Das Eiweiß im Blut, auch bekannt als Plasmaprotein, spielt eine entscheidende Rolle für verschiedene Körperfunktionen. Die Konzentrationen der einzelnen Bluteiweiße können Hinweise auf verschiedene Krankheitsbilder geben. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Arten von Plasmaproteinen, ihre Funktionen, übliche Normwerte und die Erkrankungen, auf die abweichende Werte hindeuten können. Zudem wird auf die Bedeutung der Liquordiagnostik und die Analyse des Liquors cerebrospinalis eingegangen.
Plasmaproteine: Arten und Funktionen
Die Bildung der Plasmaproteine findet größtenteils in der Leber statt. Einzig die Synthese der Gamma-Globuline erfolgt in den Plasmazellen des lymphatischen Systems. Im Allgemeinen sind die Plasmaproteine an der Immunabwehr beteiligt, sie transportieren bestimmte Stoffe im Blut, regulieren die Flüssigkeitsverteilung im Körper, tragen zur Blutgerinnung bei und sorgen aufgrund ihrer „puffernden“ Eigenschaften für die Aufrechterhaltung eines konstanten pH-Wertes.
- Albumin: Albumin macht mit insgesamt etwa 60 Prozent den Hauptanteil aller Plasmaproteine aus. Durch die Fähigkeit der Wasserbindung sorgt es für die Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen Drucks innerhalb der Blutgefäße, das heißt es verhindert den übermäßige Übertritt von Plasma in die Zellzwischenräume und in der Folge somit auch die Entstehung von Ödemen.
- Alpha-1-Globuline: Alpha-1-Globuline übernehmen als Transportproteine beispielsweise in Form des Alpha-1-Lipoproteins den Rücktransport von peripherem Cholesterin zur Leber, als Thyroxin-bindendes Globulin den Transport von Thyroxin und Triiodthyronin oder sind durch den Transport des Gerinnungsfaktors Prothrombin an der Blutgerinnung beteiligt.
- Alpha-2-Globuline: Alpha-2-Globuline haben einen Anteil von acht Prozent an allen Plasmaproteinen.
- Gamma-Globuline: Die Gamma-Globuline sind maßgeblich an der Immunabwehr beteiligt.
Normwerte des Gesamteiweißes im Serum
Der Nachweis der Plasmaproteine kann mittels laborchemischer Auswertung des Gesamteiweißes vorgenommen werden. Als Untersuchungsmaterialien eignen sich in diesem Zusammenhang beispielsweise das Serum, der Liquor, der Urin oder auch die im Rahmen einer Punktion gewonnenen Flüssigkeiten (zum Beispiel Aszites) von Patienten/-innen. Die Normwerte des Gesamteiweiß im Serum liegen bei erwachsenen Personen zwischen 65 und 80 g/L (Gramm pro Liter).
Abweichende Werte und mögliche Erkrankungen
Veränderte Lipoproteinwerte können auf eine Entzündung hindeuten, wobei bei einer akuten Entzündung die Alpha-1- und Alpha-2-Globuline ansteigen und der Albuminwert abfällt und bei einer chronischen Entzündung vordergründig die Gamma-Globuline vermehrt nachweisbar sind. Bei Lebererkrankungen, wie beispielsweise der Leberzirrhose, kommt es ebenfalls zu einem Abfall des Albumins, wohingegen die Gamma-Globuline ansteigen. Eine Erhöhung der Alpha-2- und Beta-Globuline in Kombination mit einem Abfall des Albumins und der Gamma-Globuline tritt charakteristischerweise bei bestimmten Schädigungen der Niere auf.
Liquordiagnostik: Bedeutung und Analyse
Die Untersuchung des Liquors ist für die Diagnosestellung einer Vielzahl von neurologischen Erkrankungen von Bedeutung. Sie kann bei Verdacht auf Meningitis, multiple Sklerose, Blutungen oder Meningeosis carcinomatosa die Therapieentscheidung bestimmen. Die Analyse des Liquor cerebrospinalis ist bei neurologischen Erkrankungen eine essenzielle Maßnahme und diagnostisch wegweisend bei Infektionen oder autoimmunen Entzündungen des zentralen Nervensystems (ZNS), bei neoplastischer Infiltration der Hirnhäute, zum Nachweis von Abräumreaktionen nach Blutungen in den Subarachnoidalraum oder in die Hirnventrikel sowie zur Früh- und Differenzialdiagnostik neurodegenerativer Erkrankungen.
