Hirntumor: Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie

Ein Hirntumor kann eine erschreckende Diagnose sein, sowohl für den Betroffenen als auch für seine Angehörigen. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über Hirntumoren geben, von den Ursachen und Risikofaktoren über die Symptome und Diagnosemethoden bis hin zu den verschiedenen Therapieansätzen und der Nachsorge.

Was ist ein Hirntumor?

Ein Hirntumor ist eine Neubildung von Gewebe im Gehirn. Es gibt verschiedene Arten von Hirntumoren, die sich in ihrer Entstehung, ihrem Wachstum und ihrer Bösartigkeit unterscheiden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen primären und sekundären Hirntumoren.

  • Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirngewebe oder in den Hirnhäuten. Sie können sich aus verschiedenen Zelltypen entwickeln, am häufigsten aus den Gliazellen (Gliome).
  • Sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen) sind Absiedlungen von Krebszellen, die von einem Tumor in einem anderen Organ stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben.

Arten von Hirntumoren

Es gibt eine Vielzahl von primären Hirntumorarten, die nach dem Gewebetyp unterschieden werden, aus dem sie entstehen. Zu den häufigsten gehören:

  • Gliome: Diese Tumoren gehen von den Nervenstützzellen (Gliazellen) aus und machen etwa die Hälfte aller primären Hirntumoren aus. Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, darunter:
    • Astrozytome: Sie entwickeln sich aus Astrozyten, einer Art von Gliazellen. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom und der häufigste bösartige primäre Hirntumor bei Erwachsenen.
    • Oligodendrogliome: Sie entstehen aus Oligodendrozyten, einer anderen Art von Gliazellen.
    • Ependymome: Sie entwickeln sich aus Ependymzellen, die die Hirnventrikel auskleiden.
  • Meningeome: Diese Tumoren gehen von den Hirnhäuten aus, die das Gehirn umgeben. Sie sind fast immer gutartig und wachsen in der Regel langsam.
  • Neurinome/Schwannome: Sie entstehen aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen, meistens den Gleichgewichtsnerven (Akustikusneurinom). Sie sind stets gutartig, können aber aufgrund ihrer Lage im Schädelknochen anspruchsvoll zu behandeln sein.
  • Medulloblastome: Diese Tumoren entstehen aus unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn und gehören zu den häufigsten Tumorerkrankungen im Kindesalter.
  • Hypophysenadenome: Diese Tumoren gehen von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) aus und zählen im engeren Sinne nicht zu den Gehirntumoren. Sie können zu Hormonveränderungen und Sehstörungen führen. Hypophysenadenome sind fast alle gutartig, aber manchmal schwer zu behandeln.
  • Lymphome: Bösartige Tumoren des Lymphsystems (Lymphome) können im zentralen Nervensystem auftreten, sind aber keine Gehirntumoren. Lymphome treten vermehrt bei älteren Personen auf, meist im Zusammenhang mit einer Immunschwäche.
  • Mischgliome: Entstehen aus einer Mischung von Tumorzellen und wachsen unterschiedlich schnell.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Hirntumoren nach dem Grad ihrer Bösartigkeit in vier verschiedene Tumorgrade eingeteilt:

  • WHO Grad I: Gutartig, langsames Wachstum, sehr gute Prognose
  • WHO Grad II: Eher gutartig, aber Übergang in bösartige Tumoren möglich
  • WHO Grad III: Bereits bösartig
  • WHO Grad IV: Bösartig und aggressiv, sehr rasches Wachstum, schlechte Prognose

Wie häufig sind Hirntumoren?

Hirntumoren sind relativ selten. Sie machen etwa zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus. Im Jahr 2020 erkrankten etwa 7.300 Erwachsene in Deutschland an einem bösartigen Hirntumor. Zum Vergleich: Im selben Jahr erhielten etwa 54.770 Menschen die Diagnose Darmkrebs. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Frauen bei 66 Jahren und bei Männern bei 63 Jahren. Bei Kindern sind Hirntumoren mit etwa einem Viertel aller Tumorerkrankungen im Kindesalter etwas häufiger. Im Jahr 2020 erhielten etwa 2.250 Kinder unter 18 Jahren die Diagnose Krebs, wobei etwa jedes vierte Kind einen Hirntumor hatte.

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Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung von primären Hirntumoren sind bisher weitgehend unbekannt. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Lebensgewohnheiten wie Rauchen oder Alkoholkonsum eine Rolle spielen. Auch für die übermäßige Nutzung von Handys gibt es keine Belege für eine Zunahme von Hirntumoren. Eine erbliche Veranlagung liegt nur sehr selten vor.

