Einführung
Die Gürtelrose, auch bekannt als Herpes zoster, ist eine schmerzhafte Viruserkrankung, die durch das Varicella-Zoster-Virus (VZV) verursacht wird. Dieses Virus ist auch für die Windpocken verantwortlich. Nach einer Windpockeninfektion verbleibt das Virus inaktiv im Körper und kann sich später im Leben als Gürtelrose reaktivieren. In Deutschland sind jährlich etwa 500.000 Menschen von Herpes zoster betroffen. Die meisten Menschen infizieren sich bereits im Kindesalter mit dem Virus, wobei Statistiken zeigen, dass die Erkrankung bei den meisten Menschen erst nach dem 50. Lebensjahr ausbricht.
Ursachen und Erreger
Varicella-Zoster-Virus (VZV)
Der Erreger der Gürtelrose ist das Varicella-Zoster-Virus (VZV), ein Mitglied der Familie der Herpesviren (Herpesveridae). Es wird auch als Humanes-Herpes-Virus-3 (HHV-3) bezeichnet. Das VZV verursacht zwei verschiedene Erkrankungen: Windpocken bei der Erstinfektion und Gürtelrose bei der Reaktivierung.
Reaktivierung des Virus
Nach einer Windpockenerkrankung verbleiben die Herpesviren im Körper. Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass die Viren während der Erstinfektion in das Nervengewebe eindringen und zu den sensorischen Ganglienzellen gelangen, wo sie in den Nervenknoten des Rückenmarks verbleiben. Bei einer Schwächung des Immunsystems können die Viren reaktivieren und eine Gürtelrose verursachen.
Risikofaktoren für eine Reaktivierung
Vor allem Personen mit einem geschwächten Immunsystem sind anfällig für die Reaktivierung des Herpes-zoster-Virus. Zu den Risikogruppen gehören:
- Patienten mit einer HIV-Infektion
- Patienten mit Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Lymphomen
- Knochenmarktransplantierte
- Personen über 50 Jahre, die dauerhaftem Stress ausgesetzt sind
Symptome
Frühsymptome
Herpes-zoster-Betroffene nehmen meist schon vor dem charakteristischen Hautausschlag Symptome der Erkrankung wahr. Sie spüren oft eine Überempfindlichkeit der Haut, brennende, stechende oder kitzelnde Schmerzen und Taubheitsgefühle an den Nervenbahnen.
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Kernsymptome
Die Kernsymptome von Gürtelrose umfassen:
- Einige Zentimeter großes, angeschwollenes Hautareal im Bereich von Bauch, Brust, Rücken oder Taille
- Bläschenförmiger, stecknadelkopfgroßer Hautausschlag
- Starker Juckreiz
- Einseitige Schmerzen
Zusätzliche Symptome
Zusätzlich zu den Kernsymptomen können folgende Symptome auftreten:
- Abgeschlagenheit
- Müdigkeit
- Fieber
- Magen-Schmerzen
- Allgemeines Unwohlsein
- Überempfindlichkeit in den Bereichen der Lymphknoten
- Durchfall
Manifestation
Die meisten Läsionen finden sich thorakal (55%), gefolgt von der Trigeminusregion (20%) sowie zervikalen (11%), lumbalen (13%) und sakralen (2%) Dermatomen. Mit zunehmendem Alter ist auch der Kopfbereich inklusive der behaarten Kopfhaut und der Schleimhäute vermehrt betroffen.
In der Regel bleibt Herpes zoster auf ein Dermatom begrenzt (Zoster segmentalis), Überlappungen mit benachbarten oder nicht benachbarten Dermatomen sind jedoch möglich (multisegmentaler Befall). Die Mittellinie des Körpers wird nur sehr selten überschritten (Zoster duplex). Äußerst selten sind mehrere Hautsegmente asymmetrisch auf beiden Körperseiten befallen.
Weitere Zoster-Manifestationen sind der Zoster oticus, Zoster maxillaris, Zoster genitalis und Zoster ophthalmicus sowie das Ramsay-Hunt-Syndrom.
