immer vermeidbar sind, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko verringern können:

  • Sorgfältige Operationsplanung: Eine gründliche Planung des Eingriffs und die Auswahl eines erfahrenen Chirurgen können das Risiko von Nervenschädigungen reduzieren.
  • Schonende Operationstechnik: Mikrochirurgische Techniken und minimalinvasive Verfahren können das Gewebe schonen und das Risiko von Nervenverletzungen verringern.
  • Frühzeitige Mobilisierung: Eine frühe Mobilisierung nach der Operation kann die Durchblutung fördern und das Risiko von Komplikationen verringern.
  • Rückengerechtes Verhalten: Vermeidung von Fehlbelastungen und rückenschonendes Verhalten im Alltag können die Wirbelsäule entlasten und das Risiko von erneuten Bandscheibenproblemen verringern.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Sport können die Muskulatur stärken, die Beweglichkeit verbessern und die Wirbelsäule stabilisieren.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz kann Fehlhaltungen vermeiden und die Wirbelsäule entlasten.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann die Bandscheiben mit wichtigen Nährstoffen versorgen und ihre Regeneration fördern.
  • Vermeidung von Übergewicht: Übergewicht belastet die Wirbelsäule und kann das Risiko von Bandscheibenproblemen erhöhen.
  • Nichtrauchen: Rauchen beeinträchtigt die Durchblutung und kann die Regeneration der Bandscheiben verzögern.

Heilungsprozess nach einer Bandscheiben-OP

Nach einer Bandscheibenoperation ist es wichtig, den Heilungsprozess zu verstehen und zu unterstützen. Die Heilung verläuft in mehreren Phasen:

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  • Wundheilung: In den ersten Wochen nach der Operation steht die Wundheilung im Vordergrund. Achten Sie auf eine gute Wundpflege und vermeiden Sie Infektionen.
  • Nervenregeneration: Die Nervenregeneration kann Monate bis Jahre dauern. Unterstützen Sie den Prozess durch Physiotherapie und gegebenenfalls nervenstimulierende Medikamente.
  • Knochenheilung: Bei bestimmten Operationen, wie z.B. Versteifungsoperationen, muss auch die Knochenheilung berücksichtigt werden. Dies kann mehrere Monate dauern.
  • Muskelaufbau: Durch Physiotherapie und gezieltes Training können Sie die Muskulatur stärken und die Wirbelsäule stabilisieren.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Heilung und zum richtigen Verhalten nach einer Rückenoperation sowie Tipps zur Alltagsbewältigung finden Sie in entsprechenden Büchern und Ratgebern.

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