Liebscher & Bracht Übungen für den Fazialisnerv: Ein umfassender Leitfaden

Wenn die mimische Muskulatur auf einer Seite gelähmt ist, empfinden die Betroffenen vor allem die Verzerrung der unteren Gesichtshälfte beim Lachen als belastend. Die Gesichtslähmung tritt oft plötzlich auf und kann innerhalb weniger Stunden das Leben verändern. Glücklicherweise gibt es verschiedene Übungen und Therapien, die den Heilungsprozess unterstützen können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Fazialisparese, insbesondere durch Liebscher & Bracht Übungen, ergänzende Maßnahmen und langfristige Strategien zur Wiederherstellung der Gesichtsfunktionen.

Was ist eine Fazialisparese?

Bei der peripheren Fazialisparese ist der Nerv selbst auf seinem Weg vom Gehirn zum Gesicht geschädigt. Die Beschwerden entwickeln sich meist innerhalb von 24-48 Stunden. Eine Gesichtslähmung kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Infektionen: Virale oder bakterielle Infektionen können den Fazialisnerv entzünden und schädigen.
  • Trauma: Verletzungen des Gesichts oder Schädels können den Nerv direkt beeinträchtigen.
  • Tumore: In seltenen Fällen können Tumore, die auf den Nerv drücken, eine Lähmung verursachen.
  • Idiopathisch (Bell-Parese): In vielen Fällen ist die Ursache unbekannt. Dies wird als Bell-Parese bezeichnet.

Symptome der Fazialisparese

Die Symptome einer Fazialisparese können vielfältig sein und variieren je nach Schweregrad der Nervenschädigung. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Einseitige Gesichtslähmung: Schwierigkeiten, die Gesichtsmuskeln auf einer Seite zu bewegen.
  • Hängender Mundwinkel: Der Mundwinkel hängt auf der betroffenen Seite herab.
  • Probleme beim Schließen des Auges: Schwierigkeiten, das Auge vollständig zu schließen, was zu Trockenheit und Reizung führen kann.
  • Veränderter Geschmackssinn: Beeinträchtigung des Geschmackssinns.
  • Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen: Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen auf der betroffenen Seite.
  • Tränenfluss: Vermehrter Tränenfluss im betroffenen Auge.
  • Sprachschwierigkeiten: Schwierigkeiten beim Sprechen oder Aussprechen bestimmter Wörter.

Liebscher & Bracht Übungen für den Fazialisnerv

Regelmäßiges Training ist der Schlüssel zur Wiederherstellung der Gesichtsfunktionen bei einer Fazialisparese. Die Rückbildung der Lähmung erfordert viel Zeit und Geduld, wobei Ausdauer und häufiges Üben den Heilungsprozess unterstützen. Hier sind einige Übungen, die speziell auf die verschiedenen Gesichtspartien abzielen:

Stirn- und Augenpartie

  1. Augenbrauen hochziehen und Stirn runzeln: Ziehe zunächst deine Augenbrauen hoch und runzle die Stirn, sodass sich gleichmäßige Falten bilden. Halte diese Position für 5-10 Sekunden.
  2. Augen schließen: Versuche anschließend, beide Augen sanft zu schließen, ohne die Stirn zu verkrampfen. Falls das schwierig ist, kannst du mit dem Zeigefinger vorsichtig Zug auf das Oberlid ausüben. Außerdem ist es hilfreich, die Augenbrauen zusammenzuziehen, als würdest du böse schauen.

Mundpartie

Die Mundpartie spielt eine zentrale Rolle in der Fazialisparese Therapie.

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  1. Kussmund formen: Forme deine Lippen zu einem Kussmund und spitze sie, als ob du pfeifen wolltest. Halte diese Spannung für 10 Sekunden und entspanne dann.
  2. Lächeln: Ziehe anschließend die Mundwinkel weit auseinander, um ein breites Lächeln zu formen - einmal mit geschlossenen und einmal mit geöffneten Lippen. Zeige dabei deine Zähne.

