Der Blues, eine Musikrichtung, die oft von Herzschmerz, Not und den Widrigkeiten des Lebens erzählt, bedient sich häufig des Alkohols als Metapher oder als tatsächliches Mittel zur Bewältigung. Insbesondere Whiskey nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, wie der Begriff "Liquor Store Blues" andeutet. Dieser Artikel untersucht die Bedeutung von Whiskey im Blues, von seiner Rolle als billiger Trost bis hin zu seiner Darstellung als gefährliche und letztendlich zerstörerische Kraft.
Moonshine: Der Schatten des Whiskeys
Ein wichtiger Aspekt des "Liquor Store Blues" ist die Auseinandersetzung mit minderwertigen Alkoholsorten, insbesondere mit Moonshine. Moonshine-Whiskey, illegal und oft unter fragwürdigen Bedingungen gebrannt, stellt eine billige Alternative zum im Laden gekauften Whiskey dar. Dies wird in dem Lied erwähnt, da es sich um Moonshine-Whiskey handelt, wie er in einer anderen Strophe des Songs verrät, also jenem, der bei Mondschein, sprich schwarz gebrannt wird. Einerseits, weil er billiger ist als der Whiskey aus dem Liquor Store, andererseits, weil von 1920 bis 1933 in den USA eine generelle Prohibition in Kraft war. Noch heute darf in vielen Landkreisen der Staaten Arkansas, Mississippi und Kentucky kein Alkohol verkauft werden.
Der Bluesmusiker Peter Cleighton alias Doctor Clayton besang 1941 den "Moonshine Man", wies aber gleichzeitig auf die negativen Auswirkungen des Getränks hin: "If you love your liquor, please look what a wreck I’m in, I drink anything from moonshine to Gordon’s gin." Diese Zeilen verdeutlichen die Verzweiflung und die Bereitschaft, zu allem zu greifen, um den Schmerz zu betäuben.
Sonny Boy Williamson Nr. I don’t want no liquor that sells 4 - 5 cents a shot, just give me bottle in bond, ’cause it really hits the spot.” Whiskey mit Qualitätssiegel schmeckt halt einfach besser.
Die Gefahren des Fusels
Die Kehrseite des billigen Alkohols wird in der Angst vor den gesundheitlichen Folgen deutlich. "I’m so glad I don’t have to drink this hootch no more, because it killed my partner and had me on the killin’ floor. … I’m so glad I don’t have to drink no more moonshine. Now I can drink my good whiskey and I ain’t afraid of dyin’.” Diese Zeilen sprechen von der realen Gefahr, die von gepanschtem oder minderwertigem Alkohol ausgeht. Die Erleichterung, sich endlich "guten Whiskey" leisten zu können, spiegelt die Angst wider, an den Folgen des Konsums von Fusel zu sterben. Jetzt braucht er keine Angst mehr zu haben, dass der Fusel (hootch) ihn umbringt. Eine ganz reale Sorge, wenn man aus Mangel an Geld oder Gelegenheit noch nicht mal zum Moonshine greifen kann, sondern sich Alkohol aus anderen Quellen sucht.
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Whiskey als Sehnsucht und Besessenheit
Trotz der Gefahren, die mit dem Alkoholkonsum einhergehen, wird Whiskey im Blues oft als etwas dargestellt, nach dem man sich sehnt und das man begehrt. Selbst im fortgeschrittenen Alter war eine Voraussetzung für Slims Auftritte, dass eine bestimmte Whiskeysorte verfügbar war. Er sang: "Good whiskey, good whiskey is all in the world I crave, I'm gonna drink good whiskey the rest of my doggone days.” Diese Zeilen verdeutlichen die fast schon obsessive Sehnsucht nach Whiskey, die über alle Vernunft und alle negativen Erfahrungen hinweggeht.
Später sang Milburn auch über „Good, Good Whiskey“ und „Vicious, Vicious Vodka, ohne allerdings an seine früheren Erfolge anknüpfen zu können. Sein R&B-Kollege Wynonie Harris hatte schon 1945 einen Nr.-1-Hit mit „Who Threw The Whiskey In The Well“, allerdings war er da noch Angestellter im Orchester von Lucky Millinder.
Die Ambivalenz des Whiskeys
Der Blues zeigt oft eine ambivalente Haltung gegenüber Whiskey. Einerseits wird er als Mittel zur Flucht und zur Betäubung des Schmerzes dargestellt, andererseits als Ursache für Leid und Elend. Things were fine ’til they took you down, opened you up and passed you around.” Und auch Muddy Waters wusste: “Whiskey, you ain’t no good, I declare I’m through with you. I’m rippin’ and I’m runnin’, but still in misery.” Diese Zeilen verdeutlichen die Erkenntnis, dass Whiskey keine Lösung für die Probleme des Lebens ist, sondern sie im Gegenteil noch verschlimmern kann.
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