Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der in Deutschland schätzungsweise 28 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer betroffen sind. Die Erkrankung zeichnet sich durch anfallsartige, meist einseitige Kopfschmerzen aus, die von Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden können. Ein besseres Verständnis der Migräne, ihrer Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten ist entscheidend, um Betroffenen zu helfen, ihr Leben trotz dieser Erkrankung aktiv zu gestalten.
Migräne: Was passiert im Körper?
Der Prozess, der die Migränesymptome auslöst, beginnt unter anderem in den Nervenzellen. Diese produzieren in bestimmten Situationen eine Überdosis von Botenstoffen - zum Beispiel Serotonin, die die Blutgefäße verengen und Entzündungsprozesse hemmen. Der Körper versucht nun, die Überdosis an Botenstoffen abzubauen - jedoch so stark, dass nur noch wenig Serotonin übrigbleibt. Das führt zu einer Weitung der Hirnhautgefäße; sie werden durchlässig für gewebefeindliche Stoffe. An den Gefäßen entstehen kleine Entzündungen. Gleichzeitig kann es durch die zunächst starke Anregung der Nervenzellen, gefolgt von einer Deaktivierung, zu einer Störung der Elektrolytkonzentration kommen. Insgesamt kommt es so zur Migräne. Die Betroffenen nehmen als Symptom dieses Vorgangs den typisch pochenden Kopfschmerz wahr, der meist von zusätzlichen Beschwerden wie Übelkeit begleitet wird.
Migräne-Anfälle: Ursachen und Häufigkeit
Leider sind die Ursachen für Migräne und akut auftretende Migräne-Anfälle noch nicht vollständig aufgeklärt. Die Wissenschaft vermutet jedoch, dass bei häufigen Migräneattacken genetische Faktoren eine Rolle spielen. Neueste medizinische Untersuchungen weisen zusätzlich darauf hin, dass ein Ungleichgewicht von neuronalen Botenstoffen im Gehirn ein Auslöser für Migräne sein könnte.
Die Häufigkeit von Migräneanfällen ist individuell sehr unterschiedlich. Einige Betroffene erleben die Attacken exakt einmal pro Woche, während sich bei anderen die Beschwerden verstärken und die Pausen zwischen den einzelnen Attacken länger werden, beispielsweise alle 14 Tage. Es gibt auch chronische Verläufe, bei denen über mindestens drei Monate hinweg an mindestens 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen auftreten.
Ursachen Migräne mit Aura
Wenn Sie von einer Migräne mit Aura betroffen sind, können Sie während einer Migräneattacke an verschiedenen Seh-, Gefühls- und sogar Sprachstörungen leiden. Menschen mit Migräne haben häufig eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde. Bei Migräne mit Aura wird zusätzlich oft eine verminderte Durchblutung in bestimmten Hirnregionen festgestellt. Daher wird angenommen, dass ein Sauerstoffmangel in den betroffenen Hirnarealen für die Migräne mit Aura verantwortlich sein könnte.
Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie
Migräne-Auslöser: Woher kommt meine Migräne?
Die genaue Ursache für einen Migräneanfall hängt in der Regel von mehreren Faktoren ab und kann sich deshalb auch in den Migräne-Symptomen unterscheiden. Auch welche Migräne-Auslöser oder Triggerfaktoren zu den starken Kopfschmerzen führen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Deshalb sollten immer Ihre persönlichen Lebensumstände bei der Migräne Diagnose berücksichtigt werden.
Erste Hinweise, ob es sich bei Ihren Kopfschmerzen um Migräne handeln könnte, gibt Ihnen unser hilfreicher Selbst-Check.
