Umgang mit nervenden Kollegen: Strategien für ein entspanntes Arbeitsklima

Ein schlecht gelaunter Büronachbar, ein cholerischer Chef oder eine manipulative Kollegin - die Arbeitswelt ist oft von zwischenmenschlichen Herausforderungen geprägt. Belastende Situationen im Berufsumfeld können uns bis in den Feierabend verfolgen und sogar den Schlaf rauben. Doch es gibt Strategien, um auch mit unliebsamen Kollegen umzugehen, die eigenen Nerven zu schonen und die Freude an der Arbeit zu bewahren.

Die häufigsten Typen nerviger Kollegen und ihre Verhaltensweisen

Um adäquat auf nervige Kollegen reagieren zu können, ist es hilfreich, die verschiedenen Typen und ihre Verhaltensmuster zu erkennen:

  • Der Besserwisser: Dieser Kollege ist überzeugt, stets über das richtige Wissen zu verfügen und stellt dies auch zur Schau. Er korrigiert andere bei jeder Gelegenheit und will immer Recht haben.
  • Die Läster-Schwester: Diese Kollegin verbreitet Klatsch und Tratsch und sät Misstrauen im Team.
  • Der Kontrolletti: Dieser Kollege hat ein starkes Kontrollbedürfnis, mischt sich in Aufgaben ein und überprüft alles, was andere tun.
  • Die Drama-Queen: Diese Kollegin bringt ständig persönliche Probleme ins Büro und benötigt viel Aufmerksamkeit für ihre Emotionen.
  • Der Sarkastische: Dieser Kollege nutzt Sarkasmus und Ironie, um Witze zu machen, oft auf Kosten anderer.
  • Der Egomane: Dieser Kollege stellt stets seine eigenen Leistungen in den Vordergrund und ignoriert die Beiträge anderer.
  • Der Unpünktliche: Termine, Zeiten oder Deadlines sind für diesen nervigen Kollegen nur Vorschläge, keine Verbindlichkeiten.
  • Der Hilflose: Dieser Kollege kann nichts alleine und bittet ständig um Hilfe, ohne es selbst zu versuchen.
  • Der Lorbeeren-Ernter: Für diesen nervigen Kollegen gibt es nur einen Platz: den Mittelpunkt. Er drängt sich in den Vordergrund und will die gesamten Lorbeeren ernten.
  • Der Choleriker: Er rastet aus, kocht vor Wut, regt sich selbst über Kleinigkeiten auf und verliert regelmäßig die Kontrolle über sich selbst.
  • Der Faule: Während alle anderen auf 120 Prozent laufen, sitzt dieser Typ faul und gemütlich an seinem Platz und schlürft eine Tasse Kaffee.
  • Der Schleimer: Er biedert sich beim Chef an, stellt sich bei jeder Gelegenheit auf seine Seite und will von der guten Beziehung zur Führungskraft profitieren.
  • Der Angeber: In jedem Job gibt es diesen einen Typen, der ständig davon erzählt, was er schon alles erreicht hat.
  • Der Intrigant: Er streut Gerüchte, macht andere Kollegen schlecht oder versucht das Team gegeneinander aufzubringen.
  • Der Blockierer: Sie ist grundsätzlich gegen alles und stellt sich quer. Die Idee findet sie blöd, die Aufgabenverteilung passt ihr nicht, die Entscheidung findet sie falsch und eine Veränderung ist sowieso komplett falsch.

Strategien für den Umgang mit nervenden Kollegen

Es gibt verschiedene Strategien, um mit nervenden Kollegen umzugehen und das Arbeitsklima zu verbessern:

  1. Bei sich bleiben: Wir können andere Menschen nicht einfach verändern. Es ist leichter, selbst etwas anders zu machen und damit vielleicht auch bei unseren Mitmenschen ein neues Verhalten anzuregen. Die Chancen stehen gut, dass Ihr Kollege beginnt, seine Anfragen zu bündeln und zu gewichten.

  2. Eigene Verzerrungen erkennen: Wir alle neigen zu verzerrten Wahrnehmungen, erst recht wenn die Situation schon aufgeladen ist. Seine eigenen Wahrnehmungsfehler zu kennen kann manchem Konflikt vorbeugen. Zwei Verzerrungen sind typisch. Nummer eins: Wir umgeben uns am liebsten mit Menschen, die gleiche Ansichten teilen und in einer ähnlichen Lebenssituation sind. Die Folge: Wer außerhalb dieser Blase agiert, wird von uns schnell kritisch beäugt. Wir wollen mit einer solchen Person, die uns eher fremd ist, von vornherein nicht so gern zusammenarbeiten. Verzerrung Nummer zwei: Haben wir jemand beispielsweise als sehr unhöflich abgestempelt, nehmen wir jegliches Verhalten dieses Menschen genau mit dieser Prämisse unter die Lupe und fühlen uns nur allzu oft bestätigt. Unsere Voreingenommenheit wird dann schnell zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung, denn wir haben die Tendenz, alles, was die betreffende Person sagt oder tut, so zu werten, wie es in unsere bisherige Sicht auf die Dinge passt. Dadurch sehen wir zum Beispiel kalte Herablassung, wo andere nur professionelle Sachlichkeit sehen würden.

