Lichttherapie bei Parkinson: Studien, Anwendungen und Perspektiven

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem motorische Fähigkeiten beeinträchtigt, aber auch eine Vielzahl nicht-motorischer Symptome verursacht. Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und weitere Begleiterscheinungen können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich mindern. Die Lichttherapie rückt zunehmend in den Fokus der Forschung, da sie das Potenzial bietet, einige dieser Symptome zu lindern.

Grundlagen der Lichttherapie

Die Lichttherapie ist eine etablierte Behandlungsmethode in der Schlafmedizin. Hierbei wird helles Licht eingesetzt, um den Schlaf-Wach-Rhythmus zu regulieren. Es wird angenommen, dass die Neurodegeneration bei Parkinson-Patienten zu Störungen der zirkadianen Rhythmik führt, was Schlafprobleme verursachen kann. Die Parkinson-Medikation kann diese Probleme zusätzlich verstärken.

Wie funktioniert die Lichttherapie?

Die Lichttherapie nutzt rote und infrarote Lichtenergie, um Veränderungen innerhalb der Zellstrukturen zu fördern. Es handelt sich um eine Technologie, die nicht nur Symptome maskiert, sondern tatsächlich die zugrunde liegende Ursache behandelt. Typische Behandlungen behandeln eine einzelne Erkrankung, während die Lichttherapie mehrere Erkrankungen behandelt.

Aktuelle Studien und Forschungsergebnisse

Celeste-Lichttherapie

Die Celeste-Lichttherapie ist eine innovative, nicht-invasive Behandlungsmethode, die darauf abzielt, sowohl motorische als auch nicht-motorische Symptome der Parkinson-Krankheit zu lindern. Aktuell befindet sich die Celeste-Lichttherapie in einer entscheidenden klinischen Phase-3-Studie, der "Light for PD"-Studie, die die Sicherheit und Wirksamkeit des Geräts bei der Behandlung von Parkinson untersuchen soll. Diese Studie wird vollständig virtuell durchgeführt, sodass Teilnehmer bequem von zu Hause aus teilnehmen können. Frühere Studien deuten darauf hin, dass die Celeste-Lichttherapie Verbesserungen in Bereichen wie Schlaf, Tagesmüdigkeit, Fatigue, Kognition, motorischen Symptomen und psychischer Gesundheit bewirken kann. Obwohl die bisherigen Ergebnisse vielversprechend sind, befindet sich die Celeste-Lichttherapie noch in der Forschungsphase. Es sind weitere Studien erforderlich, um die langfristige Wirksamkeit und Sicherheit dieser Behandlungsmethode zu bestätigen.

Studie zur Lichttherapie bei Tagesmüdigkeit

Eine randomisierte, Placebo-kontrollierte klinische Interventionsstudie untersuchte die Sicherheit und Wirksamkeit der Lichttherapie bei übermäßiger Tagesmüdigkeit in Zusammenhang mit Parkinson. Teilnehmer waren 31 Parkinson-Patienten (18 Frauen, 13 Männer) mit übermäßiger Tagesschläfrigkeit, die keine kognitiven Beeinträchtigungen oder primären Schlafstörungen aufwiesen. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhielt helles Tageslicht (10000 Lux, 5000 K), die andere schwaches Rotlicht (Kontrollgruppe). Die Patienten wurden aufgefordert, sich über einen Zeitraum von 14 Tagen täglich zwischen 9 und 11 Uhr sowie zwischen 17 und 19 Uhr jeweils eine Stunde vor die Lichtbox zu setzen.

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Die Ergebnisse zeigten, dass die helle Lichttherapie zu erheblichen Verbesserungen der Tagesschläfrigkeit führte, gemessen mit der Epworth Sleepiness Scale (ESS). Auch der Pittsburgh Sleep Quality Index und die Parkinson’s Disease Sleep Scale zeigten Verbesserungen, die mit hellem Tageslicht stärker ausfielen. Die Patienten berichteten zudem über eine verbesserte Schlafqualität und eine erhöhte tägliche körperliche Aktivität.

Lichttherapie und das Darmmikrobiom

Die Laser-Lichttherapien wurden entwickelt um u.a. Symptome von Morbus Parkinson zu reduzieren. Photo-Bio-Modulation (“PBM”) oder Low-Level-Laser Therapie nutzt Rot- und Infrarotlicht, um die Zellheilung zu stimulieren, Schmerzen zu lindern und Entzündungsprozesse zu reduzieren. Die ersten erfolgreichen Studien mit dem PDCare Laser wurden 2017 und 2019 am Menschen durchgeführt. Die Ergebisse wurden 2021 und 2022 in verschiedenen medizinischen Fachjournals veröffentlicht. Beide Studien zeigten eine signifikante Verbesserung der Morbus Parkinson Symptome - einschließlich verbesserter Mobilität, Wahrnehmung, Gleichgewicht und Feinmotorik. Die Teilnehmer wurden über drei Jahre beobachtet und der Großteil der Verbesserungen blieben erhalten bzw. entwickelten sich weiterhin positiv. Die Behandlung mit dem PDCare Laser konzentriert sich hauptsächlich auf den Darm und den Nacken. Die Darm-Hirn-Achse soll hierbei stimuliert werden, da zwischen den beiden Bereichen des Körpers eine wechselseitige Kommunikation besteht.

