Migräne ist eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut (Dura) und der jeweiligen Blutgefäße, für die eine erbliche Veranlagung besteht. Sie ist eine der häufigsten Kopfschmerzerkrankungen und zählt zu den primären Kopfschmerzen. Im Gegensatz zu den sekundären Kopfschmerzen, die durch andere Erkrankungen verursacht werden. Die Attacken treten am häufigsten und schwersten bei Erwachsenen im Alter von 20 bis 50 auf, meist beginnt die Migräne jedoch schon im Jugendalter. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Auslöser, Trigger und Ursachen von Migräne, um Betroffenen ein besseres Verständnis ihrer Erkrankung zu ermöglichen und Strategien zur Vorbeugung und Linderung aufzuzeigen.
Was ist Migräne?
Eine Migräne wird oftmals als halbseitiger, stechender oder pochender Kopfschmerz beschrieben und kann zusätzlich mit einer Licht- , Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit sowie Übelkeit und Erbrechen einhergehen. Während einer Migräneattacke kommt es zu einer vorrübergehenden Fehlfunktion schmerzregulierender Systeme. Früher gingen Wissenschaftler von einer Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn aus. Demnach verengen sich kurz vor einer Migräneattacke die Blutgefäße, weswegen die betroffene Hirnregion schlechter durchblutet wird. In einer überschießenden Gegenreaktion erweitern sich anschließend die Blutgefäße. Diese Gefäßdehnung verursacht dann die migränetypischen Schmerzen. Nach aktuellen Untersuchungen ist das Geschehen vermutlich auf eine Störung des Gleichgewichtszustandes von Schmerzzentren im Hirnstamm zurückzuführen. Mit Hilfe spezieller bildgebender Verfahren (Positronenemissions-Tomografie) konnte nachgewiesen werden, dass im Gehirn ein Bereich - das so genannte Migräne-Zentrum im Hirnstamm (periaquäduktales Grau) - aktiviert und verstärkt durchblutet wird. Dieses „Migräne-Zentrum“ reagiert über-empfindlich auf Reize. Zwischen den Blutgefäßen des Gehirns und den Nervenzellen des Gesichtsnervs (Nervus trigeminus) besteht eine wichtige Verflechtung. Feinste Verästelungen des Trigeminus-nervs befinden sich in den Wänden aller Blutgefäße im Gehirn. Die Überaktivität der Nervenzellen im Hirnstamm führt dazu, dass die (C-)Fasern des Trigeminusnervs Schmerz-signale an das Gehirn senden (über den trigemino-thalamischen Trakt). Dies hat auch eine vermehrte Ausschüttung so genannter Botenstoffe (vasoaktive Neuropeptide) zur Folge, die eine Dehnung der Blutgefäße bewirken und die Gefäßwände für Blutflüssigkeit durchgängig machen (Extravasation) und bestimmte Blutbestandteile (z.B. entzündliche Eiweißstoffe) freisetzen. Es kommt zu einer Aufschwemmung und einer Art Entzündung des Hirngewebes und der Hirnhäute. Diese so genannte neurogene Entzündung verursacht wiederum Schmerzimpulse, welche ausstrahlen und den Migränekopfschmerz bewirken. Die Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter) sind chemische Substanzen, die u.a. Nervensignale weiterleiten, die Ausdehnung oder Verengung der Blutgefäße steuern und Schmerzsignale auslösen. Von allen Botenstoffen spielt das Serotonin bei der Entstehung der Migräne eine besondere Rolle. Die Konzentration von Serotonin im Blut schwankt mit dem weiblichen Zyklus. Dies erklärt u.a. das Auftreten von Migräneattacken während des Zyklus.
