Alkohol ist ein tief verwurzelter Bestandteil vieler Kulturen, oft verbunden mit Geselligkeit und positiven Erlebnissen. Dennoch birgt der Konsum auch Risiken, insbesondere wenn er als Bewältigungsstrategie für Stress, Ängste oder negative Gefühle dient. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Auswirkungen von Alkohol auf Körper und Psyche, geht auf die Frage nach einem gesunden Maß ein und betrachtet die positiven Effekte einer Alkoholfastenkur.
Was ist Alkohol?
Alkohol ist eine chemische Verbindung, wobei Ethanol die einzige für den Konsum geeignete Form darstellt. Es entsteht durch die Vergärung von Zucker aus Früchten oder zuckerhaltigen Lebensmitteln. Obwohl alkoholische Getränke in Deutschland als Lebensmittel gelten, wirkt Ethanol als Zellgift, das die Funktion von Organen und die körperliche sowie geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann.
Wie wirkt Alkohol im Körper?
Alkohol gelangt über die Schleimhäute in Mund, Magen und Dünndarm in den Blutkreislauf und erreicht innerhalb weniger Minuten das Gehirn, wo er den Rauschzustand verursacht. Die Wirkung variiert je nach Geschlecht, Körpergröße, Gewicht, Trinkhäufigkeit und individueller Verfassung. Zu den Folgen gehören:
- Hemmung der Signalübertragung: Alkohol beeinträchtigt die Reizweiterleitung zwischen Nervenzellen, was zu verlangsamten Denkprozessen führt.
- Koordinationsprobleme: Das für die Bewegungssteuerung zuständige Kleinhirn wird beeinträchtigt.
- Veränderte Wahrnehmung und Stimmung: Niedrige Dosen können euphorisierend wirken, während hohe Dosen zu Verwirrung und Gedächtnislücken führen können.
Der Körper beginnt etwa eine Stunde nach dem Konsum mit dem Abbau des Alkohols, hauptsächlich durch die Leber.
Der Kater: Ursachen und Symptome
Der Kater nach übermäßigem Alkoholkonsum ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen:
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- Giftige Abbauprodukte: Beim Abbau von Alkohol entsteht Acetaldehyd, das Symptome wie Herzrasen und Schwindel auslösen kann.
- Dehydrierung: Alkohol entzieht dem Körper Wasser, was zu Kopfschmerzen führt.
- Reizung der Magenschleimhaut: Dies kann Übelkeit und Erbrechen verursachen.
- Unterzuckerung: Alkohol stört die Glukoseausschüttung, was zu Müdigkeit und Heißhunger führen kann.
Das richtige Maß: Ab wann ist Alkohol schädlich?
Es gibt keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol. Das Risiko für die Gesundheit beginnt bereits mit dem ersten Tropfen. Je höher der Konsum, desto schädlicher die Wirkung. Daher wird empfohlen, ganz auf alkoholische Getränke zu verzichten.
Körperliche Folgen von erhöhtem Alkoholkonsum
Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht das Risiko für verschiedene Krankheiten und kann bestehende Erkrankungen verschlimmern.
Gastritis und Alkohol
Alkohol reizt die Magenschleimhaut und kann eine Gastritis (Magenschleimhautentzündung) auslösen oder deren Heilungsprozess verzögern.
Leberbeeinträchtigungen und Alkohol
Die Leber ist das Hauptorgan für den Alkoholabbau. Dabei entsteht Acetaldehyd, das die Zellfunktion schädigen kann. Zudem stört Alkohol den Fettstoffwechsel in der Leber. Mögliche Folgen sind:
- Fettleber: Durch vermehrte Fettablagerungen in der Leber.
- Alkoholhepatitis: Entzündung einer bereits bestehenden Fettleber.
- Leberzirrhose: Fortschreitende Vernarbung der Leber, die ihre Funktion einschränkt und lebensbedrohlich sein kann.
