Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der fast 50 Millionen Menschen in Europa betroffen sind. Wiederholte Kopfschmerzattacken, die meist mit Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit einhergehen, schränken den Alltag der Betroffenen erheblich ein. Pharmahersteller forschen daher seit Jahren an prophylaktischen Therapiemöglichkeiten für sowohl die episodische als auch die chronische Migräne. Neben den etablierten Prophylaktika kommen zunehmend auch Schmerzinfusionen zum Einsatz, die eine schnelle und effektive Linderung der Symptome versprechen.
Medikamentöse Migräneprävention: Ein Überblick
Verschiedene Medikamente eignen sich für die Prävention von Migräne. In den meisten Fällen wird die Wirkung für etwa 6-12 Monate getestet. Hat sich die Attackenhäufigkeit reduziert und sind keine Nebenwirkungen aufgetreten, kann dieses Medikament weiter eingenommen werden. Die meisten Medikamente werden als Tablette eingenommen. Eine Ausnahme bilden die CGRP-Antikörper.
CGRP-Antikörper: Eine neue Ära in der Migräneprophylaxe
In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur die Wirksamkeit der CGRP-Antikörper, sondern auch ihre geringe Anzahl an Nebenwirkungen erwiesen. Diese werden mittels Injektion unter die Haut gespritzt (meist 1x im Monat) oder als Infusion (1x alle 3 Monate) verabreicht. Wie häufig eine Gabe mit dem Injektionspen notwendig ist, kann variieren.
Darreichungsformen von Migränemedikamenten
- Tablette: Dies ist eine unkomplizierte und selbstständige Einnahmemöglichkeit.
- Injektionspen: Dieser wird meist etwa einmal pro Monat angewendet. Die Spritze verabreichen sich Patient:innen selbst. Der Pen ist bereits mit dem Medikament in der korrekten Dosierung befüllt. Dieser wird auf die Haut (meistens am Bauch) aufgesetzt. Anschließend wird oben, wie bei einem Kugelschreiber, abgedrückt. Dadurch gelangt das Medikament über eine kleine Nadel unter die Haut. Im Anschluss sichert sich der Injektionspen automatisch, sodass Sie sich nicht unbeabsichtigt damit stechen können. Ein Injektionspen ist eine Art Spritze, mit der die Medikamentengabe erleichtert wird, sodass Patient:innen dies selbstständig zu Hause durchführen können.
- Infusion: Die Medikamentengabe als Infusion zeigt einen schnellen Wirkeintritt und kann sowohl als Präventionsmaßnahme als auch im akuten Migräneanfall angewendet werden.
Die Entscheidung für eine bestimmte Therapie wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt nach einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen gemeinsam treffen. Hierzu werden verschiedene Faktoren, wie beispielsweise Begleiterkrankungen, berücksichtigt. Die Nebenwirkungen sind stark von dem eingesetzten Medikament abhängig. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten der medikamentösen Prävention bei Migräne, sodass für jede:n Patient:in eine geeignete Lösung gefunden wird.
Migräne-Spritzen: Funktionsweise und Anwendung
Migräne-Spritzen sind Medikamente zur Vorbeugung von Migräneanfällen. Die enthaltenen Wirkstoffe blockieren bestimmte Rezeptoren, die an der Entstehung von Migräne beteiligt sind. Bei regelmäßiger Anwendung reduzieren sie die Häufigkeit und Intensität der Migräneanfälle.