Häufige Triggerfaktoren für Migräne
Keine Migräne gleicht der anderen. Betroffene beschreiben deshalb häufig vollkommen unterschiedliche Trigger als Ursache für ihre Migräne. Oft besteht jedoch ein Zusammenhang mit einer plötzlichen Änderung der regulären Lebensgewohnheiten. Wenn man sich seiner persönlichen Migräne-Auslöser bewusst ist, kann einem diese Information dabei helfen, schneller auf eine Migräne zu reagieren. Im besten Fall kann dadurch sogar ein Migräneanfall verhindert, oder aber das Auftreten von Migräneattacken deutlich reduziert werden.
Migräne-Auslöser auf einen Blick
- Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (z. B. am Wochenende)
- Ernährung
- Stress
- Saunabesuch
- Wetterwechsel
- Hormonelle Schwankungen, insbesondere während der Menstruation
- Einnahme von Hormonpräparaten (z. B. die Pille)
- Psychische Belastung
Migräne-Auslöser: Psyche
Neben einer genetischen Disposition sind vor allem Stress und psychischer Druck die Hauptursache für Migräne. Kreisende Gedanken, Sorgen oder Ängste überfordern Körper und Geist und zeigen sich in Form von Anspannung und Kopfschmerz. In diesem Sinne ist das Auftreten von Migräne ein klares Warnsignal des Körpers mehr auf Ihre Bedürfnisse zu achten. Um Migräne-Anfälle zu verringern, ist es deshalb wichtig vermehrt auf Ihr Wohlbefinden Rücksicht zu nehmen und Ruhemomente im Leben zu schaffen, in denen Sie Stress abbauen und neue Energie und Kraft auftanken können. Achtsamkeitstraining, Entspannungsübungen und Yoga können zu einem Rückgang von Migräneattacken beitragen.
Migräne-Auslöser: Ernährung
Auch Ernährungsgewohnheiten und Veränderungen davon, können Migräneattacken auslösen. Dazu gehören zum Beispiel:
Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne
- Unregelmäßige Nahrungsaufnahme
- Alkoholkonsum, insbesondere Rotwein
- Kaffee
- Lebensmittelzusätze
- Diverse Nahrungsmittel wie z. B. Käse, Schokolade, Nüsse sowie Gewürze
- Zu wenig Wasser - 2L pro Tag sind empfohlen
Diese Faktoren sind jedoch von Patient zu Patient verschieden und müssen daher immer individuell betrachtet werden.
Was hilft bei Migräne?
Auch wenn Migränekopfschmerzen nur sporadisch auftreten, sind die heftigen Schmerzen, die Begleitsymptome und die lange Ausfalldauer für Betroffene extrem belastend. Leider ist eine Migräne - auch aufgrund der unklaren Entstehungsmechanismen - aktuell nicht heilbar. Zum Glück lassen sich aber immerhin die Symptome gut behandeln. Bei Verdacht auf eine Migräne, beziehungsweise auch nach Sicherung der Diagnose, sollten Sie sich zunächst in einer ärztlichen Praxis beraten lassen. Die Therapiemethoden sind vielfältig und für verschiedene Menschen eignen sich oft unterschiedliche Ansätze - von Medikation über Prävention bis hin zu Hausmitteln hilft bei Migräne vieles.
Migräne behandeln: medikamentöse Hilfe
Grundsätzlich unterscheidet sich die Behandlung der Kopfschmerzen als Hauptsymptom der Migräne nicht unbedingt von anderen Kopfschmerzarten wie Cluster-Kopfschmerzen. Auch hier eignen sich daher Schmerzmittel wie die Aspirin®-Produkte mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS). Als passende Dosis gelten 900 bis 1000 mg, also zwei Tabletten à 500 mg. Ebenso ratsam sind Präparate, in denen neben schmerzstillenden Wirkstoffen auch Koffein enthalten ist. Die Substanz hat selbst eine schmerzlindernde Wirkung und sorgt dafür, dass der Wirkstoff ASS schneller wirken kann. Aspirin® Coffein kombiniert beide Wirkstoffe und sorgt bei Migräne für akute Hilfe. Da Migränikerinnen und Migräniker oft nicht nur unter den Kopfschmerzen selbst leiden, sondern vor allem auch die Übelkeit schwer erträglich ist, können auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen zum Einsatz kommen.