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Stufen der Liquoranalytik
Die Liquoranalytik besteht aus einem 3-teiligen Stufenprogramm. Angesichts der Zusammensetzung des zellarmen Liquors und der Besonderheiten der Liquorphysiologie sind mehrere die Präanalytik und Analytik sowie die Interpretation der Befunde betreffende Grundregeln zu beachten.
Präanalytik
Der Liquor muss wegen einer rasch einsetzenden Zytolyse zeitnah (maximal binnen 2 Stunden nach der Lumbalpunktion) untersucht werden, um die Zellzahl zu ermitteln und die zytologischen Präparate anzufertigen. Liquor muss stets gemeinsam mit einer zeitnah zur Lumbalpunktion entnommenen Serumprobe untersucht werden, da die Proteinkonzentrationen im Liquor neben der Liquorflussgeschwindigkeit hauptsächlich von deren Blutkonzentrationen abhängen und deshalb das Serum zwingend als Bezugsgröße für die Liquorproteinanalytik herangezogen werden muss. Nach Plasmapherese oder Therapie mit hoch dosierten Immunglobulinen (IVIG) sollte eine Liquoranalyse frühestens nach 48 Stunden erfolgen, da sich das Fließgleichwicht der Proteine zwischen Blut- und Liquorkompartiment verzögert adaptiert. Ansonsten werden unplausible Proteinbefunde erhoben.
Analytik
- Zellprofil: Automaten zur Zellzählung und -differenzierung sollten wegen unzuverlässiger Befunde vermieden werden. Die Differenzialzytologie sollte uneingeschränkt bei jeder Punktion unabhängig von der Gesamtzellzahl durchgeführt werden. Eine Zellvermehrung ≥ 5/µl kommt vor bei ZNS-Entzündungen, aber auch bei Tumorinfiltration der Meningen sowie als Reizreaktion nach Traumen, intrazerebralen und subarachnoidalen Blutungen, intrathekaler Applikation von Medikamenten (z. B. Zytostatika) oder nach wiederholter Lumbalpunktion und Anlage einer externen Ventrikeldrainage. Das normale Zellbild besteht aus mononukleären Zellen mit deutlichem Überwiegen von Lymphozyten gegenüber Monozyten.
- Laktat und Glukose: Die Bestimmung des Liquorlaktats ist - da auch ohne Kenntnis des korrespondierenden Serumwertes diagnostisch relevant - gegenüber der Bestimmung der Liquorglukose, die stets in Bezug zur Serumglukose beurteilt werden muss (normal: Liquor-/Serumquotient > 0,5), vorteilhaft. Zu einem Anstieg des Liquorlaktats kommt es insbesondere bei Infektionen durch Bakterien und Mycobakterium tuberculosis sowie auch bei Meningeosis carcinomatosa.
- Proteinprofil: Liquor und Serum (verdünnt) müssen für die Proteinanalytik im selben Test und im vergleichbaren Konzentrationsbereich gemessen werden, um methodischen Impräzisionen vorzubeugen. Für die Beurteilung der Blut-Liquor-Schrankenfunktion (BLS) und einer möglichen intrathekalen Produktion von Immunglobulinen müssen für Albumin (Referenzprotein für die BLS) und Immunglobuline die Liquor-/Serumkonzentrationsquotienten berechnet werden. Die Quotientenbildung für Albumin (QAlb) und Immunglobuline (QIgG, QIgA, QIgM) normiert die von den jeweiligen Serumkonzentrationen abhängige Diffusion dieser Proteine in den Liquor und macht die gemessenen Liquorkonzentrationen unabhängig von den individuell variablen Serumkonzentrationen.
Integrierter Gesamtbefund
Die zusammenfassende Darstellung der erhobenen Einzelparameter in einem integrierten Gesamtbefund ist unerlässlich, um krankheitstypische Befundmuster sowie deren Plausibilität auf Anhieb zu erfassen. Der integrierte Gesamtbefund umfasst obligat Angaben zu:
- der zellulären Beschaffenheit des Liquors (Zellzahl und Zytologie)
- den Liquor-/Serumquotienten von Albumin und den Immunglobulinen. QAlb reflektiert die individuelle BLS, da Albumin rein extrazerebral (in der Leber) produziert wird und somit die Albuminkonzentration im Liquor ausschließlich aus dem Blut stammt. Mit Bezug auf QAlb erlaubt die vergleichende Analyse der Liquor-/Serumquotienten für die Immunglobulinklassen eine quantitative Aussage darüber, ob sich mehr IgG, IgA oder IgM im Kompartiment Liquor befindet, als dies theoretisch durch reine Diffusion zu erwarten wäre. Ist dies der Fall, liegt eine intrathekale Ig-Produktion vor, die einen entzündlichen Prozess im ZNS nachweist und je nach Befundmuster dessen nähere Eingrenzung ermöglicht.
