Die neurologische Forschung und Praxis entwickeln sich ständig weiter. Um eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten, sind evidenzbasierte Leitlinien unerlässlich. Diese systematisch entwickelten Aussagen fassen den aktuellen Wissensstand zusammen und unterstützen Ärzte und andere Gesundheitsberufe bei der Entscheidungsfindung. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über wichtige neurologische Leitlinien, ihre Inhalte und ihre Bedeutung für die klinische Praxis.
Einführung in neurologische Leitlinien
Neurologische Leitlinien sind systematisch entwickelte Empfehlungen, die auf einer umfassenden Bewertung der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz basieren. Sie dienen als Handlungs- und Entscheidungskorridore für Ärzte und andere Gesundheitsberufe, um eine angemessene Versorgung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen zu gewährleisten. Die Entwicklung und Aktualisierung dieser Leitlinien ist ein kontinuierlicher Prozess, der von Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) koordiniert wird.
Wichtige neurologische Leitlinien nach Themen
Im Folgenden werden wichtige neurologische Leitlinien nach Themenbereichen vorgestellt, wobei der Fokus auf den neuesten Entwicklungen und Empfehlungen liegt.
Demenzen
Die S3-Leitlinie Demenzen bietet 109 Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung von Demenzerkrankungen. Sie soll dazu beitragen, den 1,6 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland die optimale Therapie zu ermöglichen. Die Leitlinie wird ständig aktualisiert und als "Living Guideline" geführt, um neue Erkenntnisse fortlaufend zu integrieren.
Aktuelle Schwerpunkte:
- Demenzprävention: Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie 3/2024 - zum Artikel
- Prävention demenzieller Erkrankungen: Der Nervenarzt 3/2024 - zum Artikel
- Delinquentes Verhalten im Rahmen frontotemporaler Demenzen und der Alzheimer-Erkrankung: Nervenheilkunde 1/2022 - zum Artikel
- Die Bedeutung des Darm-Mikrobioms für die Alzheimer-Demenz: Nervenheilkunde 9/2022 - zum Artikel
- Lewy-Körper-Demenz und Parkinson-Demenz: aktuelle Konzepte und Perspektiven: Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2021 - zum Artikel
Multiple Sklerose (MS), Neuromyelitis Optica Spektrum (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierte Erkrankungen
Die S2k-Leitlinie Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis Optica Spektrum und MOG-IgG-assoziierte Erkrankungen ist eine "Living Guideline", die fortlaufend aktualisiert wird. Zu den Neuerungen gehören eine stärkere Gewichtung der Magnetresonanztomografie (MRT) zur Beurteilung der Krankheitsaktivität und für Therapieentscheidungen sowie die Einordnung (neu zugelassener) Substanzen für die Behandlung von MS und NMOSD.
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Aktuelle Schwerpunkte:
- Neurogene Störungen des unteren Harntrakts bei Multipler Sklerose: Neurotransmitter 3/2024 - zum Artikel
- Neue Therapieansätze bei Multipler Sklerose inkl. Stellenwert älterer Präparate: Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie 1-2/2024 - zum Artikel
- Psychiatrische Syndrome bei multipler Sklerose: DGNeurologie 2/2024 - zum Artikel
- Implementierung von Funktionstraining für Menschen mit Multipler Sklerose - eine erste wissenschaftliche Begleitung: Neurologie & Rehabilitation 1/2022 - zum Artikel
- Hautveränderungen unter Glatirameracetat bei MS: NeuroTransmitter 5/2022 - zum Artikel
- Neuropsychologische und Magnetresonanztomographie (MRT)-Diagnostik bei sekundär progredienter Multipler Sklerose: Der Nervenarzt 12/2021 - zum Artikel
- Die Corona-Pandemie und Multiple Sklerose: Impfungen und deren Implikationen für Patienten - Teil 1: Empfehlungen: Nervenheilkunde 12/2021 - zum Artikel
- Krankheitsmodifizierende Therapie der sekundär progredienten Multiplen Sklerose: Der Nervenarzt 10/2021 - zum Artikel
- S2k-Leitlinie: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen: DGNeurologie 5/2021 - zum Artikel
- Multiple Sklerose Therapie Konsensus Gruppe (MSTKG): Positionspapier zur verlaufsmodifizierenden Therapie der Multiplen Sklerose 2021 (White Paper): Der Nervenarzt 8/2021 - zum Artikel
- Aktuelles zu neurogenen Dysfunktionen des unteren Harntraktes bei Multipler Sklerose: Der Nervenarzt 4/2021 - zum Artikel
Parkinson-Krankheit
Die S2k-Leitlinie Parkinson-Krankheit enthält konkretere Empfehlungen für die humangenetische Diagnostik und eine Neubewertung bildgebender bzw. apparativer Zusatzuntersuchungen. Es gibt außerdem ein Update zu (nicht) medikamentösen Therapien und Behandlungsempfehlungen für Begleiterkrankungen bzw. Symptome.
