Das Zusammenspiel von Nerven, Gehirn und Muskeln ermöglicht uns die Interaktion mit unserer Umwelt und die Ausführung von Bewegungen. Dieses komplexe System besteht aus verschiedenen Komponenten, die eng miteinander verbunden sind und aufeinander abgestimmt sind.
Das Nervensystem als Vermittler zwischen Mensch und Umwelt
Das Nervensystem ist das Kommunikationsnetzwerk unseres Körpers. Es ermöglicht uns, Reize aus der Umwelt wahrzunehmen, Informationen zu verarbeiten und darauf zu reagieren. Das Nervensystem besteht aus dem sensorischen und dem motorischen Nervensystem.
Sensorisches Nervensystem
Das sensorische Nervensystem ist für die Aufnahme von Informationen aus der Umwelt und dem Körperinneren zuständig. Augen, Ohren, Nase, Zunge und Sensoren in der Haut nehmen Reize wie Temperatur, Berührung, Licht und Schall wahr und leiten sie an das Zentralnervensystem weiter. Auch Informationen über den Zustand des eigenen Organismus, wie z. B. die Körperhaltung oder Hunger und Durst, werden registriert.
Motorisches Nervensystem
Das motorische Nervensystem ermöglicht es uns, auf Signale aus der Umwelt oder vom Körper selbst zu reagieren. Es steuert die Muskulatur und ermöglicht uns so, Handlungen auszuführen und uns in der Umwelt zu bewegen. Wenn wir uns beispielsweise auf ein Hindernis zubewegen, wird dies vom Auge wahrgenommen. Das sensorische Nervensystem gibt diese Information an das Gehirn weiter, wo sie verarbeitet wird und die Entscheidung getroffen wird, dem Hindernis auszuweichen.
Willkürliches und unwillkürliches Nervensystem
Viele Funktionen unseres Nervensystems laufen bewusst ab. Wir entscheiden, ob wir zuschauen oder wegschauen, ob wir fortgehen oder stehen bleiben, ob wir sprechen oder zuhören. Dieser Teil des Nervensystems unterliegt unserer willkürlichen Kontrolle. Daneben hat das Nervensystem aber auch Aufgaben, die wir nicht bewusst kontrollieren können. In Stresssituationen erhöht sich beispielsweise automatisch der Herzschlag, die Atmung wird schneller und man beginnt zu schwitzen. Verantwortlich dafür ist das vegetative Nervensystem, das auch als autonomes oder unwillkürliches Nervensystem bezeichnet wird.
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Vegetatives Nervensystem
Das vegetative Nervensystem kontrolliert die Muskulatur aller Organe und regelt lebenswichtige Körperfunktionen wie Herztätigkeit, Atmung, Kreislauf, Stoffwechsel, Verdauung, Ausscheidung, Schweißbildung, Körpertemperatur und Fortpflanzung. Es besteht aus dem Sympathikus und seinem Gegenspieler, dem Parasympathikus. Der Sympathikus sorgt für eine Erhöhung des Herzschlages und der Atemtätigkeit, verbessert die Durchblutung in der Muskulatur und fördert das Schwitzen. Der Parasympathikus hingegen senkt den Herzschlag, beruhigt die Atmung und fördert die Verdauung.
Das Gehirn als Informationszentrale
Das Gehirn ist die Informationszentrale unseres Körpers. Hier werden Informationen aus der Umwelt und über den Zustand des Organismus zusammengetragen und zu Reaktionen weiterverarbeitet. Das Gehirn besteht aus verschiedenen Abschnitten, die jeweils unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Großhirn
Der am höchsten entwickelte Abschnitt des Gehirns ist das Großhirn mit der Großhirnrinde. Hier liegen die Verarbeitungszentren für Signale, die von den Augen (Sehrinde), den Ohren (Hörzentrum) und anderen Sinnesorganen kommen. Durch die Sehrinde beispielsweise erkennen wir einen Gegenstand als Auto. Auch Informationen von der Körperoberfläche werden in der Großhirnrinde verarbeitet. Der Bereich der Großhirnrinde, der für eine bestimmte Region der Körperoberfläche zuständig ist, ist umso größer, je wichtiger er für die Wahrnehmung der Umwelt ist. So ist das „Wahrnehmungsfeld“ für Informationen, die von den Händen kommen, deutlich größer als das für die Füße. Auch das Wiedererkennen von Orten und Personen erfolgt in der Großhirnrinde. Andere Bereiche der Großhirnrinde sind für Sprache, Rechnen und Empfindungen zuständig. Der motorische Bereich der Großhirnrinde steuert und koordiniert Muskelbewegungen.