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Beschreibung und Wirkstoffe
Als Migräne-Spritze werden Migräne-Medikamente bezeichnet, die in Form von Fertigpens zur Verfügung stehen. Diese Einwegspritzen sind bereits mit der Injektionslösung befüllt. Derzeit sind vier Wirkstoffe zugelassen:
- Erenumab (wird alle vier Wochen unter die Haut gespritzt)
- Galcanezumab (wird einmal monatlich unter die Haut gespritzt)
- Fremanezumab (wird einmal monatlich oder alle drei Monate unter die Haut gespritzt)
- Eptinezumab (wird alle 12 Wochen intravenös als Infusion verabreicht)
Migräne-Spritzen enthalten monoklonale Antikörper. Das sind spezielle Eiweiße (Proteine), die nur an eine bestimmte Zielstruktur binden. Monoklonale Antikörper unterscheiden sich damit von körpereigenen Antikörpern. Diese sind polyklonal, sie können also an mehrere Zielstrukturen binden.
Die „Anti-Migräne-Spritzen“ wirken nur, wenn man sie regelmäßig verwendet. Sie beugen Migräne-Kopfschmerzen vor, helfen aber nicht bei akuten Attacken. Das Migräne-Medikament Sumatriptan kann auch unter die Haut gespritzt werden. Anders als monoklonale Antikörper wirkt es aber nicht vorbeugend, sondern nur bei akuten Attacken. Umgangssprachlich sind mit dem Ausdruck „Migräne-Spritze“ aber monoklonale Antikörper gemeint.
Wirkungsweise der CGRP-Antikörper
Die in der Spritze enthaltenen monoklonalen Antikörper wirken, indem sie an den Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor binden und diese Bindungsstellen inaktivieren. Aufgrund ihrer spezifischen Wirkung werden Sie als CGRP-Antikörper bezeichnet.
CGRP spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Migräne-Anfällen, da es gefäßerweiternd und entzündungsfördernd wirkt. Viele Menschen, die unter Migräne leiden, produzieren diesen Botenstoff im Überschuss. Die monoklonalen Antikörper unterbrechen den Signalweg an einer bestimmten Stelle und verhindern so das Auftreten einer Migräne-Attacke.
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Aufnahme, Abbau und Ausscheidung
CGRP-Antikörper werden im Körper sehr langsam abgebaut. Es reicht deshalb aus, wenn man sie - je nach Präparat - monatlich oder sogar nur alle drei Monate verabreicht. Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab werden über das Unterhautfettgewebe aufgenommen, während Eptinezumab direkt in die Blutbahn injiziert werden muss.
Für den Abbau der CGRP-Antikörper sind eiweißspaltende Enzyme verantwortlich. Sie zerlegen die Antikörper in ihre Einzelteile, die anschließend wiederverwertet oder vom Körper ausgeschieden werden.
Anwendungsgebiete und Anwendungshinweise
Die Migräne-Spritze wird bei Erwachsenen zur Vorbeugung von Migräne, die an mindestens vier Tagen pro Monat auftritt, angewendet.
Wie die Migräne-Spritze anwendet wird, hängt vom jeweiligen Präparat ab. Ihr Arzt zeigt Ihnen die korrekte Handhabung. Außerdem wird er den Behandlungserfolg regelmäßig überprüfen und gemeinsam mit Ihnen besprechen.
- Erenumab: Spritzen Sie eine Einzeldosis Erenumab alle vier Wochen unter die Haut. Der Fertigpen enthält normalerweise 70 Milligramm Injektionslösung. Reicht die Menge nicht aus, kann Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt auch 140 Milligramm verordnen. Injizieren Sie Erenumab in den Bauch oder Oberschenkel. Wenn Ihnen eine andere Person Erenumab verabreicht, kann das Medikament auch in die Außenseite des Oberarms gespritzt werden.
- Galcanezumab: Die Behandlung mit Galcanezumab beginnt mit einer Anfangsdosis von 240 Milligramm. Anschließend werden alle vier Wochen 120 Milligramm unter die Haut gespritzt. Sie können Galcanezumab in den Bauch oder den Oberschenkel injizieren. Wenn Ihnen eine andere Person die Spritze verabreicht, ist dies auch an der Außenseite des Oberarbs oder im Gesäßbereich möglich.
