Medivitan und seine Bedeutung bei ernährungsbedingten Mangelzuständen und Homocysteinämie: Studien und Erkenntnisse

Mangelernährung ist ein weit verbreitetes Problem, insbesondere bei älteren Menschen, und kann die Wirksamkeit von Therapien sowie die Schwere und Häufigkeit von Komplikationen beeinflussen. In diesem Kontext rückt Medivitan, eine parenterale Aufbaukur mit den neurotrophen Vitaminen B6, B12 und Folsäure, in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Medivitan und ähnlichen Präparaten bei der Behandlung von Mangelernährung und Hyperhomocysteinämie, basierend auf aktuellen Studien und Expertenmeinungen.

Mangelernährung: Ein unterschätztes Problem

Bis zu zwei Drittel der geriatrischen Patienten sind von Mangelernährung betroffen. Eigentlich sollte es heutzutage keine Mangelernährung mehr geben, aber auch in den Industrieländern ist sie häufig. Alle Altersgruppen können betroffen sein, wobei die Prävalenz bei älteren Menschen deutlich steigt.

Ursachen von Mangelernährung

Die Gründe für Mangelernährung sind vielfältig. Häufig sind körperliche und psychische Erkrankungen die Ursache für einen verminderten Appetit. Soziale Aspekte, wie der Verlust des Partners und steigende Hilfsbedürftigkeit, können ebenfalls eine Rolle spielen. Körperliche Veränderungen im Alter, wie Zahnverlust, ein veränderter Geruchs- und Geschmackssinn, Immobilität und Bewegungseinschränkungen, können ebenfalls zu einer verringerten Nahrungsaufnahme führen. Erkrankungen wie Schlaganfall mit Schluckstörung oder solche, die den Gastrointestinaltrakt betreffen, können ebenfalls eine Rolle spielen.

Folgen von Mangelernährung

Patienten mit Mangelernährung haben ein deutlich höheres Risiko zu sterben oder schwere Komplikationen zu entwickeln. Die Krankenhausverweildauer ist deutlich länger. Durch eine unbehandelte Mangelernährung sinkt die Immunkompetenz, der Allgemeinzustand verschlechtert sich und die Prognose wird ungünstiger. Die psychische Verfassung und die Therapietoleranz nehmen ab. Die Infektionsrate, -dauer und -schwere nehmen zu, ebenso die Komplikationsrate und die Gefahr von Immobilität und Stürzen. Wundheilungsstörungen treten häufiger auf, und insgesamt nimmt die Pflege- und Hilfsbedürftigkeit des Patienten zu.

Diagnose und Therapie von Mangelernährung

Bei der Mangelernährung muss zwischen Unterernährung und Fehlernährung unterschieden werden. Unterernährung bedeutet, dass der Patient seinen Energiebedarf nicht decken kann, was zu einer allgemeinen Unterversorgung führt, die meist durch einen Protein- und Energiemangel dominiert wird. Fehlernährung hingegen kann auch normalgewichtige und übergewichtige Patienten betreffen und wird meist durch eine sehr einseitige Ernährung verursacht.

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Der Verdacht auf Mangelernährung ergibt sich oft aus dem ersten klinischen Eindruck. Ein Screening auf Mangelernährung sollte erfolgen, beispielsweise mit der Kurzform des Mini Nutritional Assessments (MNA-SF).

Die Therapie sollte so früh wie möglich begonnen werden, um einen weiteren Verlust der Muskelmasse und ein größer werdendes Nährstoffdefizit zu verhindern. Die Therapie muss auf die jeweilige Form der Mangelernährung und deren Ursache abgestimmt sein. Wenn keine Nebendiagnosen vorliegen, die eine spezielle Kostform erfordern, der Gastrointestinaltrakt voll funktionsfähig ist und keine Schluckstörung vorliegt, wird bei einer Unterernährung zunächst die Wunschkost mit dem Patienten besprochen und dann die Ernährung so gestaltet, dass die Mahlzeiten den Kalorienbedarf decken können und alle Nährstoffe in ausreichender Menge enthalten sind. Zusätzlich werden Zwischenmahlzeiten angeboten und Trinknahrung bereitgestellt. Bei einem spezifischen Nährstoffmangel werden vermehrt die Lebensmittel angeboten, die diesen Nährstoff enthalten. Auch Nahrungsergänzungsmittel können eingesetzt werden. Der Kostaufbau sollte stufenweise erfolgen, um das Refeeding-Syndrom zu vermeiden.