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Zoster oticus
Beim Zoster oticus breitet sich die Infektion im Gebiet des Nervus facialis (VII. Hirnnerv) und des Nervus vestibulocochlearis (VIII. Hirnnerv) aus. Klinisch charakteristische Zeichen sind Ohrenschmerzen, Hörminderung bis Hörverlust (Schallempfindungsschwerhörigkeit), Schwindel, Gesichtsnervenlähmung sowie vesikuläre Effloreszenzen auf der Ohrmuschel und im äußeren Gehörgang.
Zoster maxillaris
Beim Zoster maxillaris ist der Ast des Trigeminusnervs (V. Hirnnerv) betroffen, der den Oberkiefer versorgt. Hinweisgebend sind vorübergehende Lähmungen oder ein Verlust des Geschmackssinns.
Zoster genitalis
Beim Zoster genitalis sind die Nerven im Genitalbereich befallen. Hier entwickeln sich die Bläschen auf Penis und Labien. Die Läsionen können sich bis zum Perineum ausdehnen und auf die Oberschenkel übergreifen.
Zoster ophthalmicus
Ein Zoster ophthalmicus ist definiert als VZV-Beteiligung des ophthalmischen Asts des Trigeminusnervs (V. Hirnnerv). In etwa 50-85% der Fälle bestehen okuläre Beschwerden wie Konjunktivitis, Uveitis, Episkleritis, Keratitis oder Retinitis.
Der Zoster ophthalmicus ist ein ophthalmologischer Notfall. Zu den gefürchteten Komplikationen zählen:
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- Orbitalphlegmone mit dem Risiko einer sekundären Erblindung
- Akute Netzhautnekrosen mit möglichem Sehverlust
- Anteriore Uveitis
- Epitheliale punktförmige Keratitis
- Hornhautentzündung und Hornhauttrübung mit Sehbehinderung
PatientInnen mit Zoster ophthalmicus haben ein erhöhtes Risiko für spätere zerebrovaskuläre Ereignisse - auch jüngere Menschen.
Ramsay-Hunt-Syndrom
Das Ramsay-Hunt-Syndrom ist eine weniger häufige Zoster-Unterform (< 1% aller Fälle), die das Ganglion geniculare und den Nervus facialis (VII. Hirnnerv) betrifft. Hinweisgebend sind einseitige Gesichtslähmung, Otalgie und schmerzhafte Bläschen an der Ohrmuschel und/oder am äußeren Gehörgang.
Diagnose
Klinische Diagnose
Herpes zoster wird in der Regel anhand des Erscheinungsbildes der Haut und der Krankengeschichte des Betroffenen diagnostiziert. Der Arzt führt eine Befragung des Patienten durch, um die Symptome festzustellen. Wenn die Haut des Patienten die charakteristischen Symptome von Herpes zoster aufweist, also gerötete, angeschwollene und mit Bläschen versehene Hautareale, die von einseitigen Schmerzen begleitet werden, ist die Diagnose meist klar.
Antikörpertest
Ein Antikörpertest kann durchgeführt werden, um die Varizella-Zoster-Antikörper im Blut zu bestimmen. Allerdings ist dieser Test nicht sehr aussagekräftig, da bei mehr als 90 Prozent aller Personen, die bereits eine Windpockenerkrankung hatten, die Varizella-Zoster-Antikörper im Blut zu finden sind. Ein akute Infektion kann allerdings über den Nachweis der IgM-Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus mit absoluter diagnostischer Sicherheit nachgewiesen werden.
Blutuntersuchung
Eine einfache Blutuntersuchung kann zur Diagnostik einer Gürtelrose beitragen. Eine erhöhte Lymphozytenzahl bei gleichzeitiger Erhöhung der Plasmazellen und einer Abnahme der weißen Blutkörperchen kann ein Hinweis auf eine Herpes-zoster-Infektion sein.
Lumbalpunktion
Letztlich kann auch eine Rückenmarksflüssigkeitsuntersuchung Aufschluss geben. Hierzu wird eine Lumbalpunktion durchgeführt und das entnommene Sekret im Labor untersucht. Allgemein ist bekannt, dass eine Diagnose von Herpes zoster recht schwierig ist, da sich die Erkrankung an verschiedenen Körperstellen äußern kann. Entscheidend ist hierfür jedoch immer die Frage, an welchen Nervenknoten und Nervenbahnen sich die Herpesviren nach der Erstinfektion mit den Windpocken festgesetzt haben.
