Viele Frauen kennen das Problem: Kurz vor oder während der Menstruation beginnt der Kopf zu pochen. Es handelt sich um eine spezielle Form der Migräne, die direkt mit dem Zyklus zusammenhängt - die menstruationsassoziierte Migräne. Die Beschwerden treten regelmäßig in dieser Zeit auf, und viele Betroffene wissen genau, was sie erwartet. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser besonderen Form der Migräne, wobei ein besonderer Fokus auf den Einfluss der Ernährung gelegt wird.
Was ist menstruell bedingte Migräne?
Bei manchen Frauen tritt Migräne immer wieder in einem bestimmten Zeitraum auf - nämlich zwei Tage vor bis drei Tage nach Beginn der Periode. Das nennt man menstruell bedingte Migräne. Typisch ist, dass diese Form der Migräne in mindestens zwei von drei Zyklen auftritt. Oft fällt das zunächst gar nicht auf. Erst wenn gezielt nachgefragt wird oder ein Zykluskalender geführt wird, zeigt sich der Zusammenhang.
Man unterscheidet zwei Formen:
- Die rein menstruelle Migräne tritt nur rund um die Periode auf.
- Häufiger ist jedoch die menstruationsassoziierte Migräne - sie kommt also in diesem Zeitfenster vor, aber auch an anderen Tagen im Zyklus.
Ausgelöst wird diese Migräneform durch hormonelle Schwankungen. Im Vergleich zu anderen Migränearten sind die Beschwerden oft stärker, dauern länger und gehen häufiger mit Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen einher. Dies kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
Ursachen der menstruell bedingten Migräne
Kurz vor Beginn der Periode fällt bei vielen Frauen der Östrogenspiegel - also die Konzentration eines wichtigen weiblichen Hormons - deutlich ab. Fachleute vermuten, dass genau dieser Hormonabfall eine Migräne auslösen kann. Studien an Tieren deuten darauf hin, dass solche Hormonschwankungen die Ausschüttung eines Botenstoffs im Gehirn fördern: CGRP.
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CGRP steht für „Calcitonin Gene-Related Peptide“ und ist eng mit der Entstehung von Migräne verbunden. Es weitet die Blutgefäße im Gehirn und löst Entzündungen aus - eine Ursache für die typischen, pulsierenden Kopfschmerzen. In einer Studie von 2023 wurde gezeigt: Frauen mit Migräne hatten während der Periode deutlich höhere CGRP-Werte im Blut als gesunde Frauen.
Der genaue Zusammenhang ist noch nicht vollständig geklärt - auch nicht, warum manche Frauen besonders empfindlich auf hormonelle Veränderungen reagieren, während andere keine Migräne entwickeln.
Auch in den Wechseljahren kann es durch starke Hormonschwankungen wieder zu Migräneattacken kommen - vor allem bei Frauen, die bereits zuvor betroffen waren. Die gute Nachricht: Nach der Menopause, also wenn die hormonellen Veränderungen abgeschlossen sind, wird die Migräne in der Regel deutlich schwächer.
PMS, Histamin und Migräne: Ein Teufelsdreieck
Es ist schon mehr ein Teufelsdreieck als ein Teufelskreis zwischen PMS, Histamin und Migräne. Denn wie beschrieben: nicht nur Migräne und PMS hängen zusammen, sondern auch PMS und Histamin… ebenso wie Histamin und Migräne!
PMS, das prämenstruelle Syndrom, bedeutet, dass Frauen in den Tagen vor ihrer Periode verschiedene körperliche und seelische Symptome spüren. Diese Beschwerden treten meist einige Tage bis zu zwei Wochen vor der Menstruation auf, also in der zweiten Hälfte des Zyklus nach dem Eisprung. Wenn die psychischen Symptome wie starke Stimmungsschwankungen oder sogar depressive Verstimmungen besonders heftig sind, spricht man von einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS) - eine besonders starke Form von PMS. Beide Formen können den Alltag ganz schön belasten.
