Dr. Martin Schöndienst: Erfahrungen und Perspektiven in der Psychosomatischen Epileptologie

Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen und Perspektiven im Umfeld von Dr. Martin Schöndienst, einem Neurologen, der sich auf die psychosomatische Epileptologie spezialisiert hat. Dabei werden sowohl seine Arbeitsschwerpunkte als auch Patientenberichte und wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt, um ein umfassendes Bild seiner Tätigkeit zu vermitteln.

Einführung in die Psychosomatische Epileptologie

Die Psychosomatische Epileptologie betrachtet Epilepsie nicht nur als neurologische Erkrankung, sondern berücksichtigt auch psychische und soziale Faktoren, die den Verlauf und die Bewältigung der Krankheit beeinflussen können. Dieser Ansatz ist besonders wichtig, da schwere seelische Krisen oft mit einer unerträglichen Lebenssituation zusammenhängen. Es geht darum, die komplexen Zusammenhänge zwischen Körper, Psyche und sozialem Umfeld zu verstehen und in die Behandlung einzubeziehen.

Arbeitsschwerpunkte von Dr. Schöndienst

Dr. Martin Schöndienst ist Leiter der Abteilung für psychosomatische Epileptologie am Epilepsie-Zentrum Bielefeld. Seine Arbeit umfasst verschiedene Schwerpunkte:

  • Differentialdiagnostik: Ein zentraler Aspekt ist die Unterscheidung zwischen epileptischen Anfällen, dissoziativen Anfällen und anderen organischen Anfällen wie Synkopen, Parasomnien oder Bewegungsstörungen.
  • Psychotherapeutische Behandlung: Dr. Schöndienst und sein Team sind erfahren in der psychotherapeutischen Behandlung von Menschen mit dissoziativen Anfällen sowie von Epilepsie-Patienten, die aufgrund psychischer Komorbiditäten wie Angststörungen, Depressionen oder Anpassungsstörungen behandlungsbedürftig sind.
  • Netzwerkarbeit: Dr. Schöndienst engagiert sich in der Förderung der Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten, psychologischen und ärztlichen Psychotherapeuten sowie multiprofessionellen Teams in stationären und ambulanten Settings.
  • Forschung und Lehre: Durch Aus- und Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärung und wissenschaftliches Arbeiten trägt Dr. Schöndienst zur Stärkung der psychosomatischen Epileptologie bei.

Die Bedeutung der Anfallsbeschreibung

Dr. Schöndienst hat gemeinsam mit Linguisten der Universität Bielefeld untersucht, wie Anfallspatienten ihre Anfälle beschreiben. Ziel dieser Forschung war es, herauszufinden, ob die gewählten Formulierungen Rückschlüsse auf die Art der Anfallserkrankung erlauben. Dies kann dazu beitragen, psychogene nichtepileptische Anfälle (PNEA) frühzeitig zu erkennen und eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Psychodynamische Aspekte in der Behandlung

Obwohl keine umfassende Systematik spezifischer Psychodynamiken für verschiedene Anfallserkrankungen vorliegt, können psychodynamische Herangehensweisen den Wahrnehmungs- und Denkraum im Behandlungsalltag ergänzen. Bedeutsame Faktoren sind die sogenannten Abwehrmodi, also Weisen, in denen das Subjekt ihm schwer integrierbare Erlebnisweisen ausblendet.

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Abwehrmechanismen

Abwehrmechanismen dienen dazu, das Seelenleben vor Störungen zu schützen. Beispiele hierfür sind:

  • Projektive Identifikation: Ein Patient schildert seine Anfälle in stichwortartiger Weise, sodass der Zuhörer Verwirrung und Ratlosigkeit empfindet. Dies kann als eine Form der projektiven Identifikation verstanden werden, bei der der Patient die Unzugänglichkeit seiner Symptomatik auf den Zuhörer überträgt.
  • Identifikation mit dem Aggressor: Ein Patient berichtet über erlittene Beschädigungen des Selbstgefühls, ohne Empörung zu zeigen. Stattdessen scheint er sich die Beschädigungen zu eigen gemacht zu haben und richtet seine Aggression gegen sich selbst.
  • Rationalisierung: Das Ersinnen von Gründen, weshalb eine Person abzulehnen sei, um den Affekt der Verachtung zu rechtfertigen.
  • Verneinung: Die Thematisierung eines Sachverhalts in der Form, dass er genannt und zugleich aber als nicht gegeben apostrophiert wird.

Konflikte und Struktur

In der psychodynamischen Charakterologie wird mit dem Terminus der Struktur die eine Person kennzeichnenden, beständigen Aspekte von Identität, ihres Integrationsgrads, d. h. des Maßes an emotionaler und intentionaler Beständigkeit, an Selbststeuerungs- und Reflexionsfähigkeit, an Abgrenzungsfähigkeit, an intentionaler Ausrichtungsfähigkeit und - empathischer - Abstimmungsfähigkeit auf Andere bezeichnet.

Fallbeispiel

Ein Fallbeispiel verdeutlicht die psychosomatisch-epileptologische Herangehensweise:

Eine 36-jährige Patientin mit linksseitiger Hippocampussklerose und vergrößerter Amygdala stellte sich mit dem Wunsch nach Psychotherapie vor. Sie hatte eine Vorgeschichte von Drogenmissbrauch und berichtete von Angstgefühlen und Kribbeln im Arm vor den Anfällen. In der Behandlung wurden sowohl neurologische als auch psychische Aspekte berücksichtigt. Es ging darum, die Entstehung der Angst aus der Lebensgeschichte der Patientin heraus zu verstehen und gleichzeitig zu verdeutlichen, dass die Angst auch ein unmittelbares Symptom ihrer Epilepsie ist (Aura). Durch die Bearbeitung traumatischer und Ich-struktureller Probleme konnte eine Abmilderung der Anfälle erreicht werden.

Patientenberichte

Die Erfahrungen von Patienten mit Dr. Schöndienst sind überwiegend positiv. Einige berichten von einem großen Vertrauen, das sie bereits nach kurzer Zeit zu ihm aufgebaut haben. Andere heben seine ärztliche Kompetenz hervor und berichten, dass sie dank seiner Behandlung ein "normales Leben" führen können, anfallsfrei und glücklich.

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Youth on the Move Germany

Dr. Schöndienst engagiert sich auch im Bereich der Jugend. Er unterstützt "Youth on the Move Germany", ein Treffpunkt für junge Leute mit Epilepsie. Bei einem Treffen im Epilepsie-Zentrum Bielefeld tauschten sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen, Probleme und Lösungen aus. Themen waren unter anderem dissoziative Anfälle, Anfallsunterbrechung, Arbeit in medizinischen Berufen mit Epilepsie, Führerschein und Bewerbung mit Epilepsie.

Soziotherapie nach Anja Schöndienst

Ergänzend zur ärztlichen Behandlung kann eine Soziotherapie hilfreich sein. Anja Schöndienst bietet Soziotherapie für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen an. Ziel ist es, Krankenhausaufenthalte zu verkürzen oder zu verhindern, indem therapeutische Arbeit und ambulante Behandlungen optimiert werden. Die Behandlung findet in der Wohnumgebung des Patienten statt, um Krisen besser zu verstehen und neue Lösungswege zu erarbeiten.

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