Lungenentzündung und Impfungen bei Parkinson-Patienten: Ein umfassender Leitfaden

Die Gesundheit von Parkinson-Patienten ist ein komplexes Thema, das durch zusätzliche Faktoren wie Infektionsrisiken und Begleiterkrankungen weiter kompliziert wird. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Lungenentzündung, Impfungen und Parkinson, um Betroffenen und ihren Angehörigen fundierte Informationen und Handlungsempfehlungen zu geben.

Einführung

In Zeiten von Unsicherheit und Besorgnis über das Coronavirus ist es wichtig, die spezifischen Risiken und Schutzmaßnahmen für Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson zu verstehen. Obwohl Parkinson-Patienten per se kein erhöhtes Infektionsrisiko haben, können Komplikationen auftreten, wenn sie sich mit dem SARS-CoV-2-Virus infizieren, insbesondere bei Vorliegen altersbedingter Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Lungenerkrankungen.

Infektionsrisiko und Parkinson

Grundsätzlich besteht kein erhöhtes Risiko, sich aufgrund einer Parkinson-Erkrankung mit dem SARS-CoV-2-Virus anzustecken. Allerdings steigt das Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung im höheren Lebensalter und mit der Anzahl der Vorerkrankungen stark an. Pneumonien, die im Zuge von Schluckbeschwerden auftreten, zählen mit zu den häufigsten Todesursachen bei Parkinson. Demnach dürfte die durch SARS-CoV-2 verursachte Lungenentzündung ein Grund für die höhere Sterblichkeit sein.

Die Rolle der Impfung

Eine Schutzimpfung ist der einzige sichere Schutz vor einem schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung. Die Österreichische Parkinsongesellschaft rät von Parkinson Betroffenen daher klar und ausdrücklich, die Möglichkeit der COVID-19- Schutzimpfung in Anspruch zu nehmen. Sorgen betreffend RNA-Impfstoffe sind unberechtigt. Die RNA ist ein Botenstoff für die Bildung von Eiweißkörpern (Proteinen). Im Fall der COVID-19-Impfstoffe handelt es sich um einen RNA-Abschnitt für die Bildung eines Oberflächenprotein des verantwortlichen Virus. Die Bildung von Antikörpern dagegen ist Grundlage für die Entwicklung einer Immunität gegen das SARS-CoV2-Virus. Auch Sorgen betreffend die rasche Zulassung der Impfstoffe sind unberechtigt. Im Gegenteil, die rasche Entwicklung dieser Impfstoffe ist massiven Forschungsanstrengungen und der erfolgreichen organisatorischen Beschleunigung in der Durchführung der Studien mit sehr hohen Teilnehmerzahlen zu verdanken.

Impfempfehlungen und Priorisierung

Menschen mit Morbus Parkinson und ähnlichen neurologischen Erkrankungen sollten sich daher in jedem Falle gegen Covid-19 impfen lassen. Wer geimpft ist, wird selbst bei einem Viruskontakt zu 95 Prozent nicht an Corona erkranken. Nach dem Priorisierungsplan der Bundesregierung gehören Parkinson-Erkrankte in die Impfgruppe 3 (erhöhte Priorität), wenn Sie nicht aufgrund Ihres Alters oder anderer Erkrankungen einer höheren Priorität zugeordnet werden.

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Verträglichkeit und Nebenwirkungen

Es gibt derzeit keine spezifischen Gründe, warum Patienten mit Parkinson Syndrom die COVID-19 Impfung mit den zugelassenen Impfstoffen weniger gut vertragen sollten, oder die Impfung weniger gut wirken sollte, als bei Gesunden gleichen Alters. Alle drei beschriebenen COVID-19 Impfstoffe können kurzfristig Impfreaktionen wie Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit, Temperaturanstieg, auslösen, die aber meist mild sind und innerhalb von 1-2 Tagen abklingen. Die Verträglichkeit ist diesbezüglich bei betagten Personen sogar besser als bei jüngeren. Schwere allergische Reaktionen treten nach bisherigem Wissensstand extrem selten auf. Bei Individuellen Faktoren wie beeinträchtigtem Immunsystem oder schweren allergischen Reaktionen in der Vergangenheit sollte die Frage der Impfung mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Parkinson-Patientinnen und -Patienten haben kein erhöhtes Risiko für Impfnebenwirkungen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

