Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Viele Menschen assoziieren Migräne in erster Linie mit starken Kopfschmerzen, was bei den meisten Betroffenen auch zutrifft. Es gibt jedoch auch Fälle von Migräne ohne Kopfschmerzen, was zunächst paradox erscheinen mag. Diese Form der Migräne äußert sich hauptsächlich durch eine Aura, oft begleitet von Sehstörungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne, insbesondere die Migräne mit Aura und die seltenere Form der Migräne ohne Kopfschmerzen, sowie mögliche Ursachen und Triggerfaktoren, einschließlich der Auswirkungen von Kälte.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen können von verschiedenen Symptomen begleitet sein, wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Die Intensität und Dauer der Attacken können variieren und den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Eine Migräneattacke kann zwischen 4 und 72 Stunden dauern.
Die verschiedenen Arten von Migräne
Mediziner unterscheiden verschiedene Migräne-Arten, je nach Auftreten und Ausprägung der Symptome. Die bekannteste ist die Migräne mit Aura, von der etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten betroffen sind. Es gibt auch die Migräne ohne Aura, die häufiger vorkommt.
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne:
- Migräne ohne Aura
- Rein menstruelle Migräne ohne Aura
- Menstruationsassoziierte Migräne ohne Aura
- Nicht-menstruelle Migräne ohne Aura
- Migräne mit Aura
- Migräne mit typischer Aura (mit oder ohne Kopfschmerzen)
- Migräne mit Hirnstammaura (früher: basiläre Migräne)
- Hemiplegische Migräne
- Retinale Migräne
- Rein menstruelle Migräne mit Aura
- Menstruationsassoziierte Migräne mit Aura
- Nicht-menstruelle Migräne mit Aura
- Chronische Migräne
- Migränekomplikationen
- Wahrscheinliche Migräne mit oder ohne Aura
- Episodische Syndrome, die mit einer Migräne einhergehen können
- Stille Migräne
Migräne mit Aura: Visuelle Störungen und mehr
Bei einer Migräne mit Aura treten Sehstörungen auf, die sich oft durch Blitze, Zickzack-Linien oder blendende Kreise im Sehfeld äußern. Diese visuellen Phänomene können einzeln auftreten oder sich durch das Blickfeld bewegen. Einige Patienten beschreiben die Aura als schlierenhaft oder wellenförmig. Häufig bilden die gesehenen Strukturen ein sogenanntes Migräne-Skotom, das am Rand oft scharfe Zacken aufweist. Zudem kann die Sehkraft teilweise oder ganz ausfallen.
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Neben den Sehstörungen können auch Schwindel, Kribbeln, Taubheitsgefühle in Armen und Beinen oder Sprachstörungen auftreten. Typischerweise beginnt der Kopfschmerz einige Zeit nach der Aura.
Migräne ohne Kopfschmerzen (Migraine sans Migraine)
Eine Migräne ohne Kopfschmerzen, auch "Migraine sans Migraine" genannt, zeichnet sich durch das Auftreten einer Aura ohne anschließenden Kopfschmerz aus. Die Aura dauert meist 15 Minuten bis maximal eine Stunde und kann eher schwach ausfallen, sodass die visuellen Probleme von den Betroffenen zwar wahrgenommen, aber nicht mit einer Migräne assoziiert werden.
Normalerweise entwickeln Patienten mit einer Aura Migräne-Kopfschmerzen. Bei manchen Menschen bleiben diese aber hin und wieder aus. Mit höherem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Migräne ohne Kopfschmerzen auftritt, vor allem bei Männern. Warum das so ist, ist bisher ungeklärt.
Für Ärzte ist die Diagnose einer Migräne ohne Kopfschmerzen oft schwierig, da die Gefahr besteht, isolierte Auren mit Symptomen für einen Schlaganfall oder anderen neurologischen Erkrankungen zu verwechseln.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt, da Migräne oft familiär gehäuft auftritt. In Kombination mit verschiedenen inneren oder äußeren Faktoren (Triggern) kann es dann zu Migräneattacken kommen.
