Leben mit Parkinson: Zukunftsperspektiven und innovative Therapieansätze

Die Parkinson-Krankheit ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen und stellt Betroffene vor tiefgreifende Herausforderungen. Trotz moderner Medikamente und der Tiefenhirnstimulation ist Parkinson nicht heilbar, was die Lebensumstände und Zukunftsperspektiven der Patienten grundlegend verändert. Doch die rasante Entwicklung medizinischer Innovationen, angetrieben durch Forschung in Biotechnologie und künstlicher Intelligenz, eröffnet neue Behandlungsmöglichkeiten, die einst als Science-Fiction galten.

Parkinson verstehen

Parkinson zählt zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen. Durch den Untergang von Nervenzellen kommt es zu einer fortschreitenden Bewegungsverarmung. Trotz Einsatz moderner Medikamente und tiefer Hirnstimulation ist die Parkinsonkrankheit nicht heilbar und bedeutet für die Betroffenen eine tiefgreifende Veränderung der Lebensumstände und der Zukunftsperspektiven.

Bedeutung von Bewegung und Sport

In allen Phasen der Erkrankung kann der drohenden Bewegungsverarmung durch gezieltes Training von Kraft, Kondition, Sicherheit, Rhythmus und Schnelligkeit viel entgegengesetzt werden. Viele der im Langzeitverlauf auftretenden Probleme wie Gang- und Gleichgewichtsstörungen sprechen nur unzureichend auf Medikamente an und sollten intensiv durch Übungstherapie und aktives Training behandelt werden. Gemeinsam mit der AOK Nordost und der Deutschen Parkinsonhilfe setzt sich die Parkinsonklinik Beelitz-Heilstätten für die Anwendung und Weiterentwicklung von Übungstherapien und neuer Trainingsverfahren gegen Parkinson ein. Laufen in der Gruppe ist eine wunderbare Medizin, die nicht nur den Körper sondern auch Geist und Seele aktiviert. Bewegung steigert die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Ein aktiver Lebensstil ist aber auch in der späteren Phase der Erkrankung sehr von Vorteil. Denn Bewegung wirkt einerseits positiv auf Folgeerscheinungen wie Rückenschmerzen oder Muskelsteifheit, und andererseits auf nichtmotorische Symptome wie Müdigkeit und Depression. Deshalb sollte Bewegung ein fixer Bestandteil im Leben eines an Parkinson erkrankten Menschen sein. In einigen Krankenanstalten werden Gruppenkurse für Parkinsonbetroffene angeboten. Dort können neue Bekanntschaften geknüpft und Erfahrungen ausgetauscht werden. Und Sport in der Gruppe macht bekanntlich noch mehr Spaß. Die neurologische Therapie der Tirol Kliniken bietet Parkinsonpatienten ein umfangreiches Angebot an Sportaktivitäten wie z.B.

Therapieansätze und Innovationen

Die Fortschritte reichen von personalisierter Krebstherapie über digitale Neurologie bis zur regenerativen Medizin. Entscheidend bleibt dabei der möglichst schnelle und effiziente Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Forschung in die praktische Anwendung, wodurch innovative Lösungen zeitnah in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft implementiert werden können. Die Online Apotheken übernehmen dabei eine bedeutende Funktion, da sie zeitgemäßen Zugriff auf innovative Arzneimittel bereitstellen. Zudem sagen viele Patienten auf Nachfrage „Ich finde, eine Online Apotheke spart mehr Zeit als eine Apotheke vor Ort.“ Besonders in ländlichen Gebieten. Die vielversprechende Kombination aus kontinuierlichem technologischem Fortschritt, intensiver interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachbereichen und konsequent patientenzentrierten Behandlungsansätzen ermöglicht eine moderne Gesundheitsversorgung, die deutlich präziser, wesentlich effektiver und für alle Bevölkerungsgruppen besser zugänglich wird.

Digitale Therapieansätze

Neue wissenschaftliche Studien belegen erstaunlicherweise, dass maßgeschneiderte Videospiele die motorischen Fähigkeiten von Parkinson-Erkrankten deutlich steigern können. Diese innovativen digitalen Therapieansätze, die speziell für die moderne Rehabilitation entwickelt wurden, trainieren sowohl die motorische Koordination als auch die Reaktionsgeschwindigkeit der Patienten auf eine besonders spielerische und motivierende Weise.

