Die Lewy-Body-Demenz (LBD), auch Lewy-Körperchen-Demenz oder Lewy-Körper-Demenz genannt, ist eine Form der neurodegenerativen Demenzen, bei der bestimmte Bereiche im Gehirn nach und nach geschädigt werden. Sie ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste Ursache für Demenz. In Deutschland sind schätzungsweise 5 bis 10 Prozent der etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenz von LBD betroffen, was einer Zahl von 90.000 bis 180.000 Personen entspricht (Stand: 2024). Die Lewy-Körperchen-Demenz tritt mit ihren ersten Symptomen erst im hohen Alter auf. Die ersten Symptome treten in aller Regel nach dem 65. Lebensjahr auf. Bislang ist nicht wirklich klar, ob die Lewy-Körperchen-Demenz eine eigenständige Erkrankung oder eine Variante von Parkinson mit frühem Demenzbeginn ist.
Ursachen und Entstehung
Die Lewy-Body-Demenz wird durch sogenannte Lewy-Körperchen in den Nervenzellen der Großhirnrinde verursacht. Dabei handelt es sich um spezielle Eiweißablagerungen in den Nervenzellen, die bei Parkinson und Lewy-Body-Demenz auftreten, jedoch in verschiedenen Gehirnbereichen. Die Lewy-Körperchen sind anormale Eiweißansammlungen (sogenannte Proteinaggregate), die unter anderem die Bildung des Neurotransmitters Dopamin hemmen. Dadurch kommt es zu den für die Parkinson-Erkrankung typischen Symptomen. Die eigentlichen Ursachen für die Ablagerung der Lewy-Körperchen sind bislang unbekannt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass genetische Veränderungen eine Rolle spielen können, ähnlich wie bei Parkinson. In einigen wenigen Familien kann man die Erkrankung auf bestimmte Veränderungen im Erbgut zurückführen. Hierbei sind die gleichen Gene betroffen, bei welchen Mutationen zur Entwicklung des klassischen Morbus Parkinson führen. Hierzu gehört vor allem das die Dopaminausschüttung regulierende Protein α-Synuclein. Eine entscheidende Rolle scheint ein Protein namens Alpha-Synuclein zu spielen. Es verklumpt sich in den Nervenzellen zu kleinen Ablagerungen.
Symptome der Lewy-Body-Demenz
Bei Lewy-Body-Demenz stehen früh kognitive und psychische Symptome im Vordergrund. Die Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz ähneln denen der Alzheimer- und der Parkinson-Krankheit. Betroffen sind zunächst die Alltagsfähigkeiten, die mit dem Planen, Organisieren und Orientieren zusammenhängen. Insbesondere Aufmerksamkeit und Konzentration sind gestört. Es treten nicht immer alle Symptome auf. Für die Demenzform sind starke Schwankungen in der Symptomatik typisch. So kann es sein, dass die Betroffenen an einigen Tagen vollkommen gesund wirken, an anderen Tagen hingegen stark beeinträchtigt. Dies gilt insbesondere für die Gedächtnisleistung und die geistige Leistungsfähigkeit. Sie haben Schwierigkeiten, Familienmitglieder oder eigentlich bekannte Gegenstände zu erkennen. Auch im Tagesverlauf zeigen viele Betroffene auffällig schnell Veränderungen in ihrer geistigen Fähigkeit und Wachheit.
Kognitive und psychische Symptome
- Halluzinationen: Bereits sehr früh im Krankheitsverlauf treten optische Halluzinationen auf. Diese sind häufig sehr detailliert. Betroffene sehen zum Beispiel Menschen oder große Tiere, was Angst auslösen kann. Akustische Halluzinationen sind seltener. Wiederkehrende optische Halluzinationen, ausgeprägte Aufmerksamkeitsschwankungen im Tagesverlauf und plötzliche Bewegungsprobleme können frühe Hinweise sein.
- Geistige Leistungsschwankungen: Charakteristisch dabei ist, dass die geistige Leistungsfähigkeit im Tagesverlauf sehr stark schwanken kann.
- Beeinträchtigte Aufmerksamkeit: Im Gegensatz zur Alzheimer-Krankheit, bei der zunächst hauptsächlich das Kurzzeitgedächtnis betroffen ist, ist bei einer beginnenden Lewy-Körper Demenz insbesondere die Aufmerksamkeit beeinträchtigt.