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Es ist schon lange bekannt, dass weibliche Sexualhormone einen Einfluss auf Mastzellen haben - das sind Zellen im Immunsystem, die unter anderem Histamin freisetzen. Besonders Östrogen, vor allem in Form von Estradiol, kann diese Mastzellen aktivieren und so die Histaminausschüttung ankurbeln. Gleichzeitig schwächt Östrogen auch das Enzym DAO, das eigentlich dafür sorgt, dass Histamin abgebaut wird. Dadurch entsteht ein ziemlich fieser Kreislauf: Östrogen sorgt für mehr Histamin, und Histamin regt die Eierstöcke an, noch mehr Östrogen zu produzieren. Wenn man dann auch noch viele histaminreiche Lebensmittel isst, kann das die Hormone ganz schön durcheinanderbringen. Auch bei der Einnahme von Östrogen-Ersatzstoffen kann die Histaminempfindlichkeit steigen, teilweise sogar eine Histaminintoleranz entstehen.
Progesteron spielt hier eine wichtige Gegenrolle: Es sorgt dafür, dass das Östrogen nicht überhandnimmt und hemmt die Histaminausschüttung. Fehlt Progesteron, kann also das Gleichgewicht kippen und die Probleme mit Histamin und Östrogen werden größer.
Was genau PMS verursacht, ist noch nicht vollständig geklärt. Forscher vermuten, dass vor allem die Hormonschwankungen zwischen Östrogen und Progesteron eine Rolle spielen. Auch der Botenstoff Serotonin, der die Stimmung beeinflusst, ist wichtig. Sein Spiegel sinkt kurz vor der Periode oft ab, was Beschwerden verstärken kann. Manche Frauen sind außerdem genetisch empfindlicher gegenüber den Hormonen.
Typische körperliche Beschwerden sind Brust- und Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Verdauungsprobleme, Bauchkrämpfe, Wassereinlagerungen und Hautprobleme. Psychisch können Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme und Antriebslosigkeit auftreten. PMS und auch Migräne hängen oft zusammen, denn Migräne kann ebenfalls durch hormonelle Schwankungen und den sinkenden Serotoninspiegel vor der Periode ausgelöst werden. Etwa jede fünfte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens PMS-Beschwerden.
Histamin ist sozusagen ein kleines Wachmacher-Molekül in unserem Körper, das besonders dann aktiv ist, wenn wir wach sind. Es wird im Gehirn ausgeschüttet und sorgt dafür, dass wir fit bleiben. Bei Migräne spielt Histamin eine ziemlich große Rolle - vor allem, wenn man viel davon durch bestimmte Lebensmittel wie Rotwein, Schokolade oder Käse zu sich nimmt. Wenn dazu noch das Enzym fehlt, das Histamin im Darm abbaut (DAO), kann das schnell mal eine Migräne auslösen.
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Dann gibt’s da noch Serotonin. Bei Migräne kippt das Ganze: Erst wird zu viel Serotonin ausgeschüttet, die Blutgefäße ziehen sich zusammen, dann baut der Körper das Serotonin schnell wieder ab - und Schwupps, die Gefäße weiten sich, Entzündungen entstehen und der typische pochende Schmerz setzt ein.
Zum Glück kann man Serotonin-Vorstufen wie Tryptophan in Nüssen oder Vollkorn essen, und auch Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren helfen, den Spiegel im Gleichgewicht zu halten. Magnesium ist auch ein echter Migräne-Helfer. Vor allem bei Kindern zeigt es Wirkung - ein bisschen Extra-Magnesium kann Schmerzen und Anfälle reduzieren. Und Q10, das kleine Energiepaket für unsere Zellen, scheint bei Migräne-Patienten auch oft zu fehlen. Hier helfen 200 mg täglich ganz gut.
Stress und Co. bringen unser Noradrenalin durcheinander - das ist ein Hormon, das Energie freisetzt. Wenn der Spiegel kurz vor einer Migräne hochgeht, kann das den Anfall auslösen. Dazu kommen hormonelle Schwankungen, vor allem bei Frauen rund um die Periode. Östrogen und Progesteron beeinflussen Serotonin, und wenn die Hormone runtergehen, gibt’s oft Migräne. Nicht zu vergessen: Blutzuckerschwankungen können auch fiese Migräne-Trigger sein.
Ernährung bei menstruationsassoziierter Migräne
Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung und Linderung von Migräneattacken. Einige Lebensmittel können als Trigger wirken, während andere helfen können, den Hormonhaushalt zu stabilisieren und Entzündungen zu reduzieren.