- Fremanezumab: Fremanezumab ist in zwei Dosierungen erhältlich: Erfolgt die Injektion monatlich, erhalten Betroffene 225 Milligramm. Bei Anwendung alle drei Monate werden 675 Milligramm (aufgeteilt in drei Pens / Spritzen) verabreicht. Fremanezumab soll in den Bauch, Oberschenkel oder Oberarm gespritzt werden.
- Eptinezumab: Eptinezumab muss - im Gegensatz zu den drei anderen CGRP-Antikörpern - von medizinischem Fachpersonal verabreicht werden. Der Wirkstoff wird nicht in das Unterhautfettgewebe gespritzt, sondern als intravenöse Infusion verabreicht. Normalerweise werden 100 Milligramm Eptinezumab als intravenöse Infusion alle 12 Wochen gegeben. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann diese Dosis bei Bedarf auf 300 Milligramm steigern. Eine Infusion dauert ungefähr 30 Minuten.
Wechseln Sie bei allen Präparaten zur Selbstinjektion regelmäßig die Einstichstelle. Wenn Sie eine Injektion vergessen, holen Sie diese möglichst rasch nach. Spritzen Sie in keine geröteten oder verhärteten Hautareale.
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Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
Migräne-Spritzen darf man im Allgemeinen nicht anwenden, wenn man überempfindlich oder allergisch auf den Wirkstoff oder einen anderen Bestandteil des Medikaments reagiert. Auch Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schwangere und Stillende sollen nicht mit Migräne-Spritzen behandelt werden. Es sind keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt.
Abgabevorschriften
Migräne-Spritzen sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz rezeptpflichtig.
Eptinezumab (Vyepti®): Ein neuer monoklonaler Antikörper zur Migräneprophylaxe
Mit Eptinezumab ist der nunmehr 4. monoklonale Antikörper zur Migräneprophylaxe zugelassen. Statt subkutan wird er intravenös verabreicht. Eptinezumab (Handelsname Vyepti) ist seit Januar in Deutschland zur Vorbeugung von Migräne zugelassen. Es kommt für Erwachsene infrage, die mindestens vier Tage im Monat Migräne haben.
Eptinezumab (Vyepti® 100 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Lundbeck) ist ein rekombinanter humanisierter Immunglobulin-G1(IgG1)-Antikörper, der an das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) bindet. Er ist zugelassen zur Migräneprophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat.
Wirkungsweise von Eptinezumab
Bei einer Migräneattacke steigt der CGRP-Spiegel signifikant an. Hier greifen die Antikörper Erenumab (Aimovig®), Galcanezumab (Emgality®), Fremanezumab (Ajovy®) und eben auch Eptinezumab ein. Während der Erstling Erenumab den CGRP-Rezeptor blockiert, fangen die anderen drei Vertreter das Neuropeptid in der Peripherie ab und verhindern so dessen Rezeptorbindung. Ohne Aktivierung der CGRP-Rezeptoren läuft die nachgeschaltete Signalkaskade, die mit der Entstehung von Migräneanfällen verbunden ist, nicht ab.
Verabreichung und Dosierung
Während die anderen drei Antikörper subkutan injiziert werden, wird die empfohlene Dosis von 100 mg Eptinezumab alle zwölf Wochen intravenös über 30 Minuten infundiert (keine Bolusinjektion). Einige Patienten profitieren von der dreifachen Dosierung. Ob eine Dosiseskalation notwendig ist, sollte innerhalb von zwölf Wochen nach Behandlungsbeginn geprüft werden. Das Ansprechen auf die Medikation und die Fortsetzung der Behandlung sollten sechs Monate nach Beginn überprüft werden.
Studienergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit
Wirksamkeit und Sicherheit von Eptinezumab wurden in den placebokontrollierten PROMISE-1- und -2-Studien mit knapp 2000 Patienten nachgewiesen. Die Teilnehmer von PROMISE-1 litten unter episodischer, die von PROMISE-2 unter chronischer Migräne mit oder ohne Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch (Medication Overuse Headache, MOH), in beiden Studien mit oder ohne Aura. Sie erhielten entweder 100 oder 300 mg Eptinezumab, in PROMISE-1 über 48 Wochen (vier Infusionen), in PROMISE-2 über 24 Wochen (zwei Infusionen).
