Leichte Schmerzen in der Herzgegend: Ursachen, Diagnose und Prävention

Ziehende oder stechende Schmerzen im Bereich des Herzens können sehr beunruhigend sein. In den meisten Fällen sind sie jedoch harmlos, da das Herz nur selten die Ursache ist. Es ist wichtig, die verschiedenen Ursachen von leichten Schmerzen in der Herzgegend zu kennen, um unnötige Sorgen zu vermeiden und bei Bedarf rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen.

Anatomie und Wahrnehmung von Herzschmerzen

Das Herz liegt auf Höhe der zweiten bis fünften Rippe direkt hinter dem Brustbein, leicht nach links versetzt. Schmerzen im unmittelbaren Bereich des Herzens werden oft als Herzschmerzen (Kardialschmerz, Kardialgie) wahrgenommen, müssen aber nicht zwingend vom Herzen selbst ausgehen. Stress, Verspannungen oder Erkrankungen der Lunge bzw. des Magen-Darm-Trakts können ebenfalls ein Stechen in der Herzgegend verursachen. Die genaue Lokalisation des Schmerzes ist oft schwierig zu bestimmen.

Wie sich Herzschmerzen anfühlen können

Schmerzen in der Nähe des Herzens können sehr beunruhigend sein. Die Symptome reichen von einem leichten Ziehen in der Herzgegend über einen stechenden Schmerz bis hin zu sehr starken Schmerzen in Kombination mit Angstgefühlen, Übelkeit und Atemnot (Vernichtungsschmerz). Viele Betroffene beschreiben auch ein dumpfes Druckgefühl hinter dem Brustbein. Es ist wichtig zu beachten, dass Herzschmerzen in den meisten Fällen harmlos sind, aber auch ein Zeichen für eine lebensbedrohliche Situation sein können.

Ursachen von leichten Schmerzen in der Herzgegend

Die Ursachen für leichte Schmerzen in der Herzgegend sind vielfältig. Sie lassen sich grob in seelische und körperliche Ursachen unterteilen:

Seelische Ursachen

  • Funktionelle Herzschmerzen (nervöse Herzschmerzen): Ungelöste innere Konflikte und psychische Belastungen können sich als Herzschmerzen äußern.
  • Herzneurose (Kardiophobie): Menschen mit Herzneurose leben in ständiger Angst, einen Herzinfarkt zu erleiden, obwohl sie körperlich gesund sind. Die Angst führt zur Ausschüttung von Stresshormonen, die Blutdruck und Herzfrequenz erhöhen, was die Angst wiederum verstärkt.
  • Depressionen, Angst- oder Panikstörungen: Herzschmerzen können im Zusammenhang mit diesen psychischen Erkrankungen auftreten.
  • Liebeskummer: Auch Liebeskummer kann sprichwörtlich Herzschmerzen verursachen.
  • Broken-Heart-Syndrom: Starker emotionaler Stress kann bei Frauen ähnliche Beschwerden wie ein Herzinfarkt auslösen. Die Gefäße, die zum Herzmuskel führen, verkrampfen sich, was zu einer Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff führt.

Körperliche Ursachen

Körperliche Ursachen für Herzschmerzen können in Ruhe oder unter körperlicher Belastung auftreten.

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Ursachen für Herzschmerzen in Ruhe

  • Verspannungen: Muskelverspannungen im Brustbereich können sich wie Herzbeschwerden anfühlen.
  • Ungünstiger Lebensstil: Nikotin, Alkohol, Drogen, Schlafmangel und Bewegungsmangel können Herzschmerzen verursachen.
  • Überlastung und Fehlbelastung nach körperlicher Betätigung: Muskelverspannung, Muskelkater
  • Rücken- oder Wirbelsäulenbeschwerden: Deformierungen, Bandscheibenvorfall; Schmerzen lassen nach, wenn eine andere Körperhaltung eingenommen wird.
  • Rippen- oder Brustbeinbrüche
  • Interkostalneuralgie: Nervenschmerz entlang der Zwischenrippennerven; Schmerzen nehmen beim Husten und Lachen zu.