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Genetische Veranlagung
Experten gehen davon aus, dass der Migräne eine polygenetische Veranlagung zugrunde liegt. Veränderungen (Mutationen) in mehreren Genen erhöhen das Migränerisiko. Einige dieser Gene sind an der Regulierung der neurologischen Schaltungen im Gehirn beteiligt, während andere mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht werden.
Auslöser (Trigger)
Verschiedene Trigger können bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Migräneattacke auslösen. Welche Faktoren im Einzelfall einen Anfall triggern, ist individuell verschieden. Einige Beispiele sind:
- Stress: Stress im privaten oder beruflichen Umfeld ist ein häufiger Auslöser.
- Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus: Betroffen sind oft Menschen, die im Schichtdienst arbeiten.
- Reizüberflutung: Wenn das Gehirn zu viele Eindrücke gleichzeitig verarbeiten muss, entsteht ebenfalls Stress.
- Wetter/Wetterwechsel: Viele Betroffene reagieren empfindlich auf schwülwarme Gewitterluft, starken Sturm, Föhnwetter oder sehr helles Licht. Bei manchen löst Kälte Migräne-Attacken aus.
- Bestimmte Nahrungsmittel: Tyraminhaltige Lebensmittel wie Bananen oder bestimmte Käsesorten können Migräne auslösen.
- Unregelmäßige Mahlzeiten: Häufig setzen Migräneanfälle ein, wenn man zu wenig gegessen hat (Unterzuckerung).
- Hormonelle Veränderungen: Geschlechtshormone haben einen starken Einfluss auf Migräne. Viele Frauen leiden im Zusammenhang mit der Menstruation an Migräne.
Migräne und Kälte
Kälte kann auf verschiedene Weisen mit Kopfschmerzen und Migräne in Verbindung stehen. Einerseits kann die Einwirkung von Kälte direkt Kopfschmerzen auslösen, andererseits können bestimmte Kältereize auch bei Migränepatienten spezifische Reaktionen hervorrufen.
Kälte-Kopfschmerz
Kälte kann nachweislich einen eigenen Kopfschmerz auslösen, der dem Spannungskopfschmerz vergleichbar ist. Dieser klassische Kälte-Kopfschmerz entsteht meist dann, wenn der Kopf ungeschützt, etwa durch eisige Winde oder allgemein frostige Temperaturen, einem starken Kältereiz ausgesetzt ist. Es wird vermutet, dass bei entsprechend empfindlichen Menschen bereits mäßige Temperaturänderungen (z.B. zwischen drinnen und draußen) von weniger als 10 Grad Celsius ausreichen können, um Kopfschmerzereignisse hervorzurufen. Dabei kommt es vermutlich zur Verkühlung der Kopfmuskulatur und in der Folge zu Verspannungen und Verkrampfungen dieser Muskelgruppe.
Zudem erschwert die akute Einwirkung von Kälte es den oberflächennahen Blutgefäßen, die Durchblutung angemessen zu regulieren. Die Abkühlung des Blutflusses in diesen Gefäßen stellt für die Steuerung der Blutzirkulation also einen echten Stressfaktor dar.
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"Brain Freeze" oder "Hirnfrost"
Eine besondere Form des kälteinduzierten Kopfschmerzes ist der sogenannte "Brain Freeze" oder "Hirnfrost". Dieser entsteht durch den Genuss von besonders kalten Lebensmitteln wie Eis oder geeisten Getränken. Dabei senden Kälterezeptoren im Gaumenbereich Signale an den Nervus trigeminus, der vermutlich ein Kältesignal an den Hirnstamm sendet. In der Folge kommt es zu einer Verengung der Blutgefäße zum Gehirn, gefolgt von einer Gegenreaktion, bei der sich die Gefäße wieder erweitern, um die Versorgung des Gehirns sicherzustellen. Diese deutliche Veränderung des Blutflusses kann bei manchen Menschen zu einem plötzlichen, stechenden Kopfschmerz führen.
