Meningeome und Schilddrüsenfunktion: Ein komplexer Zusammenhang

Meningeome, meist gutartige Hirntumoren, werden immer häufiger zufällig entdeckt. Diese Zunahme der inzidentellen Befunde wirft Fragen nach den Ursachen und den Auswirkungen auf den Körper auf. Obwohl die Forschung die genauen Ursachen für die Entstehung von Meningeomen noch nicht vollständig geklärt hat, rücken hormonelle Einflüsse, insbesondere im Zusammenhang mit der Schilddrüse, zunehmend in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Meningeomen und der Schilddrüsenfunktion, wobei auf die neuesten Erkenntnisse und Forschungsergebnisse eingegangen wird.

Häufigkeit und Entdeckung von Meningeomen

Meningeome treten häufiger zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr auf, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Die Tumoren entstehen meist im Schädel (intrakraniell), seltener im Bereich der Wirbelsäule (spinal). Die steigende Anzahl zufälliger Entdeckungen von Meningeomen ist auf den vermehrten Einsatz von bildgebenden Verfahren wie MRT und kontrastmittelverstärkten Untersuchungen zurückzuführen, insbesondere bei älteren Menschen und im Rahmen der Krebssuche. Dies führt zu einem Dilemma: Wie soll mit diesen Zufallsbefunden umgegangen werden?

Symptome und Diagnostik

Meningeome können unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen oder epileptische Anfälle verursachen. Weitere neurologische Defizite hängen von der Lage des Meningeoms ab. Der Goldstandard für die Diagnostik ist die MRT. Bei eindeutigen Hinweisen auf einen gutartigen Tumor kann auf eine Biopsie verzichtet werden.

Therapieansätze

Die Standardtherapie eines symptomatischen Meningeoms ist die vollständige operative Entfernung des Tumors samt der mitbetroffenen Strukturen wie Hirnhaut oder Schädelknochen. Alternativ kann man Meningeome auch bestrahlen. Der Nachteil: Eine endgültige histologische Untersuchung ist dann nicht möglich. Die allermeisten Meningeome sind gutartige Tumoren und werden, wenn das Tumorgewebe untersucht wird, histologisch als WHO-Grad-1-Tumoren eingeteilt. Sie wachsen in der Regel sehr langsam, sind scharf begrenzt und sitzen der harten Hirnhaut (Dura mater) breitbasig auf. Sie werden entweder zunächst beobachtet oder aber operiert oder stereotaktisch bestrahlt und haben eine gute Prognose. Die vollständige Entfernung eines gutartigen Meningeoms kommt meist einer Heilung gleich. Aggressiv wachsende Meningeome wie beispielsweise das atypische Meningeom (WHO-Grad 2) oder das anaplastische Meningeom (WHO-Grad 3) sind selten. Sie machen insgesamt weniger als 10 Prozent aller Meningeome aus. Sie haben ein höheres Risiko, nach Entfernung erneut zu wachsen. Neben einer Operation können dann auch eine adjuvante Strahlentherapie und gegebenenfalls eine Chemotherapie oder zielgerichtete Medikamente infrage kommen.

Risikofaktoren und hormonelle Einflüsse

Ein bekannter Risikofaktor für die Entstehung eines Meningeoms ist eine vorangegangene Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich. Auch seltene Krebs-Syndrome wie die Neurofibromatose Typ 2 (NF2) sind mit einem erhöhten Risiko für Meningeome verbunden. Weibliche Geschlechtshormone wie Progesteron (Gestagen) und Östrogen beeinflussen das Wachstum von Meningeomzellen - darauf deuten sowohl wissenschaftliche Daten aus Laborversuchen als auch Fallberichte hin. Klare Hinweise gibt es beispielsweise zum Zusammenhang von hoch dosiertem Cyproteronacetat (CPA) und der Entstehung von Meningeomen.

Lesen Sie auch: Alles über Meningeome im Gehirn

Die Rolle der Schilddrüse

Die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), welche eine bedeutende Rolle im hormonellen Stoffwechsel des Körpers einnimmt, steuert beispielsweise die Hormonproduktion in der Schilddrüse, den Nebennieren, den Eierstöcken oder den Hoden. Hypophysentumore können die Hormonproduktion beeinflussen und somit auch die Schilddrüsenfunktion stören.

