Medizinische Comics in der Neurologie: Eine innovative Methode zur Patientenaufklärung und zum Verständnis komplexer Sachverhalte

Die Verwendung von Comics in der Medizin, insbesondere in der Neurologie, stellt eine innovative Methode dar, um Patienten aufzuklären, Ängste zu reduzieren und komplexe Sachverhalte verständlich zu machen. Studien haben gezeigt, dass Comics das Verständnis von Patienten vor medizinischen Eingriffen verbessern und gleichzeitig deren Angstgefühle reduzieren können. Dies ist besonders relevant in der Neurologie, wo Krankheiten und Behandlungen oft komplex und schwer zu verstehen sind.

Comics zur Verbesserung der Patientenaufklärung vor Operationen

Vor einer Operation müssen Patienten umfassend über den geplanten Eingriff aufgeklärt werden. Oftmals fühlen sich die Betroffenen aufgrund der Komplexität der Inhalte aber eher überfordert als gut informiert. Forschende der Charité - Universitätsmedizin Berlin konnten jetzt am Beispiel der Herzkatheteruntersuchung zeigen, dass ein Comic hier helfen kann: Es erhöht das Verständnis und reduziert das Angstgefühl der Patienten. Die ärztliche Aufklärung soll Patientinnen und Patienten bei der selbstbestimmten Entscheidung für oder gegen eine Behandlung unterstützen. Dabei wird ihnen erklärt, wie der Eingriff genau abläuft. Zudem wird über den medizinischen Nutzen und potenzielle Risiken gesprochen.

Eine Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat gezeigt, dass Comics das Verständnis von Patienten vor medizinischen Eingriffen verbessern und gleichzeitig deren Angstgefühle reduzieren können. In dieser Studie wurde ein 15-seitiges Comic entwickelt, das die Herzkatheteruntersuchung veranschaulichte. Patienten, die zusätzlich das Comic erhielten, beantworteten im Schnitt 12 von 13 Fragen zu Vorgehensweise, Risiken und Verhaltensregeln nach dem Eingriff richtig. Nach der klassischen Aufklärung waren es nur 9 von 13 Fragen. Darüber hinaus gaben die Befragten nach der Comic-Lektüre an, weniger besorgt zu sein als vor dem Aufklärungsgespräch. 72 Prozent fühlten sich gut auf die Herzkatheteruntersuchung vorbereitet. Nach der Standardaufklärung waren es dagegen nur 41 Prozent.

"Ein Comic ermöglicht, komplexe Inhalte sowohl textlich als auch visuell zu erfassen und dies verbessert erwiesenermaßen das Verstehen bei den verschiedenen Lerntypen", sagte Brand. Im Gegensatz zu einem Video lasse ein Comic dem Lesenden so viel Zeit zum Erfassen der Inhalte wie nötig.

"Comic meets Rheuma": Ein Beispiel für die erfolgreiche Anwendung von Comics in der Medizin

Ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Anwendung von Comics in der Medizin ist das Projekt "Comic meets Rheuma". Rheuma ist ein medizinisches Chamäleon. Das Wort dient als Oberbegriff für rund 400 verschiedene (Autoimmun-)Erkrankungen. Die bekannteste ist die rheumatoide Arthritis, eine chronische Entzündung von Gelenken. Rheuma, darunter sind viele seltene Erkrankungen, betrifft vor allem das Bewegungssystem, aber auch die inneren Organe und die Haut. Die Folgen sind chronische Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und oft bleibende Schäden an Gelenken, Wirbelsäule und Muskulatur. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie sind in Deutschland allein zwei Millionen Menschen von entzündlich-rheumatischen Formen betroffen.

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Im Rahmen dieses Projekts trafen sich Patientinnen und Patienten der Abteilung für Rheumatologie am Klinikum Nürnberg im Frühjahr 2024 für einen Workshop mit Comiczeichnerinnen und -zeichnern aus ganz Deutschland. Zusammengebracht hat sie der leitende Rheumatologe Prof. Dr. Dr. Axel Hueber. Noch während die Patienten in einem Hörsaal Einblick in ihre Krankheitsgeschichten geben und Fachleute das Ganze einordnen, zücken die Kreativen beim Zuhören die Stifte. Aus ihren Skizzen werden sie später Comics ausarbeiten. So entstanden 18 Arbeiten, die Rheuma aus Sicht der Betroffenen in Bildergeschichten übersetzten. Manche plakativ und kompakt, andere erzählerisch und verspielt. Die einen nähern sich dem Thema humorvoll, andere betonen die düstere Seite.