Lesen Sie auch: Ursachen von Alzheimer in den Vierzigern

Tiefe Hirnstimulation

Die Tiefenhirnstimulation, die von führenden Neurologen und Neurochirurgen in spezialisierten Zentren kontinuierlich weiterentwickelt und verfeinert wird, hilft mittlerweile nicht nur bei verschiedenen Bewegungsstörungen wie Parkinson, sondern zeigt auch äußerst vielversprechende Ergebnisse bei schweren therapieresistenten Depressionen.

Medikamentöse Therapie und Online-Apotheken

Die Online Apotheke ermöglicht Krebspatienten den unkomplizierten Zugang zu unterstützenden Medikamenten während ihrer Therapie. Die Online Apotheken übernehmen dabei eine bedeutende Funktion, da sie zeitgemäßen Zugriff auf innovative Arzneimittel bereitstellen. Zudem sagen viele Patienten auf Nachfrage „Ich finde, eine Online Apotheke spart mehr Zeit als eine Apotheke vor Ort.“ Besonders in ländlichen Gebieten.

Die Rolle der Familie und des sozialen Umfelds

Viele Parkinsonbetroffene stellen sich nach der Diagnose die Frage: „Warum gerade ich?“ Betroffene und deren Angehörige haben für diese neue Situation noch keine angemessene Antwort parat. Wird bei Familienmitgliedern eine unheilbare Erkrankung festgestellt, braucht es anfangs Zeit, sich an die veränderte Situation zu gewöhnen. Der Rückhalt und die Unterstützung der Familie sind für alle Betroffenen besonders wichtig. Da Parkinson die zweithäufigste neurologische Erkrankung nach Alzheimer ist und in Österreich rund 20000 Menschen an dieser immer noch unheilbaren Krankheit leiden, ist es wichtig, aufzuzeigen, mit welchen Problemen die Betroffenen und ihre Angehörigen täglich zu kämpfen haben. Wenn ein Familienmitglied erkrankt, sind Angehörige immer mitbetroffen. Das gemeinsame Leben und die Zukunftspläne geraten gleichermaßen aus dem Gleichgewicht. Damit nicht alle in eine Schockstarre verfallen, ist es wichtig, dass man über die neue Situation spricht. Wie jemand mit einer Situation umgeht, ist natürlich abhängig davon, in welchem Abschnitt des Lebens er sich gerade befindet. Bei jüngeren Paaren ist das nicht so selbstverständlich. Betroffene und ihre Partner können oft mit ungewissen Zukunftsaussichten nicht umgehen, und das hat leider oft Trennungen zur Folge. Für die erkrankte Person ist es dann oft schwierig, neue und langfristige Beziehungen aufzubauen. Natürlich zählen zur Familie nicht nur Lebenspartner, sondern auch Kinder, Geschwister, Enkel etc. - alle, die zum Leben eines Menschen gehören. Es ist auch wich-tig, dass Freunde und Arbeitskollegen über die Erkrankung eines Menschen Bescheid wissen. Nur so können sie das erforderliche Verständnis für bestimmte Veränderungen eines betroffenen Menschen aufbringen. Gerade die verlangsamten Bewegungs-abläufe bei der Parkinsonkrankheit stellen in unserer schnelllebigen Zeit eine große Herausforderung für die Erkrankten dar. Denn gewisse Handlungsabläufe können nicht mehr in dem Tempo durchgeführt werden, in dem dies vor der Erkrankung möglich war. Im weiteren Krankheitsverlauf ist es deshalb sehr wichtig, dass das Umfeld des betroffenen Menschen mit viel Geduld und Verständnis für diesen da ist. Natürlich ist das nicht immer möglich, und so kann es im Alltag auch vermehrt zu Konflikten kommen. Im frühen Stadium führen viele Betroffene ein