Die Rolle von Medivitan bei Mangelernährung

Medivitan® ist eine parenterale Aufbaukur mit den neurotrophen Vitaminen B6, B12 und Folsäure. Diese Mikronährstoffe werden unter anderem für die Regeneration der Nerven sowie die Produktion von Neurotransmittern und der Myelinschicht benötigt. Bei einer Unterversorgung liefert die Aufbaukur dem Körper die Vitamine B6, B12 und Folsäure in Form einer 100 %ig bioverfügbaren Formulierung. Die Therapie besteht in der Regel aus acht über einen Zeitraum von vier Wochen verabreichten Spritzen.

In einer Studie berichteten 662 Patientinnen und Patienten mit Symptomen eines intrazellulären Vitamin-B-Mangels unter der Injektionstherapie von einer verbesserten gesundheitsbezogenen Lebensqualität, erhoben anhand des Fragebogens Short Form 36 - bei ärztlich bestätigter guter Verträglichkeit [Höller U et al. MedWelt. 2014, 65(3):124-8].

Hyperhomocysteinämie: Ein weiterer Risikofaktor

Erhöhte Homocysteinwerte sind als unabhängiger Risikofaktor für thrombotische und arteriosklerotische Erkrankungen identifiziert. Auch zentralnervöse Erkrankungen wie Depression und Altersdemenz stehen im Zusammenhang mit pathologisch erhöhten Homocysteinwerten (Hyperhomocysteinämie). Eine Hyperhomocysteinämie ist meist die Folge eines Mangels der B-Vitamine Folsäure, B6 und B12.

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Ursachen und Folgen von Hyperhomocysteinämie

Homocystein ist eine natürliche Aminosäure, die im menschlichen Körper vorkommt und für die Neubildung von Proteinen und Kreatinin wichtig ist. Ein erhöhter Homocysteinspiegel kann jedoch ein Zellgift sein und negative Auswirkungen auf den Körper haben.

Ein erhöhter Homocysteinspiegel kann im Gehirn zu Stoffwechselstörungen der Nervenbotenstoffe führen, was zu Konzentrationsstörungen, Depressionen oder Demenz führen kann. Er kann auch das Schlaganfallrisiko erhöhen, da er entzündliche Prozesse an den Gefäßwänden auslöst und in Verbindung mit Cholesterin Schaumzellen bildet, die sich an diesen Wänden anheften und den Blutfluss erschweren.

Weitere Risikofaktoren für einen erhöhten Homocysteinspiegel sind Nierenerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion, der Konsum von Medikamenten wie Methotrexat und Cholestyramin, übermäßiger Alkoholkonsum und ein MTHFR-Mangel (Methylentetrahydrofolat-Reduktase).

Messung und Senkung des Homocysteinspiegels

Den Homocysteinspiegel kann man beim Hausarzt oder in einer Laborpraxis testen lassen. Der Test erfolgt über eine Fingerblutprobe oder im Rahmen einer allgemeinen Blutuntersuchung. Ein Homocysteinspiegel über 10 µmol/l gilt als erhöht.

In den meisten Fällen kann der Homocysteinspiegel durch die zusätzliche Gabe von Vitaminpräparaten gesenkt werden. Die Vitamine B6, B12 und Folsäure sind besonders geeignet, denn alle drei Vitamine werden zum Abbau der Aminosäure benötigt.

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Auch eine Anpassung der Lebensumstände, wie die Vermeidung von Stress und der Verzicht auf Rauchen, kann den Homocysteinspiegel senken.