- der Relation der Immunglobulin-Quotienten zum Albumin-Quotienten anhand von Quotendiagrammen, die von Reiber und Felgenhauer etabliert wurden und einer empirisch und theoretisch fundierten Hyperbelfunktion folgen. Die Quotientendiagramme für IgG, IgA, IgM werden, sortiert nach der Radiusgröße der Proteine (IgG < IgA < IgM), grafisch untereinander wiedergegeben, was neben der Erkennung krankheitstypischer Muster dem Labor auch die Überprüfung der Befundplausibilität gestattet.
- oligoklonalen IgG-Banden (OKB). OKB treten unspezifisch bei subakuten und chronischen Entzündungen des ZNS als Korrelat einer oligoklonalen B-Zell-Aktivierung auf. Der qualitative Nachweis liquorspezifischer OKB mittels isoelektrischer Fokussierung weist gegenüber den auf der Grundlage quantitativer Messungen ermittelten Quotientendiagrammen mit höherer Empfindlichkeit das Vorliegen einer intrathekalen IgG-Synthese nach. Ein OKB-Muster liegt vor, wenn in parallelen Liquor-/Serumproben ≥ 2 Banden im Liquor, aber nicht im Serum (Typ-2-Muster) oder ≥ 2 liquorspezifische Banden zusätzlich zu identischen Banden in Liquor und Serum (Typ-3-Muster) zur Darstellung kommen.
Fakultativ und je nach klinischer Fragestellung können im integrierten Gesamtbefund Angaben zum Liquorlaktat, zur Glukosekonzentration in Liquor und Serum oder Spezialparameter wie erregerspezifische Antikörperindizes (AI) und Demenzmarker ergänzt werden.
Spezialanalytik
- Demenzmarker: Gegenwärtig sind die Biomarker Amlyoid-β1-42 (Aβ1-42), Amlyoid-β1-40 (Aβ1-40), Gesamt-Tau und Phospho-Tau-181 (pTau) sowie 14-3-3-Protein und der PrPSc-Aggregationsassay klinisch validiert und etabliert und können vor allem zur Positivdiagnostik verwendet werden (siehe Tabelle 1 bzgl. Referenzwerte für Alzheimer-Demenz). Andere primäre Demenzen, wie zum Beispiel die PPA (primär progrediente Aphasien) oder DLB (Demenz mit Lewy-Körperchen, „dementia with Lewy bodies“) bieten jedoch eine signifikante Überlappung einiger Biomarker, insbesondere Amyloid-β1-42 (Aβ1-42) und Gesamt-Tau, sodass eine rein neurochemische Differenzierung der unterschiedlichen Demenzätiologien basierend auf diesen Liquorbiomarkern allein gegenwärtig unzureichend ist.
- Erregerdiagnostik bei Infektionen des ZNS: Erregerspezifische Antikörperindizes (AI) ermöglichen den diagnostisch bedeutsamen Nachweis einer intrathekalen Synthese von IgG-Antikörpern mit Spezifität für diverse Erregerantigene. Die Berechnung gelingt durch Quotientenbildung der Liquor-/Serumkonzentrationen des spezifischen IgG (QIgGspez) und deren Bezug auf die Liquor-/Serumkonzentrationen des Gesamt-IgG (QIgGgesamt). Werte ≥ 1,5 zeigen an, dass der Anteil des spezifischen IgG am Gesamt-IgG im Kompartiment Liquor größer ist als der Anteil des spezifischen IgG am Gesamt-IgG im Serum und belegen eine intrathekale Synthese des spezifischen IgG. AI gelten bei einigen Infektionen als Goldstandard für den Erregernachweis (z. B. Neuroborreliose, Neuro-Lues) und sind als MRZ-Reaktion (intrathekale Synthese von mindestens 2 erregerspezifischen IgG-Antworten gegen Masern-, Röteln-, Varizella-Zoster-Virus) hochspezifisch für die multiple Sklerose (MS) und weisen die für diese Erkrankung typische polyklonale und unter anderem polyvirale B-Zell-Aktivierung nach. Der direkte Erregernachweis erfolgt mikroskopisch (z. B. Gram-Färbung zum Nachweis von Bakterien oder Tuschefärbung zum Nachweis von Kryptokokken), anhand Antigen-Schnelltests, kultureller Erregeranzucht (zeitaufwendig und Ergebnis erst mit Latenz) und durch Detektion pathogenspezifischer Genomabschnitte mittels Nukleinsäure-Amplifikationstechniken (am häufigsten Polymerase-Kettenreaktion, PCR).
