Manche Menschen scheinen ein Talent dafür zu haben, uns auf die Palme zu bringen. Ob es die chronische Unpünktlichkeit eines Kollegen, die Besserwisserei eines Bekannten oder das ständige Jammern eines Familienmitglieds ist - der Umgang mit solchen Personen kann sehr frustrierend sein. Doch es gibt Strategien, um einen kühlen Kopf zu bewahren und die Nerven zu schonen.
Die Kunst der Gelassenheit
Der erste Schritt im Umgang mit nervigen Menschen ist, selbst ruhig zu bleiben. Wenn Sie sich provozieren lassen und in eine hitzige Diskussion einsteigen, begeben Sie sich auf das gleiche Niveau wie Ihr Gegenüber. Versuchen Sie stattdessen, sich nicht von dem Verhalten beeinflussen zu lassen. Atmen Sie tief durch, wechseln Sie das Gesprächsthema oder ziehen Sie sich aus der Situation zurück.
Grenzen setzen: So wahren Sie Ihre Privatsphäre
Nervige Menschen haben oft kein Gespür für Distanz und stellen ungefragt private Fragen. Hier ist es wichtig, klare Grenzen zu setzen. Kommunizieren Sie deutlich, wenn Ihnen etwas unangenehm ist. Sagen Sie offen, dass Sie Privates nur mit Ihren engsten Freunden oder der Familie besprechen.
Klartext reden: Direkte Kommunikation als Lösung
Manchmal merken nervige Menschen gar nicht, wie anstrengend sie für andere sind. In solchen Fällen hilft nur Klartext. Kommunizieren Sie offen, dass Sie gerade keine Zeit für Smalltalk haben, in Ruhe gelassen werden wollen oder gehen müssen.
Nervige Kollegen im Job: Strategien für den Arbeitsalltag
Die schlechte Nachricht: Nervige Kollegen gibt es in fast jedem Job. Je größer das Team, desto wahrscheinlicher ist es, dass mindestens eine Person Ihre Nerven auf die Probe stellt. Schuld daran sind oft unterschiedliche Persönlichkeiten, Arbeitsweisen sowie Einschätzungen und Erwartungen an die Zusammenarbeit. Wichtig ist: Nervige Kollegen haben meist keine böse Absicht.
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Die verschiedenen Typen nerviger Kollegen und wie man mit ihnen umgeht:
- Der Unpünktliche: Termine und Deadlines sind für ihn nur Vorschläge. Hier helfen nur klare Grenzen. Akzeptieren Sie Verspätungen nicht stillschweigend, da dies den Kollegen nur weiter bestätigt.
- Der Besserwisser: Er versucht, sich in Szene zu setzen und andere kleiner zu machen. Ignorieren Sie seine ungefragten Einwände oder hinterfragen Sie diese bis ins kleinste Detail.
- Der Hilfsbedürftige: Er kann nichts alleine und bittet ständig um Hilfe, ohne es selbst zu versuchen. Lassen Sie ihn auch einmal hängen, damit er lernt, seine Probleme selbst zu lösen.
- Der Rampensau: Er drängt sich in den Vordergrund und will die Lorbeeren für die Arbeit des gesamten Teams ernten. Sorgen Sie für eine sofortige Klarstellung und Korrektur, indem Sie betonen, dass es sich um eine Teamleistung handelt.
- Der Choleriker: Er rastet aus und verliert die Kontrolle über sich selbst. Warten Sie den Wutanfall ab und suchen Sie anschließend ein Vier-Augen-Gespräch, in dem Sie deutlich machen, dass dieses Verhalten nicht akzeptabel ist.
- Der Faule: Während alle anderen im Stress sind, sitzt er faul an seinem Platz. Stellen Sie ihn bloß, damit seine Nichtleistung auffällt.
- Der Schleimer: Er biedert sich beim Chef an und versucht, von der guten Beziehung zur Führungskraft zu profitieren. Machen Sie es ihm nicht nach, sondern punkten Sie mit Engagement und Leistung.
- Der Angeber: Er erzählt ständig von seinen Erfolgen, egal ob es jemanden interessiert oder nicht. Ignorieren Sie ihn oder berichten Sie von noch größeren Erfolgen.
- Der Intrigant: Er streut Gerüchte und versucht, das Team gegeneinander aufzubringen. Meiden Sie den Kontakt und liefern Sie ihm keine Angriffsfläche.
