Glioblastom: Überlebenschancen und Perspektiven für Langzeitüberlebende (5+ Jahre)

Das Glioblastom ist eine aggressive Form von Hirntumor, die von den Gliazellen ausgeht, den Stützzellen des Gehirns. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft es als Grad 4 ein, den höchsten Schweregrad für Hirntumoren. Trotz intensiver Forschung und Behandlungsmöglichkeiten bleibt das Glioblastom eine Herausforderung für Patienten und Ärzte. Eine Heilung ist nach aktuellem Stand der Medizin nicht möglich.

Was ist ein Glioblastom?

Das Glioblastom, auch Glioblastoma multiforme genannt, ist der häufigste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 4.800 Menschen daran. Der Tumor entsteht meist in einer Großhirnhälfte und kann schnell über den Balken in die andere Gehirnhemisphäre wachsen. Unter dem Mikroskop zeigen sich typische Merkmale wie kleine Hohlräume (Zysten), abgestorbenes Gewebe (Nekrosen) und Einblutungen, die dem Tumor sein "buntes" Erscheinungsbild verleihen.

Primäres und sekundäres Glioblastom

Je nach Entstehungsweise unterscheidet man zwischen primären und sekundären Glioblastomen:

  • Primäres Glioblastom: Entsteht direkt aus gesunden Gliazellen und ist die häufigste Form. Betrifft vorwiegend ältere Menschen im sechsten bis siebten Lebensjahrzehnt und entwickelt sich innerhalb weniger Wochen.
  • Sekundäres Glioblastom: Entwickelt sich aus einem bereits bestehenden, weniger aggressiven Hirntumor (Astrozytom Grad 2 oder 3). Betrifft jüngere Menschen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren und stellt das Endstadium einer länger verlaufenden Tumorerkrankung dar.

Die frühere Einteilung in "Glioblastom, IDH-Wildtyp" und "Glioblastom, IDH-mutiert" wird in der aktuellen WHO-Klassifikation nicht mehr verwendet. Sekundäre Glioblastome, die aus Astrozytomen Grad 2 oder 3 entstehen, werden nun als "Astrozytome, IDH-mutiert, Grad 4" klassifiziert.

Symptome und Diagnose

Die Symptome eines Glioblastoms entwickeln sich oft rasch, da der Tumor schnell wächst. Sie hängen von der Lage des Tumors im Gehirn ab und können vielfältig sein:

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  • Kopfschmerzen, vor allem nachts und morgens
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Sprachstörungen
  • Epileptische Anfälle
  • Wesensveränderungen
  • Lähmungen
  • Komatöse Zustände (im Extremfall)

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch Neurologen, die den Patienten eingehend untersuchen und bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT) und Positronen-Emissions-Tomografie (PET) veranlassen. Eine Gewebeprobe (Biopsie) ist notwendig, um die Diagnose zu sichern und die Eigenschaften des Tumorgewebes zu bestimmen. Dabei spielt die MGMT-Promotor-Methylierung eine besondere Rolle, da sie Hinweise auf die Wirksamkeit bestimmter Therapien geben kann.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige Faktoren, die das Risiko erhöhen können:

  • Ionisierende Strahlen: Strahlentherapie eines anderen Tumors kann Jahre später ein Glioblastom verursachen.
  • Erbliche Krankheitsbilder: Einige seltene genetische Erkrankungen wie Neurofibromatose, Tuberöse Sklerose, Turcot-Syndrom, Lynch-Syndrom und Li-Fraumeni-Syndrom erhöhen das Risiko für Hirntumoren.
  • Radiofrequenzfelder: Ein Zusammenhang mit der Entstehung von Glioblastomen wird diskutiert, ist aber noch nicht eindeutig belegt.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Standardbehandlung eines Glioblastoms umfasst eine Kombination aus Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie.