Typische Konstellationen bei Entzündungen und Neoplasien des ZNS
Einige typische Konstellationen bei Entzündungen und Neoplasien des ZNS, die direkt aus dem integrierten Gesamtbefund ablesbar sind und gegebenenfalls eine weitere Spezialdiagnostik erfordern, sind in Tabelle 2 aufgeführt.
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Multiple Sklerose
Die häufigste entzündliche Erkrankung des ZNS bei jungen Erwachsenen (Prädilektionsalter 20. bis 40. Lebensjahr) wird häufig durch Sehstörungen (Sehnervenentzündung, Doppelbilder) sowie sensible und/oder motorische Störungen symptomatisch. Der Verlauf ist mehrheitlich zunächst relapsierend, später oft chronisch progredient.
Stellenwert Liquoranalyse
Essenzieller diagnostischer Baustein. Eine intrathekale IgG-Synthese kann als kardinaler Befund gemäß den aktuellen Diagnosekriterien zum diagnostisch geforderten Nachweis der zeitlichen Dissemination des Entzündungsprozesses herangezogen werden, sofern in der kranialen Magnetresonanztomografie (MRT) die Kriterien für die ebenfalls nachzuweisende örtliche Dissemination (≥ 1 krankheitstypische T2-Läsionen in mindestens 2 MS-typischen Regionen) erfüllt sind, jedoch keine aktiven (Kontrastmittel anreichernden) Läsionen als Korrelat einer zeitlich versetzten und damit chronischen Evolution der Entzündung vorhanden sind.
Typisches Befundmuster
Es liegt eine leichte Zellzahlerhöhung (maximal bis 50/µl) mit wenigen transformierten Lymphozyten und Plasmazellen vor. Eine intrathekale IgG-Synthese, die im Krankheitsverlauf persistiert, wird entweder rechnerisch im Quotientendiagramm oder mit deutlich höherer Empfindlichkeit durch liquorspezifische OKB (Typ-2- oder Typ-3-Muster) nachgewiesen. Es besteht eine 2- oder 3-fach positive MRZ-Reaktion (Parameter mit höchster Spezifität für MS, weniger sensitiv [ca. 63 % der Fälle] als OKB [> 90 %]).
Wichtig zu beachten
Insbesondere bei fehlender oder nur transienter intrathekaler IgG-Synthese (Quotientendiagramm oder OKB) und/oder Zellzahl > 100/µl im akuten Schub muss Zweifel an der MS-Diagnose aufkommen und eine Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) oder Enzephalomyelitis mit Seropositivität für MOG-(Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein-)IgG erwogen werden. Beide Erkrankungen sind antikörpervermittelte Entitäten, die mit der MS klinisch sowie auch radiologisch überlappen können und dominant die Sehnerven, das Myelon und den Hirnstamm betreffen. Sie unterscheiden sich jedoch hinsichtlich Prognose und Immuntherapie von der MS.
Autoimmunenzephalitis
Autoimmunenzephalitiden betreffen jährlich etwa eine von 100 000 Personen. Typische Biomarker sind bei einem Großteil der Patienten distinkte IgG-Autoantikörper in Serum und/oder Liquor; Unterteilung in mehrheitlich paraneoplastische Syndrome mit Nachweis von klassischen onkoneuralen Antikörpern (Spezifität für intrazelluläre Antigene wie anti-Hu, -Yo, -Ri; prognostisch ungünstig, schlechtes Ansprechen auf Immuntherapie) und Syndrome, die nicht oder deutlich seltener in Assoziation mit Malignomen vorkommen und mit dem serologischen Nachweis von Antikörpern mit Spezifität für Oberflächenantigene einhergehen (z. B. NMDA-Rezeptor, LGI1-Protein, CASPR2-Protein; GABAB-Rezeptor, AMPA-Rezeptor; häufiger, prognostisch günstiger, oft gutes Ansprechen auf Immuntherapie).