Histaminarme Ernährung
Da Histamin eine Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen kann, kann eine histaminarme Ernährung helfen, die Häufigkeit und Intensität von Attacken zu reduzieren. Histaminreiche Lebensmittel sollten vermieden oder reduziert werden. Dazu gehören:
- Gereifter Käse
- Geräucherte Wurstwaren
- Alkohol (insbesondere Rotwein)
- Schokolade
- Sauerkraut
- Hefeextrakte
Blutzucker stabilisieren
Starke Blutzuckerschwankungen können ebenfalls Migräneattacken auslösen. Eine Ernährung, die den Blutzucker stabil hält, kann daher hilfreich sein. Dies kann durch den Verzehr von komplexen Kohlenhydraten, Ballaststoffen und proteinreichen Lebensmitteln erreicht werden.
Die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea Migräneprophylaxe ermittelt für dich, welche Lebensmittel deinen Blutzucker eher niedrig-stabil halten. Mit der Umsetzung der individuell auf dich angepassten Ernährungsempfehlungen hast du die Möglichkeit Migräneattacken zu reduzieren. Das Gute ist: Ein stabiler Blutzucker hilft dir nicht nur in der Vorbeugung von Migräneanfällen sondern ist auch allgemein gesundheitsfördernd.
Nährstoffe für die Hormonbalance
Bestimmte Nährstoffe können helfen, den Hormonhaushalt zu stabilisieren und PMS-Beschwerden zu lindern, was sich wiederum positiv auf die Migräne auswirken kann. Wichtig sind vor allem:
- Magnesium: Wirkt entspannend auf Muskeln und Nerven.
- Calcium: Kann bei Wassereinlagerungen helfen.
- Vitamin B6, Vitamin D und Vitamin E: Wichtig für verschiedene Stoffwechselprozesse und die Nervenfunktion.
- Omega-3-Fettsäuren: Wirken entzündungshemmend.
- Serotonin-Vorstufen: Serotonin wird aus dem Protein-Baustein Tryptophan hergestellt. Diese Aminosäure ist reichlich in Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch und Vollkorngetreide zu finden.
Ausreichend trinken
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, um den Körper hydriert zu halten und Kopfschmerzen vorzubeugen. Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee über den Tag verteilt.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Neben der Ernährung gibt es verschiedene andere Möglichkeiten, menstruationsassoziierte Migräne zu behandeln:
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Attacken können normale Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) helfen.
- Triptane: Bei schwereren Attacken können Triptane, also migränespezifische Mittel, verschrieben werden.
- Vorbeugende Medikamente: In der prämenstruellen Phase können vorbeugend Medikamente wie lang wirksame Triptane oder Naproxen eingenommen werden.
- Hormonelle Behandlung: Die Einnahme der Pille (Gestagenmonotherapie oder Kombinationspräparat ohne Pillenpause) kann helfen, Zyklusschwankungen zu verhindern. Bei Migräne mit Aura ist jedoch Vorsicht geboten.
- Pflanzliche Mittel: Mönchspfeffer (gegen Brustspannen) oder Johanniskraut (gegen Stimmungstiefs) können natürliche Alternativen sein.
- Entspannungstechniken: Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Attacken zu reduzieren.
- Bewegung: Regelmäßige, moderate Bewegung wie Walken, Radfahren oder Schwimmen kann helfen, den Körper zu entspannen und Glückshormone freizusetzen.
Was hilft bei PMS allgemein?
Wenn die Tage vor den Tagen zur Belastung werden ist es gut zu wissen, dass es viele Möglichkeiten gibt, sich selbst zu helfen.
Bei sehr starken Beschwerden kann auch eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Manche Frauen bekommen hormonelle Verhütungsmittel (wie die Pille), die den Eisprung unterdrücken - oft sogar ohne Pause zwischen den Blistern (sogenannter Langzyklus). Das kann helfen, PMS-Symptome und Migräneattacken zu reduzieren. Dies sollte aber aufgrund der unerwünschten Nebenwirkungen gut überlegt sein und erst als letzter Ausweg in Betracht gezogen werden.
Bei Schmerzen wie Kopf-, Rücken- oder Brustschmerzen können ganz normale Schmerzmittel helfen. Gegen Wassereinlagerungen - die oft zu Spannungsgefühlen führen - werden manchmal entwässernde Mittel wie Spironolacton eingesetzt oder unterstützend bestimmte Nährstoffe wie Calcium und Vitamin E.
Wenn die Stimmung stark leidet, kommen manchmal Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (z. B. Sertralin oder Citalopram) zum Einsatz. Diese steigern den Serotoninspiegel im Gehirn - das ist ein Botenstoff, der gute Laune macht. Diese Medikamente sind aber in der Regel erst eine Option, wenn andere Dinge nicht ausreichend helfen.
