Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Für Betroffene ist es oft eine neurologische Erkrankung, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Typische Symptome sind plötzliche, meist einseitige, heftige Kopfschmerzen, Übelkeit und Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte der Migräne, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu Behandlungs- und Vorbeugungsstrategien.
Symptome der Migräne
Migräne geht mit vielfältigen Symptomen einher, die den gesamten Körper betreffen können. Zu den häufigsten Begleiterscheinungen gehören:
- Kopfschmerzen: Typischerweise starke, pulsierende oder stechende Schmerzen, meist auf einer Seite des Kopfes, oft im Bereich von Stirn, Schläfen und Augen. Bei Kindern und Jugendlichen können die Schmerzen auch beidseitig auftreten. Die Schmerzen können bis zu drei Tage anhalten.
- Übelkeit und Erbrechen: Fast alle Migränepatienten berichten über Übelkeit, viele müssen sich auch übergeben.
- Hypersensibilität: Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht (Photophobie), Geräuschen (Phonophobie) und Gerüchen (Osmophobie). Dies führt oft zum Bedürfnis, sich in einen dunklen, stillen Raum zurückzuziehen.
- Appetitlosigkeit: Völlige Appetitlosigkeit ist ein häufiges Begleitsymptom.
Etwa 10 bis 15 % der Betroffenen erleben eine sogenannte Aura, die sich durch neurologische Symptome wie Sehstörungen (Flimmern, Lichtblitze, Gesichtsfeldeinschränkungen), Empfindungsstörungen (Kribbeln, Taubheit) oder Sprachstörungen äußern kann. Eine Aura dauert typischerweise 5 bis 60 Minuten.
Ursachen und Auslöser der Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren, Veränderungen im Gehirnstoffwechsel und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Diskutiert werden die Rolle von Botenstoffen, ein veränderter Blutfluss im Gehirn sowie entzündungsähnliche Prozesse.
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die als Auslöser (Trigger) für Migräneanfälle identifiziert wurden. Diese Trigger sind sehr individuell, zu den häufigsten gehören:
Lesen Sie auch: Alternativen zu NeuroNation
- Stress: Besonders unregelmäßiger Tagesablauf, emotionaler Stress oder auch die Entspannung nach einer stressigen Zeit können Migräne auslösen.
- Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
- Flüssigkeitsmangel: Migräneanfälle können beginnen, wenn zu wenig getrunken wurde.
- Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen im Zusammenhang mit der Menstruation.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel wie Rotwein oder Käse können als Auslöser wirken. Auch der Verzicht auf Mahlzeiten oder Fasten kann Migräne fördern. Einzelne Lebensmittel bei Migräne zu meiden, kann sich bei manchen Patienten jedoch positiv auswirken auf die Symptome.
- Wetter und Reizüberflutung: Überflutung mit Licht- und Lärmreizen kann ebenfalls Migräne auslösen.
Es ist ratsam, ein Migräne-Tagebuch zu führen, um individuelle Trigger zu identifizieren und diese möglichst zu meiden.
Diagnose der Migräne
Um eine Migräne zu diagnostizieren, wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben, um die Art, Häufigkeit und Dauer der Kopfschmerzen sowie Begleitsymptome zu erfassen. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen, diese Fragen zu beantworten. In den meisten Fällen kann die Diagnose Migräne bereits anhand der Beschwerden gestellt werden.
Es ist wichtig, die Migräne von anderen Kopfschmerzarten oder Erkrankungen abzugrenzen. Bei Bedarf können bildgebende Verfahren (z. B. MRT) oder weitere Tests durchgeführt werden, um andere Ursachen auszuschließen.
Akutbehandlung von Migräne-Attacken
Bei einem akuten Migräneanfall ist es wichtig, so schnell wie möglich zu reagieren. Je früher ein Akut-Medikament eingenommen wird, desto größer ist die Chance auf einen milderen Verlauf.
Zur Akutbehandlung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:
Lesen Sie auch: Artikel über Demenz
- Schmerzmittel: Herkömmliche Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) können bei leichten bis mittelschweren Migräneanfällen helfen.
- Kombinationspräparate: Kombinationspräparate, die Schmerzmittel und Koffein enthalten, können die Wirkung verstärken und beschleunigen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (GMKG) gibt zur Selbstmedikation akuter Migräne-Attacken eine hervorgehobene Empfehlung für zwei Tabletten der fixen Kombination ASS (250 bis 265 mg), Paracetamol (200 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg).
- Triptane: Triptane sind spezielle Migränemittel, die bei starken Schmerzen eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von entzündungsfördernden Stoffen hemmen. Triptane sollten erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden. Es gibt sieben Triptane (Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan). Drei davon (Almo-, Nara- und Sumatriptan) gibt es rezeptfrei als Tabletten, die anderen muss der Arzt verschreiben.
- Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon helfen. Antiemetika wirken nicht nur gegen Übelkeit und Erbrechen, sondern verstärken auch die Wirkung von anschließend eingenommenen Schmerzmitteln!
In bestimmten Fällen können auch Mutterkornalkaloide (Ergotamine) oder Kortikosteroide (Kortison) eingesetzt werden. Cannabis gegen Migräne wird ebenfalls diskutiert, allerdings gibt es noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit und es besteht die Gefahr von Nebenwirkungen wie medikamenteninduziertem Kopfschmerz.