Differenzialdiagnose
Es ist wichtig, Herpes zoster von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden. Dazu gehören:
- Herpes simplex
- Impetigo
- Kontaktdermatitis
- Insektenstiche
Behandlung
Ziele der Behandlung
Das grundsätzliche Ziel der Behandlung von Gürtelrose ist es, die Schmerzen des Patienten in der Akutphase der Erkrankung zu lindern, die Dauer des Hautausschlages zu begrenzen sowie einer postherpetischen Neuralgie und weiterer chronischer oder akuter Komplikationen vorzubeugen.
Symptomatische Therapie
Abhängig vom Stadium des Hautausschlages wird dieser lokal behandelt, entweder antiseptisch, krustenlösend oder austrocknend. Im Bläschenstadium selbst bieten sich feuchte Umschläge mit Zinkoxidschüttelmixtur (Lotio alba) an. Es ist sinnvoll, die befallenen Hautareale so trocken wie möglich zu halten und sie bestenfalls nicht einmal zu waschen. Eine Möglichkeit, den starken Juckreiz zu lindern, besteht im Anlegen von Verbänden über dem Puder oder den Salben. Darüber hinaus ist dies nützlich, um einer Verbreitung der Herpesviren vorzubeugen und gleichzeitig weitere bakterielle Infektionen mit späterer Narbenbildung zum Beispiel durch Aufkratzen der Bläschen, zu vermeiden. Auch sollten die Hände, falls sie in Kontakt mit den Bläschen gekommen sind, sofort gewaschen und desinfiziert werden.
Antivirale Therapie
Um die Vermehrung der Herpesviren einzudämmen, können antivirale Medikamente verabreicht werden. Normalerweise heilt Herpes zoster bei jungen Menschen ohne weitere Komplikationen oder die Indikation einer speziellen antiviralen Therapie aus, denn es handelt sich um eine selbstlimitierte Erkrankung der Haut und des Nervensystems. Bei älteren Patienten kann es allerdings zu einem komplizierteren Verlauf der Erkrankung kommen. Ist damit zu rechnen, sollten antivirale Medikamente eingesetzt werden, welche daneben den Heilungsverlauf verkürzen und sich positiv auf selbigen auswirken.
Dringend empfohlen wird eine antivirale Therapie schließlich bei Betroffenen über 50 Jahre oder bei Herpes zoster jedweder Lokalisation bei Patienten in jeder Altersgruppe sowie bei einer Gürtelrose im Hals- oder Kopfbereich, bei einem schweren Befall an den Extremitäten oder am Stamm sowie bei Patienten mit Immundefekt, ausgedehnten Ekzemen oder Dermatitis atopica.
Zur Evaluation, ob eine antivirale Therapie notwendig ist, kann der sogenannte Zoster-Score gemacht werden. Bei diesem handelt es sich um einen Fragebogen, der die Risikofaktoren bei einer Erkrankung wie zum Beispiel das Alter (über 50 Jahre), die Schmerzen der Haut oder das weibliche Geschlecht berücksichtigt.
Entscheidet sich der Arzt für eine antivirale Therapie, sollte mit dieser sobald wie möglich begonnen werden, d.h. im besten Fall innerhalb von 48 bis72 Stunden nach dem Auftreten des Hautausschlages. Die antivirale Therapie sollte mindestens über sieben Tage fortgeführt werden. In Ausnahmesituationen, etwa bei einem länger bestehendem Zoster ophthalmicus oder bei Zoster oticus und bei Patienten mit Immundefekt, sollten antivirale Medikamente auch noch zu einem späteren Zeitpunkt eingesetzt werden. In Deutschland sind unterschiedliche oral zu applizierende Substanzen zur Gürtelrosebehandlung zugelassen (rezeptpflichtig):
- Valaciclovir
- Brivudin
- Aciclovir
- Famciclovir
Kortikosteroid-Therapie
Die Behandlung einer Gürtelrose mit Steroiden kann zwar die Dauer der akuten Schmerzphase verringern, einen entscheidenden Einfluss auf chronische Zoster-Schmerzen bringt sie allerdings nicht mit sich. Entsprechend gilt es hier, den Nutzen einer Kortikosteroid-Therapie gründlich mit den zu erwartenden, charakteristischen Nebenwirkungen selbiger abzuwägen. Eine alleinige Medikation mit Kortikosteroiden ohne die zusätzliche Verabreichung von antiviralen Medikamenten ist grundsätzlich nicht ratsam.