Viele Frauen wollen es lieber sanfter angehen. Pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer (wirkt gegen Brustspannen) oder Johanniskraut (hilft bei Stimmungstiefs) sind natürliche Alternativen. Aber auch hier gilt: Sprich am besten mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, bevor du etwas einnimmst.
Wichtig sind vor allem:
- Vitamin B6, Vitamin D und Vitamin E
- Calcium und Magnesium
- Omega-3-Fettsäuren (z. B.
- Bewegung - sanft, aber effektiv
Regelmäßige, moderate Bewegung wirkt wahre Wunder bei so vielen körperlichen und seelischen Leiden. Sport hilft, überschüssiges Wasser loszuwerden und lindert Krämpfe. Besonders gut sind Ausdauersportarten wie Walken, Radfahren, Schwimmen oder leichtes Joggen. Dabei werden sogenannte Endorphine freigesetzt - das sind körpereigene Glückshormone. Auch Serotonin (der Stimmungs-Booster) wird durch Bewegung vermehrt gebildet. Aber: Übertreib es nicht - bei zu starker Belastung kann dein Körper mehr Histamin ausschütten, was deine Symptome verstärken kann.
Entspannung - das unterschätzte Wundermittel
Stress ist einer der größten Verstärker von PMS, Migräne und weiteren histaminbedingten Reaktionen. Deshalb lohnt es sich, gezielt zu entspannen. Techniken wie Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung helfen dabei, innerlich ruhiger zu werden.
Hausmittel & alternative Therapien
Es gibt noch viele weitere sanfte Helfer, die du ausprobieren kannst:
- Pfefferminzöl auf die Stirn - lindert Kopfschmerzen
- Lavendelöl - wirkt beruhigend, einfach ein paar Tropfen auf die Schläfen
- Melissentee - bei innerer Unruhe und Stress
- Magnesium - wirkt entspannend auf Muskeln und Nerven
- Osteopathie, Neuraltherapie oder Dorn-Breuss-Therapie - besonders bei Verspannungen im Rücken oder Beckenbereich
- Hoher Einlauf - klingt ungewöhnlich, kann aber helfen, die Leber zu entlasten (bei Migräne)
Zykluskalender führen
Um den Zusammenhang zwischen Menstruationszyklus und Migräneattacken zu erkennen, ist es hilfreich, über mehrere Monate hinweg einen Kopfschmerz- und Zykluskalender zu führen.
Die Rolle von Hormonen im Detail
Hormone sind Botenstoffe, die für die Kommunikation zwischen Organsystemen zuständig sind. Sie werden unter anderem im Gehirn, der Bauchspeicheldrüse oder, wenn es sich um die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron handelt, in den Eierstöcken beziehungsweise den Hoden gebildet. Hormone übermitteln Informationen und leiten dadurch verschiedene Vorgänge im Körper ein. Verantwortlich für die Kopfschmerzattacken während der Monatsblutung ist wahrscheinlich das Hormon Östrogen.
Die Produktion dieses Botenstoffs schwankt im Verlauf des monatlichen Zyklus, der bei den meisten Frauen durchschnittlich 28 Tagen dauert. Bis etwa zur Hälfte des Menstruationszyklus steigt der Östrogenspiegel kontinuierlich an. Anschließend nimmt er leicht ab, um dann ein paar Tage vor der Periode wieder anzusteigen. Mediziner vermuten, dass das plötzliche Absinken des Östrogenspiegels auch den Serotoninspiegel beeinflusst. Das Hormon Östrogen erhöht die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Wird weniger Östrogen produziert, nimmt in der Folge also auch die Menge des „Glückshormons“ Serotonin ab. Zudem schüttet der Körper während der Periode vermehrt Prostaglandin aus, einen Botenstoff, der für das Schmerzentstehen eine wichtige Rolle spielt.
Hormonschwankungen in besonderen Lebensphasen
In der Schwangerschaft und in den Wechseljahren ist der weibliche Hormonhaushalt vielen Veränderungen ausgesetzt. Bei etwa 80 Prozent der Migränepatientinnen bessert sich das Migräneleiden im Laufe der Schwangerschaft und Stillzeit vorübergehend. Grund dafür ist die Veränderung des Hormonhaushalts. Während einer Schwangerschaft ist der Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen konstant hoch. Bei Patientinnen, die an Migräne mit Aura leiden, können die Attacken hingegen zunehmen. Die Einnahme von Medikamenten ist während der Schwangerschaft eng mit dem behandelnden Arzt abzustimmen. Da Migräneattacken an sich sehr wahrscheinlich keinen Einfluss auf den Embryo haben, für die meisten Arzneimittel jedoch noch keine ausreichenden Studien vorliegen, ist über eine verminderte Migräne-Therapie nachzudenken.
