Die Frage, ob Nüsse Migräne auslösen können, ist komplex und individuell verschieden. Während bestimmte Lebensmittel bei einigen Menschen Migräneattacken auslösen können, haben sie bei anderen keine Wirkung. Es gibt keine allgemeingültige "Migräne-Diät", die für alle Betroffenen gilt.
Migräne und Ernährung: Ein Überblick
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch pochende, pulsierende und sehr starke Kopfschmerzen äußert, die meist auf einer Kopfhälfte auftreten. Häufig kommen weitere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit hinzu. Die Ursachen und Auslöser für Migräneattacken sind wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden Stress, hormonelle Störungen, ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus, aber auch bestimmte Nahrungsmittel.
Viele Kopfschmerzpatienten berichten, dass sie nach dem Genuss von Rotwein, Schokolade, Käse, Nüssen und Fischkonserven unter Migräne leiden. "Je nach Studie geben 10 bis 50 Prozent der Patienten an, dass bestimmte Nahrungsmittel bei ihnen Migräneattacken auslösen können", sagt Tim Jürgens, Neurologe an der Kopfschmerzambulanz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.
Die Rolle von Nahrungsmitteln als Trigger
Triggerfaktoren sind innere und äußere Einflüsse, die einen Migräne-Anfall provozieren können. Sie sind nicht die eigentliche Ursache, aber der Auslöser von Schmerzattacken. Welche Triggerfaktoren bei einem Migräne-Kranken eine Attacke auslösen können, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. Bei manchen Patienten können auch bestimmte Nahrungs- und Genussmittel die Attacke auslösen.
Es ist wichtig, die persönlichen Trigger zu kennen, um sie nach Möglichkeit zu vermeiden. Um herauszufinden, was die persönlichen Trigger sind, hilft es, ein Tagebuch zu führen. Notiert werden Datum, Dauer und Auslöser der Migräneattacken.
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Häufig genannte Lebensmittel-Trigger
Einige Lebensmittel werden immer wieder als mögliche Migräne-Auslöser genannt:
- Alkohol: Alkohol wird am häufigsten genannt, wenn es um Migräne-Trigger geht. Einige Migränepatienten berichten, dass alle alkoholischen Getränke problematisch sind, während andere nur bestimmte wie Sekt oder Rotwein nennen. Alkohol kann gefäßerweiternd wirken und Attacken hervorrufen. Einige Experten vermuten, dass die harntreibende Wirkung des Alkohols zu einer Dehydrierung und damit zu Migräne führt. Rotwein enthält verschiedene Stoffe, die Migräne mit auslösen können, insbesondere biogene Amine wie Tyramin und Histamin.
- Koffein: Viele Menschen trinken täglich Kaffee. Der Körper gewöhnt sich dadurch an die tägliche Dosis Koffein und gerät in eine Abhängigkeit. Aus diesem Grund ist es eher problematisch, wenn Kaffeetrinker plötzlich ihren Konsum reduzieren oder gar einstellen - etwa am Wochenende. Wer allerdings kaum Kaffee trinkt, kann von dem ungewohnten Koffein Kopfschmerzen bekommen. Koffein ist auch in Tee, Cola und Energy-Drinks enthalten.
- Histamin: Histamin ist ein natürlicher Stoff, der unter anderem als Signalüberträger (Neurotransmitter) im Gehirn und an Entzündungsreaktionen beteiligt ist. Besonders hohe Mengen finden sich in gereiften oder fermentierten Produkten wie Käse, Wurst- und Fischwaren oder Sauerkraut.
- Tyramin: Tyramin ist ein Neurotransmitter, der ebenfalls als Trigger für Migräne im Fokus steht. Er kommt in gereiften Käsesorten, geräuchertem Fleisch, Fischkonserven und einigen alkoholischen Getränken vor.
- Schokolade: Auch hier beobachten viele einen Zusammenhang zwischen Genuss und Migräne. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass nicht die Schokolade selbst Kopfschmerzen auslöst, sondern dass Heißhunger auf Süßes ein erstes Symptom einer nahenden Attacke sein könnte.
- Glutamat: Der Geschmacksverstärker Glutamat, der häufig in Fertiggerichten, Tütensuppen und asiatischen Gerichten enthalten ist, kann bei empfindlichen Menschen Migräne auslösen.
