Wenn die Diagnose Alzheimer das Leben verändert, stehen Familien vor großen Herausforderungen. Peggy Elfmann, Journalistin und Autorin, teilt in ihrem Buch "Mamas Alzheimer und wir" ihre persönlichen Erfahrungen und gibt wertvolle Ratschläge für den Umgang mit der Krankheit. Das Buch ist ein Erfahrungsbericht, Ratgeber und zugleich eine Hommage an ihre Mutter.
Die Diagnose: Ein Schock für die Familie
Peggy Elfmann erlebte einen Schock, als ihre Mutter mit nur 55 Jahren an Alzheimer erkrankte. Die Diagnose warf die damals 32-Jährige aus der Bahn. "Wie ein kräftiger Sturm wirbelt die Diagnose Demenz das Leben der Betroffenen, aber auch ihrer Familien durcheinander", beschreibt Elfmann die Situation. Zunächst vermutete die Familie eine Depression oder Erschöpfung, da die Mutter sich sozial zurückzog und Schwierigkeiten bei komplexen Aufgaben hatte. Doch die ärztlichen Untersuchungen führten zu der niederschmetternden Diagnose "Alzheimer".
Die Diagnose bedeutete nicht nur für die Mutter, sondern für die gesamte Familie eine einschneidende Veränderung. Es ging um den Abbruch der Berufstätigkeit, neue Perspektiven für den Ruhestand des Ehepaares und die Frage, wie sich die Beziehungen zwischen Mutter, Tochter und Enkelkindern entwickeln würden.
Persönliche Erfahrungen und praktische Tipps
"Mamas Alzheimer und wir" ist ein Erfahrungsbericht aus der Sicht einer Tochter. Peggy Elfmann beschreibt offen und ehrlich ihre Gefühle, Gedanken und Sorgen im Umgang mit der Krankheit ihrer Mutter. Sie scheut sich nicht, ihre eigenen Fehler und Schwächen einzugestehen.
Das Buch ist jedoch mehr als nur ein persönlicher Bericht. Jedes Kapitel schließt mit einem zwei- bis dreiseitigen Infoteil ab, der das Thema aus einer professionellen Sicht beleuchtet. So werden die berichteten Erfahrungen über die konkrete Situation hinaus verständlich und einordnungsfähig.
Lesen Sie auch: Tipps zur Bewältigung von Mamas letztem Nerv
Ein Beispiel dafür ist das Kapitel "Kleine große Veränderungen", in dem es um die emotionalen Herausforderungen im Alltag mit einem Demenzkranken geht. Der Infoteil gibt konkrete Tipps, wie man Kommunikationsfehler vermeiden kann. Quellenverweise und Kontaktadressen runden den Infoteil ab.
Generationen im Blick
Peggy Elfmann gelingt es, die spezifischen Herausforderungen für verschiedene Generationen aufzuzeigen. Die Tochter muss lernen, die veränderten Verhaltensweisen der Oma einzuordnen, während die Enkelin möglicherweise genervt reagiert, wenn die Oma beim "Mensch-ärgere-dich-nicht" die Regeln nicht beachtet. Das Buch zeigt, wie wichtig es ist, die Perspektiven aller Beteiligten zu berücksichtigen und Verständnis füreinander zu entwickeln.
Die Bedeutung von Austausch und Offenheit
Peggy Elfmann betont, wie wichtig es ist, sich berühren zu lassen und über das Erlebte und Erfahrene auszutauschen. "Ich sprach auch sonst wenig über meine Sorgen und Ängste", schreibt die Autorin am Anfang ihres Buches, kurz nachdem die Mutter die Diagnose Alzheimer erhalten hat.
Das Buch zeigt, dass es hilfreich ist, die traurigen und sorgenvollen Momente ebenso wenig auszublenden wie die beglückenden, fröhlichen oder lustigen. So geraten Menschen mit Demenz, ihr Umfeld und der Umgang miteinander in den Blick.
Briefe an Mama: Ein berührender Einblick
Eine besondere Stärke des Buches sind die Briefe, die die Autorin an ihre Mutter schreibt und die am Beginn jedes Kapitels stehen. Diese Briefe geben einen sehr persönlichen und berührenden Einblick in die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Sie zeigen, wie sich die Mutter nach Erstellung der Diagnose durch verschiedene Phasen ihrer Alzheimer-Erkrankung verändert - und wie sich ihr Umfeld mit verändert.