- Psychische Begleiterkrankungen: Psychische Begleiterkrankungen, insbesondere Depressionen und Angststörungen, sind bei der Lewy-Körper Demenz ebenso wie bei anderen Demenzformen häufig und dürfen nicht außer Acht gelassen werden.
Motorische Symptome
- Parkinson-ähnliche Symptome: Bereits im Vorfeld der Beeinträchtigungen der Hirnleistung können motorische Störungen auftreten. Diese ähneln denen bei Morbus Parkinson, weshalb man auch von parkinsonschen Symptomen spricht. Die Muskeln sind steif (Rigor) und die Bewegungsabläufe wirken zähflüssig, weil der Körper verzögert auf Bewegungsabsichten reagiert (Akinese). Zudem können häufig Stürze durch kurze Bewusstseinsverluste (sogenannte Synkopen) beobachtet werden. Diese Bewusstseinsverluste treten infolge einer unzureichenden Versorgung des Gehirns mit Blut auf.
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Charakteristischerweise zeigen die Betroffenen von Lewy-Körperchen-Demenz oftmals Schlafstörungen. Das liegt am starken nächtlichen Harndrang oder aufgrund ausgeprägter Bewegungen während des Schlafs (fehlende motorische Hemmung). Sogenannte REM-Schlaf Verhaltensstörungen treten bei Parkinson, aber auch bei der Lewy-Körper Demenz besonders häufig auf. Dabei kommt es zu einem Ausleben des Geträumten. Viele Betroffene schlagen um sich oder beginnen, im Schlaf zu wandeln. Das kann insbesondere für die Partnerin oder den Partner sehr belastend sein.
- Instabile Körperhaltung: Typisch für die Lewy-Körperchen-Demenz sind auch Parkinson-Symptome wie Muskelstarre, Muskelzittern und eine instabile Körperhaltung mit Schwankungs- und Sturzneigung. Das wichtigste körperliche Symptom bei der Lewy-Körper Demenz ist das Abfallen des Blutdrucks beim Aufstehen oder längerem Stehen. Dabei kann es zu Ohnmacht und Stürzen kommen, die unbedingt ärztlich abgeklärt werden müssen, um andere Ursachen auszuschließen.
Weitere Symptome
Viele der Betroffenen ziehen sich obendrein zurück, sind ängstlich oder gereizt.
Diagnose
Die Diagnose einer Lewy-Körperchen-Demenz ist schwierig, da viele Symptome auch bei Alzheimer oder Parkinson vorkommen. Hinweise liefern die LBD-typischen Symptome wie Halluzinationen und Leistungsschwankungen. Die Diagnose ist schwierig, da viele Symptome auch bei Alzheimer oder Parkinson vorkommen. Um die geistigen Fähigkeiten zu überprüfen, gibt es spezielle Gedächtnistests. Ein Test, der extra für Menschen mit Parkinson entwickelt wurde, heißt PANDA-Test (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment). Damit werden zum Beispiel die Aufmerksamkeit, das Erinnerungsvermögen oder die Wortfindung getestet.
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Diagnostische Verfahren
- Klinische Untersuchung: Dazu werden drei Kriterien überprüft: Gedächtnisprobleme, die häufigen Schwankungen unterworfen sind, wiederholt auftretende Halluzinationen, motorische Störungen. Sind zwei der drei Kriterien erfüllt, ist von einer Lewy-Körperchen-Demenz auszugehen.
- Neuropsychologische Tests: Einige neuropsychologische Tests können Hinweise auf eine Lewy-Körper-Demenz geben. Besonders aufschlussreich sind Verfahren, die sogenannte visuell-konstruktive Fähigkeiten prüfen - also das Zusammenspiel von Sehen, Denken und Motorik. Dabei soll der Patient eine herkömmliche Uhr zeichnen - mit Ziffernblatt und Zeigern. Der Uhrentest kann helfen, frühzeitig Auffälligkeiten zu erkennen - gerade, wenn klassische Demenztests wie der Mini-Mental-Status-Test noch unauffällig bleiben. Der Arzt oder die Ärztin überprüft dies mit dem Uhrentest, der ein wichtiges Instrument in der Demenz-Diagnostik darstellt. Er ist jedoch nicht spezifisch für die Lewy-Body Demenz und kann auch bei anderen Demenzformen auffällig sein.