selbstständiges Leben. An der Aufgaben- und Rollenverteilung ändert sich deshalb zunächst nicht viel. In der späteren Phase der Erkrankung bzw. in den Off-Phasen kommt es durch die krankheitsbedingten Beschwerden jedoch oft zu Einschränkungen, und die Erkrankten benötigen oft Hilfe im Alltag. Für die gesunden Partner bzw. Familienmitglieder bedeutet dies, aufmerksam zu bleiben und dem erkrankten Angehörigen trotz aller Schwierigkeiten etwas zuzutrauen und Zeit zu geben. Häufig begehen Angehörige jedoch den Fehler, die erkrankte Person vollständig zu „entlasten“, also von allen Aufgaben des täglichen Lebens zu entbinden. Als Angehöriger möchte man die erkrankte Person bestmöglich unterstützen. In erster Linie ist es wichtig, sich über die Krankheit zu informieren, um Zukunfts-ängsten zu begegnen und eine gute Hilfeleistung zu gewährleisten. Es ist eine Unterstützung für die Betroffenen, wenn die Angehörigen sie bei Arztbesuchen sowie bei Besuchen in Selbsthilfegruppen begleiten. Diese Besuche sind auch für Angehörige von großer Bedeutung. In Gesprächen mit Ärzten, Pflegepersonal, Therapeuten sowie Personen aus Selbsthilfegruppen kann auch die Familie wieder neue Kraft schöpfen. Der Bedarf an Unterstützung verändert sich mit dem Verlauf der Erkrankung. Es kann dann oft auch zu tageszeitlichen Un-terschieden kommen. Deshalb ist eine genaue Medikamenteneinnahme unumgänglich für das Wohlbefinden von Parkinsonbetroffenen. Da muss der Angehörige zu Beginn vielleicht unterstützend zur Seite stehen und die betroffene Person an die Einnahme erinnern. In den meisten Fällen sind Parkinsonbetroffene aber selbst sehr genau mit der Medikamenteneinnahme. Wenn noch Kinder im gemeinsamen Haushalt leben, sollte man offen über die Erkrankung des Angehörigen sprechen. Sie sollen auch wissen, warum dieser plötzlich nicht mehr wie gewohnt am Familienalltag teilnehmen kann. Für Kinder ist auch wichtig, zu wissen, dass sie keine Angst haben müssen, in gewohnter Art und Weise mit dem erkrankten Familienmitglied umzu-gehen. Auch im 21. Jahrhundert stellt Sexualität nicht nur bei chronisch Erkrankten nach wie vor ein Tabuthema dar. Viele Betroffene scheuen sich immer noch davor, mit ihrem Vertrauensarzt darüber zu sprechen. Dabei haben gerade Parkinsonbetroffene sehr mit den motorischen Einschränkungen zu kämpfen. Denn der oft rasche Wechsel vom On ins Off, der Tremor, die Rigidität sowie die Hypersalivation erschweren die sexuelle Aktivität. Der Partner weiß auch oft nicht, wie er mit dieser Situation umgehen soll. So entsteht rasch ein Teufelskreis aus Versagensängsten mit zusätzlicher Einschränkung der sexuellen Funktion. Oft ist es nicht möglich, dass Paare durch gemeinsame Gespräche die Probleme beseitigen können, und es ist unumgänglich, dass sie mit ihrem Vertrauensarzt darüber sprechen. Abschließend möchte ich anmerken, dass es sehr wichtig wäre, ein flächendeckendes und leicht zugängliches Informationsangebot für Erkrankte sowie deren Angehörige zu schaffen. Da die Parkinsonkrankheit eine vielschichtige Erkrankung ist, muss ein niederschwelliges und multiprofessionelles Versorgungsangebot für Betroffene geschaffen werden, das es den Familien erleichtert, den Betroffenen so lange wie möglich im gewohnten Umfeld zu betreuen.

