Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die oft mit Sprach- und Schluckstörungen einhergeht. Die Logopädie, auch bekannt als Sprachtherapie, spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung dieser Symptome und der Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung der Logopädie bei Parkinson, die Verordnungsprozesse, spezifische Therapieansätze und die damit verbundenen Kosten.
Was ist Logopädie?
Logopädie ist ein weitreichendes Feld therapeutischer Maßnahmen, das darauf abzielt, Störungen der Stimme, der Sprache, des Redeflusses, der Artikulation oder des Schluckens zu beheben bzw. zu bessern. Sie wird von Logopäden und Sprachtherapeuten in Kliniken, Einrichtungen der Behindertenhilfe und niedergelassenen Praxen angeboten. Viele Logopäden haben sich auf bestimmte Störungsbilder oder Altersgruppen spezialisiert, wie z.B. Kindertherapie oder Schluckstörungen nach Schlaganfall. Es kann sinnvoll sein, nach einem Therapeuten mit entsprechender Fachkenntnis zu suchen.
Sprach- und Schluckstörungen bei Parkinson
Bei etwa 90% aller von der Parkinson-Krankheit betroffenen Personen entwickelt sich eine Sprechstörung. Die Sprechlautstärke reduziert sich, der Stimmklang verändert sich, und es häufen sich Nachfragen, was bis zur Unverständlichkeit der Betroffenen führen kann. Oftmals sind sich die Betroffenen selbst nicht bewusst, warum sie nicht verstanden werden, da sie ihre Sprechlautstärke als ausreichend empfinden.
Die Parkinson-spezifische Hypophonie, ein Leiserwerden der Stimme, geht oft mit monotonem und verwaschenem Sprechen sowie einer verminderten Mimik einher. Dies kann dazu führen, dass sich die Betroffenen aus der Kommunikation und dem sozialen Leben zurückziehen.
Zusätzlich zu den Sprechstörungen leiden viele Parkinson-Patienten unter Schluckstörungen (Dysphagie), die durch eine verringerte Schluckfrequenz, Sialorrhö (vermehrter Speichelfluss), verlängerte orale Transitzeit (Verlangsamung des Transports der Nahrung im Mund) sowie verminderte Kehlkopfhebung und Aufmerksamkeit gekennzeichnet sind.
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Die Rolle der Logopädie bei Parkinson
Die Logopädie stellt eine Therapiemaßnahme zur Verbesserung der Schluck- und Sprechstörungen (Dysarthrophonie) bei Parkinson dar. Ziel der Logopädie ist es, die Muskeln für das Stimmvolumen, die Atemtechnik und die Artikulation zu trainieren. Bewusstes Wiedererlernen von Zeitabläufen während der Sprachproduktion und die besondere Beachtung der Artikulationsschärfe sind in diesen Therapien enthalten.
Die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit ist daher das Hauptziel bei der Behandlung von Morbus Parkinson in der Logopädie.
Spezifische Therapieansätze
Lee Silverman Voice Treatment (LSVT) LOUD
Das "Lee Silverman Voice Treatment (LSVT) LOUD" ist ein auf die Stimme fokussiertes, intensives Trainingsprogramm. Das Sprechen wird nach einer Übungshierarchie bis hin zur Ebene freier Konversation trainiert. Eine Verbesserung der Verständlichkeit wird allein über die Erhöhung der Sprechlautstärke ("think loud/shout") erzielt.
LSVT LOUD ist eine evidenzbasierte und wirksame Therapiemethode für Menschen mit Parkinson. Sie wurde 1987 von den Sprachtherapeutinnen Dr. Lorraine Ramig und Carolyn Mead Bonitati an der Universität Colorado in den USA entwickelt. Das LSVT Training ist ein intensives amplitudenbasiertes Therapieprogramm zur "Rekalibrierung" der Lautstärke und gilt als "golden standard" in der logopädischen Therapie.
Prinzipien von LSVT LOUD:
- Stimme: Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf der Stimme, wobei Lautstärke, Modulation und Tonhaltedauer trainiert werden.
- Kraft: Der Betroffene erreicht die erforderliche Lautstärke über Kraftanstrengung.
- Lernen: Der Betroffene nimmt seine Stimme wieder bewusst wahr und stellt sich mit diesen Lernvorgängen neu auf die Umwelt ein.
Während dieser Therapie werden die Patienten an das normal laute Sprechen herangeführt. Es erfolgt eine Steigerung bis hin zur Alltags- bzw. Durch die Anhebung der Lautstärke verbessert sich die Verständlichkeit. Sie führt somit zur Verbesserung verschiedener sprachlicher Ebenen, wie Artikulation, Lautstärke, Intonation, Sprechtempo sowie Atmung. Auch nonverbale Fähigkeiten wie Mimik und Gestik verbessern sich.
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LOUD bedeutet nicht Schreien, sondern der Einsatz einer gesunden, lauten Stimme. Die Faktoren wie Atmung, Haltung, Deutlichkeit der Artikulation werden über die Arbeit an der Lautstärke verbessert.
