Schlaganfall: Ursachen, Behandlung und Prävention

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen und Hauptverursacher von bleibenden Schäden des Gehirns in Deutschland. Jedes Jahr erleiden mehr als 300.000 Menschen hierzulande einen Schlaganfall, was bedeutet, dass etwa alle zwei bis drei Minuten ein Mensch betroffen ist. Um die Überlebenschancen zu erhöhen und Folgeeinschränkungen zu minimieren, ist es entscheidend, dass Betroffene schnellstmöglich notärztlich versorgt und in spezialisierten Schlaganfalleinheiten (Stroke Units) behandelt werden.

Was ist ein Schlaganfall?

Der Begriff Schlaganfall ist ein medizinischer Oberbegriff für eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn, auch Hirnschlag genannt. Diese Störung kann entweder durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verursacht werden, das ein Hirngefäß verstopft, oder durch eine Hirnblutung, bei der ein Hirngefäß platzt. In beiden Fällen werden die betroffenen Hirnareale nicht mehr ausreichend mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was zu einer Beeinträchtigung der Hirnfunktion führt.

Henrik Blankenburg erlitt im Winter 2019 mehrere Schlaganfälle. Er wachte mit unbeschreiblichen Kopfschmerzen auf und stellte fest, dass seine rechte Körperhälfte gelähmt war. Zudem konnte er nicht mehr richtig sprechen. Im Krankenhaus wurde eine Basilaristhrombose festgestellt, eine Verstopfung der Arteria basilaris, die das Gehirn mit Blut versorgt.

Ursachen und Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Bluthochdruck: Erhöhter Blutdruck schädigt die Gefäßwände und begünstigt die Entstehung von Blutgerinnseln.
  • Diabetes: Diabetes mellitus führt zu Gefäßschäden und erhöht das Risiko für Atherosklerose (Arterienverkalkung).
  • Hohe Cholesterinwerte: Ein hoher Cholesterinspiegel im Blut kann zur Ablagerung von Plaques in den Arterien führen, was die Durchblutung beeinträchtigt.
  • Psychische Faktoren: Depressionen und Stress können das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen.
  • Bewegungsmangel: Mangelnde körperliche Aktivität verstärkt viele der genannten Risikofaktoren.

PD Dr. Michael Gliem, Oberarzt an der Klinik für Neurologie der Uniklinik Düsseldorf, betont, dass bereits ein wenig mehr Bewegung helfen kann, das Schlaganfallrisiko zu verringern, insbesondere bei Menschen, die bisher kaum Sport getrieben haben.

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Symptome eines Schlaganfalls

Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich auf und können vielfältig sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Plötzlich auftretende Seh-, Sprach- und Sprachverständnisstörungen
  • Lähmungen oder Taubheitsgefühle, meist einseitig
  • Hängender Mundwinkel
  • Schwindel
  • Sehr starke Kopfschmerzen

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Symptome gleichzeitig auftreten müssen. Jedes dieser Symptome sollte ernst genommen und umgehend notärztliche Hilfe gerufen werden.

Diagnose und Behandlung

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist eine schnelle Diagnose entscheidend. Im Krankenhaus werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die Ursache und das Ausmaß der Durchblutungsstörung festzustellen. Dazu gehören:

  • Computertomographie (CT): Eine CT-Aufnahme des Gehirns kann eine Blutung oder einen Infarkt darstellen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist noch genauer als die CT und kann auch kleinere Veränderungen im Gehirn erkennen.
  • Ultraschall-Diagnostik: Mittels Ultraschall können die Blutgefäße untersucht und Engstellen (Stenosen) festgestellt werden.

Die Behandlung eines Schlaganfalls hängt von der Ursache ab. Bei einem durch ein Blutgerinnsel verursachten Schlaganfall kann versucht werden, das Gerinnsel medikamentös aufzulösen (Lyse) oder es mit einem Katheter zu entfernen. Bei einer Hirnblutung liegt der Fokus auf der Stabilisierung des Patienten und der Kontrolle der Blutung.