Es ist wichtig, Kopfschmerz- bzw. Migräne-Medikamente nicht zu häufig einzunehmen, da dies selbst zum Schmerzauslöser werden kann (medikamenteninduzierter Kopfschmerz).
Vorbeugung von Migräne
Da Migräne nicht heilbar ist, ist die Vorbeugung von Migräneattacken ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Ziel ist es, die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.
Es gibt sowohl nicht-medikamentöse als auch medikamentöse Maßnahmen zur Vorbeugung:
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
- Vermeidung von Triggern: Das Erkennen und Meiden individueller Auslöser ist ein wichtiger Schritt zur Vorbeugung. Ein Migräne-Tagebuch kann dabei helfen, Trigger zu identifizieren.
- Regelmäßiger Lebensstil: Regelmäßiger Schlaf, feste Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit können sich positiv auswirken.
- Stressmanagement: Entspannungsübungen wie Biofeedback, progressive Muskelentspannung, Yoga oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.
- Sport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren kann die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann der allgemeinen Gesundheit und der Migräne zuträglich sein. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Ernährungsweisen, wie z.B. eine ketogene Ernährung, bei manchen Menschen die Migräne verbessern können.
- Akupunktur: Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich. Es gibt Hinweise darauf, dass Akupunktur bei manchen Menschen helfen kann, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
- Remote Electrical Neuromodulation (REN): Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert. In der Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe aus - und der eigentliche Migränekopfschmerz wird unterdrückt.
Medikamentöse Prophylaxe
Eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe kommt in Betracht, wenn die Betroffenen sehr unter der Migräne leiden, in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sind und wenn die Gefahr eines übermäßigen Medikamentengebrauchs besteht.
Lesen Sie auch: Kreative Adventskalender Ideen für Teenager
Zur Vorbeugung stehen verschiedene Wirkstoffe zur Auswahl:
- Betablocker: Propranolol, Metoprolol und Bisoprolol senken den Blutdruck und können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Kalzium-Antagonisten: Flunarizin wird nicht nur als vorbeugendes Mittel gegen Migräne, sondern auch gegen Schwindel eingesetzt.
- Antikonvulsiva: Valproinsäure und Topiramat sind Mittel gegen Krampfanfälle, die auch zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können.
- Antidepressiva: Amitriptylin ist ein trizyklisches Antidepressivum, das neben Depressionen und Nervenschmerzen auch bei Migräne eingesetzt wird.
- Onabotulinumtoxin A (Botox): Injektionen mit Botox können bei chronischer Migräne vorbeugend wirken.
- Monoklonale Antikörper: Wenn andere Mittel nicht helfen, können monoklonale Antikörper zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden. Sie werden als Spritze unter die Haut oder als Infusion verabreicht.
Die meisten Migräneprophylaktika werden einschleichend dosiert. Bessert sich die Migräne innerhalb von zwei Monaten nicht ausreichend, können Arzt und Patient über einen Abbruch der Prophylaxe oder einen Wechsel des Medikaments entscheiden. Ist die medikamentöse Prophylaxe wirksam, sollte nach sechs bis zwölf Monaten überprüft werden, ob eine Weiterführung notwendig ist.
Pflanzliche Präparate
Im Zusammenhang mit einer Migräne-Prophylaxe werden oft auch pflanzliche Präparate genannt, beispielsweise mit Pestwurz oder Mutterkraut. Allerdings ist die Wirksamkeit dieser Präparate nicht immer ausreichend belegt und es können Nebenwirkungen auftreten.
Hausmittel gegen Migräne
Hausmittel gegen Migräne haben den Vorteil, dass sie den Organismus in der Regel nicht durch ausgeprägte Nebenwirkungen belasten. Allerdings ist die Wirkung der Hausmittel meist nicht wissenschaftlich bestätigt.
Einige bewährte Hausmittel sind:
- Pfefferminzöl: Äußerlich aufgetragenes Pfefferminzöl kann bei Migräne und Spannungskopfschmerzen wirksam sein.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Je nach Vorliebe können Wärme- oder Kälteanwendungen (z. B. kühle Kompresse auf der Stirn oder ein warmes Bad) Linderung verschaffen.
- Tees: Bestimmte Heilpflanzentees (z. B. Schlüsselblumentee, Ingwertee oder Weidenrindentee) können bei Migräne helfen. Waldmeister zeigt auch einen schmerzlindernden Effekt.
Migräne in der Schwangerschaft
Schwangere Frauen, die an Migräne leiden, müssen diese anders behandeln als vor der Schwangerschaft, da für die Behandlung von Kopfschmerzen oder Migräne während der Schwangerschaft nur bestimmte Schmerzmittel zugelassen sind. Schmerzmittel sollten Schwangere grundsätzlich nur nach Absprache mit dem Arzt und in der niedrigstmöglichen Dauer und Dosis einnehmen.
Leben mit Migräne
Migräne ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, die eigenen Trigger zu kennen und geeignete Behandlungs- und Vorbeugungsstrategien zu entwickeln.
Eine gute Arzt-Patienten-Beziehung ist dabei entscheidend. Der Arzt kann bei der Diagnose, Behandlung und Vorbeugung helfen und die Betroffenen bei der Bewältigung der Erkrankung unterstützen.
Darüber hinaus können Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen eine wertvolle Unterstützung bieten.