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Prototypen
- NMDA-Rezeptor-Enzephalitis: Eine altersunabhängig fast ausschließlich Mädchen und Frauen betreffende Erkrankung, die sich mit einem neuropsychiatrischen Symptomspektrum (Verhaltensauffälligkeit, Psychose, Anfälle, Bewegungsstörung) manifestiert und zu langer Intensivpflichtigkeit führen kann, jedoch bei frühzeitiger Immuntherapie und ggf. Tumortherapie (in 30-40 % Ovarialteratome) eine günstige Langzeitprognose aufweist.
- LGI1-Enzephalitis: Eine insbesondere Männer im mittleren oder höheren Lebensalter betreffende Erkrankung, zu deren Kernmerkmalen eine rasch einsetzende Störung des Kurzzeitgedächtnisses und der Orientierung sowie außerdem fokale und generalisierte Anfälle gehören.
Diagnose und Stellenwert Liquoranalyse
Die Diagnose wird durch den Nachweis antineuronaler Antikörper in Serum und Liquor gesichert. Da zum Beispiel NMDAR-Antikörper ausnahmslos intrathekal produziert werden, kann die Diagnosesicherung früher durch parallele Mituntersuchung einer Liquorprobe gelingen. Die Liquoranalytik ist diagnostisch wichtig und kann bei rasch einsetzenden und nicht fieberhaften enzephalopathischen oder demenziellen Syndromen frühzeitig den Verdacht auf eine Autoimmunenzephalitis lenken.
Typisches Befundmuster
Häufig, aber nicht in allen Fällen, liegt eine leicht bis mäßig ausgeprägte lymphozytäre Zellzahlerhöhung vor (bis ca. 100/µl), gegebenenfalls eine gering- bis mäßiggradige BLS-Funktionsstörung, oft eine intrathekale IgG-Synthese, am häufigsten in Form einer liquorspezifischen OKB.
Wichtig zu beachten
Autoimmunenzephalitiden sind wichtige und behandelbare Differenzialdiagnosen von erregerbedingten Erkrankungen des ZNS, Psychosen und Demenzen. Im jüngeren Lebensalter und bei weiblichem Geschlecht muss insbesondere die NMDA-Rezeptor-Enzephalitis gegenüber der Erstmanifestation einer Psychose abgegrenzt werden, im höheren Erwachsenenalter und bei männlichem Geschlecht kann eine LGI1-Enzephalitis als rasch fortscheitende präsenile Demenz verkannt werden.
Bakterielle und virale Infektionen
Bakterielle und virale Infektionen manifestieren sich klinisch als Meningitis oder (Meningo-)Enzephalitis. Leitsymptome sind Kopfschmerzen, Nackensteife und Fieber sowie bei enzephalitischer Mitbeteiligung zusätzlich neurologische Herdsymptome (z. B. Aphasie, Hemiparese) und/oder epileptische Anfälle. Das perakute/akute Einsetzen der Leitsymptome weist auf eine bakterielle Ätiologie, ein subakuter Beginn auf eine virale (oder andere nicht eitrige, u. a. tuberkulöse) Infektion hin.
Stellenwert Liquoranalyse
Essenzieller diagnostischer Baustein und unumgänglich zur Differenzie-rung einer bakteriellen versus nichtbakteriellen Meningitis und zur Identifikation des auslösenden Erregers mittels direkter oder indirekter Nachweisverfahren.
Liquor-Protein bzw. QGesamt-Protein
Liquor-Protein bzw. QGesamt-Protein ist Kenngröße der Blut-Hirn-Schranken-(BHS-) bzw. Blut-Liquor-Schranken-(BLS-)Funktionsstörung in CSF ohne bzw. Lagerung in sterilen Plastikröhrchen bei Zimmertemperatur 1 Tag, bei 4-6 °C <30 Tage und bei −20 °C ca.
Methoden zur Bestimmung des Liquor-Proteins
- Biuret-Methode: (empfohlene Referenzmethode) mit 0,5 mL CSF angereichert durch Proteinfällung mit Perchlorsäure (66 g/L), zusätzliche Fällung kleiner Eiweißmoleküle (Akute-Phase-Proteine) mit Trichloressigsäure (30 g/L) bzw. Phosphorwolframsäure (2 g in 2 mol/L H2SO4); dadurch werden CSF-Störfaktoren eliminiert.
- Benzethoniumchlorid-Turbidimetrie: bei 505 nm mit 0,015 mL CSF, Nachweisgrenze 20 mg/L, mechanisierbar, wenige Störfaktoren.
- Turbidimetrie mit Trichloressigsäure: (30 g/L) und 0,2 mL CSF bei 436 nm gegen Reagenzienleerwert, Nachweisgrenze 20 mg/L.