Blutdruck und Alkohol
Alkohol weitet zunächst die Blutgefäße, was den Blutdruck kurzfristig senkt. Langfristig trägt Alkoholkonsum jedoch zu höherem Blutdruck bei.
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Bauchspeicheldrüsenentzündung und Alkohol
Alkohol ist einer der häufigsten Auslöser für Bauchspeicheldrüsenentzündungen, die chronisch werden und andere Organe negativ beeinflussen können.
Herzrhythmus und Alkohol
Alkohol kann Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern auslösen, die sich in Herzklopfen, Herzrasen, Müdigkeit, Schwindel oder Schlafstörungen äußern können und langfristig das Schlaganfallrisiko erhöhen.
Depressionen und Alkohol
Alkoholkonsum und Depressionen stehen in Wechselwirkung. Alkohol kann die Entwicklung einer Depression begünstigen, und umgekehrt kann eine Depression zu erhöhtem Alkoholkonsum führen.
Krebs und Alkohol
Alkohol kann das Risiko für verschiedene Krebsarten erhöhen, da das Abbauprodukt Acetaldehyd die DNA beeinflussen und Mutationen auslösen kann.
Alkoholvergiftung (Alkoholintoxikation)
Der Körper wird bei einer Alkoholvergiftung vergiftet und versucht, sich dagegen zu wehren. Man unterscheidet vier Stadien der Vergiftung, die man nach dem Promillewert unterscheidet. Die Anzeichen sind dabei abhängig vom Blutalkoholspiegel. Im schlimmsten Fall kann der Körper in einen Schockzustand fallen. Dann besteht die Gefahr eines Atemstillstandes und Kreislaufversagens, weshalb schnellstmöglich medizinische Hilfe notwendig ist.
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Alkoholismus und Abhängigkeit
Bei einer Alkoholsucht wird Alkohol vom Genussmittel zur Droge. Der Konsum steigt schnell an und es treten Entzugserscheinungen auf, wenn die Sucht nicht befriedigt wird.
Alkohol in der Schwangerschaft
Alkohol in der Schwangerschaft ist sehr schädlich. Zum Schutz des ungeborenen Kindes sollte deshalb gänzlich auf Alkohol verzichtet werden. Andernfalls sind Entwicklungsschäden möglich: Das fetale Alkoholsyndrom ist die häufigste bekannte Ursache für geistige Behinderung bei Kindern.
Psychische Auswirkungen von Alkohol: Ein zweischneidiges Schwert
Alkohol kann kurzfristig positive psychische Effekte haben, birgt aber langfristig erhebliche Risiken für die psychische Gesundheit.
Kurzfristige Effekte: Stimmungsaufhellung und Entspannung
Viele Menschen konsumieren Alkohol, um ihre Stimmung zu heben, Ängste zu lösen und sich zu entspannen. Alkohol aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn und kann euphorisierend, anregend und enthemmend wirken. Er kann auch die Kontaktfreudigkeit erhöhen und in niedrigen Dosen sexuell anregend wirken.
Negative Kurzzeitwirkungen: Beeinträchtigung von Wahrnehmung und Kognition
Trotz der anfänglich angenehmen Wirkung ist Alkohol ein Zellgift, das auch in geringen Mengen negative Effekte haben kann. Dazu gehören:
- Wahrnehmungsstörungen (z. B. vermindertes Sehvermögen)
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme
- Verlangsamte Reaktionszeit
- Selbstüberschätzung
- Koordinationsstörungen
- Gedächtnisstörungen ("Filmriss")
- Verwirrtheit
- Aggressivität
Diese Beeinträchtigungen erhöhen das Unfallrisiko und können zu unkontrolliertem Verhalten führen.
Langzeitfolgen für die Psyche: Sucht und psychische Erkrankungen
Chronischer Alkoholkonsum kann schwerwiegende psychische Probleme verursachen, darunter:
- Persönlichkeitsveränderungen: Unzuverlässigkeit, Reizbarkeit, Unruhe
- Depressionen
- Angststörungen
- Demenz
- Erhöhtes Suizidrisiko
- Alkoholsucht (Alkoholismus)
Die Wechselwirkung zwischen Alkohol und psychischen Erkrankungen ist komplex. Alkohol kann bestehende psychische Probleme verstärken und die Wirksamkeit von Medikamenten beeinträchtigen.