- Der Nörgler: Er ist grundsätzlich gegen alles und blockt alles ab. Endlose Diskussionen bringen meist wenig.
Schwierige Zeitgenossen: Selbstschutz und innere Stärke
Egal ob dreiste Kunden, ignorante Chefs oder meckernde Kollegen: Schwierige Zeitgenossen können einem den letzten Nerv rauben. Um sich gegen diese zu wappnen, sollten Sie sich selbst stärken und erkennen, was die eigenen Bedürfnisse sind.
Zusätzliche Tipps für den Umgang mit nervigen Menschen:
- Vermeiden Sie Konfrontationen: Gehen Sie schwierigen Menschen aus dem Weg, wann immer es möglich ist. Halten Sie die Kontakte kurz und selten.
- Ignorieren Sie nerviges Verhalten: Lassen Sie sich nicht auf Provokationen ein. Versuchen Sie, das Verhalten des Gegenübers zu ignorieren.
- Bleiben Sie ruhig und gelassen: Bewahren Sie auch in emotional schwierigen Situationen einen kühlen Kopf. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, Dinge zu sagen, die Sie später bereuen.
- Nehmen Sie Verbalattacken nicht persönlich: Nörglerische, pessimistische und besserwisserische Menschen wollen oft nur, dass andere mitleiden oder sich dumm vorkommen.
- Zeigen Sie Mitgefühl und Empathie: Versuchen Sie, sich in Ihr Gegenüber hineinzuversetzen. Das hilft, schwieriges Verhalten zu tolerieren.
- Bleiben Sie sachlich: Um eine verfahrene Gesprächssituation nicht eskalieren zu lassen, ist es wichtig, dass Sie ruhig und sachlich bleiben. Greifen Sie die Person nicht an, machen Sie keine Vorwürfe und beschimpfen Sie sie nicht.
- Fragen Sie nach dem Zweck des Verhaltens: Um eine bessere Beziehung zu schwierigen Menschen aufzubauen, ist es zielführender, nach dem Zweck für das Verhalten und nicht nach dem Grund zu fragen.
- Stehen Sie zu Ihren Positionen und ziehen Sie Grenzen: Machen Sie sich nicht klein und zeigen Sie Stärke, indem Sie innerlich ruhig und sachlich mit der Situation umgehen.
- Hinterfragen Sie Ihre eigenen "Sollen-Sätze": Die Eigenschaften, die uns an schwierigen Menschen am meisten nerven, sind oft unsere eigenen Triggerpunkte.
- Signalisieren Sie Verständnis, geben Sie aber Ihre Ziele nicht auf: Es geht nicht darum, wer Recht hat, oder wer gewinnt und wer verliert.
Strategien für den Arbeitsplatz:
- Bei sich bleiben: Wir können andere Menschen nicht so einfach verändern. Es ist leichter, selbst etwas anders zu machen und damit vielleicht auch bei unseren Mitmenschen ein neues Verhalten anzuregen.
- Eigene Verzerrungen erkennen: Wir alle neigen zu verzerrten Wahrnehmungen, erst recht wenn die Situation schon aufgeladen ist. Seine eigenen Wahrnehmungsfehler zu kennen kann manchem Konflikt vorbeugen.
- Perspektiven wechseln: Viele Missverständnisse entstehen, weil wir davon ausgehen, dass unser Gegenüber die Sachlage doch genauso sehen sollte wie wir selbst. Es hilft daher, den eigenen Fokus stets zu hinterfragen.
- Den Feierabend leben: Wenn am Arbeitsplatz emotionales Chaos herrscht, ist es wichtig, in der Freizeit die Zügel in die Hand zu nehmen.
- Sich Luft machen: Besprechen Sie einen Konflikt mit einer außenstehenden Person, um den Stresslevel zu senken.
- Grenzen setzen: Reduzieren Sie die Zusammenarbeit und die Kommunikation auf das Allerwichtigste, wenn die Interaktion mit einer Mitarbeiterin zu sehr aufregt.
- Die Reißleine ziehen: Wenn alle Stricke reißen und die Situation unerträglich wird, kann die Kündigung ein letzter Ausweg sein.
Weitere Techniken für den Umgang mit nervigen Menschen:
- Verständnis-Vorschuss gewähren: Versuchen Sie, nervigen Menschen einen Verständnis-Vorschuss zu gewähren, um das Verhalten nicht persönlich zu nehmen.
