MagForce AG: NanoTherm® Therapie – Wirksamkeit bei der Behandlung von Hirntumoren

Einleitung

Die Behandlung von Hirntumoren, insbesondere des Glioblastoms, stellt eine große Herausforderung in der Medizin dar. Die MagForce AG hat mit ihrer NanoTherm® Therapie einen innovativen Ansatz entwickelt, der auf Nanotechnologie basiert und neue Perspektiven in der Krebstherapie eröffnet. Dieser Artikel beleuchtet die Wirksamkeit der NanoTherm® Therapie, insbesondere im Hinblick auf die Behandlung von rezidivierenden Glioblastomen.

Was ist die NanoTherm® Therapie?

Die NanoTherm® Therapie ist eine Methode zur Behandlung von soliden Tumoren, bei der Hitze direkt im Tumor erzeugt wird. Sie besteht aus mehreren Komponenten:

  • Eisenoxid-Nanopartikel (NanoTherm®): Diese werden in den Tumor injiziert.
  • NanoActivator®: Ein Gerät, das ein Magnetfeld erzeugt, um die Nanopartikel zu erhitzen.
  • Thermometrie-Katheter und Temperaturmessgerät: Zur Überwachung der Temperatur im Behandlungsgebiet.
  • Software (NanoPlan®): Zur Simulation der Temperaturen im Behandlungsgebiet.

Durch das Anlegen eines Magnetfelds an die in den Tumor injizierten Eisenoxid-Nanopartikel werden diese erhitzt.

MF 1001-Studie: Validierung der Wirksamkeit beim Glioblastom

Die MF 1001-Studie ist eine offene, kontrollierte, multizentrische Studie, die die Wirksamkeit und Verträglichkeit der NanoTherm® Therapie bei Patienten mit rezidivierendem Glioblastom untersucht. Ziel dieser Studie ist es, zu prüfen, ob die NanoTherm® Therapie allein oder in Kombination mit Strahlentherapie genauso wirksam oder wirksamer ist als eine Standard-Strahlentherapie allein. Bis zu 269 Patienten sollen an dieser Studie teilnehmen. Außerdem sollen in dieser Studie zwei Medizinprodukte der Therapie eingehender untersucht werden, zum einen Nanopartikel in einer höheren Partikeldichte und zum anderen ein neuer Thermometrie-Katheter.

In einer Vorstudie wird zunächst die Wirksamkeit und Verträglichkeit der NanoTherm® Therapie als Monotherapie überprüft. Ziel der Hauptstudie ist, das mediane Gesamtüberleben der Patienten in der NanoTherm® Monotherapie (falls in der Vorstudie erfolgreich) und der NanoTherm® HFSRT-Kombinationstherapie mit der HFSRT allein zu vergleichen.

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Klinische Evidenz und Studienergebnisse

Eine bereits durchgeführte klinische Studie, die zur EU-Zertifizierung der NanoTherm® Therapie bei Hirntumoren führte, zeigte eine Verlängerung der Überlebenszeit, wenn die NanoTherm® Therapie in Kombination mit Strahlentherapie eingesetzt wurde. Die Ergebnisse der MF 1001-Studie sollen diese Erkenntnisse nun validieren und weitere Einblicke in das Potenzial der NanoTherm® Therapie geben.

In einer klinischen Studie wurden 59 Patienten behandelt, bei denen wiederholt ein Glioblastom diagnostiziert wurde. In der Studie erhielten die Patienten nun eine Kombination von Bestrahlung und Wärmetherapie per Nanokügelchen. „Die Überlebenszeit verlängerte sich auf 13,4 Monate. Das ist ein sehr gutes Ergebnis“, berichtet Jordan stolz.

Wie funktioniert die NanoTherm® Behandlung?

Die Herausforderung bestand darin, Wärme in den Tumor und nach Operation an den Rand des Tumors zu bringen. Innerhalb der Schädelkapsel gibt bis auf diese Form der Therapie keine Möglichkeit lokal, fokal Wärme zu applizieren. Dies geschieht mit Hilfe von eisenhaltigen Nano-Partikeln, die 500-mal kleiner sind als ein rotes Blutkörperchen. Diese Partikel werden während einer Operation direkt in den Tumor bzw. am Ende einer Operation an die Randbezirke eines Tumors instilliert. Anschließend erfolgt zeitgleich mit der Strahlen- und Chemotherapie die Aktivierung im Magnetfeld. Dieses erfolgt für drei Wochen je zweimal pro Woche für jeweils eine Stunde. Die gesamte Behandlung umfasst einen Zeitraum von ca. vier Wochen. Dabei entfallen etwa zehn Tage auf eine stationäre Therapie, bei der die Operation mit Instillation erfolgt. Danach ist für eine Phase von drei Wochen Magnetfeld-Aktivierung erforderlich, die aber in den meisten Fällen bereit als ambulantes Behandlungsmodell umgesetzt werden kann.

