Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen grundlegend verändern kann. Einer der Betroffenen ist Chris, der seit seiner Diagnose im Jahr 2017 offen über seine Erfahrungen spricht und sich für bessere Strukturen im Pflegesystem einsetzt. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten der Parkinson-Krankheit, von den ersten Anzeichen über die typischen Symptome bis hin zu den Therapiemöglichkeiten und dem Umgang mit der Erkrankung im Alltag.
Die Parkinson-Trias: Akinese, Rigor und Tremor
Früher sprachen Ärzte von der Parkinson-Trias: Akinese, Rigor und Tremor. Diese drei motorischen Hauptsymptome sind kennzeichnend für die Parkinson-Krankheit, treten aber erst im späteren Verlauf der Erkrankung deutlich sichtbar auf.
- Akinese/Bradykinese/Hypokinese: Bewegungsarmut, Verlangsamung der Willkürmotorik und der Spontan- und Mitbewegungen, bis hin zu Bewegungslosigkeit und Blockaden. Typisch sind eine schwächer ausgeprägte Mimik, Schluckbeschwerden und eine leiser werdende Stimme sowie ein gestörter Sprachfluss.
- Rigor: Muskelsteifheit, die durch eine dauerhafte Anspannung der Muskulatur (erhöhter Muskeltonus) oft zu diffusen Muskel- und Gelenkschmerzen führt, wovon vor allem Beugemuskeln sowie Arme und Schultern betroffen sind.
- Tremor: Zittern von Händen, Kiefer, Armen, Füßen und Beinen in Ruhephasen (Ruhe-Tremor), das bei Bewegung oder im Schlaf nachlässt. Stress kann das Zittern hingegen verstärken.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Betroffenen unter allen drei Symptomen leiden. Bei manchen Patienten steht beispielsweise der Tremor ganz im Vordergrund, während bei anderen die Akinese oder der Rigor stärker ausgeprägt sind.
Subtile Anfänge: Frühsymptome von Parkinson
Parkinson beginnt oft schleichend und unscheinbar. Viele dieser Symptome werden häufig zuerst von Angehörigen und Freunden bemerkt und seltener von den Patientinnen und Patienten selbst. Die Betroffenen nehmen im Frühstadium der Erkrankung eher wahr, dass Arme und Beine sich schwerfälliger bewegen lassen. Vielleicht dauert das Aufstehen oder Hinsetzen plötzlich länger als früher. Dadurch wird mehr Zeit für alltägliche Vorgänge wie Waschen, Anziehen, Einkaufen oder Kochen benötigt, was gerade bei älteren Menschen häufig für eine ganz normale Alterserscheinung gehalten wird.
Die ersten Anzeichen sind oft unspezifisch und deuten erst in ihrer Häufung und Kombination auf einen beginnenden Parkinson hin. Typisch sind Störungen des Geruchssinns (Hyposmie/Anosmie), Tagesmüdigkeit, REM-Schlaf-Verhaltensstörungen (Patientinnen und Patienten reden oder schreien im Schlaf oder treten und schlagen um sich). Auch Verhaltensveränderungen oder Depressionen, Verdauungsprobleme und bestimmte Schlafstörungen können mögliche Anzeichen sein.
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Der ärztliche Beirat der Deutschen Parkinson Vereinigung hat eine Liste mit möglichen Frühsymptomen des Krankheitsbildes herausgegeben:
- Kommt es vor, dass die Hand zittert, obwohl sie entspannt aufliegt?
- Ist ein Arm angewinkelt und schwingt beim Gehen nicht mit?
- Hat der Patient eine vornüber gebeugte Haltung?
- Leicht schlurfender Gang oder Bein nachgezogen?
- Ist der Gang kleinschrittig und kommt es häufig vor, dass der Patient stolpert?
- Leidet der Patient an Antriebs- und Initiativmangel?
- Klagt der Patient häufig über Rückenschmerzen im Nacken-Schulterbereich?
- Hat der Patient bemerkt, sich von Freunden und Angehörigen zurückzuziehen, meidet Kontakte?
- Bemerken Sie Veränderungen in der Stimme, ist sie monotoner und leiser als früher?
- Hat der Patient eine Verkleinerung seiner Schrift bemerkt?
Wenn mehr als drei Fragen mit „ja“ beantwortet werden, könnte die betroffene Person erste Anzeichen der Erkrankung aufweisen.
Nicht-motorische Symptome: Oft übersehen, aber sehr belastend
Neben den motorischen Symptomen treten bei Morbus Parkinson in allen Stadien der Erkrankung auch nicht-motorische Symptome auf, die die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten teils erheblich beeinträchtigen. Während psychiatrische Probleme wie Demenz, Depression, Halluzinationen oder Apathie viele Patienten in der Spätphase quälen, gibt es auch Warnsignale, die schon sehr früh auftreten. Allerdings sind nachlassendes Riechvermögen, Seh- und Schlafstörungen, Obstipation und Fatigue (massive Erschöpfung) so unspezifisch, dass viele Ärzte nicht an einen Morbus Parkinson denken, wenn Patienten darüber klagen.