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  3. Perspektiven wechseln: Viele Missverständnisse entstehen, weil wir davon ausgehen, dass unser Gegenüber die Sachlage doch genauso sehen sollte wie wir selbst. Dabei gibt es in jedem einzelnen Moment unzählige Blickwinkel auf das Geschehen. Wie wir die Welt sehen, ist von unzähligen Faktoren abhängig, wie etwa unserem Alter, dem Geschlecht, der Persönlichkeit, der Berufserfahrung, der Position in der Firma oder auch vom täglichen Stresslevel. Es hilft daher, den eigenen Fokus stets zu hinterfragen - und zu akzeptieren, dass jemand anderes einen vermeintlich objektiven Umstand gänzlich abweichend beurteilt. Ab und zu mal den Blickwinkel einer anderen Person einzunehmen - oder es zumindest zu versuchen - kann schon einen Konflikt lösen oder zumindest den Weg zu einem Kompromiss ebnen.

  4. Den Feierabend leben: Wenn am Arbeitsplatz emotionales Chaos herrscht, ist es wichtig, in der Freizeit die Zügel in die Hand zu nehmen. Die Kontrolle über Dinge im Privatleben zu haben gleicht das Gefühl von Machtlosigkeit im konfliktreichen Arbeitsalltag aus. Den Abend sowie die Wochenenden so zu gestalten, wie sie einem guttun, ist dann essenziell. Ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung, Sport und Bewegung zum Ausgleich, viel draußen sein, Freundinnen und Freunde treffen: Selbstfürsorge kann ein Bollwerk gegen zwischenmenschlichen Stress im Job sein.

  5. Sich Luft machen: Während es wenig ratsam ist, am Arbeitsplatz über Zimmerpartnerinnen oder Führungskräfte zu lästern, kann es dennoch der Psychohygiene zugutekommen, einen Konflikt mit einer außenstehenden Person zu besprechen. Das senkt den Stresslevel. Geeignet sind dafür Menschen, denen man vertraut. Alternativ lässt sich auch in einem Tagebuch Dampf ablassen. Nur fünf Minuten, dann das Buch zuklappen und den akuten Frust damit beiseitelegen. In schwerer wiegenden Fällen kann es aber auch nötig sein, jemand aus der Führungsetage, aus dem Betriebsrat oder aus einer Ombudsstelle einzubeziehen, um in dem Konflikt zu vermitteln und zu helfen. An wen man damit herantritt, ist gut zu überlegen: Wer kann einem dabei helfen, wer ist bereit, etwas zu tun? Auch der Schritt selbst sollte gut vorbereitet, die Streitsituationen ausreichend dokumentiert sein. Empfehlenswert ist zudem, in dem Gespräch zu verdeutlichen, dass das Ziel der Initiative ist, die Zusammenarbeit mit der anderen Person zu verbessern, nicht sich über sie zu beschweren oder sie vor den Vorgesetzten oder den Kolleginnen und Kollegen anzuschwärzen.

  6. Grenzen setzen: Ein wichtiger Selbstschutz ist, Grenzen zu setzen. Regt einen die Interaktion mit einer Mitarbeiterin zu sehr auf, kann es schon entlasten, die Zusammenarbeit so weit wie möglich zu reduzieren und die Kommunikation auf das Allerwichtigste zu begrenzen. Gibt es stets Probleme mit einem bestimmten Kunden, dann lohnt es sich vielleicht, darum zu bitten, diesen an jemand anders abgeben zu können. Manchmal ist man im Haus aufeinander angewiesen, doch die Konflikte sind trotz verschiedener Lösungsversuche zu zahlreich. In diesem Fall hilft vielleicht nur noch ein Teamwechsel.

  7. Die Reißleine ziehen: Manchmal kann eine belastende Konstellation am Arbeitsplatz so sehr aufrühren, dass sie einen auch nach Arbeitsschluss und über Tage und Wochen hinweg nicht loslässt. „Es geschieht schnell, dass man sich von einem Konflikt mit einer Kollegin, einem Kollegen mitreißen lässt und seine Zeit damit verbringt, nur noch daran zu denken“, sagt die Coachin Amy Gallo. Sie rät, bei all dem Tohuwabohu nicht den Fokus auf sich selbst, seine Gesundheit und auch seine Karriere zu verlieren. Das bedeutet auch: Bringen all die Kniffe nichts, laufen Aussprachen und Veränderungsversuche ins Leere, sind sämtliche Optionen ausgeschöpft und ist man selbst total erschöpft von den Reibereien im Job, die längst das ganze Leben überschatten, gilt es, die Reißleine zu ziehen. Dann könnte die Kündigung ein radikaler, aber auch letzter möglicher Weg sein.

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  8. Unkollegiales Verhalten frühzeitig erkennen: Achten Sie auf Anzeichen wie abwertende Kommentare, ständige Unterbrechungen, unaufgeforderte Aufgabenübernahme oder das Zurückhalten von Informationen.