Bis zu den Wechseljahren bestimmen Hormone jeden Monat den Zyklus der Frau und bereiten so eine Eizelle immer wieder auf eine mögliche Befruchtung und die Einnistung in die Gebärmutter vor. Hauptakteur ist dabei das Hormon Östrogen. Mit zunehmendem Alter bleibt öfter ein Eisprung aus, die Produktion von Östrogen und anderen weiblichen Geschlechtshormonen in den Eierstöcken sinkt. Bis hin zur Menopause (letzte Regelblutung) treten jedoch häufig Zyklusstörungen auf. So kann beispielsweise eine Östrogendominanz entstehen, bei der eine hohe Konzentration des Hormons vorliegt. Ein starker Abfall der Östrogenkonzentration innerhalb weniger Tage kann, neben den bekannten Symptomen der Wechseljahre wie Hitzewallungen, auch eine hormonelle Migräne mit sich bringen. Deswegen ist eine Verschlechterung der Migräne meist auch während der Wechseljahre zu beobachten, bei der die Hormone stark schwanken können. Frauen, denen die Wechseljahre bevorstehen, sollten bereits über eine nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe nachdenken.
Antibabypille und Migräne
Es gibt Spekulationen, dass die Antibabypille eine Ursache für Migräne darstellt. Da verschiedene Antibabypillen unterschiedlichen Einfluss auf die Hormonschwankungen nehmen, solltest du deine Migräne auch mit deinem Frauenarzt besprechen. Treten die ersten Symptome beispielsweise erstmals nach der Einnahme der Pille auf, ist es ratsam, diese wieder abzusetzen. Darüber müssen sich betroffene Frauen allerdings mit ihrem Frauenarzt abstimmen.
Migräne bei Männern
Auch wenn Männer seltener an Migräne leiden, kann es bei ihnen trotzdem einen Zusammenhang zwischen Hormonen und den unangenehmen Kopfschmerzen geben. So wird bei Betroffenen vermutet, dass ein Mangel am männlichen Sexualhormon Testosteron vorliegt. Gleichzeitig besitzen sie oft eine erhöhte Menge des Hormons Östrogen. Die Ursache der Hormonschwankungen ist noch nicht geklärt.
Hormonelle Therapieverfahren
Zu hormonellen Therapieverfahren wie verschreibungspflichtigen Hormonpflastern oder einer oralen Gabe von Östrogen raten Ärzte mittlerweile ab. Denn die Kopfschmerzattacken werden so in der Regel nur um ein paar Tage verschoben, aber nicht verhindert. Östrogen-Gele, die auf die Haut aufgetragen werden und Frauen an ihren „kritischen Tagen“ schützen sollen, haben sich hingegen in einigen Fällen bewährt. Daneben erfolgt die Behandlung von Kopfschmerzen während der Periode wie die einer „normalen“ Migräne: mit Schmerzmitteln oder speziellen Migränemitteln, sogenannten Triptanen. Da du weißt, wann die Migräneattacke vermutlich auftreten wird, kannst du dich darauf vorbereiten. Du musst Migräne-Schmerzen nicht einfach aushalten.
Menstruelle Migräne: unterdiagnostiziert und untertherapiert
Studien zeigen, dass circa die Hälfte aller Menstruierenden regelmäßig während der Monatsblutung unter Spannungskopfschmerzen oder Migräneattacken leiden. Bei ungefähr 60% der Patient:innen mit Migräne treten laut einer großen Studie die Attacken gehäuft rund um die Monatsblutung auf. Trotzdem ist die menstruelle Migräne eine deutlich unterdiagnostizierte Erkrankungsform. Oft vergehen viele Jahre bis die behandelnden Ärzt:innen den Zusammenhang zwischen dem Menstruationszyklus und den Migräneattacken erkennen. Problematisch daran ist, dass die richtige Diagnose auch die Voraussetzung für eine adäquate Behandlung darstellt. Darum erleiden Frauen mit menstrueller Migräne oft unnötigerweise jahrelang schwere Attacken, obwohl wirksame Therapien mittlerweile erprobt und verfügbar sind. Damit reiht sich die menstruelle Migräne in die Riege unterdiagnostizierter und wenig bekannter zyklus-assoziierter Erkrankungen, wie Endometriose oder polyzystisches Ovar-Syndrom (PCOS), ein.