In allen Krankheitsphasen können Störungen des autonomen Nervensystems den Patienten belasten. So kann eine orthostatische Dysregulation zu Benommenheit und Schwindel bei plötzlichem Aufstehen führen. Eine große Belastung stellt die zunehmende Inkontinenz dar, an der 40 bis 80 Prozent der Patienten vor allem bei langjähriger Krankheit leiden. Ein häufiges Begleitsymptom ist eine hartnäckige Obstipation, die oft schon lange vor den Bewegungsstörungen beginnt.
Diagnose: Ein Ausschlussverfahren
Die Diagnose der Parkinson-Krankheit wird in erster Linie durch eine gründliche Befragung des Betroffenen und eine körperliche Untersuchung gestellt. Um eine Diagnose stellen zu können, fragen Ärzte in erster Linie die Krankengeschichte ab und untersuchen die Hauptsymptome Akinese, Rigor, Tremor und Haltungsinstabilität. Im Rahmen der Frühdiagnostik kann ein Riechtest durchgeführt werden, da ein gestörter Geruchssinn oft noch vor den motorischen Symptomen auftritt. Außerdem kann zusätzlich ein sogenannter Apomorphin- oder L-Dopa-Test durchgeführt werden.
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Bei der Diagnose der Parkinson-Erkrankung wird häufig mit einer Art Ausschlussverfahren gearbeitet. So kommen bildgebende Diagnoseverfahren wie Ultraschalluntersuchungen, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Therapie: Symptome lindern und Lebensqualität erhalten
Obwohl ein Morbus Parkinson bisher nicht heilbar ist, kann eine optimale Therapie die Beschwerden lindern und die Lebensqualität von Betroffenen positiv beeinflussen. Ein wichtiger Baustein ist die medikamentöse Behandlung. Es gibt viele Wirkstoffe, die zum Teil sogar kombiniert werden:
- Levodopa (L-Dopa): Wird im Körper zu Dopamin umgewandelt und gleicht den Dopaminmangel im Gehirn aus.
- Dopamin-Agonisten: Stimulieren die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn und ahmen die Wirkung von Dopamin nach.
- MAO-B-Hemmer: Verlangsamen den Abbau von Dopamin im Gehirn.
- COMT-Hemmer: Blockieren das Enzym COMT, das L-Dopa abbaut, und erhöhen so die Verfügbarkeit von L-Dopa im Gehirn.
- NMDA-Antagonisten: Schwächen die Wirkung von Glutamat im Gehirn ab und bringen die Nervenbotenstoffe wieder ins Gleichgewicht.
Neben der medikamentösen Therapie spielen auch konservative Maßnahmen eine wichtige Rolle, um die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie sowie Musik-, Tanz- oder Kunsttherapie.
Leben mit Parkinson: Tipps für den Alltag
Lebensqualität bedeutet für viele Betroffene auch, im Alltag möglichst lange selbstbestimmt und unabhängig zu bleiben. Hier sind einige Tipps, die Ihnen dabei helfen können:
- Achten Sie auch auf ein gesundes Körpergewicht und bewegen Sie sich täglich, zum Beispiel bei einem Spaziergang in Ihrem eigenen Tempo.
- Nutzen Sie Hilfsmittel wie Strumpfanzieher, Knöpfhilfen, ergonomisches Essgeschirr oder Küchenhelfer.
- Finden Sie Gleichgesinnte und tauschen Sie sich aus, zum Beispiel im Rahmen einer Selbsthilfegruppe.
- Zögern Sie nicht, Ihren Arzt auf Ihre Sorgen und Bedürfnisse anzusprechen. Auch Sozialdienste oder Beratungsstellen können Ihnen dabei helfen, Ihren Alltag zu bewältigen.
- Akzeptiert das, was ihr nicht ändern könnt. Setzt euch zusammen mit euren Angehörigen mit dem Thema Parkinson auseinander, aber gebt dem ganzen nicht zu viel Raum!
Chris' Engagement: Ein Vorbild für andere
Chris, der Gründer des Vereins „Parkinson Pate e.V.“, ist ein Vorbild für andere Betroffene. Er hat gelernt, mit seiner Erkrankung umzugehen und sich aktiv für Verbesserungen im Pflegesystem einzusetzen. Sein Engagement zeigt, dass man auch mit Parkinson ein erfülltes Leben führen und anderen Menschen helfen kann.
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Chris' Erfahrungen machen Mut und zeigen, wie wichtig der Austausch mit anderen Betroffenen ist. Er betont, dass Parkinson viele Facetten hat und dass es wichtig ist, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und sich nicht zu isolieren.