Grippeimpfung als zusätzliche Schutzmaßnahme

Die Verbreitung der Grippeviren verläuft in diesem Jahr früher und heftiger als in den Vorjahren. Jeder Mensch über 60 Jahre sollte sich unbedingt neben einer vierten Corona-Impfung gegen Grippe impfen lassen und sich somit gegen das Influenza-Virus schützen. „Bei Ungeimpften beobachten wir insbesondere im ersten Monat nach der Influenza-Infektion häufiger Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Als Spätfolge kann nach mehr als zehn Jahren ein Morbus Parkinson auftreten“, warnt Dr. Andreas Leischker, Vertreter der DGG-Arbeitsgruppe Impfen.

Pneumokokken-Impfung zur Vorbeugung von Lungenentzündungen

„Bei einer Influenza-Infektion kann sich im Verlauf der Erkrankung zusätzlich eine durch Pneumokokken-Bakterien verursachte Pneumonie, also Lungenentzündung, entwickeln, die zu besonders schweren Verläufen führt. Dieses Risiko, welches insbesondere ältere Patientinnen und Patienten betrifft, gilt es zu verhindern“, ergänzt Professorin Hortense Slevogt, Immunologin und Vorstandsmitglied der DGP.

Lungenentzündung bei Parkinson-Patienten

Eine Lungenentzündung kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter Bakterien, Viren oder das Einatmen von Fremdkörpern (Aspirationspneumonie). Bei Parkinson-Patienten kann das Risiko einer Aspirationspneumonie aufgrund von Schluckstörungen erhöht sein. Im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium kommen neben den motorischen Symptomen weitere Begleiterscheinungen hinzu, die nicht so gut auf Medikamente ansprechen. Dazu gehören beispielsweise Schluckstörungen mit einem erhöhten Risiko von Lungenentzündungen, Gleichgewichtsstörungen, Störungen beim Wasserlassen und psychische Beschwerden.

Symptome und Diagnose

Das Leitsymptom einer Lungenentzündung ist Atemnot und ein starkes allgemeines Krankheitsgefühl. Hinzu komme meist produktiver Husten und Fieber. Eine Lungenentzündung, die mit Medikamenten behandelt werden muss, lässt sich in vielen Fällen bereits durch das Abhören der Lunge erkennen. Verminderte Atemgeräusche, knisternde oder rasselnde Geräusche können ein Hinweis sein. Dann wird ein Röntgenbild - in manchen Fällen sogar eine Computertomographie - der Lunge gemacht, um zu sehen, wie stark die Entzündung ist und wie weit sie sich ausgebreitet hat. Oder es wird Blut abgenommen, um Entzündungswerte zu bestimmen wie den CRP-Wert und die Leukozytenzahl zu bestimmen.

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Prävention und Risikofaktoren

Verschiedene lebensstilabhängige Faktoren können das Risiko für eine Lungenentzündung erhöhen. So zum Beispiel das Rauchen: Bestandteile des Zigarettenrauches verhindern, dass das körpereigene Immunsystem die bakterielle Infektion rasch und gezielt bekämpft. Auch die Flimmerhärchen (Zilien), die für die Abwehrfunktion der Atemwege wichtig sind, funktionieren bei Raucherinnen und Rauchern oft nur eingeschränkt.

Vorbeugende Maßnahmen

Um eine Lungenentzündung zu verhindern, hilft gründliches Händewaschen, moderate und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, der Verzicht aufs Rauchen, wenig Alkohol, eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung und außerdem ausreichend Flüssigkeitszufuhr zur Befeuchtung der Atemwege. Gerade bei sehr alten und gesundheitlich angeschlagenen Menschen rät man auch, in der Erkältungszeit Menschenansammlungen zu vermeiden.