Schmerzmittel
Da die Schmerzen bei einer Gürtelrose meist von hoher Intensität sind, ist die Gabe von Analgetika, d.h. schmerlindernden Substanzen, sinnvoll. In der Regel besteht die Basistherapie in der Gabe von NSAP (nichtsteroidalen Antiphlogistika) und NSAR (nichtsteroidalen Antirheumatika). Beide Medikamentenarten weisen eine schmerzstillende und eine entzündungshemmende Wirkung auf. Im akuten Herpes-zoster-Stadium können darüber hinaus Steroide kombiniert mit einem Lokalanästhetikum in die betroffene Nervenwurzel injiziert werden, so dass der Patient eine sofortige Linderung spürt.
Vorbeugung
Impfung
In Deutschland sind zwei unterschiedliche Impfstoffe gegen Herpes zoster für Personen ab 50 Jahren zugelassen und verfügbar: Seit 2013 ein attenuierter Lebendimpfstoff und seit 2018 ein adjuvantierter Herpes-Zoster-subunit-Totimpfstoff.
Herpes-zoster-Lebendimpfstoff
Dieser Impfstoff dient einerseits dem Schutz gegen das Ausbrechen der Erkrankung selbst und andererseits zur Verhinderung oder Verminderung von postherpetischen Neuralgien (PHN). Aufgrund der eingeschränkten Wirksamkeit und seiner begrenzten Wirkdauer wird der Herpes-zoster-Lebendimpfstoff nicht als Standardimpfung empfohlen. Weiterhin eignet sich der Impfstoff nicht für Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Herpes-zoster-Totimpfstoff
Für alle Personen ab 60 Jahren gilt der Herpes-zoster-Totimpfstoff als Standardimpfung vor Gürtelrose und postherpetischer Neuralgie. Außerdem wird die Impfung allen Personen ab 50 Jahren empfohlen, deren Immunsystem geschwächt ist oder die unter einer Grunderkrankung leiden, welche eine erhöhte gesundheitliche Gefährdung für das Auftreten eines Herpes Zoster infolge haben könnte. Die zweifache Impfung wird im Abstand von mindestens 2 und maximal 6 Monaten geimpft. Die Kosten für die Impfungen tragen in der Regel die gesetzlichen Krankenkassen.
Weitere präventive Maßnahmen
Wie bei nahezu jeder Erkrankung gilt auch bei der Vorbeugung von Herpes zoster die Stärkung des Immunsystems durch einen gesunden Lebenswandel und eine ausgewogene Ernährung als enorm hilfreich. Im Vordergrund stehen hierfür eine vitamin- und mineralstoffreiche Kost, das Vermeiden oder zumindest Verringern von täglichem, dauerhaftem Stress, ausreichend Schlaf und eine regelmäßige sportliche Betätigung.
Komplikationen
Post-Zoster-Neuralgie (PZN)
Die PZN ist die häufigste Komplikation beim Zoster. Definitionsgemäß wird von einer PZN gesprochen, wenn der Schmerz länger als drei Monate nach Abheilen der Hautläsionen persistiert. Die PZN kann die Patienten im Alltag gravierend belasten und die Lebensqualität stark einschränken.
Zu den Risikofaktoren einer PZN gehören:
- Zoster ophthalmicus mit Keratitis oder intraokulärer Entzündung
- Höheres Lebensalter > 50 Jahre
- Prodromaler Schmerz
- Weibliches Geschlecht
- Entwicklung von > 50 Effloreszenzen
- Hämorrhagische Läsionen
- Kraniale/sakrale Lokalisation
Disseminierter Zoster und neurologische Komplikationen
Bei Menschen mit Immundefizienz können schwere Krankheitsverläufe, inklusive disseminiertem Zoster mit Befall multipler Körperareale und sekundär hämatogener Generalisierung, vorkommen. Solche Verläufe sind potenziell lebensbedrohlich.