In den Studien nahm die Zahl der durchschnittlichen monatlichen Migränetage im Vergleich zu Placebo bei beiden Dosierungen ab dem ersten Tag nach der Infusion ab. Allerdings erreichte in der ersten Studie nur die Hälfte der Patienten mit der 100-mg-Dosierung eine Halbierung der monatlichen Migränetage (und 56 Prozent mit der erhöhten Dosis). In der zweiten Studie mit Patienten mit chronischer Migräne lag der Anteil der Responder etwas höher (58 und 61 Prozent). In der Langzeitstudie PREVAIL erhielten 128 Patienten mit chronischer Migräne 300 mg Eptinezumab alle zwölf Wochen über einen Zeitraum von bis zu 96 Wochen.
Infusionstherapien gegen Migräne: Gezielte Behandlung für schnelle Linderung
Infusionstherapien bieten eine gezielte Behandlung für Migräne, indem sie Medikamente direkt in die Blutbahn leiten, was eine schnelle und effektive Linderung ermöglicht.
Hier sind einige gängige Infusionstherapien und ihre Wirkungsweisen:
- Hydrationstherapie: Beseitigt Dehydration, ein häufiger Migräneauslöser.
- Elektrolyt-Infusionen: Balancieren essentielle Mineralien wie Magnesium, die Migräne auslösen können.
- Vitamininfusionen: Hochdosierte Vitamine, insbesondere Vitamin B und C, können Migräneanfälle reduzieren.
- Schmerzmittelinfusionen: Direkte Verabreichung von Analgetika für schnelle Schmerzlinderung.
Diese Therapien werden individuell angepasst, um die spezifischen Bedürfnisse der Patienten zu erfüllen und eine effektive Linderung der Migränesymptome zu gewährleisten.
Weitere Therapieansätze bei Migräne
Neben den medikamentösen Therapien gibt es auch weitere Ansätze zur Behandlung von Migräne, die oft in Kombination angewendet werden, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.
Muskelentspannende, medikamentöse Therapie
Eine wirksame Methode zur Reduktion der Migräneanfälle ist die gezielte Entspannung bestimmter Muskeln. Dies kann durch verschiedene nicht-invasive Verfahren erreicht werden, die langfristig die Häufigkeit und Intensität der Attacken verringern.
Ein Medikament wird stark verdünnt zur Muskelentspannung eingesetzt. Der Arzneistoff wird aus einem Bakterium gewonnen und ist bereits seit den 1970er Jahren in der Medizin zur Behandlung diverser Erkrankungen fester Bestandteil der Therapien. Seit Ende der 1980er Jahre wird das Präparat auch in der Schönheitschirurgie zur Faltenreduktion eingesetzt.
Es wird lokal in die in Frage kommenden Muskeln injiziert und führt durch die Hemmung der Erregungsübertragung von Nervenzellen zur Entspannung der jeweiligen Muskulatur. Einsatzgebiete in der Medizin sind unter anderem die Behandlung von neurologischen Bewegungsstörungen (Dystonien), von Zähneknirschen (Bruxismus), Stimmbandkrämpfen (spasmodische Dysphonie), bei Spastiken und bei Zerebralparesen zur Verbesserung motorischer Funktionen und der Reduktion von Schmerzen - oder bei Migräne.
Seit Anfang der 2010er-Jahre werden besondere Formen der Migräne erfolgreich mit injizierbaren Medikamenten behandelt, wodurch sich die betroffenen Muskeln entspannen und es zu einer Verminderung der Nervenentzündung kommt, sodass das Auftreten von Migräne-Attacken deutlich reduziert werden kann. Dabei konnte die Wirksamkeit beim Einsatz zur Behandlung von Migräne auch in Studien nachgewiesen werden.