Die Großhirnrinde ist in verschiedene Unterbereiche, sogenannte Gehirn-Lappen, gegliedert:
- Stirnlappen (Frontallappen): zuständig für höhere kognitive Funktionen wie Planung, Entscheidungsfindung, Problemlösung und willkürliche Bewegungen.
- Schläfenlappen (Temporallappen): zuständig für das Hören, das Gedächtnis, die Sprache und die Verarbeitung von Emotionen.
- Scheitellappen (Parietallappen): zuständig für die Verarbeitung von sensorischen Informationen wie Berührung, Temperatur, Schmerz und räumliche Wahrnehmung.
- Hinterhauptlappen (Okzipitallappen): zuständig für das Sehen.
Zwischenhirn
Die weiteren Abschnitte des Gehirns sind Zwischenhirn, Mittelhirn, Kleinhirn und Nachhirn. Im Zwischenhirn werden beispielsweise vegetative Funktionen wie Körpertemperatur, das Hunger- und Durstgefühl sowie das Sexualverhalten gesteuert. Hier befindet sich auch die Hypophyse. Diese wichtige Hormondrüse produziert Wirkstoffe (Hormone), die in die Blutbahn abgegeben werden und dann über den Blutkreislauf zu ihren Wirkorten gelangen. Die Hormone der Hypophyse steuern beispielsweise das Längenwachstum vor der Pubertät, fördern das Wachstum der inneren Organe und haben Einfluss auf den Stoffwechsel. Zudem fördern sie die Reifung der Eizellen in den Eierstöcken der Frau und die Entwicklung der Spermien beim Mann. Der Thalamus im Zwischenhirn ist die wichtigste Schaltstation für Informationen aus den Sinnesorganen. Äußere Sinneseindrücke wie Sehen, Hören oder Tasten gehen hier ein. Hier werden sie verarbeitet und bewertet - jedoch, ohne dass sie uns bereits bewusst sind. Wichtige Informationen werden an das Großhirn weitergeleitet und dort bewusst gemacht. Der Hypothalamus regelt zahlreiche automatische Vorgänge im Körper, wie die Körpertemperatur, den Wasser- und Salz-Haushalt oder auch die Magen-Darm-Funktion. Er ist auch am Entstehen des Durst-, Hunger- und Sättigungs-Gefühls beteiligt. Gemeinsam mit der Hirn-Anhang-Drüse (Hypophyse) reguliert der Hypothalamus wichtige Hormone im Körper. Im Zusammenspiel mit anderen Gehirn-Bereichen ist der Hypothalamus auch für Gefühle zuständig.
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Mittelhirn
Das Mittelhirn ist der kleinste Abschnitt des Gehirns. Es steuert u.a. den Wach-Schlaf-Rhythmus und kann die Aufmerksamkeit auf bestimmte Sinneseindrücke lenken.