Parkinson im Überblick

Morbus Parkinson ist eine Erkrankung, bei der nach und nach Nervenzellen im Gehirn absterben. Bei der fortschreitenden, neurodegenerativen Erkrankung sterben bestimmte Nervenzellen ab, die den Nervenbotenstoff Dopamin produzieren. Dies betrifft vor allem die sogenannte schwarze Substanz (Substantia nigra) im Mittelhirn, die wichtig ist für die koordinierte Ausführung von Bewegungen.

Symptome und Verlauf

Klassische Symptome im Frühstadium von Parkinson sind die typischen motorischen Symptome, also: Muskelzittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) und eine Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese). Wie schnell ein Parkinson-Syndrom voranschreitet, ist von vielen individuellen Faktoren abhängig. Parkinson ist leider bislang nicht heilbar. Die Parkinson-Krankheit verläuft nicht unmittelbar tödlich. Doch wie die Prognose im Einzelfall aussieht, kann Ihr Arzt am besten einschätzen. Menschen mit Parkinson sterben meist nicht direkt an der Erkrankung selbst, sondern an den Komplikationen, die im Krankheitsverlauf auftreten können.

Therapieansätze

Zwar können Parkinson-Medikamente die ursächlichen Schäden des Nervensystems nicht rückgängig machen, aber sie können den Dopamin-Mangel ausgleichen und auf diese Weise die Symptome lindern. Ziel ist eine lange Wirksamkeit und möglichst keine Nebenwirkungen. Darüber hinaus können je nach Symptomatik noch weitere Medikamente verabreicht werden. Medizinisches Cannabis kann für die Behandlung von parkinsontypischen Begleitsymptomen wie Zittern, Schmerzen, Schlafstörungen und psychischen Beschwerden in Frage kommen.

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Auswirkungen von Infektionen auf neurodegenerative Erkrankungen

Eine Infektion, beispielsweise mit Influenza, könnte allerdings auch den Verlauf neurodegenerativer Erkrankungen beschleunigen. Auch da gibt es Daten aus der Corona-Pandemie, die zeigen, dass Menschen, die schon eine Vorerkrankung hinsichtlich Alzheimer hatten, besonders stark gealterte Gehirne hatten, wenn sie an COVID-19 erkrankt waren.

Forschungsergebnisse

Die Studie zeigt starke Korrelationen zwischen der Exposition mit verschiedenen Erregern und neurodegenerativen Erkrankungen. Das zeigt noch keine Kausalität, ist jedoch eine spannende Erkenntnis. Sie wird besonders relevant, wenn man eine Idee davon hat, wie diese Zusammenhänge zustande kommen könnten. Im Mausmodell sehen wir klar, dass eine Grippeimpfung im Vergleich zu einer Infektion vor den langfristigen Schäden im Gehirn schützt. Ein Grund könnte sein, dass eine Infektion eine wesentlich stärkere Immunaktivierung auslöst als eine Impfung.

Praktische Ratschläge für Parkinson-Patienten

  • Impfungen: Nehmen Sie die Möglichkeit zur COVID-19- und Grippeimpfung wahr, um sich vor schweren Verläufen zu schützen. Lassen Sie sich auch gegen Pneumokokken impfen, um das Risiko einer Lungenentzündung zu senken.
  • Hygiene: Achten Sie auf gründliche Händehygiene und vermeiden Sie unnötige Kontakte zu anderen Menschen, insbesondere in der Erkältungszeit.
  • Gesundheitszustand: Achten Sie auf Ihren allgemeinen Gesundheitszustand und nehmen Sie regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahr.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr.
  • Bewegung: Bleiben Sie aktiv und bewegen Sie sich regelmäßig an der frischen Luft.
  • Schluckstörungen: Bei Schluckstörungen sollten Sie einen Logopäden aufsuchen, um das Risiko einer Aspirationspneumonie zu minimieren.
  • Arztbesuche: Klären Sie Auffälligkeiten bei sich oder Ihrem erkrankten Angehörigen möglichst zeitnah mit Ihrem behandelnden Arzt ab.
  • Medikation: Rezepte für Ihre Medikamente können nach telefonischer Anfrage von Ihrem Arzt ausgestellt und Ihnen per Post übersandt werden.

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