PatientInnen mit Risiko für einen schweren Zoster, eine kutane und/oder systemische Dissemination und/oder eine schwere postzosterische Neuralgie können durch einige Risikofaktoren identifiziert werden. Dazu gehören:
- Alter > 50 Jahre
- Moderater bis schwerer prodromaler oder akuter Schmerz
- Immunsuppression, inklusive Tumoren, Hämopathien, HIV-Infektion, Organ- oder Stammzelltransplantation sowie andere immunsuppressive medikamentöse Therapien
Zudem weisen einige klinische Befunde zu Beginn der Zoster-Erkrankung auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Komplikationen hin, etwa:
- Satellitenläsionen (aberrierende Bläschen)
- Schwerer Ausschlag und/oder Befall mehrerer Dermatome
- Multisegmentaler oder generalisierter Zoster
- Simultanes Auftreten von Läsionen unterschiedlicher Entwicklungsstadien
- Reduzierter Allgemeinzustand
- Meningeale oder andere neurologische Zeichen und Symptome
Wie auch bei Varizellen kann bei einer Herpes zoster-Erkrankung das ZNS in Form einer meningealen Reizung oder Meningoenzephalitis betroffen sein. Seltene ZNS-Manifestationen sind die granulomatöse Angiitis mit kontralateraler Hemiplegie und die aufsteigende Myelitis, eventuell mit motorischen Paralysen.
Ferner können sich bakterielle Superinfektionen, passagere segmentale Lähmungen wie Bauchwandhernien und Harnblasendysfunktionen entwickeln; in Einzelfällen sind Nephritis, Arthritis, Myokarditis und Hepatitis sowie ein Guillain-Barré-Syndrom oder ein Reye-Syndrom beschrieben.
Lumbalpunktion bei Gürtelrose
Eine Lumbalpunktion kann in bestimmten Fällen von Gürtelrose durchgeführt werden, insbesondere wenn neurologische Komplikationen vermutet werden. Bei dieser Untersuchung wird Rückenmarksflüssigkeit entnommen und analysiert, um festzustellen, ob das Virus das zentrale Nervensystem befallen hat. Die Lumbalpunktion kann helfen, andere Ursachen für die Symptome auszuschließen und die geeignete Behandlung zu bestimmen.
Fazialisparese und Gürtelrose
Ein Mundwinkel hängt, ein Auge schließt nicht: Das sind typische Symptome für Fazialisparese. Schwillt der Nervus facialis an - etwa durch eine Infektion mit Bakterien oder Viren - kann es schnell zu einer Schädigung des Nervs und Funktionsstörungen kommen, die sich dann im Gesicht in Form einer Gesichtslähmung spiegeln. Die Fazialisparese kann zum Beispiel auch durch Krankheiten, Infektionen oder Verletzungen hervorgerufen werden. Die Namen beziehen sich auf die Lage des auslösenden Problems. Peripher bedeutet "am Rand gelegen" und meint in diesem Zusammenhang den Gesichtsnerv, der vom Gehirn bis ins Gesicht führt. Die periphere Fazialisparese ist mit rund 60 Prozent der Fälle die häufigere Form. Ursache für die Schädigung des Gesichtsnervs oder einen Teil des Nervs kann dabei ein Unfall oder eine Schwellung aufgrund einer Infektion mit Bakterien oder Viren sein. Auch am Gesichtsnerv liegende Tumore oder eine Mittelohrentzündung können periphere Fazialisparesen auslösen.
Die Beschwerden treten in der Regel innerhalb von wenigen Stunden auf und erreichen nach ein bis zwei Tagen ihren Höhepunkt. Die Diagnose der Fazialisparese ist vor allem Ursachenforschung. Mithilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) untersucht der Arzt oder die Ärztin, ob der Auslöser im Gehirn liegt. Im nächsten Schritt wird Blut abgenommen oder eine Lumbalpunktion zur Gewinnung von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit durchgeführt. Auch eine Mittelohrentzündung kann den Nervus facialis in Mitleidenschaft ziehen, daher kann für die Diagnose eine Zusammenarbeit zwischen HNO-Arzt und Neurologen sehr hilfreich sein.