Kleinhirn
Verantwortlich für den richtigen Ablauf aller Körperbewegungen ist das Kleinhirn. Zudem ist es massgeblich an der Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes beteiligt. Bei einem Ausfall des Kleinhirns kommt es deshalb zu taumelnden, zielunsicheren oder zittrigen Bewegungen, wie sie bei Betrunkenheit auftreten. Auch schnell aufeinander folgende Bewegungen können nicht mehr ausgeführt werden. Das Kleinhirn ist wichtig für das Gleichgewicht und die Koordination. Gemeinsam mit dem Großhirn steuert es die Muskeln und somit die Bewegungen. Außerdem sorgt es ganz wesentlich mit dafür, dass die Muskel-Spannung des Körpers erhalten bleibt. Während das Großhirn vorrangig für bewusste Bewegungen zuständig ist, steuert das Kleinhirn bereits gelernte Bewegungsabläufe. Hier werden bestimmte Bewegungsabfolgen wie Tanzschritte oder das Schalten beim Autofahren gespeichert.
Nachhirn
Mit dem Nachhirn grenzt das Gehirn an das Rückenmark. Hier werden die Atmung, der Kreislauf und viele Abläufe in den Organen gesteuert. Das Nachhirn ist auch für den Lidschlussreflex, den Tränenfluss, den Schluckreflex, die Speichelproduktion sowie für Niesen, Husten und Erbrechen zuständig. Zudem gibt es Reflexe, an denen nur das Rückenmark beteiligt ist.
Hirnstamm
Der Hirnstamm ist der älteste Gehirn-Teil in der Entwicklungsgeschichte des Menschen. Er verbindet das Gehirn mit dem Rückenmark. Zum Hirnstamm werden drei Hirn-Abschnitte gerechnet: verlängertes Mark, Mittelhirn und Brücke. Der Hirnstamm ist u. a. Durch den Hirnstamm verlaufen wichtige Nerven-Bahnen. Sie sorgen dafür, dass eingehende Sinneseindrücke aus dem Körper an das Großhirn weitergeleitet werden. Umgekehrt leiten sie auch Informationen vom Großhirn zu den Nervenzellen des Rückenmarks. Diese sind z. B. Außerdem regelt der Hirnstamm lebenswichtige Systeme wie Herzschlag, Atmung und Blutdruck. Auch wichtige Körperreflexe haben hier ihren Sitz. Dazu gehören z. B.
Limbisches System
Zum limbischen System gehören verschiedene Teile im Zentrum des Gehirns. Es spielt eine wichtige Rolle bei Gefühlen und triebgesteuertem Verhalten (z. B. essen oder trinken).
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Nervenzellen und Signalübertragung
Die Aufgabe der Nervenzellen besteht darin, Signale aufzunehmen und an andere Nervenzellen oder Muskel- und Drüsenzellen weiterzuleiten. Entlang einer Nervenzelle werden die Signale elektrisch fortgeleitet. Die Geschwindigkeit solcher Signale kann bis zu 360 km pro Stunde erreichen. Solche hohen Geschwindigkeiten sind notwendig, wenn man bedenkt, dass beispielsweise die Signale vom Gehirn bis zu der Muskulatur der Beine eine relativ große Strecke zurücklegen müssen. Die Kontaktstelle zwischen 2 Nervenzellen ist die Synapse. Hier erfolgt die Übertragung des elektrischen Signals von einer Nervenzelle zur nächsten mit Hilfe von Botenstoffen, die auch als Transmitter bezeichnet werden. Gelangt das elektrische Signal zum Axonende einer Nervenzelle, wird dort der jeweilige Botenstoff in den winzigen Spalt zwischen den beiden Zellen ausgeschüttet. Die Funktion von Gehirn und Nervensystem basiert somit nicht nur auf einer Weiterleitung von elektrischen Signale sondern auch biochemischen Prozessen, welche die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen erst ermöglicht.