- Bildgebende Verfahren: MRT und CT schließen andere Erkrankungen aus, weisen aber nicht direkt auf Lewy-Körperchen hin. Trotzdem werden sie im Rahmen der Diagnostik durchgeführt, um andere Erkrankungen, wie etwa einen Hirntumor, auszuschließen. FDG-PET und DaT-SPECT sind spezielle bildgebende Verfahren, die dabei helfen, eine Lewy-Body-Demenz von anderen Demenzformen zu unterscheiden. Die FDG-PET zeigt LBD-typische Veränderungen im Hinterkopfbereich. Mit dem DaT-SPECT lassen sich LBD-typische Nervenschädigungen gut erkennen.
Behandlung
Eine Lewy-Körperchen-Demenz ist bisher leider nicht heilbar. Wie bei den meisten anderen Demenzformen können die Prozesse, die letztendlich zum Verlust der Nervenzellen führen, auch bei der Lewy-Körperchen-Demenz nicht gestoppt, sondern lediglich gehemmt werden. Die Behandlung zielt darauf ab, Symptome zu lindern - mit Medikamenten und nicht-medikamentösen Maßnahmen.
Medikamentöse Therapie
Zur Behandlung der Lewy-Body-Demenz kommen verschiedene Medikamente infrage - je nach Symptomen und Krankheitsverlauf. Die medikamentöse Therapie gestaltet sich auch deshalb schwierig, weil die Reaktion auf die Medikamente von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann. Die Behandlung einer Lewy-Körperchen-Demenz ist insgesamt schwieriger als bei anderen Demenzformen. Dies liegt unter anderem daran, dass die genannten Medikamente nicht für die Therapie dieser Demenzform zugelassen sind und daher nur individuell im sogenannten „off-label-use“ eingesetzt werden können.
- Cholinesterasehemmer: Bei Lewy-Body-Demenz können sogenannte Cholinesterasehemmer zum Einsatz kommen. Sie können die psychotischen Symptome abmildern. Um diesen Mangel an Acetylcholin und somit die psychotischen Symptome abzumildern, kann das Enzym, das Acetylcholin abbaut, medikamentös gehemmt werden. Zur Verfügung stehen hier sogenannte Cholinesterasehemmer wie Donepezil, Rivastigmin und Galantamin. Die besten Ergebnisse gibt es mit den cholinerg wirksamen Acetylcholinesterase-Hemmern Rivastigmin und Donepezil. Für Galantamin ist die Wirksamkeit nicht belegt, aber analog anzunehmen. Dabei beginnt man immer mit der niedrigsten Dosis, kontrolliert die Verträglichkeit und steigert nach vorgegebenen Intervallen, meist alle vier Wochen. Früh im Krankheitsverlauf eingesetzt, verschwinden Halluzinationen oft fast vollständig. Die Medikation sollte beim Fortschreiten der Erkrankung nicht abgesetzt werden, sofern es nicht gravierende Gründe hierfür gibt (Nutzen-Risiko-Abwägung). Ansonsten ist eine irreversible Verschlechterung zu befürchten. Doch bei Menschen mit einer Lewy-Körperchen-Demenz ist Vorsicht geboten: Viele reagieren überempfindlich auf diese Medikamente.
- Neuroleptika: Können die psychotischen Symptome durch die Cholinesterasehemmer nicht verbessert werden, können auch Neuroleptika wie Clozapin und Quetiapin zum Einsatz kommen. Gegenüber Neuroleptika, also Medikamenten, die gegen solche Sinnestäuschungen wirken, reagieren Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz oft überempfindlich. In der Folge können sich etwa Bewegungsstörungen verstärken, das Bewusstsein kann sich eintrüben oder die Betroffenen fallen in tagelangen Tiefschlaf. Als Neuroleptika bei Demenz mit Lewy-Körperchen sind Clozapin und Quetiapin ohne Verschlechterung der Parkinsonsymptomatik geeignet.
- Antidepressiva: Sollte zusätzlich eine Depression vorliegen, können sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (u. a. Citalopram) angewandt werden.