Altersdepression und Parkinson

Der Grund dafür liegt in der diagnostisch schwierigen Situation. Über 90 Prozent der Erkrankten berichten fast ausschließlich über somatische Beschwerden. Zudem sind die psychischen Symptome einer Depression im Alter oft anders als bei Jüngeren. Nicht Niedergeschlagenheit oder gedrückte Stimmungslage stehen im Vordergrund, sondern vor allem ängstliches Klagen und körperbezogene Sorgen. Beschwerden, mit denen man unter Umständen schon jahrelang lebt, werden typischerweise überbewertet. Dieses »ewige Jammern und Klagen« kann dazu führen, dass Angehörige, Pflegepersonen und Ärzte dem Patienten nicht mehr zuhören. Wie bei nur bei wenigen Erkrankungen beeinflussen Einstellung und Werte unserer Gesellschaft die Diagnose einer Altersdepression. Auch wenn die Altersforschung heute differenzierte Modelle zum Verständnis dieses Lebensabschnitts entwickelt hat, haben die meisten Menschen des westlichen Kulturkreises noch immer eine sehr einseitige Sichtweise, die nur die möglichen Defizite in den Blick nimmt (7). Alter ist für viele der Inbegriff von Leiden und Regression. Alte Menschen sind demnach hilflos, vergesslich und einsam und warten nur auf den Tod (8). Wer wäre da nicht deprimiert? Dieses Altersbild prägt Patienten, Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte oft gleichermaßen. Es trägt dazu bei, dass Niedergeschlagenheit und Klagen als »normal« und nicht als behandlungswürdig eingestuft werden. Eine andere Schwierigkeit ist die Unfähigkeit vieler alter Menschen, über ihr psychisches Befinden zu sprechen. Dem Betroffenen mag selbst oft nicht bewusst sein, dass er an einer Depression erkrankt ist. Möglicherweise kreisen seine Gedanken um eine andere Erkrankung. Ängstlich beobachtet er die Symptome und sorgt sich, dass alles noch viel schlimmer werden könnte. Hinzu kommt die Furcht, dass Rente und Ersparnisse nicht bis ans Lebensende reichen werden. Vor allem am Morgen fühlt sich ein depressiver Mensch elend. Er wirft sich vor, im Leben viel versäumt zu haben, fühlt sich müde und kraftlos. Das Essen schmeckt nicht mehr; Einkaufen und Zubereiten von Mahlzeiten sind nur noch eine Last. Es interessiert den Kranken nicht, dass er immer magerer wird. Zunehmend zieht er sich aus seinem sozialen Umfeld zurück und findet keine Freude mehr am Leben. Grundsätzlich sollte der Arzt bei einer depressiven Erkrankung immer auch ein mögliches suizidales Risiko ausloten. Mehr als die Hälfte aller Suizide stehen im Zusammenhang mit einer Depression. Es scheint, als seien es vor allem Selbsttötungen junger Menschen, die in der Gesellschaft Betroffenheit auslösen und in den Medien behandelt werden. Suizidalität im Alter wird seltener thematisiert. Dabei bringen sich im Verhältnis mehr Menschen im hohen Lebensalter um als junge Menschen. Besonders gefährdet ist die Gruppe der über 75-jährigen Männer. Die Statistik erfasst nur die aktiven Selbsttötungen. Darüber hinaus gibt es vor allem bei alten Menschen den sogenannten »stillen Suizid«. Menschen geben sich selbst auf, verfallen in Passivität und kümmern sich immer weniger um den Erhalt des eigenen Lebens. Sie verweigern die Nahrungsaufnahme, nehmen ihre Medikamente nicht mehr oder ziehen sich völlig aus sozialen Kontakten zurück. Für die Diagnose sind neben dem Gespräch die Verhaltensbeobachtung und gezieltes Nachfragen nötig. Zudem setzt der Arzt in der Regel Testverfahren ein. Differenzialdiagnostisch sind »normale« Trauer, Schlafstörungen sowie körperliche Erkrankungen, die mit depressiven Symptomen einhergehen können, abzuklären. Trauer und Depression sind unterschiedliche psychische Abläufe. Der Mensch trauert über ein konkretes Ereignis wie Tod des Partners, Wegzug der Kinder, Aufgabe des Eigenheims oder Verlust des Hörvermögens. Der Betroffene kann den Grund seiner Betrübnis benennen. Dagegen wird eine Depression meist als Zustand erlebt, der