Medivitan und die Behandlung von Hyperhomocysteinämie

Injektionspräparate wie Medivitan® N sind für die Initialtherapie geeignet, um die Vitaminspeicher aufzufüllen. Nach Auffüllen der Vitaminspeicher sollte dann jedoch die Sekundärprophylaxe eines Vitaminmangels und einer damit korrelierten Hyperhomocysteinämie mit der oralen Folsäure-, B6- und B12-Kombination - wie Medyn® - täglich fortgesetzt werden.

Voraussetzung für eine Vitamin-Substitution ist das Kennen des Homocysteinwertes. Die American Heart Association empfiehlt, die Hyperhomocysteinämie (> 10 µmol/l) mit Folsäure bis 10 mg/d, Vitamin B6 bis 100 mg/d) zu behandeln.

Weitere Aspekte der Ernährung im Alter

Neben der Behandlung von Mangelernährung und Hyperhomocysteinämie gibt es weitere wichtige Aspekte der Ernährung im Alter.

Appetitlosigkeit

Appetitlosigkeit ist ein schwer zu greifendes Problem mit vielfältigen Ursachen, die von psychischem Stress über Schmerzen und Verdauungsprobleme bis hin zu den Nebenwirkungen von Medikamenten reichen. Eine ausführliche Beratung sollte mit dem Patienten nach der Ursache der Appetitlosigkeit suchen. Auch Gespräche mit einem Seelsorger oder einem Mitarbeiter des Sozialdienstes können hilfreich sein, um die Fragen der häuslichen Versorgung zu klären. Das Absetzen oder Umstellen von Medikamenten oder das Anpassen der Schmerztherapie sind weitere eventuell hilfreiche Maßnahmen. Neben einer auf den Patienten abgestimmten Kostform, die auf Verdauungsprobleme eingeht, sollten auch die Gewohnheiten und Wünsche des Patienten berücksichtigt werden. Einer Mangelernährung kann gegebenenfalls durch die Gabe von Trinknahrung und Zwischenmahlzeiten vorgebeugt werden. Um nicht nur gegen die Ursachen, sondern auch gegen die Appetitlosigkeit selbst etwas zu tun, können Gewürzpflanzen mit Bitterstoffen eingesetzt werden, die appetitanregend und verdauungsfördernd wirken. Manchen Patienten hilft auch ein kleiner Schluck Pepsinwein vor dem Essen. Die ernährungstherapeutische Betreuung ist wichtig, um immer wieder mit dem Patienten gemeinsam die Kostform anzupassen, verschiedene Lebensmittel zu probieren und die Therapie zu evaluieren.

Essen in Gesellschaft

Ältere Menschen sollten in Gesellschaft essen. Studien zufolge wird dann bis zu 20 Prozent mehr Nahrung verzehrt. Das Essen sollte appetitlich angerichtet sein. Ab und zu sollten ältere Menschen auch ein Restaurant besuchen - wegen der anderen Umgebung und der Abwechslung.

Nahrungsergänzungsmittel

Bei einer gesunden, abwechselnden Ernährung sind keine Supplemente erforderlich. Höchstens strenge Veganer benötigen Vitamin B 12 und häufig Eisen. Auch bei einigen Erkrankungen ist die Zugabe von Vitaminen und/oder Mineralstoffen erforderlich. Generell sollten Supplemente nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ernährungsberaterin zur Anwendung kommen. Eine Ausnahme bildet hier Vitamin D, da es nicht in ausreichender Menge in der Nahrung vorkommt und wir es nur mit Hilfe des Sonnenlichts in der Haut synthetisieren können. Im Winter sollte daher über eine Ergänzung der Nahrung mit Vitamin D nachgedacht werden. Wenn möglich, ist die Aufnahme der Nährstoffe über Lebensmittel immer den Supplementen vorzuziehen, da durch das Zusammenspiel der vielen verschiedenen Inhaltsstoffe die Bioverfügbarkeit der einzelnen Nährstoffe steigt.

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