Die amerikanische Mayo Clinic stellte Studiendaten von Patienten vor, die an mindestens 15 Tagen pro Monat Migräne-Anfälle erlitten hatten. Nach einer sechsmonatigen Therapie mit injizierbaren Muskelentspannungsmitteln nahm die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken um durchschnittlich acht Tage pro Monat ab. Am Ende der 14-monatigen Studie hatten fast 70 Prozent der 688 behandelten Patienten nur noch halb so viele Migräneanfälle wie zu Studienbeginn. Die Therapie wurde von den Patienten gut vertragen.
Zur Behandlung werden zunächst die Schmerzpunkte genau ermittelt und die Dosierung des Medikaments festgelegt. Die Verabreichung erfolgt durch eine Injektion mit einer äußerst dünnen Nadel in die betreffenden Muskelpunkte am Kopf bzw. im Gesicht. Das gezielte Spritzen entspannt die betreffenden Muskeln, was bei einer chronischen Migräne wiederum zu einer Reduktion der Migräne-Attacken führt. Im Anschluss daran erfolgt die Dokumentation der Veränderungen in einem Migräne-Tagebuch. Der erwünschte Effekt tritt nach wenigen Tagen auf und wird nach 3 - 6 Monaten langsam wieder vom Körper abgebaut. Eine dauerhaft erfolgreiche Therapie setzt eine regelmäßige Behandlung mit dem Wirkstoff voraus.
Die auf den Patienten abgestimmte Dosierung hat keine bekannten Nebenwirkungen. Etwa einen Tag lang ist die Einstichstelle noch etwas druckempfindlich. Massagen in diesem Kopfbereich sind zu vermeiden, ebenso wie der Druck durch das Tragen eines Helms oder eines straff anliegenden Stirnbandes. Die Ergebnisse dieser Migränetherapie sind sehr positiv. Bei deutlich mehr als der Hälfte aller Patienten lassen die akuten Migräne-Schmerzen bald nach und die Häufigkeit der Migräne-Anfälle nimmt deutlich ab.
Ketamin/Propofol-Infusionen
Ketamin kann den chronisch negativen Schmerz ins Positive verändern bzw. sogar komplett löschen und zu sehr guten Ergebnis bei Migräne führen. Es kann sich dabei um mehrere Infusionen handeln, d.h. 3-7 Mal wiederholt, die in einer gewissen Regelmäßigkeit durchgeführt werden. Die Therapie mit Ketamin/Propofol-Infusionen ist ein Marathon. Nach der Infusion sollte man sich frei nehmen bzw. nicht voll geschäftsfähig bzw. nicht verkehrsfähig sein.
Allgemeine Maßnahmen zur Reduktion von Migräneanfällen
- Regelmäßiger Sport: Vor allem Ausdauersport kann sehr hilfreich sein, um die Häufigkeit von Migräne-Attacken zu reduzieren und die Beschwerden zu lindern. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass der Ausdauersport regelmäßig 2 - 3 Mal die Woche durchgeführt wird, jedoch nicht zu stark überlastet. Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Walken eignen sich hier prima. Durch das Ausführen von regelmäßigem, leichten Ausdauersport werden Stresshormone abgebaut und der Pegel der Stresshormone gesenkt, was wichtig ist für Migräne-Patienten.
- Stressreduktion: Stress im Alltag auf ein Minimum zu reduzieren und auf ausreichend Schlaf und eine ausgewogene, gesunde Ernährung zu achten.
- Entspannungsübungen: Regelmäßig durchgeführte Muskelentspannungsübungen, wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, können ebenfalls helfen.
- Migräne-Tagebuch: Wer ein Migräne-Tagebuch führt, der kann auch seine individuellen Auslöser, also die Trigger finden, die eine Migräne-Attacke hervorrufen. Dies kann hilfreich sein, um ggf.
