Migräne mit Aura und Frühgeburt: Ein Überblick über Zusammenhänge und Risiken

Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, von der besonders Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Etwa 16 % aller Frauen im Alter von etwa 40 Jahren sind in Europa mit Migräne belastet. Schwangere mit Migräne sollten einer aktuellen Studie zufolge verstärkt auf mögliche Komplikationen wie Präeklampsie überwacht werden. »Etwa 20 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter leiden unter Migräne«, erklärt Dr. Alexandra Purdue-Smithe vom Brigham and Women’s Hospital in Boston. Die Auswirkungen auf eine Schwangerschaft waren bislang nicht gut verstanden. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Migräne mit Aura, Frühgeburten und anderen Schwangerschaftskomplikationen, um werdende Mütter und medizinisches Fachpersonal besser zu informieren.

Was ist Migräne mit Aura?

Die Differenzierung zwischen einer Migräne ohne Aura und beispielsweise einem Kopfschmerz vom Spannungstyp kann schwierig sein. Daher werden mindestens 5 Attacken gefordert, bevor die Diagnose gestellt wird. Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken auszeichnet. Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit oder Geräuschempfindlichkeit begleitet. Migräneattacken dauern definitionsgemäß mindestens 4 Stunden, können aber auch bis zu drei Tage lang anhalten. 30-40 % aller Migräne-Kranken durchlaufen zunächst eine sogenannte Prodromalphase mit Müdigkeit, Schlafproblemen und verändertem Essverhalten. Migräne-Kopfschmerzen werden durch körperliche Aktivität nicht gelindert, sondern eher verstärkt.

Bei der Migräne mit Aura treten zusätzlich neurologische Symptome auf, die sogenannten Auren. Meist visuelle Störungen (Sehstörungen), aber auch sensible Wahrnehmungsstörungen, motorische Störungen, aber auch möglicherweise Wortfindungsstörungen (aphasische Aura) schon vor dem Anfall auf, dauern überwiegend weniger als eine Stunde an. Sehstörungen könen z. B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien sein oder auch ein Sehverlust. Sensible Störungen können sich in Kribbelmissempfindungen oder auch Taubheitsgefühl äußern. Migräneanfälle mit Aura ereignen sich fast immer nur außerhalb der Menstruation; menstruelle Attacken mit Aura sind die Ausnahme. Zeitlich abzugrenzen bleibt darüber hinaus ein migräneartiger Kopfschmerz im Rahmen eines prämenstruellen Syndroms jeweils 2-7 Tage vor der Monatsblutung.

Studie untersucht Zusammenhang zwischen Migräne und Schwangerschaftskomplikationen

Um den Zusammenhang zwischen Migräne und Schwangerschaftskomplikationen genauer zu untersuchen, führten Purdue-Smithe und ihre Arbeitsgruppe eine groß angelegte prospektive Studie durch. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachteten demnach mehr als 30.000 Schwangerschaften bei etwa 19.000 Frauen über einen Zeitraum von 20 Jahren mit Blick auf das Auftreten von Komplikationen wie Frühgeburten, Gestationsdiabetes, -hypertonie, Präeklampsie oder niedriges Geburtsgewicht. Bei 3881 Schwangerschaften (11 Prozent) war bei den Frauen vorher eine Migräne diagnostiziert worden.

Ergebnisse der Studie

Nach Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren wie Alter oder Fettleibigkeit kam die Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis, dass Frauen mit Migräne im Vergleich zu Frauen ohne Migräne ein 17 Prozent höheres Risiko für eine Frühgeburt und ein 28 Prozent höheres Risiko für Schwangerschaftshypertonie hatten. Das Risiko für Präeklampsie war um 40 Prozent erhöht, wobei Frauen, die unter Migräne mit Aura litten, noch stärker gefährdet zu sein scheinen als Frauen mit Migräne ohne Aura.

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

Ein zu niedriges Geburtsgewicht und Gestationsdiabetes waren nicht mit Migräne assoziiert. Das relative Präeklampsie-Risiko lag etwas höher bei Teilnehmerinnen mit Migräne mit Aura (+51 %) als bei Migräne ohne Aura (+30 %) - beide im Vergleich zu keiner Migräne. Ansonsten glichen sich die Ergebnisse der beiden Migräne-Phänotypen.