Durchführung von LSVT LOUD:
Das LSVT LOUD Training folgt einer strengen Hierarchie und darf ausschließlich von einem zertifizierten LSVT LOUD Therapeuten durchgeführt werden. Es handelt sich um ein Intervalltraining, das in 16 Einzelsitzungen (à 60 min) möglichst an 4 aufeinanderfolgenden Tagen über einen Zeitraum von 4 Wochen durchgeführt wird. Während dieses Intervalltrainings werden tägliche Hausaufgaben absolviert, die nach Abschluss des Trainings fester Bestandteil des täglichen Lebens bleiben und den Therapieerfolg sichern.
Nach den vorliegenden Erfahrungen ist von einer 12-24 Monate anhaltenden Wirkung auszugehen, wobei eine monatliche Auffrischung, jeweils im Rahmen einstündiger Gruppenbehandlungen, bei einigen Patienten empfehlenswert ist.
Weitere logopädische Maßnahmen
Neben LSVT LOUD können auch andere logopädische Maßnahmen zur Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen bei Parkinson eingesetzt werden:
- Funktionelles, kompensierendes oder adaptatives Training bei Dysphagie: Ziel ist es, die am Schlucken beteiligte Muskulatur zu kräftigen und die Aufmerksamkeit bewusst auf die Schluckabläufe zu richten.
- Sprachtraining bei Wortfindungsproblemen oder Kohärenzproblemen: Ein Training der Dysarthrie (Sprechstörung) in der Gruppe kann dabei besonders hilfreich sein, da man kommunizieren muss und sieht, dass man mit seinem Problem nicht allein ist.
- Individuelles logopädisches Training: Je nach Störungsschwerpunkt können das Schlucken, die Verständlichkeit, der Rhythmus, die Betonung, das Sprechtempo oder die Sprachfertigkeit trainiert werden.
Verordnung und Kostenübernahme
Eine logopädische Diagnostik und Therapie erfolgen nach ärztlicher Verordnung. Die Heilmittelverordnung (Muster 14 - Heilmittelverordnung, Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie) kann für das Lee Silverman Voice Treatment von Neurologen, Internisten, HNO-Ärzten oder auch von Hausärzten ausgestellt werden.
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Die Kosten für das Lee Silverman Voice Treatment werden hauptsächlich von der Krankenkasse übernommen. Gesetzlich Krankenversicherte ab dem 18. Geburtstag zahlen 10 % der Kosten plus 10 € je Verordnung zu. Eine Befreiung von der Zuzahlung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Es ist ratsam, sich hierzu bei der Krankenkasse zu informieren.
Es besteht auch die Möglichkeit, sich unabhängig von Krankenkasse und Arzt behandeln zu lassen.
Der Weg zur logopädischen Behandlung
- Besuch beim Arzt: Der erste Schritt ist der Besuch beim Hausarzt oder einem Facharzt (z.B. Neurologe, HNO-Arzt).
- Ärztliche Verordnung: Wenn der Arzt eine logopädische Behandlung für medizinisch notwendig hält, stellt er eine Verordnung aus.
- Therapeutensuche: Mit der Verordnung kann ein geeigneter Logopäde gesucht werden. Es kann sinnvoll sein, nach einem Therapeuten mit spezifischer Erfahrung in der Behandlung von Parkinson-Patienten zu suchen.
- Therapiebeginn: Die Behandlung sollte innerhalb von 28 Kalendertagen nach Ausstellung der Verordnung begonnen werden.
- Kostenübernahme und Zuzahlung: Die Krankenkasse übernimmt in der Regel die Kosten für die logopädische Behandlung, wobei Versicherte ab 18 Jahren eine Zuzahlung leisten müssen.
Weitere Aspekte der Logopädie
Logopädie bei Kindern
Auch bei Kindern kann Logopädie eine wichtige Rolle spielen. Bei den U-Untersuchungen (Kinderfrüherkennungsuntersuchungen) wird die Sprachentwicklung von Kindern systematisch überprüft, insbesondere zwischen der U3 und U9. Eltern, die Auffälligkeiten bei der Sprachentwicklung ihres Kindes bemerken, sollten dies zunächst mit dem Kinderarzt besprechen. Im Verdachtsfall kann der Kinderarzt eine Überweisung zur Logopädie ausstellen.
Wird eine Sprach- oder Sprechentwicklungsstörung festgestellt, wird ein individueller Therapieplan erstellt. Die logopädische Behandlung erfolgt altersgerecht und spielerisch, um die Motivation des Kindes zu fördern.
Telemedizinische Logopädie
Die Logopädie ist auch als Video-Behandlung möglich. Für diese Heilmittelbehandlung sind auch telemedizinische Leistungen möglich, zum Beispiel durch Videotherapien. Allerdings haben Patienten keinen Anspruch auf die telemedizinische Durchführung. Die Videotherapien sind sowohl für Patienten als auch das Therapiepersonal freiwillig. Ein Wechsel zur Präsenzbehandlung ist daher jederzeit möglich.
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