Wangenmuskulatur

Für die Wangenmuskulatur sind folgende Übungen besonders wirksam:

  1. Wangen aufblasen: Blase deine Wangen auf und lege deine flachen Finger darauf. Versuche nun, gegen den Druck deiner Finger die Spannung in den Wangen zu halten.
  2. Fischmund machen: Danach kannst du die Wangen einziehen, als würdest du einen „Fischmund“ machen.
  3. Zunge herausstrecken: Strecke zudem deine Zunge in verschiedene Richtungen heraus - zum Kinn, zur Nase und zu beiden Seiten.

Allgemeine Tipps für die Durchführung der Übungen

  • Spiegelkontrolle: Der Spiegel ist dein wichtigster Begleiter bei allen Fazialisparese Übungen. Führe sämtliche Übungen unter Spiegelkontrolle durch, um die Bewegungen selbst zu kontrollieren und die Symmetrie zu verbessern. Achte dabei darauf, dass sich wirklich nur die beabsichtigte Muskulatur bewegt. Sollte es zu ungewollten Mitbewegungen kommen, mache eine kurze Pause.
  • Bewusstsein für Bewegungen: Dieses visuelle Feedback hilft dir, ein Bewusstsein für subtile Bewegungen zu entwickeln und deine Fortschritte zu verfolgen.
  • Regelmäßigkeit: Experten empfehlen, die Übungen in kurzen, aber häufigen Einheiten über den Tag zu verteilen, anstatt eine lange, erschöpfende Trainingseinheit zu absolvieren. Idealerweise führst du die Übungen fünfmal täglich mit jeweils drei Wiederholungen durch.

Ergänzende Maßnahmen zur Unterstützung der Therapie

Neben gezielten Übungen existieren wirksame ergänzende Maßnahmen, die deine Fazialisparese Therapie unterstützen können.

Massagen

Sanfte Massagen spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung einer Gesichtslähmung. Massiere dein Gesicht vor dem Üben, zwischendurch und besonders bei auftretenden Schmerzen. Diese Technik verbessert die Durchblutung, löst Verspannungen und bereitet die Muskulatur optimal auf die eigentlichen Übungen vor. Mit kreisenden Bewegungen und leichtem Druck kannst du die betroffenen Areale stimulieren.

Kinesiologisches Taping

Kinesiologisches Taping bietet eine wertvolle Ergänzung zur herkömmlichen Fazialisparese Therapie. Das elastische Baumwollband mit spezieller Acrylbeschichtung kann auf die betroffenen Gesichtspartien aufgeklebt werden und wirkt unterstützend auf die Muskulatur. Bei der Fazialisparese fördert das Tape den Lippenschluss und kann die Symmetrie des Gesichts verbessern. Sprich deinen Physiotherapeuten an - er kann dir ein passendes Tape, auf Wunsch auch hautfarbend, anlegen.

Temperaturreize

  • Kälteanwendung: Stimuliere die zu beübende Gesichtspartie kurz mit Eis, bevor du mit den Übungen beginnst. Ein „Eis am Stiel“ oder ein Eiswürfel, mit dem über die betroffene Region gestrichen wird, aktiviert die Hautrezeptoren und erhöht die Wirksamkeit der nachfolgenden Übungen.
  • Wärmeanwendung: Wärme lockert die Muskulatur auf und ermöglicht ein tieferes Erreichen der Muskelschichten bei der anschließenden Massage.

Elektrotherapie

Die Elektrotherapie setzt niederfrequente Reiz- und Impulsströme (0,1-1000 Hz) ein, um die geschwächte oder teilgelähmte Muskulatur zu stimulieren. Dabei werden über Elektroden elektrische Impulse an die betroffenen Gesichtsmuskeln geleitet. Allerdings sind die wissenschaftlichen Nachweise zur Wirksamkeit begrenzt - einige Studien zeigen positive Effekte wie eine Beschleunigung der Remission, während andere keine eindeutigen Vorteile belegen.