Bedeutung der Ergebnisse

Die Migräne-Vorgeschichte kann somit für die Frauenärztin oder den Frauenarzt eine wichtige Information sein, um geburtshilflichen Risiken zu beurteilen und zu behandeln. Ein 40 % erhöhtes relatives Risiko bedeutet in absoluten Prozentzahlen: ein Anstieg von 3-5 % auf 4-7 % bei Erstgebärenden mit Migräne-Vorgeschichte. Auch wenn das Risiko dieser Komplikationen insgesamt recht gering ist, sollten Frauen mit Migräne in der Vorgeschichte über mögliche Schwangerschaftsrisiken Bescheid wissen und ihren Arzt konsultieren. »Es bedarf weiterer Forschung, um genau zu verstehen, warum Migräne mit einem höheren Risiko für Komplikationen verbunden ist.

Weitere Erkenntnisse und Risikofaktoren

Kleinere Studien deuteten bereits öfter darauf hin, dass Schwangerschaftskomplikationen und Komplikationen bei der Geburt bei Müttern mit Migräne häufiger auftreten. Demnach ist bei Schwangeren mit Migräne sowohl die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaftsvergiftung als auch das Risiko für Früh- und Fehlgeburten erhöht. Auch ein niedrigeres Geburtsgewicht sowie häufigere Klinikaufenthalte nach der Geburt waren bei Babys mit an Migräne erkrankten Müttern zu beobachten.

Zusätzliche Risikofaktoren

Das erhöhte Risiko scheint allerdings mit weiteren Faktoren einherzugehen. So leiden Betroffene von Migräne häufiger an Bluthochdruck, Depressionen und Asthma. Zusätzlicher Nikotinkonsum kann ebenfalls einen Einfluss haben. Die Forscher der Uniklinik Aarhus vermuten vor allem den erhöhten Blutdruck in der Schwangerschaft als Ursache des erhöhten Risikos.

Was passiert während der Schwangerschaft?

Bei bis zu 70 Prozent der Migränikerinnen bessert sich die Migräne in der Schwangerschaft. Der Grund dafür ist ein erhöhter Östrogenspiegel, der sich prophylaktisch auf die Migräne auswirkt. Bei manchen Frauen verschwindet die Migräne während der Schwangerschaft sogar vollständig. Bei anderen Schwangeren reduziert sich zumindest die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken. In seltenen Fällen verschlimmert sich die Migräne in der Schwangerschaft aber auch.

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

Relativ häufig treten gemeinsam mit den ersten Schwangerschaftssymptomen Kopfschmerzen auf. Denn die hormonellen Veränderungen bedeuten Stress für den Körper, der oft zu Kopfschmerzen führt. Auch der plötzliche Koffeinentzug, erhöhter Flüssigkeitsbedarf und Verspannungen können die Kopfschmerzen auslösen. Treten sie einseitig in der Schläfengegend auf oder fühlen sich pulsierend, pochend bzw.

In meisten Fällen tritt Migräne in der Schwangerschaft bei bereits diagnostizierten Migräniker Innen auf. Tritt die Migräne in der Schwangerschaft zum ersten Mal auf, ist es besonders wichtig, einen Arzt aufzusuchen. Dort wird dann in erster Linie abgeklärt, ob es sich tatsächlich um eine Migräne handelt. Starke Kopfschmerzen könnten beispielsweise auch auf eine Schwangerschaftsvergiftung hindeuten. Sie ist gefährlich und muss schnellstmöglich behandelt werden. Eine sogenannte Präeklampsie äußert sich durch Kopfschmerzen, Bluthochdruck und Eiweiß im Urin. Betroffene bemerken neben den Kopfschmerzen oftmals auch Schmerzen im Oberbauch.

Behandlung von Migräne in der Schwangerschaft

Steht die Diagnose Migräne tatsächlich fest, kann der Arzt bestimmte Vorbeugemaßnahmen und lindernde Mittel gegen die akuten Beschwerden empfehlen. Aufgrund der Fehlbildungsrisiken sollten Schwangere auf starke Schmerzmittel verzichten und ihre Migränebehandlung immer mit einem Arzt abstimmen. Das gilt auch für pflanzliche und frei verkäufliche Medikamente gegen Migräne. Viele Frauen mit Migräne nutzen in der Schwangerschaft Homöopathie, um die Beschwerden aushalten zu können. Die Wirkung homöopathischer Mittel ist wissenschaftlich allerdings umstritten. Zwar können homöopathische Mittel die Migräne-Beschwerden nicht vollständig beseitigen, jedoch können sie diese möglicherweise - ähnlich wie Hausmittel - lindern. Aber auch Homöopathie sollte in der Schwangerschaft nicht im Alleingang verwendet werden.