Medikamentöse Prophylaxe: Alternativen und Ergänzungen
Werden Kopfschmerzen und Migräne von der Ausnahme zu nahezu ständigen Begleitern, so kann eine Behandlung mit Akutschmerzmitteln keine (alleinige) Lösung sein: Hier gewinnt die Migräne-Prophylaxe (Vorbeugung) an Bedeutung. Ziel der Prophylaxe bei Chronischer Migräne ist, dass die Schmerzattacken deutlich weniger werden und/oder die Schmerzstärke spürbar geringer wird.
Eine medikamentöse Prophylaxe sollte gemäß Leitlinien erwogen werden, wenn mindestens einer der folgenden Punkte zutrifft:
- 3 oder mehr Migräneattacken im Monat
- Anzahl der Migräneattacken nimmt zu
- Migräneattacken dauern länger als 72 Stunden
- Schmerz- oder Migränemittel wirken nicht ausreichend
- Einnahme von Schmerz- oder Migränemittel an > 10 Tagen im Monat
- Lebensqualität durch Migräne stark eingeschränkt
Bestimmte Arzneimittel können die Anzahl und die Schwere von Migräneattacken langfristig verringern. Es gibt unterschiedliche Darreichungsformen der Medikamente, zum Beispiel als Tablette, Fertigspritze oder Fertigpen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie regelmäßig eingenommen oder verabreicht werden müssen. Es gibt jedoch Unterschiede, inwiefern Patientinnen und Patienten die Einnahme oder Verabreichung selbst durchführen können oder hierfür auf medizinisches Personal angewiesen sind. Einige der Substanzen sollten nicht von Frauen in der Schwangerschaft oder mit Kinderwunsch verwendet werden.
Medikamente zur Migräneprophylaxe: Ein Überblick
- Antiepileptika / Antikonvulsiva: Antiepileptika sind krampflösende Wirkstoffe und finden eigentlich Anwendung in der Therapie von Epilepsie, werden aber auch in der Migränebehandlung eingesetzt. Mögliche Nebenwirkungen von Antiepileptika als Prophylaktika bei Migräne sind z.B. Müdigkeit, Hautausschläge oder Missempfindungen wie Kribbeln der Haut und Schwindel.
- Blutdrucksenker: Bestimmte Blutdrucksenker werden zur Vorbeugung von Migräneattacken angewendet. Sie beruhigen das Nervensystem, verlangsamen den Herzschlag und senken den Blutdruck. Es können sowohl Betablocker als auch ACE-Hemmer oder Sartane zum Einsatz kommen. Zu den Nebenwirkungen von Betablockern gehören z.B. Müdigkeit, Schwindel, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Magen-Darm-Beschwerden.
- Calciumantagonisten: Der Kalziumkanal-Blocker Flunarizin wird vorwiegend zur Behandlung von Schwindel eingesetzt, diese zeigt auch Effekte in der Migräneprophylaxe. Die Wirkweise ist noch nicht gänzlich geklärt. Sie basiert vermutlich auf der Blockade des Calciumstroms in die Muskelzellen, welcher fürs Zusammenziehen und Anspannen von Muskeln sorgt. Allerdings kommt es unter der Einnahme vermehrt zu Nebenwirkungen wie z.B. Depressionen und Gewichtzunahme.
- Gegen CGRP und seinen Rezeptor gerichtete Wirkstoffe: Der Botenstoff CGRP (Calcitonin-Gene-Related-Peptide) wirkt gefäßerweiternd. CGRP wird eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie der Migräne zugeschrieben. Es gibt so genannte monoklonale Antikörper, die unter die Haut gespritzt oder als Infusion gegeben werden. Als Nebenwirkungen können z.B. Rötungen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Verstopfung oder Schwindel auftreten. Es gibt auch Gepante, die oral gegeben werden. Als Nebenwirkungen können z.B. Übelkeit, Verstopfungen, Müdigkeit oder Schläfrigkeit, verminderter Appetit oder Gewichtsabnahme auftreten.