- Parkinson-Medikamente: Die Behandlung der Parkinson-Symptome ist dagegen schwierig, da durch die üblichen Antiparkinson-Medikamente häufig die psychotischen Symptome verstärkt werden. Gleichzeitig sprechen die von einer Lewy-Körperchen-Demenz Betroffenen schlechter auf diese an. Die motorischen Symptome können mit dem Parkinson-Medikament Levodopa in niedriger Dosierung verbessert werden. Allerdings ist die Wirkung ist bei der Lewy-Körperchen-Demenz allerdings in der Regel geringer als bei der Parkinson-Krankheit. Als Nebenwirkung können sich Halluzinationen und Wahnvorstellungen verstärken.
Bei einer Lewy-Body-Demenz kann die medikamentöse Behandlung komplex sein - besonders, wenn weitere Erkrankungen vorliegen. Ein Medikamentenplan hilft Ihnen dabei, den Überblick über Dosierung, Einnahmezeiten und mögliche Nebenwirkungen zu behalten.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Bei der Lewy-Body-Demenz können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen sinnvoll sein. Ziel ist es, die geistigen Fähigkeiten zu fördern, den Alltag zu strukturieren und das Wohlbefinden zu verbessern. Die nicht-medikamentöse Therapie ähnelt der bei der Alzheimer-Demenz und setzt sich vor allem aus Verhaltenstherapie, Hirnleistungstrainings, emotionsorientierten Ansätzen, Biografiearbeit sowie Kunst- und Musiktherapie zusammen.
- Umfeldgestaltung: Menschen mit Lewy-Körper-Demenz sind oft sehr empfindlich gegenüber Stress, Lärm oder Reizüberflutung. Strukturierte Tagesabläufe, ruhige Kommunikation, klare Routinen und Orientierungshilfen im Wohnumfeld sind entscheidend.
- Körperliche Aktivität: Zur Linderung der motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung wird möglichst viel körperliche Aktivität empfohlen. Leichte körperliche Aktivität wie Spaziergänge oder Gymnastik kann Mobilität, Gleichgewicht und Stimmung positiv beeinflussen.
Umgang mit Unruhe und Verhaltensstörungen
Im Verlauf einer Lewy-Körperchen-Demenz kann sich das Verhalten von Betroffenen verändern. Bei einer Demenz entwickeln zwischen 76 und 96 % aller betroffenen Patienten im Verlauf der Erkrankung Symptome wie Aggressivität, Unruhe, Enthemmung, Affektlabilität oder Apathie. Diese Symptome bestehen neben kognitiven Einschränkungen und werden als „Verhaltensstörung bei Demenz“, „nichtkognitive Symptome“ oder „herausforderndes Verhalten“ bezeichnet. Verhaltensstörungen sind nicht nur Begleiter der Demenzerkrankung, sie haben auch nachvollziehbare und oft behandelbare Ursachen.
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Ursachen von Verhaltensstörungen
Die Pathogenese der Verhaltensstörung ist multifaktoriell. Bezüglich biologischer Ursachen wird die metabolische Hypothese favorisiert, bei der von einer Dysregulation der Hypophysen-Hypothalamus-Nebennierenrinden-Achse („Stress-Achse“) und einer resultierenden Imbalance im Transmittersystem mit Auftreten von Wahn (Dopamin) und depressiver Symptomatik (Serotonin) ausgegangen wird. Die Atrophie im Bereich der Nucleus raphe dorsalis (Serotoninmangel) kann ebenfalls zu affektiven Symptomen führen. Die frühzeitige Atrophie des paralimbischen Systems, wie bei Alzheimer-Demenz, kann durch den Eingriff in das dopaminerge Stoffwechselsystem zu Aggressivität durch Wahnsymptome (Vergiftung, Bestehlung) führen, während die Aggressivität bei fronto-temporaler Demenz eher durch Enthemmungsphänomene entsteht. Affektlabilität (Stimmungsschwankungen) bei vaskulären Demenzen kann ebenfalls Aggressivität verursachen.
Psychologische oder Umfeld-assoziierte Faktoren, wie ein defizitorientierter Umgang (unbewusste kontinuierliche Konfrontation mit den Defiziten) mit dem Erkrankten, und somatische Begleiterkrankungen sind ebenfalls anzuführen. Auch die durch die kognitiven Defizite, wie Desorientierung, Wortfindungsstörungen (Aphasie) oder Störung der Gesichtserkennung (Prosopagnosie), entstandene veränderte Wahrnehmung der Umwelt trägt zu Verhaltensstörungen bei.
