Medikamente gegen Epilepsie: Nebenwirkungen und Durchfall

Die Behandlung von Epilepsie mit Medikamenten, sogenannten Antiepileptika (AEDs), kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern. Allerdings bringen diese Medikamente, wie alle wirksamen Substanzen, auch unerwünschte Wirkungen mit sich, die als Nebenwirkungen bekannt sind. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Nebenwirkungen von Antiepileptika, insbesondere Durchfall, und gibt Hinweise zum Umgang mit diesen unerwünschten Arzneimittelwirkungen.

Antiepileptika und ihre Wirkungsweise

Antiepileptika wirken, indem sie die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn reduzieren und so die Entstehung von Krampfanfällen verhindern. Lamotrigin beispielsweise senkt die Übererregbarkeit durch die Blockade von spannungsabhängigen Natrium- und Calciumkanälen in den Nervenzellen. Levetiracetam hingegen verringert die Menge gewisser Botenstoffe des Nervensystems (Neurotransmitter). Da diese Medikamente jedoch im gesamten Körper verteilt werden, können sie auch außerhalb des Gehirns Veränderungen und Reaktionen hervorrufen.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen: Mehr als nur Nebenwirkungen

Der Begriff "unerwünschte Arzneimittelwirkungen" (UAW) umfasst alle negativen Effekte, die im Zusammenhang mit der Einnahme eines Medikaments auftreten können. Diese können vielfältig sein und verschiedene Organe betreffen.

Placebo-Effekt: Die Macht der Erwartung

Es ist bemerkenswert, dass auch Patienten, die in Studien ein Placebo (ein wirkungsloses Scheinmedikament) erhalten, über Nebenwirkungen berichten. Eine italienische Studie mit über 12.000 Patienten zeigte, dass immerhin 3,9 % der Placebo-Gruppe die Behandlung wegen Nebenwirkungen abbrachen. Die häufigsten Beschwerden waren Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schwindel und Müdigkeit. Dies unterstreicht die Bedeutung der Erwartungshaltung der Patienten und Ärzte bezüglich der Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Medikaments.

Häufige Nebenwirkungen von Antiepileptika

Die Bandbreite möglicher Nebenwirkungen von Antiepileptika ist groß. Zu den häufigsten gehören:

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  • Neurologische Beschwerden: Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Doppelbilder, Kopfschmerzen
  • Hautprobleme: Hautausschlag, Juckreiz
  • Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung
  • Gewichtsveränderungen: Gewichtszunahme oder -abnahme
  • Psychische Veränderungen: Reizbarkeit, Aggressivität, Depressionen, Angstzustände

Durchfall als Nebenwirkung

Durchfall ist eine relativ häufige Nebenwirkung von Antiepileptika, insbesondere bei Substanzen wie Ethosuximid, Felbamat und Valproat/Valproinsäure. Die Ursachen für Durchfall können vielfältig sein und reichen von direkten Auswirkungen des Medikaments auf den Magen-Darm-Trakt bis hin zu Veränderungen der Darmflora.

Hautausschlag: Ein Warnsignal

Etwa 5 % der mit Antiepileptika behandelten Menschen entwickeln innerhalb von ein bis zwei Wochen nach Behandlungsbeginn einen Hautausschlag, der Masern ähneln kann. Dieser Ausschlag, der meist aus leicht erhabenen roten Flecken besteht, verschwindet in der Regel nach Absetzen oder Dosisreduktion des Medikaments. Es ist jedoch wichtig, einen HautausschlagDifferentialdiagnostisch abklären zu lassen, um andere Ursachen wie Masern oder andere Hauterkrankungen auszuschließen.

Umgang mit Nebenwirkungen

Wenn Sie unter der Einnahme von Antiepileptika unter Nebenwirkungen leiden, sollten Sie dies unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Viele Nebenwirkungen treten nur zu Beginn der Behandlung auf und verschwinden nach einigen Wochen von selbst oder lassen zumindest nach.