- Aspartam: Der künstliche Süßstoff Aspartam, der in Light-Produkten und Kaugummis enthalten ist, steht ebenfalls im Verdacht, Kopfschmerzen auszulösen.
Nüsse im Visier: Auslöser oder nicht?
Nüsse werden von einigen Menschen als Migräne-Trigger identifiziert. Sie enthalten Tyramin, ein biogenes Amin, das bei empfindlichen Personen Kopfschmerzen auslösen kann. Allerdings ist der Tyramin-Gehalt in verschiedenen Nusssorten unterschiedlich. Auch andere Inhaltsstoffe in Nüssen, wie bestimmte Fette oder Proteine, könnten bei manchen Menschen eine Rolle spielen.
Gerda Sindlinger berichtet, dass sie Nüsse nicht verträgt. "Nüsse, Camembert, Heringe aus der Dose?" Sie verzieht das Gesicht.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit Migräne auf Nüsse reagieren. Ob Nüsse tatsächlich ein Trigger sind, lässt sich nur durch individuelle Beobachtung und das Führen eines Migränetagebuchs feststellen.
Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten
Auch wenn es keine spezielle "Migräne-Diät" gibt, können einige allgemeine Ernährungsempfehlungen helfen, Migräneattacken vorzubeugen:
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- Regelmäßig essen: Migräne-Attacken können durch Fastenperioden ausgelöst oder auch verstärkt werden. Es ist wichtig, regelmäßig Mahlzeiten einzunehmen, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
- Ausgewogen ernähren: Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten ist wichtig für die allgemeine Gesundheit und kann auch bei Migräne helfen.
- Ausreichend trinken: Im Normalfall sollte man mindestens 1,5 Liter pro Tag zu sich nehmen. Am besten Wasser, ungesüßten Kräuter- oder Früchtetee oder Saftschorlen. Flüssigkeitsmangel kann ein Migräne-Trigger sein.
- Fertigprodukte meiden: Fertigprodukte enthalten oft Zusatzstoffe wie Glutamat, Konservierungsstoffe und künstliche Süßstoffe, die Migräne auslösen können.
- Vorsichtig sein mit Histaminen: Histaminreiche Lebensmittel sollten gemieden werden, wenn eine Histaminintoleranz vorliegt oder wenn Histamin als persönlicher Trigger identifiziert wurde.
- Magnesiumreiche Lebensmittel bevorzugen: Ein Magnesiummangel kann Migräneattacken hervorrufen. Magnesiumreiche Zutaten sind grünes Gemüse, Vollkornnudeln, Naturreis, Quinoa, Hirse und Nüsse (sofern sie nicht als Trigger identifiziert wurden).
- Omega-3-Fettsäuren: Eine erhöhte Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Leinöl, Lachs) kann die Häufigkeit von Kopfschmerzen reduzieren.
Die Bedeutung des Migränetagebuchs
Um die persönlichen Trigger zu identifizieren, ist das Führen eines Migränetagebuchs unerlässlich. Darin werden über einige Wochen die Ernährung und Migräneattacken festgehalten. Achten Sie dabei auch auf Getränke. Eventuell kann man dann herausfinden, welche Lebensmittel man bei Migräne meiden sollte.
Im Tagebuch sollten folgende Informationen notiert werden:
- Datum und Uhrzeit der Attacke
- Dauer und Intensität der Schmerzen
- Begleitsymptome (Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit etc.)
- Eingenommene Medikamente
- Verzehrte Lebensmittel und Getränke
- Besondere Umstände (Stress, Schlafmangel, Wetteränderungen etc.)
Was tun, wenn Nüsse als Trigger identifiziert wurden?
Wenn Nüsse im Migränetagebuch als möglicher Trigger identifiziert wurden, sollten sie zunächst für einige Wochen gemieden werden, um zu sehen, ob sich die Häufigkeit oder Intensität der Attacken reduziert.
Es ist nicht notwendig, Nüsse vollständig vom Speiseplan zu streichen, wenn sie nur in großen Mengen oder in Kombination mit anderen Triggern Probleme verursachen. Es kann hilfreich sein, die individuelle Toleranzgrenze zu ermitteln.
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