Lange Migräne, Ursachen und Müdigkeit: Ein umfassender Überblick

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Sie ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Neben den quälenden Kopfschmerzen leiden viele Migränepatienten unter Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Ein weiteres häufiges Symptom, das oft unterschätzt wird, ist die Fatigue, eine lähmende Erschöpfung, die sowohl während als auch zwischen den Attacken auftreten kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen der Fatigue bei Migräne und gibt Einblicke in mögliche Zusammenhänge und Behandlungsansätze.

Fatigue bei Migräne: Mehr als nur Müdigkeit

Migräne und Fatigue, die starke Erschöpfung, gehören zusammen. Fatigue ist mehr als nur Müdigkeit. Es ist ein Zustand anhaltender körperlicher und geistiger Erschöpfung, der sich durch Ruhe nicht bessert. Migränepatienten beschreiben die Fatigue oft als lähmend und energieraubend. Sie kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und die Fähigkeit, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen, einschränken.

Die Phasen der Migräne und ihre Auswirkungen auf die Energie

Eine Migräne besteht nicht immer nur aus der Attacke selbst. Sie kündigt sich bei vielen Betroffenen mit unterschiedlichen Symptomen an. Und auch nach dem Anfall fühlen sie sich noch anders als normal. Experten unterscheiden beim Migräne-Verlauf fünf Phasen:

  1. Prodromalphase: Etwa 30 Prozent der Patienten spüren vor einem Migräneanfall unterschiedliche Anzeichen. Typisch ist, dass die Frühphase bei Migräne ohne Aura vor dem Beginn der Schmerzen einsetzt.
  2. Auraphase: Diese Phase des Migräne-Verlaufs erleben 10 bis 15 Prozent der Betroffenen. Sie klagen über Sehstörungen wie helle Flecke, Lichtblitze und manchmal kurzzeitigen Sehkraftverlust. Weitere Symptome sind Kribbeln bzw. Manche Patienten haben außerdem Gleichgewichtsstörungen und Sprachprobleme (zum Beispiel Schwierigkeiten, die richtigen Wort zu finden).
  3. Kopfschmerzphase: Sie ist das, was die meisten Menschen unter Migräne verstehen. Der Schmerz ist pochend, stechend oder pulsierend. Die Betroffenen sind licht- und geräuschempfindlich, manchmal können sie auch Gerüche oder Berührungen nicht ertragen. Hinzu kommen oft Übelkeit und Erbrechen.
  4. Auflösungsphase: Das Schlimmste ist überstanden. Die Symptome sind zwar noch da, werden aber weniger intensiv. Die Kopfschmerzen sind nicht mehr pulsierend, sondern eher gleichbleibend. Patienten sind oft sehr müde.Die Übelkeit und die Empfindlichkeit z.B. gegen Licht werden weniger, sind aber noch nicht verschwunden.
  5. Erholungsphase: Die Patienten sind angeschlagen und fühlen sich wie nach einem Kater. Die Symptome ähneln denen der Prodromalphase.

Von den Vorboten bis zur Erholungsphase kann die Migräne-Dauer eine Woche betragen. Die eigentliche Attacke dauert meist zwischen vier und 72 Stunden. Die Migräne-Dauer liegt bei bis zu einer Woche, wenn alle Phasen durchlaufen werden.

Mögliche Ursachen der Fatigue bei Migräne

Die Ursachen der Fatigue bei Migräne sind vielfältig und komplex. Es gibt nicht die eine Ursache, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die zur Entstehung der Erschöpfung beitragen können.

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Neurobiologische Faktoren

  • Dopamin-Haushalt: Interessanterweise liegt bei den drei hier beschriebenen möglichen Begleiterkrankungen der Migräne eine mögliche Ursache im Dopamin-Haushalt der Patienten. Eine frühere Studie fand, dass bei Migränepatienten während der Attacke die Freisetzung von Dopamin abzunehmen schien. So lindern sogenannte Dopamin-Agonisten Symptome des Restless-Legs-Syndroms, Antidepressiva greifen häufig im dopaminergen System ein, und auch gegen die Schmerzen der Fibromyalgie werden inzwischen Medikamente eingesetzt, die die Produktion von Dopamin anregen sollen. Ist also auch bei der Migräne die Dopaminproduktion ein Problem?
  • Entzündliche Prozesse: Migräne ist mit entzündlichen Prozessen im Gehirn verbunden. Diese Entzündungen können die Hirnfunktion beeinträchtigen und zur Entstehung von Fatigue beitragen.
  • Veränderter Blutfluss im Gehirn: Während einer Migräneattacke kommt es zu Veränderungen des Blutflusses im Gehirn. Diese Veränderungen können die Energieversorgung des Gehirns beeinträchtigen und Fatigue verursachen.