In einer australischen Studie wurde die Wirkung der Infrarotlichttherapie auf das Darmmikrobiom bei Parkinson-Patienten untersucht. Neunzehn Freiwillige mit Parkinson-Krankheit aus NSW und SA wurden rekrutiert. Die Teilnehmer gaben den Forschern vor Beginn des Versuchs eine Stuhlprobe und wurden gebeten, ihre Ernährungsgewohnheiten oder täglichen Aktivitäten während der Dauer der Studie nicht zu ändern. Die Ergebnisse zeigten, dass sich das Mikrobiom veränderte und gleichzeitig Verbesserungen der Symptome stattfanden. Insbesondere wurde ein Anstieg der Bakterien Bacteroides und Prevotella beobachtet, die im Darmmikrobiom von Parkinson-Patienten oft reduziert sind.

Fallbeispiele und persönliche Erfahrungen

Ron Till, ein 69-jähriger Mann aus Südaustralien, berichtete von einer deutlichen Verbesserung seines Schlafs durch die Infrarotlichttherapie. Innerhalb weniger Wochen nach Beginn des Versuchs hörte er auf, ruckartig aufzuwachen. Er war mit seiner Verbesserung so zufrieden, dass er nach Abschluss der Studie ein leichtes Helmgerät kaufte und es weiterhin jeden zweiten Tag für zwanzig Minuten verwendet. Er ist der Meinung, dass die Lichttherapie verhindert, dass sich seine Parkinson-Symptome verschlimmern.

David Harrison, 62, aus Sydney, wurde Mitte 50 die Parkinson-Krankheit diagnostiziert. Seine Symptome waren so schwerwiegend, dass er für die meisten Aufgaben seine linke Hand benutzen musste. „Acht Wochen nach Beginn der Lasertherapie fuhr ich mit dem Auto nach Hause und merkte plötzlich, dass ich wieder Rechtshänder war“, sagte Herr Harrison. Nach dem Prozess kaufte Herr Harrison ein tragbares Lasergerät (den PDCare Laser von SYMBYX) und verwendet es auch weiterhin dreimal pro Woche.

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Margaret Jarrett, 75, eine weitere Teilnehmerin der Studie, erlangte nach mehrwöchiger Therapie ihren Geruchssinn wieder und stellte eine Verbesserung ihres Reizdarmsyndroms fest.

Anwendungsbereiche und Methoden

Die Lichttherapie kann auf verschiedene Weisen angewendet werden, darunter:

  • Helle Lichtboxen: Diese Geräte emittieren helles, weißes Licht und werden typischerweise zur Behandlung von saisonaler affektiver Störung (SAD) und Schlafstörungen eingesetzt. Bei Parkinson kann die Anwendung am Morgen und am späten Nachmittag erfolgen.
  • Rotlicht- und Infrarotlichttherapie: Diese Therapieformen nutzen spezifische Wellenlängen des Lichts, um die Zellfunktion zu stimulieren und Entzündungen zu reduzieren. Sie können transkraniell (auf den Kopf) oder auf andere Körperbereiche wie den Darm angewendet werden.
  • Laser-Lichttherapie: Diese Therapie verwendet Laser, um Licht in das Gewebe zu bringen. Die Laser werden über 18 Minuten am Bauch (zwischen Brustkorb und Becken) und für 2 Minuten am Nacken (Vagusnerv) positioniert.

Missverständnisse und Herausforderungen

Ein häufiges Missverständnis ist, dass Licht nicht in tiefere Gewebe wie das Gehirn eindringen kann. Studien haben jedoch gezeigt, dass Lichttherapie die Zellaktivität und den Blutfluss im Gehirn steigern kann. Ein weiteres Missverständnis ist, dass nur Hochleistungslaser in das tiefe Zielgewebe eindringen können.

Trotz vielversprechender Ergebnisse gibt es auch Herausforderungen:

  • Individuelle Unterschiede: Menschen reagieren aus verschiedenen Gründen unterschiedlich auf die Lichttherapie. Eine individuelle Protokollentwicklung und -verwaltung ist daher wichtig.
  • Langzeitwirkung: Weitere Studien sind erforderlich, um die langfristige Wirksamkeit und Sicherheit der Lichttherapie bei Parkinson zu bestätigen.
  • Kontrollgruppen-Effekte: In einigen Studien zeigten auch die Kontrollgruppen Verbesserungen, was möglicherweise auf die intensive Beschäftigung mit der Therapie und den Tagebüchern zurückzuführen ist.

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