Lactat, das Endprodukt der anaeroben Glykolyse, spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel des Körpers. Es entsteht hauptsächlich in der Skelettmuskulatur, aber auch im Gehirn, den Erythrozyten, dem Nebennierenmark, dem Darm und der Haut. Der größte Teil des gebildeten Lactats wird zur Leber transportiert und dort im Rahmen der Gluconeogenese verstoffwechselt. Ein vorübergehender Anstieg des Lactatspiegels kann nach schwerer körperlicher Arbeit oder intensiven Sport sowie nach epileptischen Anfällen physiologisch sein. Eine Hyperlaktatämie, d. h. ein erhöhter Lactatwert, kann jedoch auf verschiedene pathologische Zustände hinweisen, darunter auch Meningitis.
Lactat als diagnostischer Marker bei Meningitis
Bei der Diagnostik der Meningitis spielt die Liquordiagnostik eine entscheidende Rolle. Dabei wird der Liquor cerebrospinalis, die Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt, auf verschiedene Parameter untersucht. Einer dieser Parameter ist der Lactatwert. Ein erhöhter Lactatwert im Liquor kann ein Hinweis auf eine bakterielle Meningitis sein.
Bedeutung des Liquorlactats für die Diagnose
Das Liquorlactat kann bei der Unterscheidung zwischen bakterieller und viraler Meningitis helfen. Bei einer bakteriellen Meningitis ist der Lactatwert im Liquor typischerweise deutlich erhöht (> 3,5 mmol/l), während er bei einer viralen Meningitis meist normal oder nur leicht erhöht ist. Giulieri et al. (2015) zeigten in ihrer Studie, dass das Liquorlactat ein nützlicher Parameter für die Diagnose der bakteriellen Meningitis ist.
Fallstricke bei der Interpretation
Es ist wichtig zu beachten, dass der Lactatwert im Liquor auch durch andere Faktoren beeinflusst werden kann. So können beispielsweise eine verzögerte Probenbearbeitung oder eine Kontamination der Probe zu falsch erhöhten Lactatwerten führen. Auch die alleinige Zugabe von Natrium-Fluorid stoppt die Glykolyse, allerdings erst nach zwei Stunden (volle Wirksamkeit nach 4 Stunden). Um die Glykolyse (Zuckerabbau) im Probenmaterial sofort und dauerhaft zu hemmen, werden dem Probenmaterial Mannose und Natrium-Fluorid hinzugegeben (Glykolyseinhibitoren (Hemmer des Zuckerabbaus)). Daher ist es wichtig, bei der Interpretation des Lactatwertes im Liquor immer auch die klinische Symptomatik und andere Laborbefunde zu berücksichtigen.
Ursachen für erhöhte Lactatwerte im Liquor bei Meningitis
Ein erhöhter Lactatwert im Liquor bei Meningitis kann verschiedene Ursachen haben:
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- Bakterielle Infektion: Bakterien, die in den Liquor eindringen, verstoffwechseln Glukose anaerob, wodurch Lactat entsteht.
- Entzündungsreaktion: Die Entzündungsreaktion im Gehirn führt zu einer erhöhten Stoffwechselaktivität und damit zu einer erhöhten Lactatproduktion.
- Verminderte Sauerstoffversorgung: Bei einer schweren Meningitis kann es zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Gehirns kommen, was ebenfalls die anaerobe Glykolyse und damit die Lactatproduktion fördert.
Bakterielle Meningitis
Eine bakterielle Meningitis ist eine akute, eitrige Entzündung der Hirnhäute (Meningen) sowie ggf. des Hirngewebes (Enzephalitis). Häufige Erreger sind Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken), Neisseria meningitidis (Meningokokken) und Haemophilus influenzae Typ B (Hib). Die Erreger können auf verschiedenen Wegen in die Hirnhäute gelangen, z. B. hämatogen (über das Blut), direkt (per continuitatem) bei HNO-Infektionen oder nach neurochirurgischen Eingriffen.
Bei einer bakteriellen Meningitis kommt es typischerweise zu einer deutlichen Erhöhung des Lactatwertes im Liquor. Dies ist auf die anaerobe Glykolyse der Bakterien sowie auf die Entzündungsreaktion im Gehirn zurückzuführen.
