Migräne-Ärzte in Halle: Innovative Behandlungen und Anlaufstellen für Betroffene

In Deutschland leiden mehr als 10 Millionen Menschen unter Kopfschmerzen, wobei Frauen überproportional betroffen sind. Besonders belastend ist die chronische Migräne, die oft mit Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Depressionen einhergeht. Diese Symptome können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sodass Betroffene auf eine kontinuierliche medikamentöse Behandlung angewiesen sind, um ihren Alltag zu bewältigen. Obwohl Migräne bis heute nicht heilbar ist, gibt es vielfältige Möglichkeiten, Attacken vorzubeugen und Schmerzen zu lindern.

Botox-Behandlung bei chronischer Migräne

Eine dieser Möglichkeiten ist die Behandlung mit Botox (Botulinumtoxin), das in Deutschland für die Therapie chronischer Migräne zugelassen ist. Botox blockiert die Freisetzung des Nervenbotenstoffs Acetylcholin, was zu einer Muskelentspannung führt. Diese Entspannung kann die migräneauslösende Nervenreizung reduzieren. Darüber hinaus hemmt Botox weitere Botenstoffe, die Entzündungen fördern und bei Migränepatienten zu Phasen übermäßiger Schmerzempfindlichkeit führen können.

Erfahrungsbericht einer Patientin

Eine Patientin berichtete von ihren Erfahrungen mit der Botox-Behandlung: „April hatte ich bei Ihnen in der Praxis eine Migräne-Behandlung mit Botox vornehmen lassen. Anfangs hatte ich noch eine Woche lang jeden Tag starke Kopfschmerzen bzw. Migräne. Aber dann war ich wie ein neuer Mensch. Ich kannte es bis dahin zum Teil schon morgens mit Kopfschmerzen aufzuwachen. Tabletten haben so gut wie nie geholfen. Das war nun anders. Es ist ein Traum, man hat wirklich ein neues Lebensgefühl und kann jeden Tag unbeschwert angehen und genießen. Ich habe schon so viele verschiedene Therapien vergebens ausprobiert und bin so froh, nun diese Behandlung gewählt zu haben. Man ist fast schmerzfrei und kann wieder „normal“ am Leben teilhaben. Einfach traumhaft! Natürlich hatte ich immer mal wieder noch Kopfschmerzen. Aber die waren ganz anders als vor der Behandlung und nur noch 3 bis 4 mal im Monat. Die Attacken waren kürzer und bei weitem nicht so schmerzintensiv. Eine leichte Ibuprofen-Tablette half oft sofort. Ein Traum. Das kannte ich vorher nicht. Auch gab es Momente, wo man erahnen konnte, dass dies früher eine richtige Migräne-Attacke geworden wäre.“

Weitere Anwendungsbereiche von Botox

Botox ist nicht nur für die Behandlung von Migräne bekannt, sondern wird auch in anderen medizinischen Bereichen eingesetzt.

Botox gegen Depressionen

Botox ist weltweit als Mittel gegen Falten bekannt. Im Zentrum seiner Therapie steht der „Musculus corrugator supercilii“, auch „Stirnrunzler“ genannt. Der Muskel bewegt die Augenbrauen. Bei Depressiven ist er überaktiv, er wurde von Charles Darwin schon 1872 als „Trauer-Muskel“ bezeichnet. Durch den lähmenden Effekt der Behandlung auf die Muskulatur wird diese Rückkopplungsschleife unterbrochen - Gefühle von Angst, Ärger oder Traurigkeit, die bei der Depression auftreten, lassen nach. Die Muskeln der Stirnregion sind beim Ausdruck vieler negativer Emotionen wie Traurigkeit, Nachdenklichkeit und Zweifel involviert. Menschen, die unter Depressionen leiden, zeigen häufig eine Überfunktion dieser Muskulatur. Durch eine Botoxbehandlung lässt sich diese Überfunktion abschwächen, der Gesichtsausdruck nimmt freundlichere Züge an, die Muskulatur ist entspannt, was indirekt zu einer Verbesserung der Stimmung und des Selbstwertgefühls beiträgt. Desweiteren führt die Botox-Behandlung zu indirekten neurochemischen Veränderungen im Gehirn. In einer experimentellen Studie an gesunden Probanden wurde gezeigt, dass die Amygdala, also jene Gehirnregion, die für unangenehme Emotionen zuständig ist, nach der Botox-Gabe weniger aktiv war.