Alkoholverzicht: Was bringt eine längere Abstinenz?
Alkoholfasten ist immer sinnvoll. Schon nach wenigen Tagen beginnt der Körper sich zu regenerieren. Außerdem hilft es, das eigene Trinkverhalten zu überdenken. Die ersten positiven Veränderungen sind bereits nach einer Woche sichtbar: Der Schlaf ist besser, Sie haben mehr Energie, sind konzentrierter und Ihr Hautbild verbessert sich.
Ein längerer Verzicht kommt vor allem der Leber zugute. Sie regeneriert sich und Fetteinlagerungen bilden sich zurück, wodurch sich die Leberwerte verbessern. Eine bereits bestehende Leberzirrhose lässt sich dadurch allerdings nicht heilen. Der Prozess kann durch den Alkoholverzicht aber gestoppt werden.
Auch das Herz-Kreislauf-System wird gesünder, denn der Blutdruck sinkt und die Herzfrequenz normalisiert sich. Die Immunabwehr wird gestärkt und durch die fehlenden Kalorien bemerken viele auch einen Gewichtsverlust.
Fakten und Mythen zum Thema Alkohol
Um Alkohol ranken sich viele Mythen. Doch wieviel Wahrheit steckt in ihnen?
- Die Menge macht's: Egal welche Art von Alkohol Sie trinken, die Menge ist entscheidend. Wein und Bier sind nicht weniger schädlich als „harter“ Alkohol. Auch die Aussage, dass „durcheinandertrinken“ schneller betrunken macht, ist nicht richtig. Hier zählt auch die Menge.
- Nahrungsmittel können von Natur aus Alkohol enthalten: Jeder Mensch nimmt Alkohol über die Nahrung auf. Geringe Mengen des Stoffs sind in handelsüblichen Lebensmitteln wie Brot, Apfelsaft und Sauerkraut enthalten. Diese kleinen Mengen sind nicht schädlich für den Organismus.
- Alkohol hilft nicht bei Kälte: Alkohol weitet die Blutgefäße und beschleunigt so das Auskühlen des Körpers.
- Warmes Bier hilft nicht bei einer Erkältung: Alkohol im Blut schwächt die Abwehrmechanismen, die unser Körper braucht, um zum Beispiel mit einer Erkältung fertig zu werden.
- Das gesunde Glas Rotwein ist ein Mythos: Kein Alkohol ist immer das Beste für Ihre Gesundheit.
Soziale Folgen von Alkoholsucht
Die Alkohol-Auswirkungen betreffen nicht nur die Gesundheit. Zu den beschrieben körperlichen und seelischen Folgen kommen Probleme mit dem sozialen Umfeld - insbesondere, wenn der Konsum in die Sucht (Alkoholismus) mündet. Alkoholmissbrauch und -sucht wirken sich dann auch meist stark auf Partner, Familie, Freunde und Job aus.
Wie wird eine Alkoholabhängigkeit festgestellt?
Der Prozess ist oft schleichend: Bis Betroffene einsehen, dass der Alkohol sie fest im Griff hat, dauert es meist Jahre. Das Trinken zu bagatellisieren und zu leugnen, ist Teil der Erkrankung. Fachleute nennen klare Warnzeichen und Krankheitskriterien.
Achten Sie auf folgende Warnzeichen:
- Sie sind unfähig, ohne Alkohol zu entspannen und sich wohlzufühlen.
- Wenn Sie nicht trinken, sind Sie unruhig und leiden an Schlafstörungen.
- Sie haben Gedächtnislücken nach dem Trinken.
- Sprechen Angehörige Sie auf Ihren Alkoholkonsum an, gibt es Streit.
- Sie haben häufig Schuldgefühle, weil Sie trinken.
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