Ursachen für Herzschmerzen bei körperlicher Belastung

  • Herzerkrankungen: Treten die Herzschmerzen bei körperlicher Belastung auf, besteht der Verdacht auf eine Herzerkrankung.
    • Angina pectoris: Anfallsartige, starke Schmerzen, die in den Arm oder die Schulter ausstrahlen. Symptome sind Schmerzen hinter dem Brustbein, Herzklopfen, Herzstolpern, Engegefühl in der Brust, Schwindel, Übelkeit, Atemnot, Schweißausbruch, Beklemmungsgefühle und Angst.
    • Weitere Herzerkrankungen: Kardiomyopathie, Aortenstenose, Anomalien der Herzkranzgefäße, Herzbeutelentzündung.
  • Lungenerkrankungen: Lungenerkrankungen, die in die Herzgegend ausstrahlen. Das Stechen im Herzen verstärkt sich beim (Ein-)Atmen oder Husten. Beispiele sind Lungenembolie, Lungenentzündung, Bronchitis, Tuberkulose, Pneumothorax, COPD, Lungentumoren, Asthma bronchiale, Pleuraerguss und Mittelfellentzündung (Mediastinitis).
  • Erkrankungen anderer Organe: Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts können ebenfalls Herzschmerzen auslösen. Beispiele sind Sodbrennen (Refluxerkrankung), Entzündungen der Speiseröhre, Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und Gallensteine.

Ursachen für Herzschmerzen bei Kindern

Herzschmerzen bei Kindern sind in der Regel harmlos und haben ihre Ursache meist nicht im Herzen selbst. Mögliche Ursachen sind:

  • Entzündung der Rippenknorpel (Costochondritis): Meist einseitige Schmerzen entlang des Brustbeins, die durch das Tragen von schweren Rucksäcken oder Schultaschen verursacht werden.
  • Tietze-Syndrom: Ähnlich wie Costochondritis, aber mit Schwellung und Wärme der betroffenen Stelle.
  • Stechen vor dem Herzen (Präkordialschmerz): Plötzliches Stechen zwischen den Rippen, das sich beim Atmen verschlimmert.
  • Gleitrippensyndrom: Schmerzen durch das Gleiten der Rippen acht bis elf aufgrund einer geschwächten Verbindung.
  • Herzerkrankungen: Kardiomyopathie, Aortenstenose, Anomalien der Herzkranzgefäße und Herzbeutelentzündung (selten).
  • Lungenerkrankungen: Pneumothorax, Lungenembolie, Einatmen von Fremdkörpern und starker Husten bei Bronchitis.

Risikofaktoren für Herzschmerzen

Ein ungesunder Lebensstil erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit auch für Herzschmerzen. Zu den Risikofaktoren zählen:

  • Übergewicht
  • Ungesunde Ernährung (viel Fleisch, Fett und Zucker; wenig Gemüse, Obst und Ballaststoffe)
  • Übermäßiger Nikotin- und/oder Alkoholkonsum
  • Bewegungsmangel
  • Dauerhafter Stress

Diagnose von Herzschmerzen

Bei Herzschmerzen ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären. Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt, der bei Bedarf an einen Kardiologen oder Psychotherapeuten überweisen kann.

Anamnese

Der Arzt erfragt zunächst die Krankengeschichte (Anamnese). Dabei stellt er unter anderem folgende Fragen:

  • Seit wann leiden Sie unter Herzschmerzen?
  • Wie fühlt sich der Schmerz an (dumpf, stechend, Engegefühl in der Brust)?
  • Strahlt er in andere Körperregionen aus?
  • Hatten Sie zuvor schon einmal Herzschmerzen?
  • Gab es ein auslösendes Ereignis oder gibt es bestimmte Situationen, in denen der Schmerz immer wieder auftritt, beispielsweise bei körperlicher Betätigung oder nachts?
  • Hat sich der Schmerz verändert? Ist er stärker geworden?
  • Sind Sie familiär vorbelastet? Wissen Sie von Familienmitgliedern, die an Herzschmerzen leiden/litten?
  • Haben Sie Vorerkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere) und wenn ja, werden diese therapiert?
  • Nehmen Sie derzeit Medikamente ein? Wenn ja, welche und in welcher Dosierung?
  • Haben Sie eine diagnostizierte Allergie?
  • Rauchen Sie? Trinken Sie Alkohol? Bewegen Sie sich regelmäßig?
  • Leiden Sie unter Stress im Alltag?

Körperliche Untersuchung

Anschließend folgt eine eingehende körperliche Untersuchung. Der Arzt hört dabei das Herz und die Lungen mit einem Stethoskop ab, misst Puls und Blutdruck und verschafft sich so einen ersten Eindruck über den Zustand des Patienten.