Hypophysenadenome und ihre Auswirkungen

Hypophysenadenome sind gutartige Hypophysentumore, welche im zeitlichen Verlauf an Größe zunehmen können. Es werden hormoninaktive von hormonaktiven Hypophysenadenomen unterschieden. Hormonaktive Hypophysenadenome schütten unkontrolliert Hormone (z.B. Prolaktin) aus. Die Nähe der sella turcica zu Sehnerven und zur Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) hat zur Folge, dass große Tumore diese Strukturen bedrängen und Sehstörungen verursachen können.

Diagnostik und Therapie von Hypophysenadenomen

Neben einer genauen Erhebung der persönlichen Krankheitsgeschichte sind eine eingehende körperliche Untersuchung sowie die Bestimmung von Hormonen und Stoffwechselparametern im Blut notwendig. Der Nachweis von Raumforderungen erfolgt durch bildgebende Verfahren, z.B. durch eine Kernspintomographieuntersuchung (MRT). Zeigt sich eine Bedrängung der Sehnerven bzw. Hormonaktive Hypophysenadenome sollten chirurgisch entfernt werden, da hierdurch eine effektive Ursachenbehebung erreicht werden kann. Ausnahme sind Prolaktinome (ein das Hormon Prolaktin produzierender Tumor): hier sollte zunächst eine medikamentöse Therapie erfolgen. Hormoninaktive Hypophysentumore sollten operativ entfernt werden wenn sie Sehnerven oder das Chiasma opticum bedrängen. Die meisten sellären Tumoren im Bereich der Hypophysenregion können durch die Nase entfernt werden, eine Kraniotomie (Eröffnung des Schädels) ist nur in seltenen Fällen notwendig. Nach der Operation ist für eine Dauer von etwa sechs Wochen eine niedrig dosierte Einnahme von Hydrokortison notwendig. Im weiteren postoperativen Verlauf wird ambulant eine Kontroll-MRT-Untersuchung durchgeführt.

MRT-Diagnostik bei Hormonerkrankungen

Mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) ist es der modernen Medizin heute möglich, anatomische Strukturen minimalinvasiv, also komplett ohne einen chirurgischen Eingriff, darzustellen. Der Magnetresonanztomograph arbeitet dabei vollständig strahlungsfrei und setzt stattdessen auf Magnetfelder und Hochfrequenzimpulse. In MRT-Untersuchungen lassen sich insbesondere Weichgewebe gut darstellen. Dazu gehören auch Strukturen im Gehirn - einem besonders sensiblen Bereich.

Hypothalamus und Hypophyse als zentrale Regelkreise

Hypothalamus und Hypophyse fungieren als zentrale Regelkreise. Tumore oder anatomische Anomalien stören Hormonhaushalt und Stoffwechsel. Hypophyse und Hypothalamus übernehmen durch die Ausschüttung der verschiedenen Hormone bedeutende Funktionen. Störungen sind einerseits durch anatomische Veränderungen, wie ein verzögertes Wachstum und eine verzögerte Pubertät, oder Auffälligkeiten im Verhalten und Stoffwechselveränderungen zu erkennen.

Lesen Sie auch: Ursachen epileptischer Anfälle bei Meningeomen

Kopf-MRT bei Hormonstörungen

Die Kopf-MRT liefert Ärzten wichtige Hinweise dazu, ob Raumforderungen beispielsweise die Hormondrüsen negativ beeinflussen, eine Entzündung vorliegt oder die sezernierenden Areale aus anderen Gründen nicht normgerecht arbeiten. Die Untersuchung liefert hochauflösende Aufnahmen des Weichgewebes, sprich von Hypophyse und Hypothalamus sowie möglichen Neubildungen.

Diskussion und offene Fragen

Die Frage, ob und wie die Schilddrüsenfunktion direkt mit der Entstehung oder dem Wachstum von Meningeomen zusammenhängt, ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass hormonelle Ungleichgewichte, die durch Hypophysen- oder Hypothalamusstörungen verursacht werden, eine Rolle spielen könnten. Weitere Forschung ist notwendig, um diese Zusammenhänge besser zu verstehen.

Lesen Sie auch: Felix Sahm und Meningeome im Fokus

tags: #meningeom #auswirkung #auf #schilddruse