Aktuelle Schwerpunkte:
- Die neue Parkinson-Schmerzklassifikation (PSK): Der Nervenarzt 10/2022 - zum Artikel
- Digitale Unterstützung in Diagnose und Management von Parkinsonerkrankungen: Nervenheilkunde 10/2021 - zum Artikel
- Halluzinationen bei Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom: Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie 10/2022 - zum Artikel
- Empfehlungen zur neuropsychologischen Diagnostik beim Morbus Parkinson: Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie 07/08/2021 - zum Artikel
- Das Spektrum der atypischen Parkinson-Syndrome im klinischen Alltag: Neurologie up2date 2/2021 - zum Artikel
- Frühzeichen der Parkinson-Erkrankung: DGNeurologie 4/2021 - zum Artikel
- Fahrkompetenz und Morbus Parkinson, Ein Update: Nervenheilkunde 5/2021 - zum Artikel
- Ursachen visueller Halluzinationen bei der Parkinson-Krankheit: Der Nervenarzt 4/2022 - zum Artikel
Kopfschmerz
Die S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp gibt ausschließlich Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp. Chronische Migräne, Hemicrania continua, Münzkopfschmerz sowie neu aufgetretener täglicher anhaltender Kopfschmerz werden in einer separaten Leitlinie behandelt.
Aktuelle Schwerpunkte:
- Migräne und mitochondriale Erkrankungen: Der Nervenarzt 2/2024 - zum Artikel
- Prophylaxe der vestibulären Migräne: Wo bleibt die Evidenz?:
- Vestibuläre Migräne: Nervenheilkunde 11/2022 - zum Artikel
- Therapie der Migräne im Kindes- und Jugendalter: Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 3/2022 - zum Artikel
- Neues bei Migräne-Update 2021: Neurologie up2date 2/2021 - zum Artikel
- Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz: Nervenheilkunde 3/2022 - zum Artikel
Zerebrovaskuläre Erkrankungen
Aktuelle Schwerpunkte:
- Management des akuten Verschlusses der Basilararterie: DNP - Die Neurologie & Psychiatrie 2/2024 - zum Artikel
- Reevaluation der Fahreignungsbeurteilung von Patienten mit Hirngefäßerkrankungen in der ambulanten neurologischen Rehabilitation: Neurologie & Rehabilitation 2/2021 - zum Artikel
- Telemedizin in der Schlaganfallversorgung - versorgungsrelevant für Deutschland: Der Nervenarzt 6/2021 - zum Artikel
- Akuttherapie des Schlaganfalls mit unbekanntem Zeitfenster: Info Neurologie & Psychiatrie 6/2021 - zum Artikel
- Epileptische Anfälle bei Schlaganfall: DNP - Der Neurologe & Psychiater 11/2021 - zum Artikel
- S2k-Leitlinie: Behandlung von spontanen intrazerebralen Blutungen: DGNeurologie 6/2021 - zum Artikel
- Akut symptomatische Anfälle vs. beginnende Epilepsie nach Schlaganfall bei Erwachsenen und Kindern: Zeitschrift für Epileptologie 4/2021 - zum Artikel
- Neurovaskuläre Therapieoptionen bei komplexen Aneurysmen der Arteria carotis interna: Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 3/2021 - zum Artikel
Epilepsie
Aktuelle Schwerpunkte:
- Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter: Die neu konzipierte S2k-Leitlinie beschreibt neben den diagnostischen Schritten nach einem ersten epileptischen Anfall das gesamte therapeutische Spektrum.