Nervenbahnen durchziehen wie Stromkabel den gesamten Körper und leiten Reize zum Hirn und Befehle aus der Zentrale wieder zurück zu der Körperstelle. Eine Nervenbahn besteht aus gebündelten Nervenzellen und ist mit einer Schutz-Hülle umgeben. Jeder Mensch hat Abermilliarden Nervenzellen (Neuronen). Mit ihren „Zweigen“ (Dendriten) empfangen sie Signale aus den Nachbarzellen und schicken sie über den Stamm (Axon) zu den Synapsen, den Kontaktstellen zur nächsten Zelle. Nervenzellen sind im Durchmesser nur bis 0,1 Millimeter groß, das Axon kann aber bis zu einem Meter lang sein. Eine Nervenzelle kann bis zu 100.000 Synapsen haben. Wenn Nervenzellen einen Kaffeeklatsch machen wollen - also ein Reiz von einer Zelle zur nächsten weitergeleitet werden soll, arbeiten die meisten Synapsen mit chemischen Botenstoffen, andere mit elektrischen Signalen.
Die Hirnnerven
Die Hirnnerven sind zwölf Nervenpaare, die direkt aus dem Gehirn entspringen und verschiedene Funktionen im Kopf- und Halsbereich steuern. Sie werden von I bis XII durchnummeriert, entsprechend ihrer Anordnung am Gehirn von kranial (schädelwärts) zu kaudal (schwanzwärts, also zu den Füßen hin). Die Hirnnerven haben verschiedene Qualitäten: sensorisch, motorisch, parasympathisch und gemischt.
Die zwölf Hirnnerven sind:
- Nervus olfactorius (Riechnerv): sensorisch, zuständig für den Geruchssinn. Er beginnt mit den Riechzellen in der Riechschleimhaut der Nasenhöhle, zieht durch die Löcher der Siebbeinplatte (Lamina cribrosa) in die Schädelhöhle und dann zum Bulbus olfactorius, wo sich die Axone verteilen. Vom Bulbus olfactorius ziehen die Axone dann zum Riechhirn, einem entwicklungsgeschichtlich sehr alten Teil der Hirnrinde. Schädigungen des Nervus olfactorius führen zu Ausfällen beim Geschmacksempfinden.
- Nervus opticus (Sehnerv): sensorisch, zuständig für das Sehen. Die Nervenfasern des Sehnervs kommen aus der Netzhaut des Auges und ziehen durch die Augenhöhle zum Sehnervkanal (Canalis opticus). Dort vereinigen sie sich mit den entsprechenden Nervenfasern der Gegenseite zur Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) und führen dann weiter in den Tractus opticus. Bei Entzündungen des Nervus opticus verschlechtert sich die Sehkraft, wodurch Kleingedrucktes nicht mehr gelesen werden kann. Eine Optikusatrophie ist eine Degeneration der Fasern des Sehnervs durch Druck, den zum Beispiel ein Tumor verursachen kann oder a…
- Nervus oculomotorius (Augenmuskelnerv): parasympathisch-motorisch, steuert die meisten Augenmuskeln und die Pupillenreaktion. Der Nervus oculomotorius hat seine Wurzelzellen im Mittelhirn nahe der Mittellinie. Vor der Brücke tritt er aus einer Grube zum Türkensattel, an dem er seitlich durch die Wand des Sinus cavernosus (ein erweiterter Venenraum in der harten Hirnhaut), in dem die Venen der Augenhöhle liegen, tritt. Durch die obere Augenhöhlenspalte (Fissura orbitalis superior) gelangt er schließlich aus der Schädel- in die Augenhöhle. Die parasympathischen Fasern des Nervus oculomotorius verlaufen durch die Radix oculomotoria zum Ganglion ciliare, wo sie umgeschaltet werden und dann weiter zum Corpus ciliare, wo sie den Muskel versorgen, der für die Akkommodation (Anpassung des Auges an Nah- oder Fernsicht) verantwortlich ist und den, der die Pupille verengt.
- Nervus trochlearis (Augenmuskelnerv): motorisch, steuert einen Augenmuskel, der für die Drehung des Augapfels nach unten innen zuständig ist. Der Nervus trochlearis ist ein sehr dünner Nerv, dessen Ursprungskerne im Mittelhirn vor dem Aquaeduct (Hirnwasserkanal) liegen. Er zieht zur Brücke und durch den Sinus cavernosus. Letztlich gelangt er durch die obere Augenhöhlenspalte zu dem Muskel, den er versorgt.