Im Fall von Henrik Blankenburg wurde das Blutgerinnsel medikamentös aufgelöst, um die Durchblutung des Gehirns wiederherzustellen. Anschließend wurde er zur weiteren Überwachung und Behandlung auf die Intensivstation verlegt.

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PD Dr. John-Ih Lee, Neurologe und Oberarzt an der Uniklinik Düsseldorf, erklärt, dass in manchen Fällen auch Stents eingesetzt werden können, um verschlossene oder stark verengte Gefäße offen zu halten.

Rehabilitation

Nach der Akutbehandlung ist die Rehabilitation ein wichtiger Bestandteil der Genesung nach einem Schlaganfall. Ziel der Rehabilitation ist es, die verloren gegangenen Fähigkeiten wiederzuerlangen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Rehabilitation kann verschiedene Therapieformen umfassen, darunter:

  • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination
  • Ergotherapie: Zur Förderung der Selbstständigkeit im Alltag
  • Sprachtherapie: Zur Verbesserung der Sprach- und Kommunikationsfähigkeit
  • Neuropsychologie: Zur Behandlung von kognitiven Störungen

Henrik Blankenburg konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben, hat aber dank der schnellen Reaktion seiner Frau und des Teams der Uniklinik Düsseldorf sowie der anschließenden Rehabilitation wieder ein gutes Leben. Er hat jedoch Folgen an seinem rechten Arm zurückbehalten, wo er Druck und Berührungen nicht mehr so gut spürt.

Prävention

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die jeder ergreifen kann, um das Risiko eines Schlaganfalls zu verringern:

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann helfen, den Blutdruck und den Cholesterinspiegel zu senken.
  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität hilft, das Gewicht zu kontrollieren, den Blutdruck zu senken und das Herz-Kreislauf-System zu stärken.
  • Nichtrauchen: Rauchen schädigt die Gefäße und erhöht das Risiko für Blutgerinnsel.
  • Alkohol in Maßen: Übermäßiger Alkoholkonsum kann den Blutdruck erhöhen und das Risiko für einen Schlaganfall steigern.
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Durch regelmäßige Check-ups beim Arzt können Risikofaktoren frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe betont im Rahmen des jährlichen "Tag gegen den Schlaganfall" die Bedeutung von Prävention und Aufklärung. Das Motto "Ein bisschen was geht immer!" soll Menschen dazu ermutigen, kleine Veränderungen in ihrem Lebensstil vorzunehmen, um ihr Schlaganfallrisiko zu senken.

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Schlaganfallnetzwerke

Um die Versorgung von Schlaganfallpatienten zu verbessern, haben sich im Großraum Düsseldorf unter der Koordination des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) acht Akutkliniken, fünf Geriatrien, vier Rehabilitationskliniken und zwei neurologische Arztpraxen zum Neurovaskulären Netzwerk Nordrhein plus (NEVANO+) zusammengeschlossen. Solche Netzwerke ermöglichen eine schnelle und koordinierte Behandlung von Schlaganfallpatienten. In Nordbayern wurde STENO gegründet, ein telemedizinischer Konsildienst, der 18 weitere Kliniken versorgt und in schwierigen Fällen die Verlegung ins Zentrum veranlassen kann.

Forschung und Innovation

Das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) ist eines der wichtigsten medizinischen Zentren in NRW und steht für internationale Spitzenleistungen in Krankenversorgung, Forschung und Lehre. Am UKD wird intensiv an neuen Methoden zur Diagnose, Therapie und Prävention von Schlaganfällen geforscht. Auch das Labor für Gehirn- und Sprachforschung der Freien Universität Berlin bietet im Rahmen von Studien Intensiv-Sprachtherapien für Patientinnen und Patienten mit chronischen Sprachstörungen nach Schlaganfall an.

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