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Botox gegen Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie äußert sich in extremen Gesichtsschmerzen. Dabei handelt es sich um einen Reizzustand des fünften Hirnnerven, des Nervus trigeminus, der aus drei Nervenästen besteht, die den Stirnbereich, den Oberkiefer und den Unterkiefer versorgen. Demzufolge können heftige Schmerzattacken in diesem Bereich auftreten. Nicht immer führen Schmerzmittel zur gewünschten Besserung bzw. werden aufgrund von Nebenwirkungen nicht toleriert. Mit Injektionen von Botulinumtoxin kann hier Abhilfe geschaffen werden bzw. eine völlige Schmerzfreiheit erzielt werden.

Botox gegen Bruxismus (Zähneknirschen)

Als Bruxismus bezeichnet man das meist nächtliche und völlig unbewusste Zähneknirschen. Dabei kommt es neben Abnutzung des Gebisses zu Verspannungen der Kiefergelenksmuskulatur, die wiederum zu weitreichenden Störungen wie Schmerzen, Tinnitus, Schwindel u.U. auch Sehstörungen führen kann.

Anlaufstellen für Kopfschmerzpatienten in Halle

In Halle gibt es verschiedene Anlaufstellen für Patienten, die unter Kopfschmerzen und Migräne leiden. Dazu gehören neurologische Praxen und Hochschulambulanzen, die eine umfassende Diagnostik und individuelle Therapiekonzepte anbieten.

Neurologische Praxis Salzatal

Das Team der Neurologischen Praxis Salzatal bietet eine kompetente Betreuung und umfassende ambulante neurologische Versorgung.

Hochschulambulanz für Kopf- und Gesichtsschmerzen

Die Hochschulambulanz behandelt Patientinnen und Patienten mit dem gesamten Spektrum an Kopf- und Gesichtsschmerzen. Ziel ist es, durch ein individuelles Therapiekonzept eine Linderung der Schmerzen oder sogar eine Schmerzfreiheit zu erreichen. Dabei ist es wichtig, Auslöser und Verstärkungsfaktoren der Schmerzen zu erkennen und zu behandeln. In dringenden Fällen können bei bereits in der Sprechstunde angebundenen Patienten auch kurzfristige Termine vereinbart werden, um Vorstellungen in der Notaufnahme mit möglicherweise langen Wartezeiten zu vermeiden. Bei medizinischer Notwendigkeit kann eine stationäre Aufnahme in der neurologischen Klinik angeboten werden. Die umfassende Betreuung wird durch die intensive Zusammenarbeit auch mit anderen Fachgebieten (u.a. Anästhesie, Psychologie, Neurochirurgie) ermöglicht. Es werden regelmäßig wissenschaftliche Untersuchungen zu Kopfschmerzerkrankungen durchgeführt.

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Voraussetzung für alle Terminvergaben ist eine vorangegangene fachärztliche Behandlung. Für die Erstvorstellung ist daher eine Überweisung von einem Facharzt für Neurologie, Nervenheilkunde, Psychiatrie und Psychotherapie oder von einem Schmerztherapeuten (Facharzt mit Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie) notwendig. Im Regelfall werden nur erwachsene Patienten (ab 18 Jahren) behandelt. Für jüngere Patienten sollte primär mit der pädiatrischen Ambulanz Kontakt aufgenommen werden, um einen kinder-neurologischen Behandlungstermin zu vereinbaren.

Integrierte Versorgung Kopfschmerz

Seit einiger Zeit gibt es mit der "Integrierte Versorgung Kopfschmerz" eine gesonderte Versorgung von Kopfschmerzpatienten. Es handelt sich um eine eng verzahnte Zusammenarbeit zwischen den niedergelassenen Kollegen und der tertiären Kopfschmerzambulanz. Hierdurch wird das Behandlungsspektrum erweitert und Patienten mit Kopf- und Gesichtsschmerzen kann erstmals eine multiprofessionelle Kopfschmerzbehandlung angeboten werden. Sie beinhaltet ein multi-modales Therapiekonzept aus ärztlicher Sprechstunde (wie bereits aus der Hochschulambulanz bekannt) ergänzt durch eine psychologische und physiotherapeutische Betreuung. Zudem können stark betroffene Patienten von einer tagesklinischen Behandlung profitieren.