Bei besonders heftigen Migräneattacken sind einfache Schmerzmittel nicht immer ausreichend wirksam. Dann können sogenannte Triptane Abhilfe schaffen. Auch diese Medikamente wirken als Akutbehandlung der Kopfschmerzen bei Migräneanfällen schmerzlindernd und können, wenn nötig, mit anderen Arzneimitteln zusammen eingenommen werden. Notwendig ist eine Behandlung mit Triptanen vor allem dann, wenn andere Schmerzmittel keine Wirkung zeigen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sie an höchstens zehn Tagen im Monat eingenommen werden dürfen, da sie sonst Kopfschmerzen durch Schmerzmittel-Übergebrauch verursachen können.
Der Migräne vorbeugen
Ähnlich wie bei vielen anderen Schmerzerkrankungen ist auch bei der Migräne Prävention möglich. Mit den richtigen Gewohnheiten oder der Einnahme von Medikamenten können Sie also aktiv dazu beitragen, seltener Migräneattacken zu bekommen. Welche Maßnahmen helfen können, hängt vor allem von den Migräne-Ursachen ab, die - wie beschrieben - sehr individuell sein können. So können Sie schwere Attacken reduzieren:
Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?
- Auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus achten
- Stress, Alkohol und Flüssigkeitsmangel möglichst vermeiden
- Regelmäßig essen
- Auf schnelle Wechsel von An- zu Entspannung verzichten
- Bewusste Pausen einplanen
Insbesondere bei chronischen Beschwerden mit mehr als drei Migräneanfällen pro Monat ist es auch möglich, präventive Medikamente einzunehmen. Häufig angewendete Mittel sind hierbei Betablocker oder bestimmte Antidepressiva. Eine solche medikamentöse Vorbeugung müssen Sie unbedingt bei einem Besuch in einer ärztlichen Praxis besprechen und begleiten lassen. Ebenfalls gut zu wissen: Die Prophylaxe wirkt nur bei regelmäßiger Einnahme und braucht etwa zwei Monate, bis sie anschlägt.
Akute Migräne - was tun?
Manchmal ist es trotz gesundem Lebensstil und vorbeugenden Maßnahmen zu spät und der Anfall ist da. Was hilft bei akuter Migräne? Diese Tipps sind häufig eine Hilfe bei Migräne:
- Ruhe und Dunkelheit: Migränebetroffene leiden während eines Anfalls oft unter Überempfindlichkeit. Vielen hilft es, sich dann in einen abgedunkelten, stillen Raum zurückzuziehen.
- Kühlung: Wie auch bei anderen Kopfschmerzarten ist ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage häufig eine akute Hilfe bei Migräne.
- Stimulation des Nervus trigeminus: Mithilfe eines speziellen Geräts, das auf die Stirn geklebt wird, kann der für Schmerz verantwortliche Nerv des Gesichts stimuliert werden, was die Schmerzen lindert.
Die schnellste Linderung von Migränekopfschmerzen ist allerdings durch die gezielte Einnahme von Schmerzmedikamenten zu erreichen. Die oben genannten Tipps können zusätzlich für Besserung sorgen.
Regelmäßige oder anhaltende Kopfschmerzen?
Eine der Eigenarten von Migräneattacken aus Sicht der Betroffenen ist, dass sie immer dann auftreten, wenn man sie gerade überhaupt nicht gebrauchen kann. So wenig vorhersehbar der individuelle Verlauf der Migräne ist, sie hält sich jedoch auch an Regeln: spätestens nach 72 Stunden ist die Migräne vorbei. Aber bedauerlicherweise gibt es auch von dieser Regel eine Ausnahme: den Status migraenosus. Mit diesem Begriff bezeichnet man Migräneattacken, die aus welchen Gründen auch immer länger als 72 Stunden anhalten. Befragt man Patienten, ob sie auch schon einmal derartig lange Migräneattacken durchlitten haben, dann wird die Mehrzahl dies bestätigen. Bei den meisten Betroffenen wird es sich um eine Ausnahme gehandelt haben. Bei einigen jedoch sind die langen, zermürbenden und kräftezehrenden Migräneattacken die Regel.