Eine Studie hat gezeigt, dass der "Hirnfrost" häufiger auftritt, wenn Eis sehr schnell verzehrt wird.
Kälte als Trigger für Migräne
Obwohl die genauen Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind, gibt es Hinweise darauf, dass Kälte bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen kann. Dies könnte mit der Reaktion der Blutgefäße auf Kälte zusammenhängen oder mit anderen physiologischen Prozessen, die durch Kältereize beeinflusst werden.
Was passiert im Gehirn bei einer Migräne mit Aura?
Noch ist nicht abschließend erforscht, wie Auren und Kopfschmerzen zusammenhängen. Eine Theorie besagt, dass Auren und Kopfschmerzen durch denselben Mechanismus ausgelöst werden. Dabei sind Zellen der Hirnrinde übererregbar. Diese Hyperaktivität breitet sich wie eine Welle durch das Gehirn aus. Trifft die Welle Zellen des Sehzentrums, bemerken die Betroffenen eine Aura. Die Welle wandert derweil weiter und erreicht schließlich den Trigeminusnerv. Dieser ist unter anderem für die Übermittlung von Schmerzsignalen zuständig. Die Folge: Kopfschmerzen entstehen. Möglicherweise ist bei einigen Menschen die Reizschwelle für die Erregung des Trigeminusnervs höher.
Am Universitätsklinikum Halle (Saale) wird in der Klinik und Poliklinik für Neurologie diese Form von Kopfschmerz in mehreren Studien näher untersucht. Es wurde herausgefunden, dass beispielsweise vier Grad Celsius kaltes Wasser eher den Schmerz auslöst als ein einzelner Eiswürfel. Mittels Doppler-Sonografie sind Durchblutungsveränderungen im Gehirn messbar. Im Unterschied zu den Ergebnissen anderer Studien, in denen eine Verlangsamung des Blutflusses festgestellt wurde, hat in den halleschen Untersuchungen der Blutfluss aufgrund des Kältereizes zugenommen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von Migräne erfolgt in der Regel anhand derAnamnese und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. In manchen Fällen können neurologische Untersuchungen oder bildgebende Verfahren wie CT oder MRT erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.
Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Akutbehandlung von Attacken als auch die Vorbeugung von Anfällen.
Akutbehandlung
Zur Akutbehandlung von Migräneattacken werden Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen, Paracetamol oder Phenazon eingesetzt. Bei stärkeren Attacken können Triptane verschrieben werden. Es ist wichtig, die Medikamente frühzeitig einzunehmen, sobald der Kopfschmerz beginnt.
Vorbeugung
Zur Vorbeugung von Migräneanfällen können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, wie Betablocker, Flunarizin, Valproat, Topiramat, Propranolol und Metoprolol. Auch Entspannungsmethoden und eine Anpassung des Lebensstils können helfen, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren.
Naturheilkundliche Verfahren
Auch Naturheilverfahren können bei der Behandlung von Migräne gute Ergebnisse erzielen. Wichtig ist, dass organische Erkrankungen als Ursache für die Kopfschmerzen ausgeschlossen sind. Der Patient muss aktiv mitwirken, beispielsweise durch das Führen eines Kopfschmerztagebuchs, um Triggerfaktoren zu identifizieren und zu vermeiden.
Tipps zur Vermeidung von Kälte-bedingten Kopfschmerzen
- Tragen Sie bei kalten Temperaturen eine wärmende Kopfbedeckung, die auch die Ohren schützt.
- Vermeiden Sie es, sich kalter Zugluft auszusetzen.
- Genießen Sie sehr kalte Getränke und Speisen langsam und in kleinen Portionen.
- Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und vermeiden Sie Stress.
- Bewegen Sie sich ausreichend an der frischen Luft, auch im Winter.