Tuberkulöse Meningitis
Eine tuberkulöse Meningitis ist eine spezielle Form der bakteriellen Meningitis, die durch Mycobacterium tuberculosis verursacht wird. Sie tritt vor allem bei Jugendlichen und Erwachsenen sowie bei Menschen mit einer Immunschwächekrankheit auf. Die Symptome ähneln denen einer bakteriellen Meningitis, sind aber meist nicht so akut. Auch bei der tuberkulösen Meningitis ist der Lactatwert im Liquor in der Regel erhöht.
Virale Meningitis
Eine virale Meningitis wird meist durch Enteroviren, Herpesviren oder Mumpsviren verursacht. Sie verläuft in der Regel milder als eine bakterielle Meningitis und heilt meist ohne Behandlung folgenlos aus. Bei einer viralen Meningitis ist der Lactatwert im Liquor meist normal oder nur leicht erhöht.
Differenzialdiagnosen bei erhöhten Lactatwerten im Liquor
Es ist wichtig zu beachten, dass erhöhte Lactatwerte im Liquor nicht nur bei Meningitis vorkommen können. Auch andere Erkrankungen können zu einer Erhöhung des Lactatwertes führen, z. B.:
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- Hirninfarkt: Bei einem Hirninfarkt kommt es zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Gehirns, was die anaerobe Glykolyse und damit die Lactatproduktion fördert.
- Schädel-Hirn-Trauma: Ein Schädel-Hirn-Trauma kann zu einer Schädigung des Gehirns und damit zu einer erhöhten Stoffwechselaktivität und Lactatproduktion führen.
- Epileptische Anfälle: Nach epileptischen Anfällen kann es zu einem vorübergehenden Anstieg des Lactatwertes im Liquor kommen.
- Mitochondriale Erkrankungen: Mitochondriale Erkrankungen können zu einer Störung des Energiestoffwechsels und damit zu einer erhöhten Lactatproduktion führen.
- Meningeosis carcinomatosa: Bei einer Meningeosis carcinomatosa kommt es zu einer Infiltration der Hirnhäute mit Tumorzellen, was ebenfalls zu einer erhöhten Stoffwechselaktivität und Lactatproduktion führen kann.
Daher ist es wichtig, bei der Interpretation des Lactatwertes im Liquor immer auch die klinische Symptomatik und andere Laborbefunde zu berücksichtigen, um eine korrekte Diagnose zu stellen.
Therapie der Meningitis
Die Therapie der Meningitis richtet sich nach der Ursache der Erkrankung. Bei einer bakteriellen Meningitis ist eine sofortige antibiotische Behandlung erforderlich. Die Antibiotika sollten gut die Blut-Liquor-Schranke überwinden können. Bei unbekanntem Erreger wird eine empirische Antibiotikatherapie in Abhängigkeit von Alter und prädisponierenden Faktoren schnellstmöglich begonnen. Diese besteht aus einem Cephalosporin der 3. Generation (z. B. Cefotaxim oder Ceftriaxon) und dem gegen Listerien wirksamen Ampicillin. Nach erfolgter Erregerbestimmung kann eine spezifische Antibiotikatherapie erfolgen.
Zusätzlich zur antibiotischen Therapie kann bei einer bakteriellen Meningitis eine Behandlung mit Dexamethason sinnvoll sein. Dexamethason ist ein Kortikosteroid, das die Entzündungsreaktion im Gehirn reduziert und so das Risiko von Komplikationen senken kann.
Bei einer viralen Meningitis ist in der Regel keine spezifische Therapie erforderlich. Die Erkrankung heilt meist von selbst folgenlos aus. In einigen Fällen kann jedoch eine antivirale Therapie sinnvoll sein, z. B. bei einer Herpes-simplex-Meningitis.
Prävention der Meningitis
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die zur Prävention der Meningitis beitragen können:
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- Impfungen: Gegen einige Erreger der Meningitis gibt es Impfungen, z. B. gegen Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ B (Hib). Die Impfungen werden von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen.
- Hygienemaßnahmen: Eine gute Händehygiene kann dazu beitragen, die Ausbreitung von Erregern zu verhindern.
- Chemoprophylaxe: Bei Kontakt zu einer Person mit Meningokokken-Meningitis kann eine Chemoprophylaxe mit Antibiotika sinnvoll sein, um eine Erkrankung zu verhindern.
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