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CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) und ihre Verbindung zur Fazialisparese

Die Abkürzung CMD steht für „craniomandibuläre Dysfunktion”. Bei CMD können Beschwerden innerhalb des Kiefergelenks oder der Kaumuskulatur auftreten. Der Bewegungsfreiraum deines Kiefers verändert sich. Dadurch wird der Unterkiefer zu beweglich, bewegt sich unkoordiniert oder erlaubt nur eine eingeschränkte Öffnung. Wird eine CMD nicht richtig erkannt oder zu spät behandelt, kann es zu unterschiedlichen Schmerzen am ganzen Körper kommen.

Ursachen und Symptome von CMD

Nach unserer Erfahrung kann die tägliche Bewegung des Kiefers eine Rolle bei der Entstehung von CMD spielen. Unser Essen ist oft weich gekocht. Wie überall im Körper, wo Muskeln und Faszien nicht vollständig eingesetzt werden, verlieren sie an Kraft und an Flexibilität. Dein Körper will ökonomisch arbeiten und passt sich an. Die Muskeln und Faszien werden „kürzer“, um bei kleinen Bewegungen effektiver und schneller zu arbeiten. Dadurch bleiben sie unter Spannung.

Das Beschwerdebild einer CMD ist sehr unterschiedlich, weil die Krankheit viele Begleiterscheinungen mit sich bringen kann. Die meisten Patient*innen klagen über Gesichtsschmerzen. Außerdem geben rund 10 Prozent der Bevölkerung an, dass sie manchmal unter Kaumuskelschmerzen leiden und 2,5 Prozent berichten über Kiefergelenkschmerzen. Viele Menschen mit CMD können den Kiefer nur eingeschränkt öffnen. Ihre Schneidezähne erreichen einen Abstand von weniger als 40 mm. Das liegt oft daran, dass sie dauerhaft unter Schmerzen leiden. Deshalb nehmen sie eine Schonhaltung ein, mit der sie Schmerzen vermeiden.

CMD und Fazialisparese: Ein möglicher Zusammenhang

Eine Neuralgie des Nervus facialis, des eigentlichen Gesichtsnervs, entsteht durch verschiedene Einflüsse, worunter der interessanteste im Kontext der craniomandibulären Dysfunktionen sein dürfte, dass eine Kompression von Arterien durch umgebende Kopfmuskeln stattfindet, in deren Nachbarschaft der Nervus facialis verläuft. Da erwiesen ist, dass beim chronischen Zähneknirschen die gesamte Kiefer-/Gesichtsmuskulatur krampft, ist es durchaus vorstellbar, dass auch bei dieser Neuralgie ein Zusammenhang mit dem Zähneknirschen und Pressen bestehen könnte.

Übungen für den Kiefer bei CMD

  1. Kieferretter verwenden: Stelle zunächst den Kieferretter auf die richtige Höhe ein, indem du die passenden Korkaufsätze auf den Keramikhalter setzt. Setze den Kieferretter zwischen deine Schneidezähne und halte diese Position für etwa 2 Minuten. Mit der Zeit lässt sich dein Mund immer weiter öffnen.
  2. Dehnübungen: Lege die Hand um deinen Unterkiefer, damit du leicht am Kinn ziehen kannst. Ziehe danach mit deiner Hand den Unterkiefer vorsichtig weiter nach rechts. Die andere Hand kannst du an die Nase setzen.

Weitere Ursachen für Kieferschmerzen

Der Begriff „Kieferschmerzen“ ist sehr weitläufig. Kieferschmerzen können in oder am Knochen entstehen, z.B. bei Entzündungen (Ostitis, Osteomyelitis, Sinusitis), sie können aber auch von Zahnnerven (Pulpitis), vom Zahnstützgewebe (Gingivitis, Parodontitis), vom Trigeminusnerv und vom Facialisnerv (Neuralgie) und besonders von der komplexen Kiefer- und Gesichtsmuskulatur ausgehen, worunter vor allem die Kaumuskulatur fällt.

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Neuralgien

Eine ganz andere Art von Kieferschmerzen sind die Neuralgien. Eigentlich sind dies Nervenschmerzen und zwar scharfe, intensive Attacken, die einige Sekunden bis einige Minuten dauern können und fast immer an derselben Stelle und einseitig auftreten. Am bekanntesten ist die Neuralgie des Nervus trigeminus, die gerade beim Bruxismus eine sehr unangenehme und stark beeinträchtigende Komplikation darstellen kann.