Allerdings gibt es einige Risikofaktoren, die das Risiko für einen Hirntumor erhöhen können:

  • Erbliche Krankheitsbilder: Bestimmte Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose können das Risiko erhöhen.
  • Strahlentherapie: Hirntumoren können bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels auftreten.
  • Familiäre Vorbelastung: Erkranken Patienten jung an einem Hirntumor, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ebenfalls leicht erhöht. Da Hirntumoren aber sehr selten sind, ist das Risiko für Eltern und Geschwister von Hirntumorpatienten insgesamt gesehen immer noch sehr gering.
  • Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen diagnostischen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.

Symptome

Hirntumoren können vielfältige Beschwerden verursachen, die von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors abhängen. Oftmals bleiben die Betroffenen lange Zeit unbemerkt, da der Tumor zunächst keine Beschwerden verursacht.

Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen: Insbesondere nachts und morgens, die sich aber spontan im Verlauf des Tages bessern. Die Schmerzen werden meistens mit der Zeit heftiger und nehmen auch im Liegen zu. Kopfschmerzen gelten als das häufigste Erstsymptom.
  • Sehstörungen: Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle oder verschwommenes Sehen.
  • Übelkeit und Erbrechen: Oftmals begleitet von Kopfschmerzen.
  • Krampfanfälle: Etwa einer von fünf Patienten erleidet ohne gesundheitliche Vorboten einen epileptischen Anfall.
  • Lähmungserscheinungen und Sprach-, Gefühls- oder Koordinationsstörungen: Je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist.
  • Persönlichkeitsveränderungen: Tumoren im Stirnlappen des Gehirns können zu Persönlichkeits- oder Verhaltensstörungen führen. Dies schlägt sich teilweise in leichter Reizbarkeit oder in Teilnahmslosigkeit nieder.
  • Hormonelle Störungen: Insbesondere bei Tumoren der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse).

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle diese Symptome auf einen Hirntumor hindeuten müssen. Viele dieser Beschwerden können auch bei anderen, meist harmlosen Erkrankungen auftreten. Dennoch sollte man bei andauernden und zunehmenden Beschwerden einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abklären zu lassen.

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Diagnose

Zur Diagnose eines Hirntumors werden verschiedene bildgebende Verfahren eingesetzt:

  • Computertomographie (CT): Hierbei wird das Gehirn mit Hilfe von Röntgenstrahlen durchleuchtet und anschließend in Schnittbildern dargestellt. Diese Bilder zeigen den Kopf im Längs- oder Querschnitt. Auf diese Weise können Tumoren und Blutungen gut erkannt werden.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT kann im Vergleich zum CT Unregelmäßigkeiten im Gewebe noch detaillierter sichtbar machen. Der Patient liegt bei der Untersuchung in einer Röhre. Sowohl bei der Computertomographie als auch bei der Kernspintomographie ist oft die Gabe von Kontrastmittel erforderlich, um Hirntumoren sicher von der Umgebung abgrenzen zu können. Das erleichtert die Diagnose.
  • Positronenemissionstomographie (PET): Das ist ein bildgebendes Verfahren, das die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar macht, um Krebszellen zu identifizieren. Mit dieser Untersuchung kann man Gewebe mit besonders aktivem Stoffwechsel von solchen mit weniger aktivem unterscheiden. Die Untersuchung nutzt die Tatsache aus, dass Krebszellen meist viel Energie benötigen, um wachsen zu können. Sie haben also einen aktiveren Stoffwechsel als gesunde Zellen.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Kann die Hirnströme aufzeichnen und Hinweise auf Funktionsstörungen des Gehirns geben.
  • Lumbalpunktion: Die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) ist ebenfalls in manchen Fällen erforderlich. So kann man eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems ausschließen. Außerdem können im Nervenwasser Krebszellen nachgewiesen werden, wenn der Verdacht besteht, dass der Tumor bereits ins Nervenwasser gestreut hat.
  • Biopsie: Besteht auch nach der MRT ein Tumorverdacht, bekommt die Patientin oder der Patient in der Regel während einer Operation aus dem verdächtigen Bereich im Gehirn Gewebe entnommen (Biopsie). Das ist notwendig, um die Diagnose abzusichern. Nach der Biopsie untersucht eine Fachärztin oder ein Facharzt die Gewebeproben unter einem Mikroskop. Dadurch lässt sich der Tumortyp und ebenfalls mögliche Erbgutveränderungen mit molekularbiologischen Tests feststellen.