Allgemeiner Störfaktor: Hämolyse, Xanthochromie; Korrektur mittels Leerwert erforderlich. Allgemeine Einflussgröße: abgenommene Liquormenge.
Referenzbereiche für Liquor-Protein
- Median und 5- bis 95-%-Bereich der Biuret-Methode:
- 1. Monat: 236-995 mg/L
- 2. Monat: 116-624 mg/L
- 3. Monat: 136-477 mg/L
- 4. Monat: 157-493 mg/L
- 5.-6. Monat: 102-516 mg/L
- 7.-12. Monat: 2.-3. Leukozyten: Erwachsene < 4 Zellen/µl, Lymphozyten u.
Erhöhtes Liquor-Protein
Liquor-Protein bzw. QGesamt-Protein (CSF/Serum-Protein-Konzentrationsquotient) erhöht bei geringen (450-600 mg/L), moderaten (601-1000 mg/L), schweren (1001-10.000 mg/L Liquor-Protein) Blut-Liquor-Schranken- (BLS-) / Blut-Hirn-Schranken- (BHS-)Funktionsstörungen; Schrankenzusammenbruch bei Stoppliquor (>10.000 mg/L) evtl.
Vermindertes Liquor-Protein
Liquor-Protein bzw. QGesamt-Protein vermindert bei Hirnatrophie, Liquorresorptionsstörungen.
Liquor-Protein als Kenngröße
Liquor-Protein ist eine Kenngröße der BLS/BHS-Funktionsstörung mit 87-88 % Sensitivität bzw. Spezifität bei der Meningitisdiagnostik in Lumballiquor.
Methodenvergleich
Folin-Ciocalteu-Methode 2 100-mal empfindlicher als Biuret-Methode 1, beide wenig praktikabel; Störfaktoren aller Methoden sind Hämolyse und Xanthochromie. Methoden 1, 3, 4, 5, 6 mechanisierbar; Methoden 1a, 1b, 4 für Ventrikelproben zu unempfindlich; Matrixunterschiede zwischen Kalibrator und CSF-Proben bzw. verschiedene Kalibratorproteine (z. B. Albumin, verdünntes Serum) und Reaktions- bzw.
Liquordiagnostik: Indikationen
Die Liquordiagnostik (Synonyme: Analyse des Liquors, Liquoranalyse, Liquoruntersuchung) dient vor allem der Diagnose von Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem (ZNS) betreffen. Der Liquor wird gewonnen durch eine Liquorpunktion.
Liquor cerebrospinalis
Der Liquor cerebrospinalis (Zerebrospinalflüssigkeit, engl Cerebrospinal fluid (CSF); Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, auch bezeichnet als "Nervenwasser", "Hirnwasser" oder "Gehirnwasser") ist eine klare farblose Flüssigkeit, die nur wenige Zellen enthält und im Subarachnoidalraum das zentrale Nervensystem umspült. Die ca. 120-200 ml Liquor werden durch den Plexus choroideus (80 %), das zerebrale Parenchym und die Ependymzellen der Ventrikel und des Spinalkanals (Rückenmarkskanal) (20 %) gebildet und zirkulieren unter ständiger Produktion und Resorption im Liquorraum. Der Abfluss erfolgt über die Arachnoidalzotten. Täglich werden ca. Für alle klinisch-chemischen, serologischen und immunologischen Untersuchungen sollte der Liquor bei +4 - +8 °C transportiert bzw.
Indikationen für die Liquordiagnostik
- Infektiöse Erkrankungen des zentralen Nervensystems (bakterielle, virale, mykotische, parasitäre Infektionen)
- Autoimmunerkrankungen
- Erkrankungen des Zentralnervensystems mit bzw. ohne Erkrankung des peripheren Nervensystems
- Neoplasien des zentralen Nervensystems
- Neurodegenerative Erkrankungen
Immunglobuline im Liquor
Der Anteil des jeweiligen Ig (intrathekale Fraktion) kann an den 20 %- bis 80 %-Linien abgelesen werden. Dieses ermöglicht einen Vergleich zwischen IgA, IgG und IgM (d.h. Gewichtung und Ermittlung der Dominanz eines bestimmten Ig). Es wird dabei von einer 1-Klassen-, 2-Klassen- bzw. 3-Klassen-Reaktion mit IgG- bzw.
Weitere Untersuchungen
- erregerspezifische Antikörper / Antigennachweis (Erregernachweis bzw. Bestätigung)
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