Gehirnmetastasen-Bestrahlungstherapie: Ein umfassender Überblick

Die Behandlung von Hirnmetastasen, also Tochtergeschwülsten im Gehirn, die sich von einem Primärtumor aus gebildet haben, ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Faktoren abhängt. Dazu gehören die Lage, Größe und Anzahl der Metastasen, die Art und das Stadium des Primärtumors sowie der Allgemeinzustand des Patienten. Ziel der Behandlung ist es, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder im besten Fall zu stoppen und die Lebensqualität zu verbessern.

Entstehung und Diagnose von Hirnmetastasen

Wenn Krebszellen vom Primärtumor über das Blut- oder Lymphsystem ins Gehirn wandern, sich dort ansiedeln und vermehren, entstehen Hirnmetastasen. Häufige Primärtumoren, die zu Hirnmetastasen führen, sind Brustkrebs (Mammakarzinom), Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) und schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom). In einigen Fällen (10-20%) bleibt der Primärtumor jedoch unbekannt.

Die Diagnose von Hirnmetastasen erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT). Diese Methoden ermöglichen es, die Metastasen sichtbar zu machen und ihre Lage, Größe und Anzahl zu bestimmen. Im Rahmen einer neurologischen Untersuchung suchen Ärzte nach Anzeichen für erhöhten Hirndruck oder Störungen der Bewegungen, Reflexe sowie des Denkens, der Wahrnehmung oder Aufmerksamkeit (kognitive Beeinträchtigungen).

In unklaren Fällen oder wenn der Primärtumor unbekannt ist, kann eine Biopsie durchgeführt werden. Dabei werden Gewebeproben aus dem verdächtigen Bereich entnommen und im Labor untersucht, um die Art der Krebszellen zu bestimmen und den Ursprung des Tumors zu identifizieren. Das Vorhandensein oder Fehlen besonderer Merkmale von Krebszellen (molekularbiologische Marker) lässt sich anhand der Gewebeprobe nachweisen, was für die Therapie von Bedeutung sein kann.

Behandlungsmöglichkeiten von Hirnmetastasen

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Hirnmetastasen, die je nach individueller Situation des Patienten eingesetzt werden. Zu den wichtigsten Therapieoptionen gehören:

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Medikamentöse Therapie

Medikamente spielen eine wesentliche Rolle bei der Behandlung von Hirnmetastasen, insbesondere bei Brustkrebs. Es werden die gleichen Arzneimittel eingesetzt, die auch bei der Behandlung von Metastasen in anderen Organen aufgrund einer Brustkrebserkrankung helfen können. Diese Medikamente greifen die Krebszellen an verschiedenen „Schwachpunkten“ an, blockieren Signalwege, die für die Teilung und Vermehrung der Krebszellen wichtig sind, oder aktivieren das Immunsystem, damit es wieder selbst gegen die Krebszellen vorgeht.

Zielgerichtete Therapien, wie Tyrosinkinase-Inhibitoren oder Immuncheckpoint-Inhibitoren, greifen gezielt in die Stoffwechselprozesse der Tumorzellen ein und unterbinden dadurch ihre Ausbreitung im Körper. Bei einigen Krebsarten, wie HER2-positivem Brustkrebs oder nicht-kleinzelligem Lungenkrebs mit bestimmten Mutationen, sind zielgerichtete Therapien bereits das Mittel der Wahl.

Bei hormonempfindlichen Tumoren, wie Brustkrebs, kann eine Antihormontherapie wirksam sein, um das Wachstum der Metastasen zu hemmen. Die Chemotherapie kann ebenfalls eingesetzt werden, jedoch kann die Blut-Hirn-Schranke verhindern, dass genügend Zytostatika die Hirnmetastasen erreichen.

Kortison und Antiepileptika

Hirnmetastasen können ein Hirnödem und Schwellungen verursachen, was zu erhöhtem Hirndruck führt. Um den Hirndruck zu senken, werden Steroide (Kortison) eingesetzt, die das Hirnödem vermindern und die Symptome verbessern können.

Bei Patienten, die aufgrund der Hirnmetastasen epileptische Anfälle erleiden, können Antikonvulsiva (Antiepileptika) helfen, die Anfälle zu kontrollieren.

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Operation

Eine Operation kommt vor allem dann in Frage, wenn es sich um wenige, große und abgegrenzte Metastasen handelt, da sie sich relativ gut chirurgisch entfernen lassen. Die Operation dient einerseits zur Diagnostik, um die besonderen Eigenschaften der Krebszellen zu bestimmen, und andererseits zur Therapie von Hirnmetastasen.