  • Operation (Resektion): Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, da dies die Prognose verbessert.
  • Strahlentherapie: Wird nach der Operation eingesetzt, um verbliebene Tumorzellen zu zerstören.
  • Chemotherapie: Temozolomid ist das Standard-Therapeutikum in der Glioblastom-Chemotherapie.
  • Tumortherapiefelder (TTF): Eine relativ neue Behandlungsoption, bei der elektrische Wechselfelder auf die Kopfhaut appliziert werden, um das Wachstum der Tumorzellen zu hemmen.

Die genaue Behandlung richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie dem Alter und Allgemeinzustand des Patienten, der Lage und Größe des Tumors sowie seinen molekularen Eigenschaften.

Prognose und Lebenserwartung

Das Glioblastom ist in der Regel nicht heilbar. Die Prognose ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie dem Gesundheitszustand des Erkrankten und vom Tumorstadium. Die Überlebenszeit schwankt zwischen wenigen Monaten und einigen Jahren.

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Selbst unter optimaler Therapie beträgt die mittlere Überlebenszeit nach der Diagnose etwa 15 Monate. Mit einer Operation, Strahlen- und Chemotherapie kann die mittlere Überlebenszeit auf ungefähr 2 Jahre verlängert werden. Bei Patienten mit MGMT-Promotor-Methylierung kann die Überlebenszeit sogar bis zu 2 bis 4 Jahre betragen.

Etwa 5 bis 10 Prozent der Betroffenen überleben länger als fünf Jahre. Ohne Behandlung beträgt die Lebenserwartung nur etwa drei Monate.

Faktoren, die die Prognose beeinflussen:

  • Alter und Allgemeinzustand: Jüngere Patienten mit gutem Allgemeinzustand haben in der Regel eine bessere Prognose.
  • Ausmaß der Resektion: Je vollständiger der Tumor entfernt werden kann, desto besser sind die Heilungsaussichten.
  • MGMT-Promotor-Methylierung: Patienten mit methyliertem MGMT-Promotor sprechen besser auf die Chemotherapie mit Temozolomid an und haben eine längere Überlebenszeit.
  • Therapieansprechen: Schrumpft der Tumor unter der Therapie schnell zusammen, ist die Prognose besser.
  • Tumortherapiefelder (TTFields): Die zusätzliche Therapie mit TTFields kann das progressionsfreie und das Gesamtüberleben signifikant verlängern.

Aktuelle Forschung und neue Therapieansätze

Die Forschung im Bereich Glioblastom ist sehr aktiv, und es werden ständig neue Therapieansätze entwickelt. Einige vielversprechende Entwicklungen sind:

  • Immuntherapie: Ansätze, das Immunsystem des Patienten zu aktivieren, um die Tumorzellen zu bekämpfen. Dazu gehören beispielsweise Impfungen mit Tumorproteinen oder die gentechnische Veränderung von T-Zellen (transgene T-Zellen), um sie gezielt gegen die Tumorzellen zu richten.
  • Virus-basierte Therapien: Einsatz von Viren, die die Krebszellen zerstören und sie zudem sensibler gegenüber der Chemotherapie machen.
  • Gezielte Therapien: Entwicklung von Medikamenten, die spezifische molekulare Eigenschaften der Tumorzellen angreifen.
  • Neuartige Medikamente: Klinische Studien testen neue Substanzen, die das Tumorwachstum hemmen oder die Resistenz gegen bestehende Therapien überwinden sollen.

Leben mit einem Glioblastom

Die Diagnose Glioblastom ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine große Belastung. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Unterstützungsmöglichkeiten:

  • Deutsche Hirntumorhilfe: Bietet Informationen, Beratung und Unterstützung für Patienten und Angehörige.
  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Bietet kostenlose, wissenschaftlich fundierte Informationen zu Krebs.
  • Psychoonkologische Betreuung: Kann helfen, die psychischen Belastungen der Erkrankung zu bewältigen.
  • Selbsthilfegruppen: Bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

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