- Selbstinduzierte epileptische Anfälle Prävalenz, Ursachen und Behandlung: Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie 4/2022 - zum Artikel
- Epidemiologie der Epilepsie im höheren Lebensalter: Zeitschrift für Epileptologie 4/2022 - zum Artikel
- Was können die neuen anfallssupprimierenden Medikamente?: Der Neurologe & Psychiater 4/2022 - zum Artikel
- Mobile Apps und Internetanwendungen zur Unterstützung von Versorgung und Dokumentation bei Epilepsie: Zeitschrift für Epileptologie 1/2021 - zum Artikel
- Status epilepticus: Patienten profitieren von höherer Midazolam-Dosierung: Neurologie up2date 2/2021 - zum Artikel
- Neurokognitive und -psychiatrische Aspekte bei Epilepsie: DNP - Der Neurologe & Psychiater 3/2021 - zum Artikel
- Posteriore Epilepsien: Ätiologische Aspekte: Zeitschrift für Epileptologie 1/2021 - zum Artikel
- Epileptologische Notfälle: DGNeurologie 2/2021 - zum Artikel
- Okzipital- und Parietallappenepilepsien - Klinische Anfallssemiologie und Elektrophysiologie: Zeitschrift für Epileptologie 1/2021 - zum Artikel
Neuromuskuläre Erkrankungen
Aktuelle Schwerpunkte:
- Neue Therapien bei hereditären Myopathien: Die Neurologie & Psychiatrie 5/2022 - zum Artikel
- Update Distale Myopathien: Klinische Neurophysiologie 1/2022 - zum Artikel
- Spinale Muskelatrophie im Erwachsenenalter: Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie 9/2022 - zum Artikel
- Quantitative MRT-Bildgebung bei neuromuskulären Erkrankungen: NeuoTransmitter 9/2021 - zum Artikel
- Die Rolle des Nadel-EMG in der modernen Myopathiediagnostik: Klinische Neurophysiologie 1/2022 - zum Artikel
- Moderner Ultraschall in der Diagnostik Neuromuskulärer Erkrankungen: Klinische Neurophysiologie 1/2022 - zum Artikel
- Elektrodiagnostik im frühen Stadium des Guillain-Barré-Syndroms: Klinische Neurophysiologie 2/2021 - zum Artikel
Schmerz
Aktuelle Schwerpunkte:
- S2k-Leitlinie Ärztliche Begutachtung von Menschen mit chronischen Schmerzen: Die aktualisierte Leitlinie soll Hilfestellung bei Begutachtungen geben, die im Auftrag von Institutionen oder Gerichten über von Gesundheitsproblemen - hier chronische Schmerzen - Betroffenen erstellt werden.
- Komplexe regionale Schmerzsyndrome: Nervenheilkunde 3/2021 - zum Artikel
- Diagnostik und Therapie neuropathischer Schmerzen: Nervenheilkunde 3/2021 - zum Artikel
- So gelingt die Behandlung neuropathischer Schmerzen im Alter: DNP - Der Neurologe & Psychiater 3/2021 - zum Artikel
Andere wichtige Leitlinien
- COVID-19 und (Früh-) Rehabilitation: Die Leitlinie informiert zu Rehabilitations-Maßnahmen, einschließlich Früh-Rehabilitation und beschreibt, wie Patientinnen und Patienten mittels medizinischer Rehabilitation sowie ambulanter und Langzeit-Betreuung nach Covid-19 versorgt werden, u. a. bei längerer Symptom-Persistenz (Long-Covid/Post-Covid).