Verhaltensstörungen können aber auch infolge somatischer oder psychiatrischer Komorbidität auftreten, die erkannt und spezifisch behandelt werden könnten. Eine rein symptombezogene, symptomatische Therapie (zum Beispiel bei Aggressivität) kann dagegen zu langfristigem Einsatz von Neuroleptika mit Polypharmazie, Nebenwirkungen und erheblichen Kosten für das Gesundheitssystem führen.
Somatische Ursachen von Verhaltensstörungen
- Schmerzen: Aggressivität, Unruhe und Enthemmung können durch Schmerzen im Rahmen von Stürzen, unerkannten Frakturen, Osteoporose oder Schmerzen durch fehlsitzende Zahnprothesen verursacht werden.
- Medikamente: Eine Neuroleptika-Überdosierung wie auch internistische Erkrankungen (Hyperthyreose, Harnwegsinfekte) können Aggressivität auslösen.
- Ischämien: Linkshemisphärielle Ischämien können zu einer organisch-affektiven Störung mit Affektlabilität und Unruhe oder zu einer organisch-wahnhaften Störung mit Bestehlungs- oder Vergiftungswahn und Aggressivität führen.
- Nahrungsverweigerung: Die Nichtaufnahme von Nahrung kann durch eine somatische oder psychiatrische Komorbidität entstanden sein. Häufige Ursache ist die Besiedelung der atrophen Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori.
- Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen: Ursächlich können defizitorientiertes Vorgehen durch Bezugspersonen und somatische Begleiterkrankungen sein. Psychopharmakaüberdosierung und der unkritische Einsatz von Neuroleptika oder Benzodiazepinen führen bei dauerhafter Anwendung zum Persistieren der Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen.
- Wahn und Halluzinationen: Somatische Ursache können eine Hyperthyreose, Störungen des Blutzuckerstoffwechsels, eine Digitalis-Überdosierung, anticholinerge Nebenwirkungen und eine Psychopharmaka-Überdosierung sein. Auch Seh- oder Hörminderungen begünstigen wahnhafte Symptome.
Psychologische und Umfeld-assoziierte Ursachen
Der unbewusst defizitorientierte Umgang mit Demenzpatienten durch ungeschultes Pflegepersonal oder Angehörige mündet in eine kontinuierliche Konfrontation mit krankheitsbedingten Einschränkungen. Da im Rahmen der Atrophie des Hippocampus die Lernfähigkeit verringert wird, führt das tägliche „Einüben“ von Zusammenhängen (Datum, Namen), die für den Alltag verzichtbar sind, je nach prämorbider Persönlichkeit zu Aggressivität oder Depressivität und zur Minderung des Selbstwertgefühls. Vor dem Hintergrund der schwierigen psychosozialen Situation von Demenzkranken (Verlust, Umzug ins Heim) und fehlender kognitiver Verarbeitung, ist im klinischen Alltag die Verstärkung von Verhaltensstörungen zu beobachten.
Posttraumatische Belastungsstörungen zum Beispiel als Ergebnis von Traumatisierungen durch den zweiten Weltkrieg können nun, bei eingeschränkter Kognition, zu Angstzuständen, Schlafstörungen, Alpträumen und Aggressivität führen. Bereits prämorbid bestehende affektive und psychotische Störungen oder Persönlichkeitsakzentuierungen sind geeignet, nun Verhaltensstörungen hervorzurufen oder zu verstärken und müssen im therapeutischen Gesamtkonzept berücksichtigt werden.
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Therapie von Verhaltensstörungen
Die Therapie von Verhaltensstörungen sollte im therapeutischen Gesamtkonzept aufeinander abgestimmter nichtmedikamentöser und medikamentöser Behandlungsansätze durchgeführt werden. Im ersten Schritt erfolgt die Psychoedukation aller beteiligten Personen in validierendem, ressourcenorientiertem Umgang. Dann müssen auslösende Faktoren und Situationen erkannt und vermieden werden. Psychopharmaka sollten dann eingesetzt werden, wenn die nichtmedikamentösen Interventionen nicht effektiv waren. Zuvor muss eine gründliche somatische Abklärung erfolgen.
Hilfreich sind pflegerische Verfahren zur Prävention eines Delirs bei Demenz.