Durch die Operation kann die Überlebenszeit verlängert und die Lebensqualität verbessert werden. Allerdings ist die Operation von Hirnmetastasen ein Eingriff im äußerst empfindlichen Gehirn, der mit Risiken wie Hirnschwellung, Blutungen oder Funktionsstörungen des Gehirns behaftet ist.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist eine wichtige Behandlungsmethode bei Hirnmetastasen. Sie kann zusätzlich oder alternativ zur Operation durchgeführt werden. Bei der Strahlentherapie werden entartete Zellen geschädigt, sodass Wachstum und Ausbreitung gemindert werden. Es gibt verschiedene Formen der Strahlentherapie:

Stereotaktische Bestrahlung (Radiochirurgie)

Bei der stereotaktischen Bestrahlung werden einzelne Metastasen zielgenau und intensiv bestrahlt. Die Radiochirurgie wird vor allem bei wenigen und kleinen Hirnmetastasen, aber auch bei inoperablen Hirnmetastasen eingesetzt. Sie ist eine sehr präzise Bestrahlungsmethode, die auch als „Operation ohne Messer“ oder „Operation mit Strahlen“ bezeichnet wird. Dabei wird die gesamte Strahlendosis als Einzeldosis verabreicht.

Die Radiochirurgie kann eine Alternative zur OP von Hirnmetastasen sein und wirkt sowohl bei strahlenempfindlichen als auch bei strahlenunempfindlichen Tumoren. Im Vergleich zur Operation besitzt sie einige Vorteile. Die Radiochirurgie lässt sich zum Beispiel in folgenden Fällen einsetzen:

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  • Singuläre Hirnmetastase
  • Solitäre Hirnmetastase
  • Oligometastasierung (wenige Hirnmetastasen, die kleiner als 2,5 Zentimeter sind)
  • Nach der Entfernung einer großen, raumfordernden Metastase
  • Keine oder stabile weitere Metastasen
  • Kleine, tieferliegende Veränderung
  • Veränderungen, die operativ schlecht zugänglich sind
  • Geringer raumfordernder Effekt der Metastase
  • Rezidivmetastase
  • Bei gutem Allgemeinzustand
  • Bei internistischen Risikofaktoren

Ganzhirnbestrahlung

Die Bestrahlung des gesamten Gehirns (Ganzhirnbestrahlung) ist meist die Standardtherapie bei mehreren (multiplen) Hirnmetastasen. Sie wird meist in folgenden Fällen eingesetzt:

  • Als erste Behandlung bei Patienten mit ungünstigen Prognosefaktoren oder multiplen Metastasen, die sich weder mittels Neurochirurgie noch Radiochirurgie behandeln lassen.
  • Unterstützend nach einer operativen Entfernung der Metastase oder nach einer radiochirurgischen Behandlung.

Die Ganzhirnbestrahlung kann die neurologischen Symptome und die Lebensqualität verbessern. Allerdings kann sie auch Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Schäden am Nervensystem verursachen.

Moderne Techniken und Geräte

Moderne Techniken und Geräte ermöglichen eine präzisere und schonendere Bestrahlung von Hirnmetastasen. Dazu gehören:

  • Leksell Gamma Knife: Ermöglicht die Behandlung von Hirnmetastasen oft in einer einzigen Sitzung.
  • CyberKnife und ZAP-X-Therapie: Robotergeführte, radiochirurgische Therapien, die eine hochpräzise Applikation der Therapie ermöglichen.
  • Multiple Brain Mets Tool und ExacTrac-System von BRAINLAB: Innovative Systeme für die stereotaktische Bestrahlung.
  • Hippocampus-aussparende Bestrahlung: Eine moderne Technik, die gezielt die Gedächtnisregionen schont, um Nebenwirkungen zu reduzieren.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Behandlung von Hirnmetastasen sollte in einem interdisziplinären Behandlungsteam erfolgen. Dabei arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen eng zusammen, um für jeden Patienten individuell die bestmögliche und am wenigsten belastende Therapie festzulegen. Zu den Spezialisten dieser Teams zählen beispielsweise Neurochirurgen, Neurologen, Neuroradiologen, Onkologen und Radioonkologen.

Prognose und Lebensqualität

Die Prognose von Patienten mit Hirnmetastasen ist im Allgemeinen ungünstig, hat sich aber dank moderner Therapien verbessert. Moderne Therapien ermöglichen es, den Krebs gut zu beherrschen und die Lebensqualität der Patienten zu erhalten oder zu verbessern.

Wichtig für die Prognose sind unter anderem die Kontrolle des ursächlichen Krebsleidens und ein langer Zeitraum zwischen der Diagnose des Primärtumors und der Hirnmetastase.

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