Menstruelle Migräne-Attacken unterscheiden sich in der Symptomatik nicht grundlegend von Attacken außerhalb des “Menstruationsfensters”. Allerdings verlaufen die menstruellen Attacken meist schwerer, sind häufiger von Übelkeit und Erbrechen begleitet und dauern länger an (nicht selten 2-3 Tage). Außerdem sprechen sie schlechter auf eine medikamentöse Akutbehandlung an. So kommt es z.B. nach der Einnahme von Triptanen meist zu einem sogenannten Wiederkehrkopfschmerz. Studien zeigen auch zunehmend den hohen Leidensdruck und die starken Einschränkungen der betroffenen Frauen im Alltag, bei der Kinderbetreuung und im Berufsleben hin. Dabei scheinen prämenstruelle Attacken, welche 1-2 Tage vor Beginn der Menstruation auftreten, am schwersten zu verlaufen.
Die Menstruation ist der meistverbreitete Trigger von Migräneattacken bei Menstruierenden. Grund dafür scheint der prämenstruelle Abfall, und somit die starke Veränderung des Östrogenspiegels zu sein. Dabei ist nicht der absolute Wert des Östrogenspiegels von Bedeutung, sondern die Höhe der hormonellen Veränderung. Zum Beispiel zeigt sich während der Schwangerschaft eine deutliche Verbesserung der Migräneerkrankung ab dem vierten Monat. Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Östrogenspiegel eingependelt. Allerdings kommt es wiederum im Wochenbett, nach dem postnatalen Abfall des Östrogenspiegels, zu einer erhöhten Attackenwahrscheinlichkeit.
Für viele ein Grund zu Hoffnung: Nach der Menopause pendelt sich der Östrogenspiegel auf einem neuen, niedrigen Niveau ein und die Attacken verschwinden nicht selten ganz.
Fazit
Menstruationsassoziierte Migräne ist eine komplexe Erkrankung, die durch hormonelle Schwankungen, Entzündungen und andere Faktoren beeinflusst wird. Eine angepasste Ernährung, die den Blutzucker stabilisiert, Histamin reduziert und den Hormonhaushalt unterstützt, kann helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. In Kombination mit anderen Behandlungsstrategien wie Medikamenten, Entspannungstechniken und Bewegung können Betroffene ihre Lebensqualität deutlich verbessern. Es ist wichtig, sich von einem Arzt oder einer Ärztin beraten zu lassen, um die individuell passende Therapie zu finden.
Treten Migräneattacken und die Periode gehäuft zusammen auf, bezeichnet man das als menstruelle Migräne. Obwohl diese Erkrankungsform stark unterdiagnostiziert ist, berichten mehr als die Hälfte der migränebetroffenen Frauen, dass ihre Attacken gehäuft mit der Menstruation zusammenfallen. Bei der Diagnose wird zwischen zwei Typen unterschieden: Der rein menstruellen Migräne (Attacken ausschließlich zwei Tage vor oder während der Periode) sowie der menstruationsassoziierten Migräne. Bei der letzteren treten die Attacken ebenfalls häufig während der Blutung auf, können aber zusätzlich auch zu anderen Zeitpunkten des Zyklus auftreten. Ein Absinken des Östrogenspiegels zu Beginn der Periode steht im Verdacht, die Migräneattacken auszulösen.
Menstruelle Migräneattacken verlaufen oft schwerer, sind häufiger von Übelkeit und Erbrechen begleitet und dauern länger an. Viele Betroffene berichten außerdem, schlechter auf medikamentöse Akutbehandlungen anzusprechen.
Zur Prophylaxe von Migräne gibt es verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Ansätze. Einer davon ist die Regulation des Blutzuckers, da starke Blutzuckerschwankungen Migräneattacken triggern können. Mit der digitalen Gesundheitsanwendung sinCephalea kannst du herausfinden, welche Lebensmittel deinen Blutzucker niedrig und stabil halten und so die Häufigkeit und Intensität deiner Migräneattacken reduzieren. Die Kosten werden von deiner Krankenkasse übernommen.
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