Ein häufiger Auslöser von langen Migräneattacken sind die hormonellen Veränderungen zum Zeitpunkt der Menstruation. Nach zwei bis drei Tagen mit Migräne, die sich mehr oder weniger gut behandeln ließen, klingen die Kopfschmerzen ab. Vielen Patienten steht eigentlich eine wirksame Attackenmedikation zur Verfügung, auf die sie sich meistens selbst bei schweren Attacken verlassen können. Immer wieder aber kommt es auch zu Attacken, in denen das sonst so wirkungsvolle Konzept versagt. Die erste Triptandosis bringt keinerlei Linderung, eine wider besseren Wissens doch eingenommene zweite Triptandosis verpufft auch ohne Wirkung. Man greift zu Schmerzmitteln, die sowieso noch nie wirklich geholfen haben und richtig, sie helfen auch jetzt wieder nicht. Es bleibt nur das Bett und die Hoffnung, dass die Migräne doch irgendwann von alleine abklingt.
Hier ist die Situation zunächst komplett entgegengesetzt. Die Migräne lässt sich gut durch die Medikation, meist ein Triptan, beenden, aber nur scheinbar. Mit Absinken des Triptanspiegels kehrt die Migräne nach 12 bis 24 Stunden wieder, ein Phänomen, das man als Wiederkehrkopfschmerz bezeichnet. Notgedrungen wiederholt man also die Triptaneinnahme (was ja einmal innerhalb von 24 Stunden im Rahmen der Anwendungsregeln möglich ist) und wieder funktioniert es: der Migräneschmerz klingt ab. Aber dieses Mal hält die Wirkung nicht mehr solange an. Die nächsten Stunden und Tage sind dann geprägt von einem Auf und Ab der Migräne. Durch immer neue Einnahmen von Schmerzmitteln und Triptanen kann zwar jeweils eine vorübergehende Besserung erreicht werden, die Wirkung wird jedoch immer geringer und hält immer kürzer an. Schmerzfreiheit wird nicht mehr erreicht, nur noch die Schmerzspitzen können gekappt werden. Das Schmerzbild wird immer weniger eindeutig, die schmerzfreien Zeiten nehmen kontinuierlich ab, die Schmerzen treten oft am frühen Morgen aus dem Schlaf heraus auf, die Widerstandskraft gegen die Migräne wird zunehmend weniger, die Stimmung wird gedrückt, der Schmerz erhöht Reizbarkeit, Anspannung, Energielosigkeit, der Antrieb und die Leistungsfähigkeit werden mehr und mehr reduziert. Irgendwann kommt dann der Moment, an dem nichts mehr hilft. Und wieder bleibt nur das Bett und die Hoffnung, dass die Migräne doch irgendwann von alleine abklingt.
Beim menstruationsassoziiertem Status migraenosus handelt es sich um ein vorhersehbares Ereignis, das damit gezielten vorbeugenden Maßnahmen zugänglich ist. Liegt keine Migräne mit Aura vor, kann versucht werden, den Hormonabfall, der diese Migräneattacke triggert, durch eine Hormongabe auszugleichen. Am einfachsten ist dies für Frauen, die sowieso eine hormonelle Kontrazeption mit einem Kombinationspräparat aus Östrogen und Gestagen durchführen. Anstatt die „Pille“ jeweils nach drei Wochen für sieben Tage zu pausieren, nimmt man sie als Langzyklus über 3 x 21 Tage oder 6 x 21 Tage durch. Dabei tritt die Regel und damit die menstruationsassoziierte Migräne damit nur noch alle drei bzw. sechs Monate auf. Ein alternatives Konzept ohne Einsatz von Hormonen sieht vor, ein langwirksames Triptan wie Naratriptan oder Frovatriptan oder das langwirksame Schmerzmittel Naproxen jeweils morgens und abends vorbeugend über eine Woche einzunehmen. Die Behandlung beginnt dabei zwei Tage vor erwartetem Auftreten des menstruationsassoziierten Status migraenosus.