In vielen Fällen ist aber keine direkte Ursache der Fazialisparese bekannt. Dann wird meist für einen Zeitraum von 14 Tagen mit Kortison behandelt, das generell Entzündungen im Körper bekämpft. Mittels Infusionen verabreichen Arzt oder Ärztin auch manchmal durchblutungsfördernde Medikamente. Bei Vitamin-B12-Mangel wird mit Präparaten aus dem Vitamin-B-Komplex behandelt. Hierbei werden insbesondere Vitamin B12 aber auch Vitamin B6 und B1 eingesetzt. Da bei den meisten Patienten und Patientinnen mit peripherer Fazialisparese eine Schädigung der Lidschluss-Funktion besteht, muss das Auge besonders gepflegt werden, damit sich die Hornhaut nicht entzündet. Das geschieht mit künstlicher Tränenflüssigkeit und Augensalbe. Nachts tragen Patienten einen sogenannten Uhrglasverband (eine Art durchsichtige Augenklappe im Pflasterformat), um vor Austrocknung zu schützen.
Bei etwa 80 Prozent der Betroffenen verschwinden die Symptome einer Gesichtslähmung nach wenigen Wochen wieder vollständig. In manchen Fällen bleiben Restsymptome durch die Schädigung. Dazu gehören unwillkürliche Zuckungen der mimischen Muskulatur oder unbeabsichtigte Mitbewegungen der Mimik - zum Beispiel wenn der Mund gespitzt wird, schließt sich auch das Augenlid. Solche Synkinesien kann man mit Botulinum-Toxin behandeln, das in die entsprechende Muskulatur gespritzt wird, um die unwillkürlichen Bewegungen zu verhindern. In wenigen Fällen hat eine Fazialisparese Langzeitfolgen. Ist die Gesichtslähmung chronisch (dauerhafte Schädigung der Nerven) und beispielsweise der Lidschluss des Auges eines Patienten gestört, gibt es die Möglichkeit der Therapie mit rekonstruktiver, plastischer Operation. Ein offenstehendes Unterlid kann beispielsweise mit einer besonderen Operationstechnik (Canthoplastik) behandelt werden. Eine entsprechende OP am Oberlid, bei der das Sichtfeld korrigiert wird, heißt Blepharoplastik.
Meningitis und Gürtelrose
Als Meningitis bezeichnet man eine Entzündung der Hirnhäute. Sind Bakterien wie Meningokokken, Pneumokokken oder Listerien die Auslöser, kann sie schnell lebensbedrohlich werden. Häufig ist eine virale Infektion die Ursache einer Meningitis. Bei einer Immunschwäche kann auch eine Infektion mit Pilzen zu einer Meningitis führen. Bakterielle Hirnhautentzündungen können sehr schwer und sogar tödlich verlaufen.
Die wichtigsten Merkmale einer Meningitis sind Fieber, Kopfschmerzen und Nackensteife. Besteht der Verdacht auf eine Meningitis, sollte man sofort ein Krankenhaus aufsuchen. Das gilt besonders für kleine Kinder und ältere Menschen. Gegen zahlreiche Meningitis-Erreger kann man sich impfen lassen.
Eine Hirnhautentzündung wird meist durch Krankheitserreger ausgelöst. Andere Auslöser wie Krebs, Autoimmunerkrankungen oder die Einnahme von Medikamenten wie entzündungshemmende Schmerzmittel oder bestimmte Antibiotika sind selten. Am häufigsten verursachen Viren eine Hirnhautentzündung. Dazu zählen zum Beispiel:
- Enteroviren
- Parechoviren
- Epstein-Barr-Viren
- Herpes-simplex-Viren
- Varizella-zoster-Viren
- SARS-CoV-2
- Arboviren
- Grippe-, Masern- und Mumpsviren
Manchmal sind Infektionen mit Bakterien die Ursache. Zu den häufigsten bakteriellen Erregern zählen:
- Pneumokokken
- Meningokokken
- Streptokokken der Gruppe B
- Haemophilus influenzae
- Listerien
- Escherichia coli
Weniger häufige Auslöser sind Infektionen mit Staphylokokken, Tuberkulosebakterien oder Borrelien. Hirnhautentzündungen durch Infektionen mit Pilzen, beispielsweise mit Hefe- oder Schimmelpilzen, treten vor allem bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem auf, etwa bei Menschen mit HIV/Aids.
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