Was Sie selbst tun können

  • Beipackzettel lesen: Informieren Sie sich über die möglichen Nebenwirkungen Ihres Medikaments. Lassen Sie sich jedoch nicht von langen Listen verunsichern.
  • Ernährung anpassen: Bei Durchfall kann eine leichte, gut verdauliche Kost helfen. Vermeiden Sie fettige, stark gewürzte oder blähende Speisen.
  • Ausreichend trinken: Achten Sie bei Durchfall auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
  • Regelmäßige Arztbesuche: Nehmen Sie Ihre Kontrolltermine wahr, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Was der Arzt tun kann

  • Dosisanpassung: In vielen Fällen kann eine Reduktion der Medikamentendosis die Nebenwirkungen verringern.
  • Medikamentenwechsel: Wenn die Nebenwirkungen zu stark sind, kann ein Wechsel auf ein anderes Antiepileptikum sinnvoll sein.
  • Begleitmedikation: Gegen bestimmte Nebenwirkungen, wie z.B. Übelkeit oder Durchfall, können begleitende Medikamente eingesetzt werden.

Plötzliches Absetzen vermeiden

Ein plötzliches Absetzen von Antiepileptika sollte unbedingt vermieden werden, da dies zu Entzugsanfällen bis hin zu einem lebensgefährlichen Status epilepticus führen kann. Jede Änderung der Medikation sollte nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Besondere Nebenwirkungen einzelner Antiepileptika

Einige Antiepileptika sind mit spezifischen Nebenwirkungen assoziiert, die gesondert betrachtet werden sollten:

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  • Valproat/Valproinsäure: Dieses Medikament kann bei Frauen zu einem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) führen, das sich nach Absetzen des Medikaments in der Regel wieder zurückbildet. Alle Frauen mit Epilepsie, die mit Valproat behandelt werden, sollten bei Zyklusstörungen oder Anzeichen erhöhter männlicher Geschlechtshormone ihren Gynäkologen konsultieren.
  • Levetiracetam: Bei einigen Patienten kann Levetiracetam zu vermehrter Reizbarkeit oder Aggressivität führen. Betroffene sollten dies unbedingt mit ihrem Arzt besprechen, da gegebenenfalls eine Dosisanpassung oder ein Medikamentenwechsel erforderlich ist.
  • Lamotrigin: Lamotrigin kann Hautreaktionen und Kopfschmerzen verursachen. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn bei Ihnen Hautausschläge auftreten, insbesondere zu Therapiebeginn.

Antiepileptika und Schwangerschaft

Die Einnahme von Antiepileptika während der Schwangerschaft erfordert eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko. Einige Antiepileptika, insbesondere Valproinsäure, können das Risiko für kindliche Fehlbildungen erhöhen. Lamotrigin und Levetiracetam gelten als relativ sichere Optionen während der Schwangerschaft, sollten aber möglichst als Monotherapie (d.h. als einziges Medikament) eingesetzt werden. Frauen mit Epilepsie, die schwanger werden möchten, sollten sich daher frühzeitig von ihrem Arzt beraten lassen.

Neue Antiepileptika

Die Forschung im Bereich der Epilepsie schreitet stetig voran, und es werden kontinuierlich neue Antiepileptika entwickelt. Diese neuen Medikamente zielen darauf ab, die Wirksamkeit zu verbessern und die Nebenwirkungen zu reduzieren. Einige Beispiele für neuere Antiepileptika sind Brivaracetam und Cenobamat.

Die Rolle von Vitalstoffen

Einige Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Vitalstoffe, wie z.B. Vitamin D, eine Rolle bei der Behandlung von Epilepsie spielen könnten. Antiepileptika können den Abbau von Vitamin D im Körper beschleunigen, was zu einem Mangel führen kann. Es ist daher ratsam, den Vitamin-D-Spiegel regelmäßig überprüfen zu lassen und gegebenenfalls ein entsprechendes Präparat einzunehmen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass Vitalstoffe kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie sind.

Leben mit Epilepsie: Mehr als nur Medikamente

Die Behandlung von Epilepsie umfasst mehr als nur die Einnahme von Medikamenten. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, regelmäßiger Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung kann ebenfalls dazu beitragen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern. Auch der Verzicht auf Alkohol und der Umgang mit Stress können eine wichtige Rolle spielen.

Berufswahl und Freizeitgestaltung

Menschen mit Epilepsie sollten bei der Berufswahl und Freizeitgestaltung darauf achten, Tätigkeiten zu vermeiden, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, sich selbst oder andere zu gefährden. Der Spitzenverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) informiert über Vorschriften zur beruflichen Beurteilung.

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Führerschein

Das Autofahren ist bei Epilepsie nicht immer erlaubt. Eine Ausnahme gilt bei einer länger anhaltenden, dokumentierten Anfallsfreiheit. Die Fahreignung muss in diesem Fall von einem Arzt beurteilt werden.

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