Vorteile der NanoTherm® Therapie

Prof. Dr. Warnke: Alle bisher geläufigen Tumortherapien beruhen auf dem Prinzip der Zerstörung von Zellorganellen während der Zellteilung. Ob Strahlen oder Chemotherapie, der Prozess der Zellkern-Duplikation soll dabei empfindlich gestört werden. Da aber die Natur für solche Störungen Reparaturmechanismen bereithält, bleibt die Zerstörung einer Mehrheit der teilenden Tumorzellen ein theoretischer Wunsch, da die Reparatur die Erholung der Tumorzelle ermöglicht. Anders wäre es auch nicht erklärbar, dass Tumore bei der zerstörerischen Wirkung von Strahlen- und Chemotherapie überleben.

Ein wesentlicher Vorteil der NanoTherm® Therapie liegt in ihrer gezielten Wirkungsweise. Da die Wärmeentwicklung auf den Tumor beschränkt bleibt, werden umliegende gesunde Gewebe geschont. Dies führt zu einer Reduzierung der Nebenwirkungen im Vergleich zu traditionellen Krebstherapien wie Chemotherapie oder Strahlentherapie.

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Die erstmals mögliche Kombination von NanoTherm Behandlung mit den herkömmlichen Tumortherapien gibt uns die Möglichkeit, eine wesentlich effizientere Tumortherapie durchzuführen. Wir sind in der Lage nicht nur die Zellteilung, sondern auch die natürlichen Reparaturmechanismen so empfindlich zu stören, dass der Patient wesentlich höhere Überlebenswahrscheinlichkeiten bei diesem ansonsten tödlichen Tumor hat.

Minimale Nebenwirkungen

Viele Patienten hätten ein diffuses Wärmegefühl oder würden etwas schwitzen, sonst seien aber keine Probleme aufgetreten, die auf die Therapie zurückzuführen seien. Natürlich sei die Behandlung nicht frei von Gefahren: "Wer eine Nadel ins Gehirn sticht, riskiert natürlich eine Blutung." Außerdem bestünde die Gefahr, dass ein Ödem, bei Tumoren eine häufige Begleiterscheinung, sich ausdehne und der Hirndruck gefährlich ansteige. Eine Nebenwirkung hat die Therapie in jedem Fall: Da die Nanopartikel im Gehirn bleiben, sind Magnetresonanz-Tomographien bei den Patienten später nur eingeschränkt möglich. Denn die Eisenteilchen machen die Bilder unlesbar.

Die Rolle der Paracelsus-Klinik Zwickau

Die Paracelsus-Klinik Zwickau ist ein wichtiger Partner bei der Anwendung der NanoTherm® Therapie. Die Klinik verfügt über eine hohe Expertise in der Behandlung von Hirntumoren und führt jährlich etwa 1.500 Operationen an Hirntumoren durch. Prof. Dr. med. habil. Jan-Peter Warnke, Chefarzt der Neurochirurgie an der Paracelsus-Klinik Zwickau, berichtet über die jüngsten Erfahrungen mit der Therapie in Europa.

MagForce's Expansionsstrategie in Europa

MagForce hat kürzlich die Anwendungsquote seines Therapiesystems zur Behandlung von Hirntumoren signifikant erhöht, indem die Anzahl der Kliniken, die diesen therapeutischen Ansatz verwenden, erweitert wurde. Dies ist ein wichtiger Schritt in der europäischen Roll-out-Strategie des Unternehmens, um die wegweisende Therapie mehr Patienten zur Verfügung zu stellen, die an dieser aggressiven Art von Gehirntumor leiden und dringend bessere therapeutische Möglichkeiten benötigen.

Im Jahr 2019 schloss das Unternehmen Kooperationsvereinbarungen mit zwei neuen Kliniken ab: der Paracelsus-Klinik Zwickau in Deutschland und dem Public Clinical Hospital Nr. 4 in Lublin, Polen. Damit erhöhte sich die Gesamtzahl der Kliniken, die NanoTherm in Europa für kommerzielle Behandlungen verwenden, auf vier. Mit diesen neuen Kliniken stehen nun größeren Patientengruppen in ganz Deutschland und Osteuropa erweiterte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Damit wird eine wichtige Behandlungslücke für Europa geschlossen.