Stress und seine Auswirkungen auf den Kiefer

Stress bedeutet „Belastung“, hat also noch keinen Hinweis auf etwas Negatives oder Positives. Was also führt dazu, dass Belastungen zu Verkrampfungen, zu Schmerz, zu Verzweiflung und Depression führen können? Sind es die Einflüsse von außen, die Stress verursachen oder entsteht Stress erst, wenn er auf die innere „Beschaffenheit“ des Menschen trifft?

Tinnitus und Kieferschmerzen

Mehr als 25 % der Einwohner der Industrieländer sind im Laufe ihres Lebens von Tinnitus betroffen. Was oft den erholsamen Schlaf rauben kann, sind unklare, ausstrahlende Kieferschmerzen. Verspannte und verkrampfte Kaumuskeln rauben schmerzbedingt den Schlaf, beeinträchtigen durch muskuläre Überspannungen im Hals/Luftröhrenbereich die nächtliche Atmung, führen durch Kompression von Kopfblutgefäßen zu Schwindelgefühl und enden leider nicht selten auch in einer Druck- und Geräuschbelästigung im Ohr (=Tinnitus: Klopfen, Klingeln, Rauschen und Sausen).

Augenlidzucken: Ursachen und Behandlung

Ausgelöst wird ein zuckendes Augenlid meist durch Stress, Nervosität, innere Unruhe, eine Überdosis Koffein, ermüdete Augen (etwa durch Bildschirmarbeit oder die intensive Nutzung digitaler Geräte) Bluthochdruck oder Schlafmangel. All diese Faktoren überanstrengen die Nerven und können so ursächlich sein für unkontrollierte Muskelzuckungen im Bereich des Auges. Desweiteren gilt auch ein Mineralstoffmangel, meist an Magnesium (Hypomagnesiämie), als häufige Ursache.

Rückenschmerzen und ihre Verbindung zum Kiefer

Vom Kopf- und Nackenbereich über die Schultern bis zum Rücken werden zusätzliche Strukturen in Mitleidenschaft gezogen. Wenn eine Verletzung am Kiefergelenk und Schmerzen entstehen, will sich der Körper meist schonen, um die Beschwerden zu vermeiden. Entlang des Kiefergelenks verläuft auch der Trigeminus-Nerv. Er verbindet Kaumuskeln, Mundhöhle und das Gesicht miteinander. Aufgrund seiner Lage können Impulse des Trigeminus-Nervs das Markhirn an der Halswirbelsäule und über weitere Verkettungen auch die Gleichgewichtsbahnen erreichen.

Übungen für den unteren Rücken

  1. Hüftbeuger-Dehnung: Liebscher & Bracht Übungen wie die Hüftbeuger-Dehnung fördern Beweglichkeit.
  2. Liegende Drehung: Lege dich auf den Rücken, die Arme ausgestreckt auf Schulterhöhe. Senke beide Knie langsam zur Seite, während du die Schultern entspannt auf der Matte hältst. Achte darauf, dass beide Schultern jederzeit am Boden bleiben.

Langfristige Strategien für die Genesung

Der Heilungsprozess bei einer Fazialisparese erfordert einen langen Atem und konsequentes Dranbleiben. Studien zeigen, dass frühe und konsequente Physiotherapie bei einer schweren Fazialisparese einen signifikanten positiven Effekt auf den Schweregrad und die Dauer der Rückbildung hat. Sogar bei chronischen Fazialisparesen, die länger als neun Monate bestehen, konnte ein erheblicher Nutzen durch regelmäßige Übungsbehandlung nachgewiesen werden.

Psychische Unterstützung

Die psychischen und psychosozialen Folgen einer Fazialisparese können oft belastender sein als die motorischen Einschränkungen selbst. Deshalb ist der Austausch mit anderen Betroffenen unschätzbar wertvoll. In diesen Gruppen kannst du verschiedene Krankheits- und Genesungswege kennenlernen, Erfahrungen teilen sowie wertvolle Tipps und Informationen austauschen.

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