ohne greifbaren Grund eingetreten ist. Es gibt weitere Unterschiede: Trauernde klagen eher über Einschlafstörungen, Depressive meist über zu frühes morgendliches Erwachen. Hemmung der Denkabläufe und Antriebslosigkeit kommen bei Trauernden höchstens stunden- oder tageweise vor, ebenso Sinnlosigkeitsgedanken und daraus resultierende Suizidalität. Bei Depressiven können sie dagegen permanent sein. Die Unterscheidung ist im klinischen Alltag oft nicht einfach. Zudem kann auch die natürliche Trauer pathologisch werden, wenn Menschen aus dem eigentlichen Trauerprozess nicht mehr herausfinden und in einen Zustand der Erstarrung kommen. Während sie zu Beginn beispielsweise über den Verlust des Partners getrauert haben, rückt dann die Klage über die eigene Lebens- und Leistungsunfähigkeit in den Vordergrund. Hilfreich für die Unterscheidung kann auch der Faktor Zeit sein. Das bekannte »Trauerjahr« gibt einen Anhaltspunkt für die Dauer eines natürlichen Trauerprozesses. Viele alte Menschen klagen über Schlafstörungen. Diese können tatsächlich auf eine depressive Störung hinweisen. Etwa 30 Prozent aller Schlafstörungen liegt eine psychiatrische Erkrankung zugrunde; neben einer Depression können dies auch schizophrene Psychosen, Angst-, Sucht- und Demenzerkrankungen sein. Nicht zu unterschätzen sind vergessen geglaubte traumatische Belastungen wie Kriegserlebnisse in der Kindheit, die im Alter wieder präsent werden. Auch eine Vielzahl organischer Erkrankungen kann den Schlaf erheblich beeinträchtigen, insbesondere kardiale Erkrankungen, Asthma, schlecht eingestellter Diabetes mellitus sowie Leber- und Nierenerkrankungen. Degenerative Demenzen wie Morbus Alzheimer und fronto-temporale Demenz sowie vaskulär bedingte demenzielle Erkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen im Alter. Bei allen kann es zu einer depressiven Symptomatik kommen. So tritt bei 35 bis 40 Prozent aller Alzheimer-Patienten im Verlauf der Erkrankung ein depressiver Zustand auf. Er kann Vorbote oder Symptom der Erkrankung im frühen Stadium sein (1, 9). Vor allem am Anfang einer Demenzerkrankung erkennt oder ahnt der Patient seine Defizite und erlebt angst- und qualvoll die zunehmenden Einschränkungen. Das Wissen um die Erkrankung und ihren Verlauf kann eine reaktive depressive Episode mit suizidalem Risiko hervorrufen. Umgekehrt kann es bei depressiven Patienten zu leichten, nicht fortschreitenden kognitiven Beeinträchtigungen im Sinne von Gedächtnisstörungen und Vergesslichkeit kommen. Wenn das sonstige Bild einer depressiven Erkrankung und nicht einer Demenz entspricht, sind diese Einschränkungen möglicherweise vorgezogene Alterungsprozesse, die durch die Depression verstärkt bewertet werden. Eine Reihe von organischen, insbesondere hirnorganischen Erkrankungen gehen mit depressiven Symptomen einher. Viele Patienten mit Morbus Parkinson entwickeln im Krankheitsverlauf solche Störungen. Nach einem Hirninfarkt kommt es häufig zu einer Depression (sogenannte Post-Stroke-Depression), ebenso bei anderen, im höheren Lebensalter häufigen Erkrankungen (Tabelle 3). Auch viele Pharmaka wie Antibiotika, ACE-Hemmer, Betablocker, Glucocorticoide, Herzglykoside, Interferone, Opiate, Virustatika und Zytostatika können depressive Störungen hervorrufen. Daher sollte nicht nur sorgfältig nach organischen Erkrankungen gefahndet, sondern auch die verordneten Medikamente kritisch auf mögliche depressiogene Nebenwirkungen geprüft werden. Sofern die Medikamente unverzichtbar sind, sollte der Arzt erwägen, die Dosis, gegebenenfalls mit regelmäßiger Blutspiegelkontrolle, zu reduzieren. Neben den erklärbaren exogenen Auslösern wie Begleiterkrankungen und Medikamente geht man hinsichtlich der Entstehung depressiver Erkrankungen heute von einem komplexen Geschehen aus. Biografische Faktoren, aktuelle psychosoziale Belastungen, hirnorganische und andere körperliche