  9. Klare Kommunikation: Sprechen Sie Probleme direkt an, seien Sie freundlich, aber bestimmt. Halten Sie es kurz, sachlich und ohne Angriffsfläche. Nutzen Sie Humor als Schutzschild, aber vermeiden Sie Verletzungen. Ziehen Sie klare Grenzen und lassen Sie sich nicht in private Probleme hineinziehen.

  10. Souverän auf unkollegiale Sprüche reagieren: Zeigen Sie, dass Sie offen für Kritik sind, aber die Art der Mitteilung wichtig ist. Vertrauen Sie auf Ihre Fähigkeiten und laden Sie den Kollegen ein, an einer Lösung zu arbeiten.

  11. Kontrolle und Bloßstellung thematisieren: Dokumentieren Sie Vorfälle, suchen Sie das Gespräch und ziehen Sie gegebenenfalls Vorgesetzte oder die Personalabteilung hinzu. Holen Sie sich Unterstützung im Team oder beim Betriebsrat.

  12. Psychologische Resilienz stärken: Setzen Sie Grenzen, verlagern Sie den Fokus auf Ihre Ziele und Stärken, schaffen Sie mentale Klarheit und Ruheinseln.

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  13. Mobbing und Ausgrenzung: Führen Sie ein Tagebuch, suchen Sie Gespräche und prüfen Sie rechtliche Schritte, wenn nötig.

  14. Was Arbeitgeber tun sollten: Unternehmen tragen die Verantwortung für ein faires und wertschätzendes Arbeitsumfeld. Sie sollten klare Verhaltensrichtlinien definieren, Schulungen anbieten, Ansprechpersonen benennen und eine Feedbackkultur fördern.

  15. Konsequent alle Auffälligkeiten ignorieren: Für diese Strategie tun Sie so, als hätten Sie das nervige Verhalten des anderen gar nicht bemerkt.

  16. Reden lassen und auf Durchzug schalten: Ein anderer Weg ist, Nervensägen einfach reden zu lassen, aber kaum zuzuhören, sondern sich weiter um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern.

  17. So tun, als würden Sie’s nicht verstehen: Wenn Sie die Eitelkeit überwinden können, bei anderen als besonders intelligent gelten zu wollen, können Sie auch so tun, als würden Sie nicht verstehen, was die Nervensäge von Ihnen will.

  18. Anerkennen und direkt zurückgeben: Manchmal trifft man auch auf Nervensägen, die grundsätzlich recht haben. Nur können oder wollen Sie gerade nichts weiter für sie tun. Dann können Sie ihr versichern, dass Sie ihr völlig zustimmen, auch wenn Sie im Detail vielleicht anders denken.

  19. Ohne schlechtes Gewissen auflaufen lassen: Bei dieser Strategie vergessen Sie Ihre gute Erziehung zu Aufmerksamkeit und Höflichkeit und verschließen einseitig die Kommunikation.

  20. Absichtlich eskalieren lassen: Bei hartnäckigen Nervensägen hilft manchmal nur eine leichte Form der Schocktherapie: Sie eskalieren den Konflikt absichtlich, indem Sie - eindrucksvoll gespielt - ausflippen.

  21. Durch Beschäftigung zum Schweigen bringen: Sie verteilen einige ihrer Aufgaben an unterbeschäftigte Nervensägen und binden so deren überschüssige Energie produktiv.

  22. Die weitere Zusammenarbeit ablehnen: Sie erklären, mit einer bestimmten Nervensäge nicht mehr zusammenzuarbeiten. Machen Sie dabei klar, dass Sie nicht über Details verhandeln oder zurückstecken.

  23. Darauf vertrauen, dass sie sich selbst erledigen: Manche Nervensäge erledigt sich von selbst, wenn Sie nur abwarten können. Wer ständig andere nervt, erlebt unweigerlich, dass sich das auch einmal gegen einen selbst richtet.

Resilienz stärken und innere Ruhe bewahren

Um besser mit nervigen Kollegen umgehen zu können, ist es wichtig, die eigene Resilienz zu stärken und innere Ruhe zu bewahren.

  • Emotionsregulation: Überlassen Sie Ihren negativen Emotionen nicht das Ruder, sondern bewahren Sie die Ruhe und konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche.

  • Positive Emotionen integrieren: Machen Sie sich die positiven Seiten Ihres Kollegen bewusst und erinnern Sie sich daran, dass auf der Arbeit nicht alles schlecht ist.

  • Selbstreflexion: Hinterfragen Sie Ihre eigenen Ansichten und identifizieren Sie die Ursachen für Ihre negativen Emotionen.

  • Lösungsorientierung: Verharren Sie nicht in einer Opferrolle, sondern werden Sie aktiv, um die Situation zu verbessern.

  • Empathie: Versetzen Sie sich in die Lage Ihres Kollegen, um seine Motive und Handlungen nachzuvollziehen.

  • Feierabend-Ritual: Gestalten Sie ein Ritual, mit dem Sie die Arbeit hinter sich lassen und abschalten können.

  • Gewaltfreie Kommunikation: Beschreiben Sie die Situation neutral, werden Sie nicht vorwurfsvoll und senden Sie Ich-Botschaften.

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