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Weitere Untersuchungen

Ergeben sich aus dieser ersten Untersuchung Hinweise auf eine organische Erkrankung als Auslöser der Herzbeschwerden, führt der Arzt weitere Untersuchungen durch. Dazu zählen:

  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Ultraschall-Untersuchung des Herzens (Echokardiografie, Herzecho) und evtl. der Halsschlagadern
  • Darstellung der Herzkranzgefäße (Koronarangiografie)
  • Laboruntersuchungen: u.a. Bestimmung von Troponin, einer Eiweißverbindung, die bei Schädigung des Herzmuskels vermehrt freigesetzt wird
  • Lungenfunktionsprüfung
  • Untersuchung der Wirbelsäule und Muskulatur

Sind keine körperlichen Auslöser der Schmerzen feststellbar, liegt der Verdacht auf „psychogene Herzschmerzen“ nahe. In diesem Fall überweist der Mediziner den Patienten auf Wunsch an einen Psychotherapeuten. Dieser übernimmt die weitere Diagnose und leitet eine entsprechende Therapie ein.

Differenzialdiagnose

Es ist wichtig, Herzschmerzen von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparates: Schmerzen in der Brustwand, z.B. durch Muskelverspannungen oder Rippenprellungen.
  • Erkrankungen des Verdauungstrakts: Sodbrennen, Speiseröhrenentzündung, Magenschleimhautentzündung.
  • Lungenerkrankungen: Lungenentzündung, Rippenfellentzündung.
  • Angststörungen und Panikattacken: Können ähnliche Symptome wie Herzschmerzen verursachen.

Behandlung von Herzschmerzen

Die Behandlung von Herzschmerzen richtet sich nach der Ursache. Bei organischen Ursachen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei funktionellen Herzschmerzen können psychotherapeutische Maßnahmen, Entspannungsverfahren und eine Änderung des Lebensstils helfen.

Medikamentöse Therapie

Je nach Ursache der Herzschmerzen können verschiedene Medikamente eingesetzt werden:

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  • Nitrate: Bei Angina pectoris zur Erweiterung der Herzkranzgefäße.
  • Betablocker und Kalziumkanalblocker: Zur Senkung des Blutdrucks und der Herzfrequenz.
  • Schmerzmittel: Bei Schmerzen durch Muskelverspannungen oder Rippenprellungen.
  • Säureblocker: Bei Sodbrennen und Speiseröhrenentzündung.
  • Muskelentspannende Medikamente: Bei Verspannungen der Brustmuskulatur

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Psychotherapie: Bei funktionellen Herzschmerzen, Angststörungen und Depressionen.
  • Entspannungsverfahren: Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga.
  • Physiotherapie: Bei Muskelverspannungen und Rückenbeschwerden.
  • Regelmäßige Bewegung
  • Stressabbau
  • Gesunde Ernährung
  • Ausreichend Schlaf
  • Verzicht auf Nikotin

Interventionelle und chirurgische Therapie

In manchen Fällen ist eine interventionelle oder chirurgische Behandlung erforderlich:

  • Herzkatheteruntersuchung und Ballondilatation: Bei Verengungen der Herzkranzgefäße.
  • Bypass-Operation: Bei schwerwiegenden Verengungen der Herzkranzgefäße.

Vorbeugung von Herzschmerzen

Da Herzschmerzen verschiedene Ursachen haben können, lässt sich nur bedingt vorbeugen. Hilfreich ist in jedem Fall ein gesunder Lebensstil, der das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich reduziert:

  • Ernähren Sie sich gesund und ausgewogen.
  • Verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig.
  • Bleiben Sie auch bei bestehender Herzerkrankung aktiv! Nehmen Sie regelmäßig Kontrolluntersuchungen beim Kardiologen wahr, und nehmen Sie die verschriebenen Medikamente sorgfältig ein.
  • Reduzieren Sie Stress.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Herzstechen ist häufig harmlos, kann aber auch das erste Warnsignal einer Herzerkrankung sein. Entscheidend sind Art, Dauer und Begleitsymptome.

Sofort zum Arzt oder den Notruf (112) wählen sollte man bei:

  • Akuten, vernichtenden Schmerzen in der Brust
  • Atemnot
  • Druck- oder Engegefühl hinter dem Brustbein, das länger als einige Minuten anhält
  • Schmerzen, die in Arm, Kiefer, Schulter, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen
  • Begleitenden Symptomen wie Übelkeit, Schweißausbruch und ausgeprägter Angst

Bei folgenden Symptomen sollte man zeitnah einen Arzt aufsuchen:

  • Wiederholten Herzschmerzen, die ohne erkennbare Ursache auftreten
  • Herzschmerzen, die sich bei Belastung verschlimmern
  • Begleitenden Symptomen wie Schwindel, Ohnmacht oder Herzrasen

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