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Herausforderungen und Ausblick

Die notwendige Apparatur zur Erzeugung des Magnetwechselfeldes, der NanoActivator, ist relativ teuer. Die Paracelsus-Klinik Zwickau ist für das Verfahren ausgewählt worden, weil sie überdurchschnittlich viele Patienten mit Hirntumoren behandelt und darum die erforderliche hohe Kompetenz beim Einsatz der neuen Technologie vorweisen kann. MagForce plant die Eröffnung weiterer Behandlungszentren in Europa, um die NanoTherm® Therapie einem breiteren Patientenkreis zugänglich zu machen.

Nanotechnologie im Kampf gegen Krebs

Forscher suchen seit Jahren nach Möglichkeiten, die Nanotechnologie im Kampf gegen Krebs einzusetzen. Einen neuen Ansatz liefert ein Berliner Biologe. Mit Nanokügelchen erwärmt er Tumorzellen, damit sie absterben. Vorteil: Die Methode hat wenige Nebenwirkungen.

Die winzigen Kügelchen haben aber gewisse Eigenschaften eines Magneten und sie lassen sich durch ein Magnetfeld ausrichten. "Das ist so ähnlich, wie wenn man einen Magneten an ein Stück Eisen hält", sagt Jordan. Die kleinen magnetischen Domänen im Eisen, die vorher wild in alle Richtungen gezeigt hätten, würden sich dann entlang des Magnetfeldes anordnen. Die Nanopartikel von Jordan sind allerdings so klein, dass sie nur aus einer einzigen Domäne bestehen. "Wir tauschen einfach den Nord- und Südpol des Magnetfelds immer wieder, bis zu 100.000 Mal pro Sekunde." Durch den ständigen Wechsel heizen sich die Kügelchen auf. "Bis zu 70 Grad Celsius erreichen wir damit im Tumor", sagt Andreas Jordan. Ganz so heiß muss es aber gar nicht werden. Schon lange ist bekannt, dass man Zellen töten kann, indem man sie länger auf mehr als 42 Grad Celsius erwärmt. Tumorgewebe ist für Hitze besonders anfällig, da es schlechter durchblutet wird. Der wuchernde Tumor muss sicherstellen, dass seine Zellen immer gut mit Blut versorgt sind, und schüttet daher Stoffe aus, die das Wachstum von Blutgefäßen fördern. Im Gegensatz zu der geordneten Blutgefäßstruktur in gesundem Gewebe kommt es dabei zu einem regelrechten Chaos von dünnwandigen, krankhaften Gefäßen.

NanoTherm® Therapie als Teil eines multimodalen Therapiekonzepts

"Unser Ziel ist es, die Technik neben den Standard-Krebstherapien, also neben Chirurgie, Bestrahlung und Arzneimitteln, fest zu etablieren", sagt Jordan. Er sehe vor allem die Chance, die starken Nebenwirkungen zu reduzieren, die manche dieser Therapien begleiten.

NanoTherm® Therapie bei Prostatakrebs

MagForce ist bestrebt, die therapeutische Wirksamkeit der Thermotherapie auch auf andere onkologische Indikationen zu übertragen. Das Unternehmen hat die erste Phase einer pivotalen US-Studie zur fokalen Ablationsbehandlung von Prostatakrebs mit mittlerem Risiko erfolgreich abgeschlossen und bereitet derzeit den kurz bevorstehenden Beginn der zweiten und letzten Phase vor. Diese Studie wird voraussichtlich noch im Jahr 2020 abgeschlossen sein.

Mit der Fähigkeit, kleine Prostatatumoren komplett zu zerstören, hat NanoTherm ein sehr großes Potenzial, als Monotherapie bei intermediärem Prostatakrebs eingesetzt zu werden. Erwartet wird zudem, dass Nebenwirkungen einer Standardtherapie wie die Beeinträchtigung urologischer und sexueller Funktionen vermieden werden können.

Finanzielle Aspekte

Gerade bei Tumoren, die relativ klein sind, ist die NanoTherm-Therapie überlegen. Zudem eignet sie sich auch gerade dann, wenn der Tumor in einem sehr sensiblen Hirnbereich liegt, in dem das Operationsrisiko entsprechend groß ist. Hier können leicht Bereiche wie z. B. das Sprachzentrum in Mitleidenschaft gezogen werden.

Betrachtet man dann noch die Kostenseite, so schneidet hier die NanoTherm-Therapie ebenfalls sehr gut ab. Während eine Operation am Glioblastom zwischen 10.000 und 15.000 Euro kostet plus Chemotherapiekosten von 10.000 Euro pro Monat, liegt die NanoTherm-Therapie bei etwa 40.000 Euro pro Patient. Andere Therapieformen kosten bis zu 20.000 Euro pro Monat.

Ermöglicht wurde die Transaktion vom Europäischen Fonds für strategische Investitionen, so dass MagForce bis auf weiteres durchfinanziert ist.

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