Tritt ein Status migraenosus unabhängig vom menstrualem Zeitfenster auf, so kommen grundsätzlich alle üblichen medikamentösen und nichtmedikamentösen Optionen zur Migränevorbeugung in Betracht. Eine weitere Option zur Vermeidung eines Status migraenosus ist die primäre Vermeidung von Wiederkehrkopfschmerzen. Gerade bei alleiniger Gabe von Triptanen ist der Wiederkehrkopfschmerz substanzabhängig bei 25 bis 50% der Attacken zu beobachten. Vorbeugende Maßnahmen kommen zu spät, wenn ein Status migraenosus bereits eingetreten ist. Die Erfahrung zeigt, dass die Einnahme von Triptanen und/oder Schmerzmitteln im Status migraenosus mit jedem Tag weniger und kürzer wirksam ist und anstatt die Migräne zu beenden, verlängern die Medikamente die Attacke nur noch. Daher gilt die generelle Empfehlung, ab dem vierten Tage einer Migräne auf Schmerzmittel und Triptane zu verzichten. Auch wenn man es sich nicht vorstellen kann, die schnellste Art aus dem Status migraenosus herauszukommen, ist in dieser keine Akutmedikation wie Schmerzmittel oder Triptane mehr einzunehmen, die man bereits vorher eingenommen hat. Zielführender sind Medikamente gegen Übelkeit. Das rezeptfrei erhältliche Dimenhydrinat, u.a. unter dem Handelsnamen Vomex® A bekannt, bietet jetzt gegenüber MCP den Vorteil einer zusätzlich leicht müde machenden Wirkung. Diesen sogenannten sedierenden Effekt erreicht man auch mit schwach wirksamen Neuroleptika wie Promethazin oder Melperon, mit trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin, Doxepin oder Trimipramin. Im Ausnahmefall kann auch ein Beruhigungsmittel wie Diazepam erwogen werden, diese sollten jedoch wegen der möglichen Gewöhnungsproblematik sehr zurückhaltend eingesetzt werden. Die Substanzen sind durchweg rezeptpflichtig. Ziel ist letztlich über einen schmerzdistanzierenden Effekt dem Betroffenen zu ermöglichen, den Schmerz bewusstseinsfern zu halten, ohne ein Schmerzmittel oder ein Triptan nehmen zu müssen. Müdigkeit und Bettlägerigkeit muss dabei in Kauf genommen werden. Arbeitsfähigkeit wird verständlicherweise in dieser Phase nicht erreicht. Ein weiterer Therapieansatz ist, die dem Migräneschmerz zugrundeliegende Entzündung an den Blutgefäßen der Hirnhäute durch Gabe von Prednisolon oder anderen Kortison-Zubereitungen zu blockieren und damit dem Schmerz die biologische Grundlage zu nehmen. In der Notfallsituation wird das Kortison meist intravenös verabreicht, was den Vorteil eines relativ schnellen Wirkeintritts unter Umgehung der Aufnahme im Magen-Darmbereich bietet. Bei vielen Betroffenen führt aber auch die selbständige Einnahme von Prednisolon 50 bis 100 mg als Tablette zu einer Besserung innerhalb einer akzeptablen Zeitspanne. Gegebenenfalls kann die morgendliche Einnahme für zwei oder drei Tage wiederholt werden, bis die Entzündung ganz abklingt.