- Nervus trigeminus (Drillingsnerv, Trigeminus): sensibel-motorisch, zuständig für die sensible Versorgung des Gesichts, der Schleimhaut von Mund und Nase, der Zähne und der Dura mater sowie für die motorische Versorgung der Kaumuskulatur. Das 5. Hirnnerven-Paar, Nervus trigeminus, beginnt mit seinen sensiblen Wurzelzellen in der mittleren Schädelgrube, seitlich von der Brücke. Nahe der Felsenbeinpyramide geht der Nerv durch die Dura mater, wo er das Ganglion trigeminale bildet. Hier beginnt fächerförmig die Dreiteilung des Nervus trigeminus: Der erste Teil, der sensible Nervus ophthalmicus, tritt in die Augenhöhle ein. Der zweite Teil, der ebenfalls sensible Nervus maxillaris, tritt durch das Foramen rotundum des großen Keilbeinflügels in die Flügelgaumengrube zwischen dem Keilbein und dem Gaumenbein ein. Der dritte Teil, der teils motorische, teils sensorische Nervus mandibularis, tritt durch das Foramen ovale in die Unterschläfengrube ein.
- Nervus abducens (Augenmuskelnerv): motorisch, steuert einen Augenmuskel, der den Augapfel von der Mittellinie wegbewegt. Der Ursprung des Nervus abducens liegt im sogenannten Fazialishügel der Rautengrube. Er tritt zwischen Medulla oblongata und der Brücke aus dem Gehirn aus, durchbricht die Dura mater und zieht dann in die Augenhöhle.
- Nervus facialis (Gesichtsnerv, Fazialis): sensorisch-parasympathisch-motorisch, zuständig für die sensible Versorgung der vorderen zwei Drittel der Zunge (Geschmack), die parasympathische Versorgung der Speichel- und Tränendrüsen sowie die motorische Versorgung der Gesichtsmuskulatur. Der Nervus facialis tritt am Kleinhirnbrückenwinkel aus dem Gehirn aus. Zwischen ihm und dem Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv) verläuft der Nervus intermedius, der sich im Felsenbein mit dem Nervus facialis vereint. Der Nervus facialis, der Nervus intermedius und der Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv), die zusammen als Facialisgruppe bezeichnet werden, treten gemeinsam durch den inneren Gehörgang in das Felsenbein ein. Im inneren Gehörgang treten Nervus facialis und Nervus intermedius zusammen in den Fazialiskanal des Felsenbeins ein und gelangen nach vielen Windungen an das Foramen stylomastoideum. Hier bildet der Nerv ein Ganglion, an dem der Nervus intermedius den Nervus facialis verlässt und weiterzieht als Nervus petrosus major. Dieser Nerv teilt sich innerhalb des Schläfenbeins in drei weitere Äste auf und außerhalb des Schädels wiederum in drei Äste mit zahlreichen Nebenästen.
- Nervus vestibulocochlearis (Hör- und Gleichgewichtsnerv): sensorisch, zuständig für das Hören und den Gleichgewichtssinn. Der Nervus vestibulocochlearis tritt zusammen mit dem Nervus facialis aus dem Kleinhirnbrückenwinkel aus und verläuft gemeinsam mit diesem durch den inneren Gehörgang. Der Pars vestibularis führt zu den Sinneszellen der Bogengänge und der Pars cochlearis zu den Sinneszellen des Corti-Organs im Innenohr.
- Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachen-Nerv): sensorisch-parasympathisch-motorisch, zuständig für die sensible Versorgung des Rachens, des hinteren Zungendrittels (Geschmack) und der Ohrtrompete, die parasympathische Versorgung der Ohrspeicheldrüse sowie die motorische Versorgung eines Schluckmuskels. Der Nervus glossopharyngeus verlässt das Gehirn hinter der Oliva (eine seitlich von der Medulla oblongata liegende Vorwölbung des verlängerten Rückenmarks im Rautenhirn). Von dort zieht er durch das Foramen jugulare (eine Öffnung an der Schädelbasis zwischen Hinterhaupts- und Felsenbein) zur äußeren Schädelbasis.