Begleiterkrankungen und andere Faktoren

  • Restless-Legs-Syndrom: Im Zusammenhang mit Fatigue wird inzwischen auch öfter das Restless-Legs-Syndrom erwähnt - das Syndrom der ruhelosen Beine, eine Übersetzung, die schon sehr genau beschreibt, was hierbei das Problem ist. Die Ruhelosigkeit tritt besonders dann auf, wenn eigentlich Ausruhen das Ziel ist und erschwert so das Entspannen und Erholen. Nicht selten ist dadurch auch der Schlaf gestört und entsprechend wenig erholsam. Bei Betroffenen mit einer starken Erschöpfung, wie sie auch typisch als Postdrom nach einer Migräneattacke ist, kann also manchmal auch dieses Syndrom ein Faktor sein.
  • Depressionen und Fibromyalgie: Auch andere Faktoren wie Depressionen und Fibromyalgie, ein schmerzhaftes Syndrom, können eine starke Erschöpfung hervorrufen. Tatsächlich fanden sich bei Migränepatienten häufiger auch Anzeichen von anderen Erkrankungen, die eine Fatigue zur Folge haben können. Die Häufigkeit depressiver Symptome und von Fibromyalgie war bei Migränepatienten höher als in der Kontrollgruppe.
  • Schlafstörungen: Ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann zu Migräne führen. Unser Körper wird täglich von einem inneren Taktgeber kontrolliert, der Nahrungsaufnahme und Verdauung, Erholung und Aktivität sowie Schlaf- und Wachzeiten anpasst. Normalerweise erholt sich das Gehirn während der Nacht. Jeder Mensch hat ein anderes Schlafbedürfnis. Während einer mit nur fünf Stunden auskommt, braucht der andere die doppelte Zeit, um ausgeruht in den Tag starten zu können. Ein- und Durchschlafstörungen, Schnarchen oder nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) können die Schlafqualität beeinträchtigen und zu Fatigue führen.
  • Stress: Stress ist ein bekannter Migränetrigger. Chronischer Stress kann zu Erschöpfung und Fatigue führen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden, können als Nebenwirkung Fatigue verursachen.

Was tun gegen Fatigue bei Migräne?

Die Behandlung der Fatigue bei Migräne ist oft eine Herausforderung, da es sich um ein komplexes Problem mit vielfältigen Ursachen handelt. Es gibt jedoch verschiedene Ansätze, die helfen können, die Erschöpfung zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Behandlung von Grunderkrankungen

  • Migränebehandlung optimieren: Eine effektive Migränebehandlung kann dazu beitragen, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren und somit auch die Fatigue zu lindern.
  • Begleiterkrankungen behandeln: Die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Depressionen, Fibromyalgie oder dem Restless-Legs-Syndrom kann ebenfalls die Fatigue verbessern.

Lebensstiländerungen

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, auch am Wochenende. Besser, du sorgst schon unter der Woche für ausreichend Zeit zur Entspannung und lass einen Schlafmangel erst gar nicht entstehen.
  • Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Meditation, um Stress abzubauen. Vorbeugend gegen Stress sind Entspannungsmethoden hilfreich.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Vermeiden Sie bekannte Migräne-Trigger wie Alkohol, Koffein oder bestimmte Nahrungsmittel.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft kann helfen, die Energie zu steigern und die Stimmung zu verbessern.
  • Vermeiden von Bildschirmarbeit vor dem Schlafengehen: Verzichte außerdem in der letzten Stunde vor dem Zubettgehen darauf, LED-Bildschirme (zum Beispiel Smartphone oder Tablet) zu nutzen.

Medikamentöse Behandlung

  • Antidepressiva: In einigen Fällen können Antidepressiva helfen, die Fatigue zu lindern, insbesondere wenn gleichzeitig eine Depression vorliegt.
  • Stimulanzien: In seltenen Fällen können Stimulanzien eingesetzt werden, um die Müdigkeit zu reduzieren. Diese sollten jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, da sie auch Nebenwirkungen haben können.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Einige Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D, Magnesium oder Coenzym Q10 können helfen, die Energie zu steigern. Sprechen Sie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln jedoch immer mit Ihrem Arzt ab.

Weitere Tipps

  • Kopfschmerztagebuch führen: Ein Migräne-Tagebuch ist eine gute Möglichkeit herauszufinden, welche Verhaltensweisen oder Einflüsse deine persönlichen Migränetrigger sind.
  • Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie oder Freunden über Ihre Fatigue. Der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe kann ebenfalls hilfreich sein.
  • Sich selbst nicht überfordern: Akzeptieren Sie, dass Sie nicht immer alles schaffen können. Planen Sie ausreichend Ruhepausen ein und gönnen Sie sich Zeit für sich selbst.