Die Ausstellung dazu ist seit Mai 2025 im Herzen des Klinikums Nürnberg, Campus Nord, kostenlos zu sehen. „Wir gehen damit bewusst in die Öffentlichkeit, um das Verständnis und die Akzeptanz für Rheuma durch kreative, wissenschaftlich fundierte Comic-Kunst zu fördern“, sagt Axel Hueber. „Jeder weiß, was ein Hinkelstein ist - weil er aus den Asterix-Comics bekannt ist. Wir wollen eine Brücke zwischen Medizin und Kunst schlagen und Menschen inspirieren, das Thema Rheuma neu zu sehen.“

Die Vorteile von medizinischen Comics

Medizinische Comics bieten eine Reihe von Vorteilen gegenüber traditionellen Aufklärungsmethoden:

  • Verbessertes Verständnis: Comics ermöglichen es, komplexe Inhalte sowohl textlich als auch visuell zu erfassen. Dies verbessert das Verständnis bei den verschiedenen Lerntypen.
  • Reduzierung von Angstgefühlen: Comics können dazu beitragen, Angstgefühle vor medizinischen Eingriffen zu reduzieren. Dies liegt daran, dass sie die Informationen auf eine zugängliche und verständliche Weise präsentieren.
  • Erhöhte Zufriedenheit: Patienten, die mit Comics aufgeklärt werden, sind zufriedener mit der Aufklärung als Patienten, die nur die Standardaufklärung erhalten.
  • Flexibilität: Im Gegensatz zu einem Video lässt ein Comic dem Lesenden so viel Zeit zum Erfassen der Inhalte wie nötig.
  • Barrierefreiheit: Comics können auch für Menschen mit geringen Lesefähigkeiten oder Sprachbarrieren zugänglich sein.

Die Rolle von Comics in der Neurologie

In der Neurologie können Comics eine besonders wichtige Rolle spielen. Neurologische Erkrankungen sind oft komplex und schwer zu verstehen. Comics können helfen, diese Erkrankungen und ihre Behandlungen auf eine verständliche Weise zu erklären. Dies kann dazu beitragen, dass Patienten besser über ihre Erkrankung informiert sind und sich aktiver an ihrer Behandlung beteiligen können.

Einige Beispiele für den Einsatz von Comics in der Neurologie sind:

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  • Aufklärung über Schlaganfall: Comics können verwendet werden, um Patienten und ihre Angehörigen über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Schlaganfall aufzuklären.
  • Erklärung von Epilepsie: Comics können helfen, die verschiedenen Formen von Epilepsie und ihre Behandlungsmöglichkeiten zu erklären.
  • Verständnis von Multipler Sklerose: Comics können verwendet werden, um die komplexen Mechanismen der Multiplen Sklerose zu veranschaulichen und die verschiedenen Behandlungsansätze zu erklären.
  • Darstellung von Demenz: Comics können dazu beitragen, das Verständnis für Demenz zu erhöhen und die Herausforderungen im Umgang mit Demenzkranken zu verdeutlichen.
  • Erläuterung der Funktion von Nervenzellen: Comics können die Struktur und Funktion von Nervenzellen (Neuronen) veranschaulichen, einschließlich der Rolle von Axonen, Myelinscheiden, Synapsen und Neurotransmittern.

Die Zukunft der medizinischen Comics in der Neurologie

Die Verwendung von medizinischen Comics in der Neurologie steht noch am Anfang, aber das Potenzial ist groß. Mit der Weiterentwicklung der Technologie und der zunehmenden Akzeptanz von Comics als Lehrmittel ist es wahrscheinlich, dass medizinische Comics in Zukunft eine noch größere Rolle in der Patientenaufklärung und im Verständnis komplexer Sachverhalte spielen werden. Es ist zu erwarten, dass immer mehr Kliniken und Forschungseinrichtungen medizinische Comics entwickeln und einsetzen werden, um die Kommunikation mit ihren Patienten zu verbessern.

Neuronale Grundlagen im Comic-Stil

Um die komplexen Vorgänge im Nervensystem zu veranschaulichen, können Comics die Struktur und Funktion von Nervenzellen auf anschauliche Weise darstellen:

  • Nervenzellen (Neuronen): Comics können die verschiedenen Arten von Nervenzellen darstellen und ihre Funktionen erklären. Andere Wege Nervenzellen einzuteilen, wären nach ihrer Funktion (motorisch, sensorisch usw.) oder der Art ihrer Neurotransmitter (Botenstoffe für die Reizweiterleitung: Acetylcholin, Dopamin, GABA usw. ).
  • Axone: Faszinierenderweise können Axone bis zu um die 180 cm lang werden! Die Illustration von Axonen in Comics kann deren Länge und Bedeutung für die Signalübertragung hervorheben.
  • Myelinscheide: Die Myelinscheide wird im zentralen Nervensystem durch Oligodendrozyten gebildet, im peripheren Nervensystem (alles außer Gehirn und Rückenmark) von Schwann’schen Zellen. Sie hilft das elektrische Signal der Nervenzelle zu isolieren und erlaubt dadurch eine schnellere Reizweiterleitung. Dabei hüpft das Signal von einem Ranvier-Schnürring zum nächsten.
  • Synapsen: Die synaptischen Endknöpfchen bilden mit anderen Nervenzellen Verbindungen, die Synapsen, über die Informationen von einer Nervenzelle zur nächsten weitergegeben werden. Comics können die synaptische Übertragung und die Rolle von Neurotransmittern veranschaulichen.

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