- Nervus vagus („umherschweifender“ Nerv, Vagus): sensorisch-parasympathisch-motorisch, hat ein sehr weites Versorgungsgebiet und ist an der Steuerung zahlreicher Organfunktionen beteiligt, darunter Herzfrequenz, Atmung, Verdauung und Stimmbildung. Der Nervus vagus tritt aus der Medulla oblongata aus und zieht zwischen zwei Gefäßen, der Vena jugularis und der Arteria carotis interna, nach unten in die Brusthöhle. Der rechte Nervus vagus verläuft dann weiter vor der Schlüsselbeinarterie zur rechten Seite der Luftröhre, wobei er einen Ast (Nervus laryngeus recurrens) abgibt, der sich um die Arterie windet. Von der Luftröhre zieht der Nervus vagus weiter hinter den rechten Bronchus bis zur Rückseite der Speiseröhre und zur Rückseite des Magens. Der linke Nervus vagus zieht zwischen der Arteria carotis communis und der Schlüsselbeinarterie zum Aortenbogen, gibt dann nach hinten und oben einen Ast (Nervus laryngeus recurrens) ab und gelangt hinter dem Lungenhilus zur vorderen Fläche der Speiseröhre und des Magens. Im weiteren Verlauf gibt er noch im Kopfteil einen Ast ab, der zur Dura mater zieht. Ein weiterer Ast zieht zur Ohrmuschel, zum Trommelfell und zum äußeren Gehörgang.
- Nervus accessorius (Hals- oder Beinerv): motorisch, steuert die Muskeln, die für das Drehen des Kopfes und das Heben der Schultern zuständig sind (Musculus sternocleidomastoideus und Musculus trapezius). Der Nervus accessorius entspringt aus dem Halsmark mit sechs bis sieben Spinalwurzeln (Radices spinales), die sich im Wirbelkanal vereinigen. Durch das große Hinterhauptsloch tritt er in den Schädel ein und vereint sich mit Ästen des Nervus vagus, mit dem zusammen er durch das Drosselloch in der hinteren Schädelgrube wieder austritt. Danach teilt er sich in zwei Äste, die den Kopfnicker- und den Trapezmuskel versorgen.
- Nervus hypoglossus (Zungennerv): motorisch, steuert die Zungenmuskulatur. Die motorischen Fasern des Nervus hypoglossus beginnen mit zehn bis 15 Wurzelfäden in der Medulla oblongata. Diese werden dann zu zwei Bündeln gesammelt, die durch die Dura mater gehen und im sogenannten Canalis hypoglossi aus dem Schädel austreten.
Muskeln und Bewegung
Unser Körper ist ständig in Bewegung. Für uns ist das selbstverständlich. Das perfekte Zusammenspiel zwischen Gehirn, Rückenmark und den über 650 Muskeln des menschlichen Körpers verleihen uns komplexe motorische Fähigkeiten. Geplant und initiiert werden Bewegungsabläufe von den motorischen Zentren im Gehirn. Über das Rückenmark und die Motoneurone gelangen motorische Signale zu den Muskeln und werden dort in Bewegungen umgesetzt. Sensorische Rückmeldungen helfen dabei, die erfolgreiche Umsetzung der Bewegungen zu koordinieren. Ob Fahrradfahren oder Skilaufen - einmal erlernt laufen viele Bewegungen unbewusst und automatisch ab.
