Migräne-Antikörper-Spritzen: Kosten, Wirkung und Anwendung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit, gekennzeichnet ist. Für Menschen, die unter häufigen und schweren Migräneattacken leiden, können Migräne-Antikörper-Spritzen eine wirksame Option zur Vorbeugung sein. Dieser Artikel beleuchtet die Kosten, die Wirkungsweise und die Anwendung dieser modernen Migränemittel.

Migräne und ihre Behandlung

Migräne belegt weltweit den dritten Platz der häufigsten Erkrankungen des Menschen. Allein in Deutschland sind täglich etwa 900.000 Menschen von Migräneattacken betroffen, wobei 100.000 Menschen aufgrund von Migräneanfällen arbeitsunfähig sind. Der Migräneschmerz basiert auf einer neurogenen Entzündungsreaktion an den Arterien der Hirnhäute, bei der Entzündungsstoffe freigesetzt werden, die zu einer verstärkten Schmerzempfindlichkeit der Hirnhäute mit Schwellung und Erweiterung der Gefäßwände führen.

Neben der nichtmedikamentösen Prophylaxe und der medikamentösen Akuttherapie gibt es für Patienten mit mindestens vier Migränetagen pro Monat die Möglichkeit des Einsatzes von prophylaktisch wirksamen Medikamenten. Primär eingesetzt werden Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin und Clostridium botulinum Toxin Typ A (nur bei chronischer Migräne). Wenn diese Wirkstoffe unwirksam, unverträglich oder kontraindiziert sind, können die Antikörper Erenumab (Aimovig®), Galcanezumab (Emgality®), Fremanezumab (Ajovy®), Eptinezumab (Vyepti®) oder der CGRP-Antagonist Atogepant (Aquipta®) eingesetzt werden. Atogepant wird oral verabreicht, im Gegensatz zur parenteralen Gabe der Antikörper.

Was sind Migräne-Antikörper-Spritzen?

Migräne-Spritzen enthalten monoklonale Antikörper, spezielle Eiweiße, die nur an eine bestimmte Zielstruktur binden. Diese Antikörper wirken, indem sie den Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor blockieren und diese Bindungsstellen inaktivieren. CGRP spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Migräne-Anfällen, da es gefäßerweiternd und entzündungsfördernd wirkt. Viele Menschen, die unter Migräne leiden, produzieren diesen Botenstoff im Überschuss. Die monoklonalen Antikörper unterbrechen den Signalweg an einer bestimmten Stelle und verhindern so das Auftreten einer Migräne-Attacke.

Verfügbare Wirkstoffe

Derzeit sind vier Wirkstoffe als Migräne-Spritzen zugelassen:

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

  • Erenumab (Aimovig®): Wird alle vier Wochen unter die Haut gespritzt.
  • Galcanezumab (Emgality®): Wird einmal monatlich unter die Haut gespritzt.
  • Fremanezumab (Ajovy®): Wird einmal monatlich oder alle drei Monate unter die Haut gespritzt.
  • Eptinezumab (Vyepti®): Wird alle 12 Wochen intravenös als Infusion verabreicht.

Funktionsweise der CGRP-Antikörper

CGRP-Antikörper wirken, indem sie an den Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor binden und diese Bindungsstellen inaktivieren. Aufgrund ihrer spezifischen Wirkung werden sie als CGRP-Antikörper bezeichnet. CGRP spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Migräne-Anfällen, da es gefäßerweiternd und entzündungsfördernd wirkt. Viele Menschen, die unter Migräne leiden, produzieren diesen Botenstoff im Überschuss. Die monoklonalen Antikörper unterbrechen den Signalweg an einer bestimmten Stelle und verhindern so das Auftreten einer Migräne-Attacke. Die Antikörper werden im Körper sehr langsam abgebaut, weshalb eine monatliche oder sogar dreimonatliche Verabreichung ausreichend ist.

Anwendung der Migräne-Spritze

Die Migräne-Spritze wird bei Erwachsenen zur Vorbeugung von Migräne angewendet, die an mindestens vier Tagen pro Monat auftritt. Die Anwendung hängt vom jeweiligen Präparat ab und wird vom Arzt gezeigt. Der Behandlungserfolg wird regelmäßig überprüft und besprochen.

Verabreichung der verschiedenen Wirkstoffe

  • Erenumab: Eine Einzeldosis Erenumab wird alle vier Wochen unter die Haut gespritzt. Der Fertigpen enthält normalerweise 70 Milligramm Injektionslösung. Bei Bedarf kann der Arzt auch 140 Milligramm verordnen. Die Injektion erfolgt in den Bauch oder Oberschenkel. Wenn eine andere Person Erenumab verabreicht, kann das Medikament auch in die Außenseite des Oberarms gespritzt werden.
  • Galcanezumab: Die Behandlung mit Galcanezumab beginnt mit einer Anfangsdosis von 240 Milligramm. Anschließend werden alle vier Wochen 120 Milligramm unter die Haut gespritzt. Die Injektion kann in den Bauch, den Oberschenkel, die Außenseite des Oberarms oder den Gesäßbereich erfolgen.
  • Fremanezumab: Fremanezumab ist in zwei Dosierungen erhältlich: Bei monatlicher Injektion erhalten Betroffene 225 Milligramm. Bei Anwendung alle drei Monate werden 675 Milligramm (aufgeteilt in drei Pens / Spritzen) verabreicht. Fremanezumab soll in den Bauch, Oberschenkel oder Oberarm gespritzt werden.
  • Eptinezumab: Eptinezumab muss von medizinischem Fachpersonal verabreicht werden. Der Wirkstoff wird nicht in das Unterhautfettgewebe gespritzt, sondern als intravenöse Infusion verabreicht. Normalerweise werden 100 Milligramm Eptinezumab als intravenöse Infusion alle 12 Wochen gegeben. Der Arzt kann diese Dosis bei Bedarf auf 300 Milligramm steigern. Eine Infusion dauert ungefähr 30 Minuten.