Notwendig ist jedoch immer eine individuelle Beratung und Untersuchung. Der jeweilige Verlauf und das Anfallsmuster müssen analysiert werden. Vorbeugende Maßnahmen müssen optimiert werden. Diese schließen Verhalten und ggf. auch Medikamente ein. Letztere können meist nur zielgerecht und verträglich wirken, wenn sie sachgerecht eingesetzt werden.
Chronische Migräne
Bei einigen Migränepatienten nehmen die Attacken über die Jahre hinweg so stark zu, dass sie fast jeden Tag unter Migräne leiden. Eine derart schwere Form hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebensqualität, da Betroffene häufig bei der Arbeit ausfallen oder am Familienleben weniger teilhaben können. Laut der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft ist eine Migräne chronisch, wenn an 15 und mehr Tagen pro Monat (über mehr als drei Monate hinweg) Kopfschmerzen auftreten. Wer nahezu jeden Tag unter Migräne leidet, kann seinen Alltag kaum noch bewältigen.
Diagnose und Behandlung
Nicht alle Symptome treten bei jedem Patienten auf. Bei der Diagnose muss der Arzt die Migräne von anderen Kopfschmerzen wie häufig auftretenden Spannungskopfschmerzen abgrenzen. Besonders die Einschätzung, ob die chronischen Kopfschmerzen auch Folge eines Schmerzmittelübergebrauchs sein können, stellt Ärzte oft vor eine Herausforderung. Denn die meisten Menschen, die sehr oft Migräne haben, greifen immer wieder zu Medikamenten, um die häufigen Schmerzen erträglicher zu machen. Daher ist ein ausführliches Patientengespräch äußerst wichtig, damit der Arzt die Diagnose stellen kann.
Zur Behandlung der chronischen Migräne sind verschiedene Schmerzmittel geeignet. Diese können bei einer sehr starken Migräne auch mit Triptanen kombiniert werden. Lassen Sie sich zur korrekten Einnahme von Medikamenten von Ihrem Arzt beraten, um einen Übergebrauch zu verhindern. Um das Hämmern im Kopf langfristig zu behandeln, ist ein Gesamtkonzept mit unterschiedlichen Herangehensweisen sinnvoll. Für die Prophylaxe mit Medikamenten sind u.a. Wirkstoffe aus der Klasse der Antidepressiva und Onabotulinumtoxin A, welches an verschiedenen Stellen im Kopf- und Nackenbereich injiziert wird, erhältlich. Zudem besteht die Möglichkeit, auf eine migränespezifische Antikörpertherapie zur Vorbeugung zurückzugreifen. Als Verhaltensmaßnahme bei chronischer Migräne raten viele Ärzte zu regelmäßigem Ausdauersport - dies soll ebenfalls verhindern, jeden Tag Migräne zu entwickeln. Achten Sie zudem darauf, Ihre persönlichen Migränetrigger zu vermeiden. Immer wieder berichten Patienten, dass ihnen der Einsatz von Hausmitteln oder Homöopathie geholfen hat. Mithilfe übergreifender Therapien kann die Anzahl der Kopfschmerztage bei chronischer Migräne deutlich reduziert werden.
Umgang mit Migräne im Alltag
Erfahrungsberichte von Betroffenen zeigen, wie wichtig es ist, die Diagnose möglichst schnell zu bekommen und gemeinsam mit dem Arzt das richtige Medikament zu finden, möglichst ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Es ist auch wichtig, sich nicht dem Leiden hinzugeben und zu meinen, dass man die Beschwerden aushalten muss. Wenn die allerersten Anzeichen einer Migräneattacke zu spüren sind, dann sollten nach Meinung vieler Betroffener auch die Medikamente genommen werden, ohne zu warten und zu zögern.
Viele Betroffene finden es hilfreich, in einer Selbsthilfegruppe aktiv zu sein. Es tut gut, mit Menschen zusammen zu sein, die ähnliche Probleme haben, sich mit ihnen auszutauschen und sich bei Bedarf auch mal zu trösten.