Veränderungen sowie genetische Faktoren verursachen letztlich eine Störung der Neurotransmitterfunktionen im Gehirn. Man nimmt eine Beteiligung serotonerger, noradrenerger, dopaminerger, GABAerger und cholinerger Systeme an. Möglicherweise besteht im Alter eine erhöhte Vulnerabilität, sodass akute und chronische seelische oder körperliche Erschwernisse verstärkt krankheitsauslösend wirken. Für das Verständnis von Depressionen im höheren Lebensalter gibt es Modelle, die eine erhöhte Anfälligkeit aus der individuellen Biografie heraus erklären. Verlusterfahrungen im Alter könnten beispielsweise frühere emotionale Mangelerfahrungen reaktualisieren und damit eine depressive Störung auslösen. Zudem werden Depressionen als Anpassungsstörungen an die körperlichen und seelischen Belastungen des Alters verstanden (10). Da depressive Syndrome von vielen Faktoren mitbestimmt werden, sollte auch die Therapie möglichst auf verschiedenen Ansätzen beruhen und interdisziplinär erfolgen. Eine Kombination von Psychotherapie, Psychopharmaka und umfassender sozialer Unterstützung gilt als optimal (1, 11, 12). Die Therapie alter Patienten unterscheidet sich somit nicht grundsätzlich von der Behandlung depressiver Störungen im jüngeren oder mittleren Alter. Auch die Erfolgsquote ist vergleichbar: Bei etwa 70 Prozent kann eine deutliche Besserung erreicht werden. Es hängt vom Schweregrad der Depression, einer möglichen suizidalen Gefährdung, der Mobilität des Kranken und seiner allgemeinen Lebenssituation ab, ob die Behandlung ambulant, in der Tagesklinik oder vollstationär erfolgt. Eine Säule der Therapie ist die Psychotherapie. Entgegen vieler Vorurteile ist sie auch bei alten Menschen möglich und wirksam. Allerdings ist die Zahl von Therapeuten, die auf diese Zielgruppe spezialisiert sind, noch gering. Viele ambulant betreute Senioren werden daher lediglich medikamentös behandelt. Allerdings wird eine supportive Psychotherapie nicht nur bei alten, sondern bei allen ambulanten depressiven Patienten immer noch selten verordnet (2). Für die Arbeit mit alten Menschen haben sich vor allem tiefenpsychologische Verfahren, interpersonelle Psychotherapie und die kognitive Verhaltenstherapie bewährt (1, 11). Im Vergleich zum mittleren Lebensalter sollten die Therapiesitzungen stärker strukturiert werden. Es ist vorteilhaft, die Sitzungen abzukürzen und bestimmte Dinge öfter zu wiederholen oder aufzuschreiben. Um möglichen Schwächen von Hören und Gedächtnis Rechnung zu tragen, sollte der Therapeut die Grundgedanken der Therapie wiederholt erklären. Ein grundlegendes Ziel der Psychotherapie im Alter ist die Annahme der persönlichen Vergangenheit. Auch die soziale Unterstützung soll den Patienten helfen, mit Belastungen im Alltag besser zurecht zu kommen und Probleme zu überwinden. Ein Sozialarbeiter kann sich beispielsweise darum kümmern, dass ein alter Mensch Hilfe im Haushalt, Essen auf Rädern oder die ihm zustehende finanzielle Unterstützung vom Sozialamt erhält. Oder der Betreuer unterstützt den Genesenden dabei, soziale Kontakte aufzubauen und Anschluss an eine Seniorengruppe zu finden. Sehr hilfreich ist der regelmäßige Besuch eines ambulanten psychiatrischen Pflegedienstes. Unbedingt sollten Familie und Fachleute darauf achten, wie sich das Körpergewicht des Patienten entwickelt. Denn die mit einer Depression typischerweise einhergehende Appetitlosigkeit ist eine der häufigsten Ursachen für Mangelernährung im Alter. Gerade im Alter kann ein zu niedriges Körpergewicht einen Teufelkreis gesundheitlicher Beschwerden wie Schwäche, Infektanfälligkeit, Stürze und Knochenbrüche in Gang setzen. Hier sollte frühzeitig präventiv interveniert werden (18). Dies gilt umso mehr, als Gewichtsverluste im Alter nur schwer wieder rückgängig zu machen sind. Fast immer müssen Arzt und Apotheker bei der Arzneistoffauswahl für alte Patienten Komorbiditäten