- Myotone Dystrophien, nicht dystrophe Myotonien und periodische Paralysen: Die neue S1-Leitlinie empfiehlt die regelmäßige Kontrolle von Herz, Lunge und Augen und sie legt präzise symptomatische Therapien z. B. mit Modafinil und Physiotherapie dar. Eine genetische Beratung über den Erbgang der Erkrankung wird in jedem Fall empfohlen.
- Aufmerksamkeitsstörungen bei neurologischen Erkrankungen im Erwachsenenalter: Die neue Leitlinie fasst zusammen, wie die Aufmerksamkeitsleistung erfasst und wie z. B. Fatigability, Einschlafneigung und Fatigue sinnvoll diagnostiziert werden. Die Therapie erfolgt dann abhängig von der Schwere der Aufmerksamkeitsstörung.
- Crampi/Muskelkrampf: Die neue S1-Leitlinie fasst die Differenzialdiagnostik und Therapie von Muskelkrämpfen (Crampi) bei erwachsenen Menschen zusammen.
- Ataxien des Erwachsenenalters: Die Leitlinie ist primär eine Diagnoseleitlinie. Die Datenlage zu Therapien ist sehr begrenzt, weshalb evidenzbasierte Aussagen kaum möglich sind. Daher finden sich in der Leitlinie zwar therapeutische Aspekte, allerdings ohne Angaben zu Evidenz- und Empfehlungsstärke.
- Zerebrale Sinus- und Venenthrombose: Gemäß der Leitlinie sollen Menschen mit zerebraler Venen-/Sinusthrombose (CVST) in der Akutphase mit niedrigmolekularem statt mit unfraktioniertem Heparin behandelt werden. Nach der Akutphase werden direkte orale Antikoagulanzien empfohlen. Auch Empfehlungen zur Behandlung von Frauen, z. B. in Schwangerschaft und Wochenbett, gibt die Leitlinie.
- Diagnostik und Therapie der Trigeminusneuralgie: Neurologinnen und Neurologen können die Trigeminusneuralgie (TN) aufgrund ihrer prägnanten Symptomatik relativ leicht diagnostizieren. In den letzten Jahren wurden neue Erkenntnisse zur Symptomatik, Pathophysiologie und Behandlung der TN gewonnen, die u. a. zu einer geänderten Klassifizierung der Erkrankung geführt haben.
- Versorgung peripherer Nervenverletzungen: Wesentliche Neuerungen der Leitlinie umfassen die Epidemiologie peripherer Nervenverletzungen, iatrogene Nervenverletzungen und die bildgebende Diagnostik mittels Magnetresonanz-Neurografie. Zudem haben sich therapeutisch Nerventransfers zu einer fest etablierten Technik entwickelt.
- Ärztliche Begutachtung von Menschen mit chronischen Schmerzen: Die S2k-Leitlinie zur Schmerzbegutachtung wurde aktualisiert. Sie soll Hilfestellung bei Begutachtungen geben, die im Auftrag von Institutionen oder Gerichten über von Gesundheitsproblemen - hier chronische Schmerzen - Betroffenen erstellt werden.
- Diagnostik und Therapie des postpunktionellen und spontanen Liquorunterdruck-Syndroms: Im klinischen Alltag kommt ein Liquorunterdruck-Syndrom nach diagnostischer Lumbalpunktion oder spinaler Anästhesie häufig vor. Das spontane Liquorunterdruck-Syndrom wird hingegen häufig fehlinterpretiert. Die Leitlinie möchte präzise diagnostische Kriterien an die Hand geben und nennt Therapieoptionen abhängig von der Genese des Syndroms.
- Riech- und Schmeckstörungen: Neu in der Leitlinie ist u. a. der aktuelle Wissensstand zu SARS-CoV-2 assoziierten Riech- und Schmeckstörungen und ein Kapitel zu Therapien mit Biologika hinsichtlich sinunasaler Riechstörung.
- Ambulant erworbene bakterielle Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter: Die Leitlinie gibt einen Überblick zu notwendigen diagnostischen Maßnahmen und aktuellen Therapieempfehlungen bei ambulant erworbener bakterieller Meningoenzephalitis. Bei Verdacht sollten beispielsweise umgehend Blutkulturen entnommen, eine lumbale Liquor-Entnahme durchgeführt und Dexamethason und Antibiotika verabreicht werden.