Medikamentöse Behandlung

Bei einer Migräne in der Schwangerschaft muss die Behandlung mit besonderer Vorsicht erfolgen. Viele Migräne-Medikamente sind in der Schwangerschaft kontraindiziert, da ein Risiko für Fehlbildungen besteht. Insbesondere im ersten Schwangerschaftsdrittel sollte eine medikamentöse Behandlung von Migräne möglichst vermieden werden. Grundsätzlich sollten Betroffene auf Migränemedikamente in der Schwangerschaft möglichst verzichten. Viele Frauen haben das Glück, dass ihre Migräne während der Schwangerschaft nachlässt und sie deshalb auf eine medikamentöse Behandlung verzichten können. In Absprache mit einem Arzt kann dann gegebenenfalls Paracetamol eingenommen werden. Paracetamol gilt als das Mittel der Wahl bei Migräne in der Schwangerschaft. In begrenzten Dosierungen gilt der Wirkstoff als unbedenklich. Allerdings sollten sich die Anwenderinnen streng an die vom Arzt verordnete Dosierung halten. In Ausnahmefällen verordnet der Arzt bei Migräne in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln auch Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure. Im letzten Trimester dürfen die Wirkstoffe allerdings nicht weiter eingenommen werden. Wenn diese Schmerzmittel keinerlei Wirkung zeigen, können Ärzte auch Triptane verordnen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Sind die Schmerzen erträglich, kannst du bei Migräne in der Schwangerschaft möglicherweise ganz auf Medikamente verzichten. Wichtig ist es, sich viel Ruhe und vor allem Schlaf zu gönnen. Am besten gelingt das in einem abgedunkelten Raum. Ein gekühltes Tuch an Schläfen oder Stirn und eine Wärmeflasche auf dem Bauch empfinden viele Frauen ebenfalls als angenehm.

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

Achtung: Die Wärmeflasche solltest du niemals mit kochend heißem Wasser füllen und nicht direkt auf die Haut legen. Eventuell kann zu viel Hitze am Bauch im ersten Schwangerschaftsdrittel zu Schäden bei der Entwicklung des Ungeborenen oder zu einer Fehlgeburt führen. Dein Kind ist in der Gebärmutter normalerweise ausreichend vor solchen Außenwirkungen im Fruchtwasser geschützt, dennoch solltest du es mit Wärmeanwendungen nicht übertreiben.

Migräne nach der Geburt

Etwa 50 Prozent der betroffenen Frauen klagen eine Woche nach der Entbindung unter Kopfschmerzen. Hierbei liegen großteils Spannungskopfschmerzen, teilweise aber auch Migränekopfschmerzen vor. Tritt eine Migräne nach der Schwangerschaft auf, sind die Beschwerden oft schlimmer als gewohnt. Diese hormonelle Migräne entsteht vermutlich durch den starken Abfall von Östrogen nach der Schwangerschaft. Stillende Frauen können in Absprache mit einem Arzt stillfreundliche Medikamente und Magnesium einnehmen.

Migräne mit Aura in der Schwangerschaft

Auch eine Migräne mit Aura kann in der Schwangerschaft vorkommen. Allerdings könnte es sich bei der vermeintlichen Aura auch um Nervenbeschwerden handeln. Diese Beschwerden äußern sich oft durch Sprach- oder Sehstörungen, sowie Missempfindungen der Finger, Arme oder des Unterkiefers.

Tipps zur Vorbeugung von Migräneattacken in der Schwangerschaft

Damit Kopfschmerzen und Migräne in der Schwangerschaft erst gar nicht entstehen, solltest du deine Lebensumstände so weit wie möglich anpassen. Damit lassen sich leichte Beschwerden oftmals schon gut lindern:

  • regelmäßiger moderater Sport, beispielsweise Walken, Schwimmen oder Yoga
  • Entspannungsübungen wie Meditationen oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson
  • Migräne-Trigger vermeiden
  • viel trinken, mindestens zwei Liter täglich
  • geregelter Tagesablauf mit Ruhepausen sowie ausreichend Nachtschlaf
  • Massagen zur Behandlung und Vorbeugung von Verspannungen
  • Pfefferminzöl auf Stirn oder Schläfen auftragen

Einige Mediziner und Hebammen empfehlen dieEinnahme von Magnesium - dies sollte jedoch nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Darüber hinaus können die Biofeedback-Therapie und Akupunktur weitere Behandlungsalternativen in der Schwangerschaft sein. Unabhängig von der Migräne wird allen Frauen mit Kinderwunsch zur Vorbeugung von Fehlbildungen des Embryos die Einnahme von Folsäure empfohlen. Die Verwendung einiger Medikamente kann den Bedarf an Folsäure steigern und eine Gabe von höheren Folsäuremengen erforderlich machen. Sprich dazu mit deinem Frauenarzt.

tags: #migrane #aura #fruhgeburt