und eingeschränkte Organfunktionen berücksichtigen. Dies gilt natürlich auch bei einer Therapie mit Antidepressiva. Empfehlenswert sind Substanzen ohne oder mit nur geringen anticholinergen Effekten. Als Arzneistoffe der Wahl gelten die selektiven Serotoninwiederaufnahme-Hemmer (SSRI) Citalopram, Escitalopram, Sertralin und Paroxetin, selektive Serotonin- und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Venlafaxin und Duloxetin sowie Mirtazapin und der reversible MAO-Hemmer Moclobemid (1, 11, 13). Venlafaxin bewerten einige Experten kritisch, da in einer Untersuchung an Pflegeheimpatienten eine erhöhte Nebenwirkungsrate zutage trat (15). Natürlich ist immer das Krankheitsbild mitentscheidend: Ist der Patient eher gehemmt-ängstlich, unruhig-ängstlich, wahnhaft-depressiv oder besteht gar akute Suizidgefahr? Wenn eine stimulierende Wirkung gewünscht ist, kommen beispielsweise Venlafaxin, Moclobemid, Paroxetin und Fluoxetin in Betracht. Die Veränderungen der Pharmakokinetik im Alter sind bei der Dosierung entsprechend zu berücksichtigen Da alte Menschen meist mehrere Medikamente einnehmen, sind auch mögliche Wechselwirkungen zu berücksichtigen. SSRI hemmen in unterschiedlichem Ausmaß die CYP-Isoenzyme. Am geringsten blockierend wirken Citalo­pram und Escitalopram. Trizyklische Antidepressiva sind zwar bei alten Menschen ähnlich wirksam wie SSRI, aber aufgrund vielfältiger Nebenwirkungen deutlich schlechter verträglich (16). Senioren reagieren auf anticholinerge Effekte oft stärker mit Harnverhalt, Obstipation, Blasen-Darm-Atonie, Glaukom bis hin zum anticholinergen Syndrom (9). Mundtrockenheit ist gerade für Zahnprothesenträger quälend und erschwert das Sprechen. Trizyklika haben daher in der Therapie alter Patienten kaum Bedeutung. Dies gilt auch für die Verordnung von Johanniskrautpräparaten. Antidepressiva werden in der Regel einschleichend dosiert, um Nebenwirkungen zu mindern. Die meisten Patienten spüren erste Anzeichen der erwünschten Wirkung nach 10 bis 14 Tagen, danach nimmt der Effekt langsam zu. Spätestens nach sechs Wochen ist die volle antidepressive Wirksamkeit erreicht. Für die Compliance ist es problematisch, dass Nebenwirkungen häufig vor dem antidepressiven Effekt auftreten. Daher ist es wichtig, die Patienten entsprechend aufzuklären. Auch die antriebssteigernde Komponente tritt relativ rasch ein. Dies kann ein erhöhtes Suizidrisiko bedeuten! Nicht immer ist der Therapieerfolg auf Anhieb zufriedenstellend. Ob das gewählte Antidepressivum das Richtige für den Patienten war, lässt sich nach vier bis sechs Wochen beurteilen. Bevor der Arzt jedoch auf einen anderen Wirkstoff wechselt, sollte er prüfen, ob der Patient das verordnete Medikament überhaupt und in der erforderlichen Dosierung eingenommen hat. Es ist durchaus möglich, dass mehrere Antidepressiva ausprobiert werden müssen, bis eine ausreichende Wirkung erzielt wird. Der Arzt kann auch Antidepressiva verschiedener Wirkstoffgruppen kombinieren. SSRI und SNRI dürfen allerdings nicht gemeinsam mit MAO-Hemmern gegeben werden, da es zu einer drastischen Wirkverstärkung kommen kann (Serotonin-Syndrom). Wenn von SSRI oder SNRI auf MAO-Hemmer (oder umgekehrt) umgestellt wird, ist eine Karenzzeit von 14 Tagen erforderlich. Eine weitere Möglichkeit, die Wirkung zu steigern (Augmentation), ist die zusätzliche Gabe eines atypischen Neuroleptikums, beispielsweis…

Blick in die Zukunft

Die medizinische Forschung schreitet mit großen Schritten voran. Die Entwicklung von Bioprinting-Technologien, die in naher Zukunft funktionsfähige menschliche Gewebe für Transplantationen bereitstellen könnten, und die Fortschritte in der personalisierten Medizin eröffnen neue Perspektiven für die Behandlung von Parkinson.

Lesen Sie auch: Heilung von Alzheimer in Reichweite?

Lesen Sie auch: Demenz und Wohnen zu Hause

tags: #leben #zukunft #parkinson #zeitung #nr #142