Migräne verstehen und die Lebensqualität verbessern

Migräne ist eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist. Sie ist aber gut behandelbar, so dass die Lebensqualität der Betroffenen weniger eingeschränkt wird. Es stehen verschiedene Medikamente gegen den Kopfschmerz und die Begleiterscheinungen einer Migräneattacke wie Übelkeit, Erbrechen etc. zur Verfügung.

Die vier Phasen der Migräne erkennen

Eine plötzliche Migräne kann deinen Alltag total durcheinanderbringen und all deine Pläne für die nächsten Tage umwerfen. Gerade weil sie oft unerwartet und plötzlich kommt, ist es wichtig, mögliche Vorboten schnell zu erkennen und gegenzusteuern. Eine Migräne durchläuft in der Regel vier Phasen, die jeweils eigene Symptome mit sich bringen. Wenn du die einzelnen Phasen erkennst, kannst du rechtzeitig reagieren. Also hör gut in dich hinein. Erkennst du einige Anzeichen der einzelnen Phasen bei dir wieder?

  • Phase I - Die Migräneattacke kündigt sich an: Deine Stimmung ist äußerst schlecht, und du weißt nicht genau, warum das so ist. Du ärgerst dich über triviale Kleinigkeiten, die du normalerweise problemlos ignorieren würdest. Und dann noch dieser Heißhunger! Du stürzt dich unkontrolliert auf alles, was süß ist. Du kannst dich nicht richtig konzentrieren - jeder Satz, den du liest, ist sofort wieder weg. Du stehst in der Küche, weil du etwas holen wolltest, und fragst dich jetzt: „Was wollte ich hier nochmal?!“ Du gähnst ununterbrochen, obwohl du doch eigentlich gut geschlafen hast. Dein Nacken und deine Schultern sind so verspannt, dass du sie bei jeder Bewegung spürst. Du räumst wie getrieben die ganze Wohnung auf und fängst auch noch an, den Kleiderschrank auszusortieren? Du bist völlig euphorisch und sogar ein wenig überdreht? All diese Symptome können eine Migräneattacke ankündigen.
  • Phase II - Die Aura trifft dich wie ein Blitz: Es trifft dich aus dem Nichts: Plötzlich flimmert es vor deinen Augen, du siehst Zickzacklinien, deine Finger kribbeln oder sind taub. Oder du bist mitten in einem Meeting und dir fallen plötzlich die einfachsten Formulierungen nicht mehr ein. Du bringst keine normalen Sätze mehr heraus und bist nicht fähig, deine Gedanken in Worte zu fassen. Eines ist dir aber sofort klar: Migräne! Du hast jetzt noch etwa 15 bis 30 Minuten, bis der stechende Kopfschmerz einsetzt.
  • Phase III: Einfach nur Kopfschmerzen: Dein Kopf droht förmlich zu platzen. Einseitig, pochend und pulsierend hämmern die Kopfschmerzen gnadenlos auf dich ein. Dir ist übel, du musst dich übergeben. Jeder Lichtstrahl, jedes Geräusch, jede Bewegung sind eine einzige Qual. Du willst einfach nur im Dunkeln liegen, die Augen schließen und keine Geräusche hören. Es gibt jetzt nichts, außer den Schmerz. Diese Kopfschmerzphase kann zwischen 4 und 72 Stunden lang andauern.
  • Phase IV - Die Migräne zieht sich zurück: Die Schmerzen sind weg: Was für eine Erleichterung! Aber du bist immer noch müde und fühlst dich völlig erschöpft, so als hättest du eine lange Krankheit oder einen Marathon hinter dich gebracht. Du kannst dich immer noch nicht gut konzentrieren und merkst, dass du noch nicht wieder voll in deinen Alltag einsteigen kannst. Das ist die Phase der Rückbildung deiner Migräneattacke, die sogenannte Remission. Diese Erschöpfungsphase nach der Migräneattacke kann einige Stunden bis zu Tagen andauern.

Akute Migräne - was tun?

Manchmal ist es trotz gesundem Lebensstil und vorbeugenden Maßnahmen zu spät und der Anfall ist da. Was hilft bei akuter Migräne? Diese Tipps sind häufig eine Hilfe bei Migräne:

  • Ruhe und Dunkelheit: Migränebetroffene leiden während eines Anfalls oft unter Überempfindlichkeit. Vielen hilft es, sich dann in einen abgedunkelten, stillen Raum zurückzuziehen.
  • Kühlung: Wie auch bei anderen Kopfschmerzarten ist ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage häufig eine akute Hilfe bei Migräne.
  • Stimulation des Nervus trigeminus: Mithilfe eines speziellen Geräts, das auf die Stirn geklebt wird, kann der für Schmerz verantwortliche Nerv des Gesichts stimuliert werden, was die Schmerzen lindert.
  • Schmerzmedikamente: Die schnellste Linderung von Migränekopfschmerzen ist allerdings durch die gezielte Einnahme von Schmerzmedikamenten zu erreichen.

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