Therapie

Die Behandlung von Hirntumoren ist komplex und wird individuell auf die Art, Lage, Größe und das Wachstum des Tumors sowie den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten abgestimmt. Zu den wichtigsten Therapieoptionen gehören:

  • Operation: Ziel der Operation ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne dabei wichtige Hirnfunktionen zu beeinträchtigen. Bei gutartigen Tumoren kann die Operation in der Regel die einzige notwendige Behandlung darstellen. Bei bösartigen Tumoren kann die Operation den Tumor verkleinern, um so Symptome zu lindern und die Prognose zu verbessern. In manchen Fällen kann ein bösartiger Tumor durch eine Operation verkleinert werden, um so Symptome zu lindern und die Prognose zu verbessern. Denn eine Verkleinerung des Tumors schafft oftmals bessere Bedingungen für eine nachfolgende Strahlen- oder Chemotherapie.
    • Die Operation am Gehirn wird gründlich vorbereitet, sehr exakt und mit viel technischem Aufwand durchgeführt und anschließend genau beobachtet. Mit höchster Präzision wird unter Zuhilfenahme modernster Techniken, wie der Neuronavigation, dem intraoperativem Neuromonitoring und Gabe fluoreszierender Farbstoffe, die den Hirntumor unter bestimmtem Licht zum Leuchten bringen, zwischen Tumor und intaktem Hirngewebe unterschieden.
  • Strahlentherapie: Durch die Bestrahlung sollen Krebszellen zerstört und benachbarte gesunde Zellen möglichst verschont bleiben.
  • Chemotherapie: Bei der Chemotherapie werden spezielle Krebsmedikamente eingesetzt, um die Tumorzellen abzutöten oder ihre Vermehrung zu stoppen. Eine Chemotherapie wird auch im Vorfeld einer Operation eingesetzt, um den Tumor zu verkleinern.
  • Immuntherapie: Weil Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie oft unbefriedigende Ergebnisse bringen, steigt die Nachfrage an Immuntherapien bei Hirntumoren.
  • Zielgerichtete Therapien: Je nach Erkrankungssituation können auch zielgerichtete Medikamente eingesetzt werden.
  • Klinische Studien: Neue Therapien erhalten Patienten im Rahmen von klinischen Studien.
  • Supportive Therapie: Die sogenannte supportive Therapie unterstützt den Patienten während seiner Krankheit. Im Gegensatz zu den anderen Therapien bekämpft dieses Verfahren den Tumor nicht direkt, sondern hilft Patienten, die Beschwerden der verschiedenen anderen Behandlungen zu minimieren. Hier werden beispielsweise vor allem die Kopfschmerzen, das Erbrechen und die Übelkeit behandelt. Sie kann Beschwerden, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen, lindern oder vorbeugen.

Reha und Nachsorge

Nach der Akutbehandlung und der medizinischen Rehabilitation stehen für Patienten mit Hirntumor weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen.

Ziele der Nachsorgeuntersuchungen und Verlaufskontrollen:

  • Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht.
  • Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das kann die Lebensqualität einer Patientin oder eines Patienten verbessern und sie bestmöglich erhalten.
  • Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung.

So läuft eine Nachsorgeuntersuchung ab: Zunächst fragt die behandelnde Ärztin oder der Arzt nach vorhandenen Beschwerden. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei prüfen Ärzte unter anderem die Muskelreflexe, die Muskelkraft und die Koordination. Patienten müssen dabei zum Beispiel die Stirn runzeln oder bekommen Licht in ihre Augen geleuchtet. Zur Nachsorge gehören für eine Patientin oder einen Patienten auch regelmäßige Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT). Wie oft die Nachsorgeuntersuchungen stattfinden müssen, ist individuell verschieden. In der Regel sind die Untersuchungen engmaschiger, je größer das Risiko für einen Krankheitsrückfall ist. Wer Beschwerden hat, sollte auch zwischen den Nachsorgeterminen seine Ärztin oder seinen Arzt aufsuchen.

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Im Rahmen einer Anschlussrehabilitation kann sich der Patient von den Strapazen der Behandlung erholen und seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten wiederaufbauen.

Leben mit einem Hirntumor

Die Diagnose Hirntumor kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark verändern. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

  • Psychoonkologische Beratung: Die psychischen, emotionalen und physischen Belastungen, denen Angehörige durch die Erkrankung ausgesetzt sind, sollten nicht unterschätzt werden. Eure Sorgen und Ängste, aber auch die plötzliche Pflegesituation können schwer wiegen. Ihr müsst und solltet diese Belastung nicht alleine tragen. Psychoonkologie:innen helfen euch, mit der Krankheit besser umzugehen.
  • Selbsthilfegruppen: In Selbsthilfegruppen für Angehörige könnt ihr voneinander zu lernen und euch gegenseitig bestärken. Solltet ihr keine Selbsthilfegruppe in eurer Nähe finden oder euch generell mehr vernetzen wollen, nutzt die YES!APP. Aus dem Erfahrungs- und Gedankenaustausch mit Gleichbetroffenen können Patienten Mut und Zuversicht schöpfen.

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