- Höflich Grenzen setzen: Wenn andere eine Ihrer roten Linien überschreiten, setzen Sie höflich Grenzen und liefern Sie einen nachvollziehbaren Grund.
- Emotionale Distanz schaffen: Bringen Sie eine größtmögliche emotionale Distanz zwischen sich und die Nervensäge und lenken Sie die Perspektive auf das Gegenüber.
- Zum Anlass des Gesprächs zurückfinden: Versuchen Sie, bei abschweifenden Erzählern zum Anlass des Gesprächs zurückzufinden.
- Mini-Auszeit schaffen: Gönnen Sie sich eine Mini-Auszeit, wenn Sie am liebsten platzen möchten.
- Unterschiede in den Persönlichkeiten erkennen: Machen Sie sich Unterschiede in den Persönlichkeiten klar, um vermeintliche Nervensägen von echten zu unterscheiden.
- Gemeinsamkeiten suchen: Suchen Sie bewusst nach einer Gemeinsamkeit mit der Person.
- Verhalten spiegeln: Tun Sie es der Person einfach nach, wenn sie unverschämt oder übergriffig ist.
- Situation humorvoll betrachten: Betrachten Sie die Szene, als wäre sie einem Sketch entsprungen, um Distanz zu gewinnen und gelassener mit der Situation umgehen zu können.
Umgang mit Arroganz:
- Eigene Reaktion reflektieren: Fragen Sie sich ehrlich, was Sie an der arroganten Person stört und welche Gefühle sie in Ihnen auslöst.
- Sich in die arrogante Person hineinversetzen: Denken Sie darüber nach, woher die arrogante Person kommt und welche Ursachen ihre Arroganz hat.
- Nicht auf Provokationen reagieren: Lassen Sie sich nicht auf die persönliche Ebene ein und reagieren Sie nur auf fachlicher Ebene.
- Grenzen setzen: Sprechen Sie in Ich-Botschaften aus, was Sie stört, und machen Sie Ihre Grenzen deutlich.
- Kontakt reduzieren: Sorgen Sie für sich selbst und reduzieren Sie den Kontakt, wenn es logistisch möglich ist.
- Verbündete suchen: Finden Sie heraus, wem es ähnlich ergeht, und verbünden Sie sich.
Strategien gegen Nervensägen im Berufsleben:
- Konsequent alle Auffälligkeiten ignorieren: Tun Sie so, als hätten Sie das nervige Verhalten des anderen gar nicht bemerkt.
- Reden lassen und auf Durchzug schalten: Werfen Sie nur gelegentlich ohne viel Nachdenken etwas ein.
- So tun, als würden Sie’s nicht verstehen: Stellen Sie sich absichtlich ahnungslos, naiv oder dumm.
- Anerkennen und direkt zurückgeben: Versichern Sie, dass Sie zustimmen, und geben Sie die Verantwortung zurück.
- Ohne schlechtes Gewissen auflaufen lassen: Verweigern Sie sich jeder Vereinnahmung.
- Absichtlich eskalieren lassen: Flippen Sie eindrucksvoll gespielt aus.
- Durch Beschäftigung zum Schweigen bringen: Verteilen Sie Aufgaben an unterbeschäftigte Nervensägen.
- Die weitere Zusammenarbeit ablehnen: Erklären Sie, mit einer bestimmten Nervensäge nicht mehr zusammenzuarbeiten.
- Darauf vertrauen, dass sie sich selbst erledigen: Vertrauen Sie auf eine langfristige Gerechtigkeit.
Wie wird man nervige Menschen los?
- Spontane Berührung: Stellen Sie eine spontane Frage und berühren Sie die Person am Arm oder der Schulter.
- Merkwürdige Gegenfrage: Fragen Sie etwas, was überhaupt nicht zum Thema passt.
- Authentisches Abblocken: Blocken Sie private Fragen authentisch und ruhig ab.
- Offen sein: Spielen Sie den Ball zurück und fragen Sie, was dem anderen selbst helfen könnte.
- Direkt fragen: Fragen Sie den Besserwisser direkt, was er mit seiner Aussage genau meint.
- Konsequentes Abblocken: Zeigen Sie Zeit-Belegern ein Stoppschild.
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