Medikamentöse Therapie von Verhaltensstörungen
- Antidementiva: Antidementiva (Galantamin, Donepezil, Rivastigmin, Memantin) und Psychopharmaka sind bei Verhaltensstörungen wirksam.
- Spezifische Behandlung somatischer Grunderkrankungen: Zuerst wird eine somatische Grunderkrankung medikamentös behandelt, wie zum Beispiel ein Harnwegsinfekt mit einem Antibiotikum.
- Vermeidung problematischer Psychopharmaka: Anticholinerg wirksame, sedierende und muskelrelaxierende Medikamente sollten gemieden werden, ebenso Medikamente mit hohem Interaktionspotenzial (PRISCUS-Liste).
- Behandlung psychotischer Symptome, gesteigerter Psychomotorik und Aggressivität: Eine Neurolepsie erfolgt mittels hochpotent atypischer Neuroleptika, wenn akute Gefährdungssituationen oder schwere psychotische Symptome vorliegen. Mittel der Wahl ist Risperidon. Olanzapin, Quetiapin und Aripiprazol wirken auf Aggressivität, nicht jedoch auf Wahnsymptome. Als Neuroleptika bei Demenz mit Lewy-Körperchen sind Clozapin und Quetiapin ohne Verschlechterung der Parkinsonsymptomatik geeignet. Benzodiazepine sollten allenfalls kurzfristig eingesetzt werden.
- Behandlung affektiver Symptome und Apathie: Am besten sind Serotinwiederaufnahmehemmer zur Behandlung einer affektiven Symptomatik untersucht.
Nichtmedikamentöse Therapieverfahren
Zu psychosozialen Interventionen liegen evidenzbasierte Daten vor. Effektstärken für Erinnerungstherapie, Ergotherapie, körperliche Aktivitäten und aktive Musiktherapie wurden publiziert.
Zunächst müssen alle Personen, die an der Betreuung des Patienten beteiligt sind, eine Psychoedukation und Schulung erhalten, um einen defizitorientierten Umgang zu vermeiden. Mögliche Auslöser der Verhaltensstörungen durch das Verhalten der Bezugspersonen müssen reduziert werden. In der Kommunikation mit dem Kranken sind kurze, prägnante Sätze, eine flexible Wortwahl und eine sonore, angenehme Stimmlage hilfreich.
Leben mit Lewy-Body-Demenz
Menschen mit Lewy-Körper-Demenz sind oft sehr empfindlich gegenüber Stress, Lärm oder Reizüberflutung. Die Lewy-Body-Demenz tritt meist ab dem 65. Menschen mit einer Lewy-Body-Demenz haben unter Umständen Anspruch auf einen Pflegegrad - und damit auf verschiedene Leistungen der Pflegekasse, die den Pflegealltag erleichtern sollen. Im fortgeschrittenen Stadium nehmen die Symptome deutlich zu. Menschen mit anerkanntem Pflegegrad, die zuhause gepflegt werden, haben Anspruch auf sogenannte Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von bis zu 42 Euro monatlich. Dazu zählen unter anderem Einmalhandschuhe, Mundschutz und Desinfektionstücher.
Wenn Sie jemanden mit Lewy-Körper-Demenz zuhause pflegen oder betreuen, können Sie im Alltag viel für diese Person tun. Umso wichtiger ist es, dass Sie als Angehörige gut über das Krankheitsbild informiert sind. Halten Sie alle Auffälligkeiten möglichst schriftlich fest - zum Beispiel in einem Pflegetagebuch. Hier können Sie dokumentieren, wo die Person im Alltag Unterstützung benötigt. Die Notizen helfen Ihrem Arzt und können bei zunehmendem Unterstützungsbedarf auch im Rahmen einer Pflegebegutachtung zum Einsatz kommen.
Unterstützung für Betroffene und Angehörige
- Patientenverfügung: Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift, wenn Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Ein solches Dokument entlastet auch Ihre Angehörigen bei schwierigen Entscheidungen.
- Pflegegrad: Menschen mit Lewy-Körper-Demenz haben unter Umständen Anspruch auf einen Pflegegrad - und damit auf verschiedene Leistungen der Pflegekasse, die den Pflegealltag erleichtern sollen.
- Häusliche Betreuung: Ja, mit geeigneter Unterstützung durch Pflegefachkräfte, Tagespflegeangebote und angepasste Wohnumgebung ist häusliche Betreuung möglich.