Ein Muskel ist aktiv, wenn er sich zusammenzieht (kontrahiert). Dabei wird eine Bewegung ausgelöst. Gesteuert wird die Muskelaktivität über das zentrale Nervensystem (ZNS), das mit den Muskeln über Nervenbahnen verbunden ist. Die Steuerung der willkürlichen (d.h. willentlich zu beeinflussenden) Muskulatur, auch Skelettmuskulatur genannt, erfolgt über die motorische Endplatte. Dies ist die Kontaktstelle zwischen Skelettmuskel und Nerv. Hier gibt die Nervenzelle den chemischen Botenstoff Acetylcholin an den Muskel ab und übermittelt ihm auf diese Weise die Information, aktiv zu werden. Die Gesamtheit aus Muskel und Nerv wird auch als motorische Einheit bezeichnet.
Bei der Muskelkontraktion wird chemische Energie (ATP), wie sie in unseren Zellen vorliegt, in mechanische Energie umgewandelt. Dabei kommt es zur vorübergehenden Muskelverkürzung (Muskelkontraktion), von der Bewegung ausgeht. Eine willentlich ausgeführte Bewegung, also z.B. das Anheben eines Glases oder das Neigen des Kopfes, ist allerdings ein komplexer Vorgang, an dem mehrere Muskeln und Muskelgruppen beteiligt sind. Muskeln agieren dabei als Spieler und Gegenspieler (Agonisten und Antagonisten), deren Zusammenwirken die Bewegung bildet. Dabei können die beteiligten Muskeln sich nur aktiv zusammenziehen (kontrahieren) und müssen passiv, durch die Aktivität des Gegenspielers, gedehnt werden. Den Befehl zur Kontraktion erhält der Muskel über Nerven. Nach der Muskelkontraktion geht er für gewöhnlich wieder in einen entspannten Zustand über.
Der Muskel erhält über die ihn versorgenden Nerven die Information, ob und wenn ja, wie stark er sich anspannen soll. Diese Information kann direkt aus dem zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) oder über sogenannte Reflexbögen zum Muskel geleitet werden. Störungen in der Nervenfunktion haben so auch einen unmittelbaren Einfluss auf die Aktivität der Muskeln. Die Information zur Anspannung wird von der Nervenzelle durch einen Botenstoff (Acetylcholin) an der motorischen Endplatte an den Muskel weitergegeben.
Nervensystem im Alltag
Unser Nervensystem besteht aus Abermilliarden Nervenzellen. Das komplexe Netz steuert bewusste und unbewusste Prozesse - wie die folgende, für die meisten von uns ganz alltägliche Szene an der Kaffeemaschine deutlich macht.
Der Kaffee ist fertig! Jetzt hat das sensorische Nervensystem viel zu tun. Wie sieht der Kaffee aus? Riecht er gut? Wie schwer ist die Tasse? Habe ich Durst? Ist der Kaffee zu heiß? Und schmeckt er? Antworten schicken Augen, Ohren, Nase, Zunge und Sensoren in der Haut über die Nervenbahnen ans Gehirn. Und das befiehlt: Ja, Kaffee! Aber er ist heiß und bitter. Milch & Zucker rein, vorsichtig trinken & genießen. Nicht bewusst steuern können wir, was in unserem Magen und Darm mit dem Kaffee geschieht - wie auch alle anderen Prozesse, die vom vegetativen Nervensystem kontrolliert werden: Dieses regelt neben der Verdauung auch die Herztätigkeit, die Atmung, den Kreislauf, die Schweißbildung, die Körpertemperatur und viele weitere Abläufe in unserem Körper autonom. Wenn wir eine Tasse greifen wollen, laufen unzählige Prozesse im motorischen Nervensystem ab. Aus den Infos der Sinneswahrnehmung berechnet das Gehirn, wohin wir greifen müssen. Über das Rückenmark und die an Muskeln andockenden Nervenzellen gibt es den Befehl zum Ausstrecken der Hand. Die Bewegung wird fortlaufend mit den Reizen abgeglichen, die das sensorische Nervensystem ans Hirn zurücksendet: damit wir nicht danebengreifen, nicht kleckern oder uns am heißen Kaffee verbrennen. Auch wenn wir dabei nicht nachdenken, ist das ein bewusster Prozess.