Lesen Sie auch: Humorvolle Entspannung für Mütter
Die Briefe sind nicht nur Ausdruck von Liebe und Verbundenheit, sondern auch ein Versuch, die Kommunikation aufrechtzuerhalten, auch wenn die Worte fehlen. Sie zeigen, wie wichtig es ist, neue Wege zu finden, um miteinander in Kontakt zu treten.
Ein Ratgeber für den kirchlichen Bereich
"Mamas Alzheimer und wir" ist auch im kirchlichen Bereich lesenswert. In der Arbeit mit Menschen mit Demenz begegnen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen oft einer persönlichen Ebene. Sie sind gleichzeitig Söhne, Töchter, Enkelkinder, Partnerinnen, Nachbarn, Freundinnen… von Menschen mit Demenz oder sie sind selbst betroffen.
Das Buch kann helfen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und neue Perspektiven zu gewinnen. Es zeigt, wie wichtig es ist, sich berühren zu lassen und über das Erlebte und Erfahrene auszutauschen.
Der Blog "Alzheimer und wir"
Peggy Elfmann teilt ihre Erfahrungen auch auf ihrem Blog "Alzheimer und wir". Damit wurde sie für den Grimme Online Award nominiert und gewann den Goldenen Blogger. Der Blog ist eine Plattform für Angehörige, um sich auszutauschen, Mut zu machen und neue Wege im Umgang mit der Krankheit zu finden.
Peggy Elfmann möchte mit dem Blog ein breites Spektrum im Umgang mit der Krankheit abbilden, um zu dokumentieren, wie sich das Leben in der Familie trotz Alzheimer weiterdreht. "Mir war es von Anfang an ein Bedürfnis, zu zeigen, wie es wirklich ist. Dazu gehört auch, dass das Leben mit Alzheimer manchmal schrecklich ist und schlimm, dass man viel vergisst und auch mal hilflos sein kann. Aber es gibt auch so viele schöne Momente, die entstehen können oder sich entwickeln, an denen man wachsen kann", erzählt Peggy strahlend.
Lesen Sie auch: Gefühlsstärke von Kindern wie Dori fördern
Leben, Lieben, Pflegen: Der Podcast
Peggy Elfmann hat gemeinsam mit Anja Kälin und Isabel Hartmann von Desideria Care e. V. den Podcast "Leben, Lieben, Pflegen - Der Podcast zu Demenz und Familie" entwickelt. In dem Podcast sprechen sie über bewegende Themen rund um Demenz und möchten anderen Familien mit Demenz Mut machen und Möglichkeiten aufzeigen für diesen Weg mit der Krankheit.
Inhalt des Buches
Das Buch "Mamas Alzheimer und wir" ist in verschiedene Kapitel unterteilt, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Krankheit auseinandersetzen:
- Die große Panik: Die erste Reaktion auf die Diagnose und die Angst um die Mutter und das eigene Leben.
- Wissen wollen, was kommt: Die Suche nach Informationen über Alzheimer und der Umgang mit der Angst.
- Alles wie immer! Alles wie immer?: Der Versuch, ein Stück normales Leben aufrechtzuerhalten und Mut durch einen neuen kleinen Menschen zu finden.
- Kleine große Veränderungen: Die emotionalen Herausforderungen im Alltag mit einem Demenzkranken.
- Deine Welt, meine Welt: Die Schwierigkeit, die Bedürfnisse des Demenzkranken zu erkennen und die eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen.
- Alles ist anders: Wut, Hilflosigkeit und der Umgang mit Aggressionen.
- Du fehlst mir: Die Traurigkeit und die Sorgen um die Mutter.
- Neue Welten betreten: Die Entscheidung, Hilfe zu holen und der lange Weg zur Tagespflege.
- Neu kommunizieren lernen: Die Schwierigkeit, mit einem Demenzkranken zu sprechen und die Suche nach neuen Wegen der Kommunikation.
- Viel Bewegung und große Unruhe: Der Umgang mit dem Weglaufen und Verirren.
- So fern und so einsam: Die Einsamkeit und das schlechte Gewissen.