- Neuromodulatoren: Die Zahl der Migräneanfälle kann durch Injektionen eines sogenannten Neuromodulators verringert werden. Der Wirkstoff kann hilfreich in der Medizin eingesetzt werden, indem er z. B. die Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin an der Verbindung von Nerven und Muskeln hemmt. Zudem wird vermutet, dass der Wirkstoff die an der Migräneentstehung beteiligte Neuropeptiden wie CGRP beeinflusst. Nebenwirkungen können z.B. muskelkaterähnliche Beschwerden, hängende Augenlider oder Schmerzen an der Injektionsstelle sein. Injektionen mit Botulinumtoxin sind bei chronischer Migräne wirksam.
- Trizyklische Antidepressiva: Unter den Antidepressiva, die normalerweise zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, wird nur ein Medikament zur Vorbeugung einer Migräne empfohlen: der nicht selektive Monoamin-Rückaufnahme-Hemmer Amitriptylin. Möglich Nebenwirkungen sind z.B. Verstopfung oder Kreislaufschwäche.
- Konventionelle Therapie: Für nicht vorbehandelte Personen sowie Patientinnen und Patienten, bei denen mindestens eine vorbeugende Therapie nicht ausreichte oder nicht vertragen wurde, kommt abhängig vom bereits ausprobierten Wirkstoff, eine sogenannte konventionelle Therapie mit den Wirkstoffen wie Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin oder Clostridium botulinum Toxin Typ A infrage.
Bei der Migräneprophylaxe kommen auch Medikamente zum Einsatz, die normalerweise bei anderen Krankheiten oder Beschwerden Verwendung finden. Die Medikamente blockieren zum Beispiel bestimmte Botenstoffe der Nervenzellen, die bei der Schmerzentstehung oder Schmerzweiterleitung eine Rolle spielen. Einige der oben genannten Medikamente sind hingegen speziell zur Vorbeugung der Migräne entwickelt worden.
Es ist wichtig zu beachten, dass alle diese Medikamente unterschiedlich wirken und verschiedene Neben- und Wechselwirkungen haben. Besprechen Sie Ihre Fragen und Vorbehalte offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt!
Migräne-Behandlung ohne Medikamente: Begleitende Maßnahmen
Die Behandlung der Chronischen Migräne sollte nicht nur Medikamente umfassen. Auch begleitende Maßnahmen, also nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, können viel bewirken. Dazu gehören z. B.:
- Sport- und Physiotherapie
- Psychologische Beratung
- Entspannungsverfahren
- Akupunktur
- Neurostimulation
- Biofeedback-Therapie
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Behandlungsmöglichkeit individuell für Ihre chronische Migräne geeignet ist.
Akuttherapie bei Migräne
Manchen hilft es oft schon, sich zurückzuziehen und sich auszuruhen. Bei Bedarf kann noch ein rezeptfreies Schmerzmedikament, ein sogenanntes Akutschmerzmittel, aus der Apotheke eingenommen werden. Die Einnahme sollte für eine bestmögliche Wirksamkeit frühzeitig erfolgen.
Zu den bekannten „Klassikern“ gegen Kopfschmerzen zählen Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen. Speziell für mittlere bis schwere Migräne-Anfälle stehen Medikamente aus der Gruppe der Triptane zur Verfügung. Allerdings ist die Wirkdauer begrenzt. Bei längeren Migräneanfällen kann es nach einer beschwerdefreien Phase erneut zu Kopfschmerzen und anderen Symptomen kommen.
Alle Schmerzmittel, vor allem Medikamente gegen Migräne, können bei zu häufiger Einnahme schädlich sein. Sie können zu einem Dauerkopfschmerz führen, einem sogenannten Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK). Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerztabletten benötigen.
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