- Diagnostik und Therapie von Neglect und andere Störungen der Raumkognition: In der Leitlinie finden sich neue Vorschläge zum therapeutischen Vorgehen für verschiedene Neglect-Schweregrade. Zudem wird auf derzeit interessante Erweiterungen durch den Einsatz von „Augmented Reality“- und von „Virtual Reality“-Verfahren eingegangen.
- Intrakranieller Druck (ICP): Die S1-Leitlinie beinhaltet kleine Änderungen, Aktualisierungen und Anpassungen zur Therapie des erhöhten intrakraniellen Drucks, gegenüber der letzten Version Stand 2017.
- Rehabilitation von sensomotorischen Störungen: Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumoren, Multiple Sklerose und Neuromuskuläre Erkrankungen: Die neue Leitlinie fasst für diverse Krankheitsbilder zusammen, worauf bei einer Rehabilitation sensomotorischer Störungen zu achten ist.
- Pädiatrische Multiple Sklerose: Die Leitlinie zur pädiatrischen Multiple Sklerose (MS) umreißt Unterschiede zur adulten MS und gibt Empfehlungen zur Diagnostik bei der Erstuntersuchung, zu Immuntherapien und zur Therapie akuter Schübe.
- Diagnostik und Therapie von Störungen der Stimmfunktion (Dysphonien): Viele Menschen sind in ihrer täglichen Berufstätigkeit stark auf ihre Stimme angewiesen. Die neue Leitlinie trägt die aktuelle Evidenz von diagnostischen und therapeutischen Methoden zur Behandlung von Störungen der Stimmfunktion zusammen.
- Zerebrale Gefäßmalformationen (arteriovenöse Malformationen, arteriovenöse Fisteln, Kavernome): Zu verschiedenen zerebralen Gefäßmalformationen umreißen die Autorinnen und Autoren der aktualisierten S1-Leitlinie die Evidenzlage und geben wichtige Empfehlungen zur Therapiewahl.
Bedeutung und Anwendung von Leitlinien
Leitlinien sind ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung in der medizinischen Versorgung. Sie bieten Ärzten und anderen Gesundheitsberufen eine evidenzbasierte Grundlage für ihre Entscheidungen und tragen dazu bei, die bestmögliche Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Die Anwendung von Leitlinien kann auch dazu beitragen, unnötige oder schädliche Behandlungen zu vermeiden und die Effizienz der Versorgung zu steigern.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Leitlinien nicht als starre Vorgaben zu verstehen sind. Sie sollen vielmehr als "Handlungs- und Entscheidungskorridore" dienen, von denen in begründeten Fällen abgewichen werden kann oder sogar muss. Die Anwendbarkeit einer Leitlinie oder einzelner Leitlinienempfehlungen muss in der individuellen Situation geprüft werden, unter Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse und Präferenzen des Patienten.
Organisationen und Institutionen im Bereich der Leitlinienentwicklung
Verschiedene Organisationen und Institutionen sind an der Entwicklung und Verbreitung von neurologischen Leitlinien beteiligt. Zu den wichtigsten gehören:
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- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Die DGN ist eine der führenden Fachgesellschaften für Neurologie in Deutschland und veröffentlicht regelmäßig Leitlinien zu verschiedenen neurologischen Erkrankungen.
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Die AWMF koordiniert die Entwicklung von Leitlinien in Deutschland und betreibt ein Leitlinienregister, in dem alle von den Fachgesellschaften entwickelten Leitlinien veröffentlicht werden.
- Deutsche Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR): Die DGNR setzt sich für die Entwicklung und Umsetzung von Leitlinien im Bereich der Neurorehabilitation ein.
- Weitere Fachgesellschaften: Auch andere Fachgesellschaften, wie die Gesellschaft für Neuropsychologie (GNP) und die Gesellschaft für Aphasieforschung und -behandlung (GAB), entwickeln Leitlinien und Empfehlungen für spezifische Bereiche der Neurologie.
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