Bei allen Präparaten zur Selbstinjektion sollte die Einstichstelle regelmäßig gewechselt werden. Wenn eine Injektion vergessen wird, sollte diese möglichst rasch nachgeholt werden. In keine geröteten oder verhärteten Hautareale spritzen.

Für wen ist die Migräne-Spritze geeignet?

Die Migräne-Spritze kommt infrage, wenn andere vorbeugende Therapien nicht wirken oder nicht vertragen werden. Sie richtet sich an Menschen, die regelmäßig unter Migräne leiden, also meist bei mindestens vier Migräne-Tagen pro Monat. Besonders geeignet ist die Migräne-Spritze für Betroffene mit schweren Verläufen oder bei starker Beeinträchtigung im Alltag. Auch bei chronischer Migräne, also mehr als 15 Kopfschmerztagen im Monat, kann die Spritze eine sinnvolle Option sein. Manche Krankenkassen übernehmen die Kosten nur, wenn andere vorbeugende Medikamente wie etwa Betablocker bereits ausprobiert wurden.

Gegenanzeigen

Migräne-Spritzen dürfen im Allgemeinen nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff oder einen anderen Bestandteil des Medikaments besteht. Auch Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schwangere und Stillende sollen nicht mit Migräne-Spritzen behandelt werden. Bei bestimmten schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen schweren Begleiterkrankungen ist besondere Vorsicht geboten.

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

Mögliche Nebenwirkungen

Wie die meisten Medikamente kann auch die Migräne-Spritze Nebenwirkungen haben. Viele Beschwerden sind eher mild und vorübergehend. Dazu zählen beispielsweise:

  • Reaktionen an der Einstichstelle: Rötungen, Schwellungen, Juckreiz oder Schmerzen direkt nach der Injektion.
  • Müdigkeit oder Erschöpfung: Vor allem in den ersten Tagen nach der Anwendung kann ein allgemeines Schwächegefühl auftreten.
  • Verstopfung: Einige Wirkstoffe (z. B. Erenumab) stehen mit einer veränderten Darmtätigkeit in Zusammenhang.
  • Muskel- oder Gliederschmerzen: Diese Beschwerden können gelegentlich auftreten, sind aber meist nur leicht ausgeprägt.
  • Allergische Reaktionen: In sehr seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen, etwa mit Hautausschlag, Juckreiz oder Atembeschwerden.

Kosten der Migräne-Spritze

Die Kosten für die Migräne-Spritze liegen je nach Präparat zwischen 250 und 500 Euro pro Stück. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nur, wenn herkömmliche Therapien nicht geholfen haben und mindestens vier Migränetage pro Monat vorliegen. Die hohen Kosten sind ein Grund, warum die Krankenkassen oft hohe Hürden vor der Erstattung der Therapie eingebaut haben.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Migräne-Spritze, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Mindestens vier Migräne-Tage pro Monat
  • Andere vorbeugende Therapien haben nicht ausreichend geholfen oder wurden nicht vertragen
  • Eine klare Diagnose der Migräne liegt vor

Wirtschaftlichkeitsgebot

Kassenärzte sind zu einer wirtschaftlichen Verordnungsweise angehalten. Das bedeutet, dass keine teuren Medikamente verordnet werden sollen, wenn günstigere Alternativen genauso gut helfen. Zudem muss sorgfältig geprüft werden, ob die Verordnung überhaupt notwendig ist.

Auslassversuche

Es gibt keine verbindlichen Vorgaben für Auslassversuche nach sechs Monaten, wenn das Mittel den Betroffenen nachweislich hilft. Die aktuelle Leitlinie zur Migräneprophylaxe empfiehlt, eine Migräneprophylaxe mit Medikamenten je nach Schwere und weiteren Erkrankungen nach 9 bis 12 Monaten beziehungsweise 12 bis 24 Monaten zu unterbrechen.

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

Alternativen zur Migräne-Spritze

Die monoklonalen Antikörper gelten als Meilenstein in der Migräne-Behandlung. Vor ihrer Zulassung gab es zur Vorbeugung der schmerzhaften Attacken nur Medikamente, die ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt worden waren und sich im Nebeneffekt auch positiv auf Migräne auswirkten. Diese Standard-Therapien sind nach wie vor wichtig. Auch der Lebensstil hat großen Einfluss auf Migräneattacken.

Nicht-medikamentöse Alternativen

  • Ausdauersport: Eine wirksame und kostengünstige Möglichkeit der Anfallsprophylaxe.
  • Kraftsport, Entspannungsübungen, ein gesunder Takt bei Schlaf und Mahlzeiten sowie Methoden der Stressbewältigung: Können helfen, Migräneattacken zu vermeiden.

Medikamentöse Alternativen

Wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichen, können Medikamente zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden. Dazu gehören:

  • Metoprolol
  • Propranolol
  • Flunarizin
  • Topiramat
  • Amitriptylin
  • Clostridium botulinum Toxin Typ A (nur bei chronischer Migräne)

tags: #migrane #antikorper #spritze #kosten