Zielgruppe sind Patient*innen mit Kopf- und Gesichtsschmerzen mit deutlicher Beeinträchtigung der Lebensqualität. Dies kann z.B. vorliegen, wenn die Schmerzen sehr häufig auftreten, Medikamente gegen Schmerzen nur unzureichend helfen, weitere Schmerzen in anderen Körperbereichen bestehen (z.B. chronischer Rückenschmerz) oder begleitend psychiatrische Erkrankungen (z.B. Sie benötigen eine Überweisung von einem am Programm teilnehmendem Facharzt bei dem Sie sich schon mindestens 3 Monaten in Behandlung befinden. Ihre Krankenkasse (aktuell nimmt die AOK Sachsen-Anhalt als Partnerkasse am Programm teil) berät Sie, welche Ärzte im Programm registriert sind. Die teilnehmenden Fachärzte beraten Sie, ob Sie am Programm teilnehmen können. Falls Sie sich noch nicht in fachärztlicher Behandlung (z.B. bei einem Neurologen) befinden, kann Sie Ihr Hausarzt dazu überweisen. Sind Sie nicht bei der AOK-Sachsen-Anhalt versichert, kann ein Antrag bei Ihrem zuständigen Kostenträger zur Kostenübernahme gestellt werden. Sie können auch als Privatversicherter oder Selbstzahler/in teilnehmen, bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf (s.u.).

Im Modul 1 werden Sie zu einem mehrstündigen Termin in unsere Kopfschmerzambulanz eingeladen. Hier erfolgt sowohl eine ärztliche Sprechstunde, als auch eine physiotherapeutischer Beratung mit praktischen Übungen, sowie ein psychotherapeutisches Gespräch. Für stark betroffene Patienten gibt es die Tagesklinische Behandlung (Modul 2). Es handelt sich um ein intensives Programm über eine Dauer von fünf Tagen mit ärztlichen, psychotherapeutischen sowie physiotherapeutischen Einzel- und Gruppenmodulen.

Weitere Neurologische Praxen in Halle

  • Neurologische Praxis Lars Daume, Am Steintor 14, 06112 Halle, Telefon: 0345/5220555
  • Neurologische Praxis Wetzig & Wustmann & Behr, Wilhelm-von-Klewitz-Str. 11, 06132 Halle, Telefon: 0345/7748200
  • Neurologische Praxis Dr. med. Carsten Hobhom, Rainer-Zille-Str.

Diagnostik und Behandlungsspektrum

Die neurologischen Praxen in Halle bieten ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen für neurologische Erkrankungen an, darunter:

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  • Gefäßerkrankungen (z. B. Schlaganfall)
  • Bewegungsstörungen (z. B. Parkinson)
  • Erkrankungen des peripheren Nervensystems (z.B. Polyneuropathien, Lähmungserscheinungen, Nervenverletzungen)
  • Anfallserkrankungen (z.B. Epilepsie)
  • Kopfschmerzen und Gesichtsschmerzen (z. B. Migräne)
  • Muskelerkrankungen (z.B. Myasthenie)
  • Degenerative Erkrankungen (z. B. Demenz)
  • Entzündliche Erkrankungen des Zentralnervensystems (z.B. Multiple Sklerose)
  • Wirbelsäulenerkrankungen

Terminvereinbarung und wichtige Hinweise

Termine für Neupatienten können aktuell nicht online vereinbart werden. Eine Terminvereinbarung ist verbindlich. Sollte ein Termin nicht wahrgenommen werden können, wird um rechtzeitige Absage gebeten. Für die Ausstellung des eRezeptes muss einmalig im Quartal die Versichertenkarte eingelesen werden. Hierfür können Sie ohne Termin zu den gewohnten Öffnungszeiten in die Praxis kommen. Lag Ihre Versichertenkarte bereits vor, müssen Sie nicht erneut in die Praxis kommen. Das eRezept kann direkt ausgestellt werden. Die Abholung von Heil- und Hilfsmittelverordnungen ist weiterhin 2 Werktage nach der Bestellung möglich. Bei Erstvorstellung in unserer Praxis bitten wir um einen Überweisungsschein und das Mitbringen relevanter Vorbefunde(z.B.

Kopfschmerzkalender

Es wird empfohlen, einen Kopfschmerzkalender zu führen, um die Häufigkeit, Intensität und Auslöser von Kopfschmerzen zu dokumentieren. Alternativ kann auch eine APP genutzt werden, z.B.

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