Migräne mit und ohne Aura
Am häufigsten sind Migräneanfälle ohne vorherige Aura. Es handelt sich dabei um wiederkehrende Kopfschmerzen, die in der Regel 4-72 Stunden anhalten. Meist ist nur eine Kopfseite betroffen, die Seite kann jedoch während einer Attacke und von Anfall zu Anfall wechseln. Vor einer Schmerzattacke kommt es bei einigen Betroffenen zu einer Aura. Von einer Migräne mit Aura wird gesprochen, wenn es sich um wiederkehrende, minutenlange Attacken mit einseitigen, vollständig reversiblen Aura-Symptomen handelt. Diese entwickeln sich in der Regel allmählich. Die Aura-Symptome können nacheinander auftreten und jeweils bis zu 1 Stunde anhalten. Die Aura kann auch erst nach Beginn der Kopfschmerzphase einsetzen oder sich bis in die Kopfschmerzphase hinein fortsetzen. Typische Symptome einer Migräne-Aura sind Sehstörungen in Form von Flimmersehen, die von den Patientinnen als Blitze, Punkte, Zacken- oder wellenförmige Bewegungen wahrgenommen werden und die sich meist langsam über das Gesichtsfeld ausbreiten. Häufig kommt es auch zu fleckförmigen Ausfällen des Gesichtsfeldes, das heißt Patientinnen sehen nur noch einen Teil der Umwelt oder einer Person. Weitere, seltenere Symptome sind vorübergehende Sprachstörungen oder Sensibilitätsstörungen, sehr selten auch Lähmungen einer Körperhälfte. Eine typische Migräne-Aura dauert 5 bis 60 Minuten, seltener auch mal etwas länger. Etwa 15 bis 25 Prozent der Patient*innen mit Migräne kennen Aura-Symptome.
Chronische Migräne
Treten die Migräneattacken mindestens 3 Monate lang an mindestens 15 Tagen im Monat auf, davon an mindestens 8 Tagen mit den typischen Merkmalen des Migränekopfschmerzes, so handelt es sich in der Regel um eine chronische Migräne. Die genaue Bestimmung der Kopfschmerzform sollte bei einem spezialisierten Arzt persönlich besprochen werden.
Ursachen der Migräne
Die Ursachen für die Funktionsstörungen im Gehirn, welche die Migräne auslösen, sind immer noch nicht ausreichend erforscht. Nur bei sog. familiärer Migräne wurde eine genetische Mutation als eindeutige Ursache ausfindig gemacht. Ansonsten sind aber bereits eine ganze Reihe genetischer Risikofaktoren für das Auftreten von Migräne bekannt. Die genaue Ursache für einen Migräneanfall hängt in der Regel von mehreren Faktoren ab und kann sich deshalb auch in den Migräne-Symptomen unterscheiden. Neueste medizinische Untersuchungen weisen zusätzlich darauf hin, dass ein Ungleichgewicht von neuronalen Botenstoffen im Gehirn ein Auslöser für Migräne sein könnte.
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Genetische Faktoren
Wissenschaftler gehen zum aktuellen Zeitpunkt davon aus, dass bei der Entstehung von Migräne mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Zum Beispiel kann eine Migräne-Ursache eine genetische Veranlagung sein: Verwandte ersten Grades von Patienten einer Migräne mit Aura haben ein 3,8-fach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Dennoch lässt sich Migräne nur in Ausnahmefällen auf ein einzelnes Gen zurückführen, etwa bei der familiären hemiplegischen Migräne. Vielmehr sind wahrscheinlich mehrere genetische Bedingungen (polygenetisch) die Ursache für eine Migräne. Laut Forschern spiegelt sich die Vielschichtigkeit einer Migräne in der Komplexität der beteiligten genetischen Komponenten wider. Auch nach intensiver Forschung zu genetischen Ursachen gibt es noch immer viele offene Fragen. Dennoch haben Wissenschaftler schon zahlreiche wichtige Erkenntnisse gewonnen. Für die Entschlüsselung wichtiger Gene haben die Wissenschaftler das Genom von mehreren tausend Migräne-Patienten mit ebenso vielen gesunden Personen verglichen. Traten bestimmte genetische Varianten in einer Gruppe häufiger oder seltener auf, könnten diese das Risiko für Migräne erhöhen beziehungsweise senken. Solche groß angelegten Studien zu genetischen Migräne-Ursache entstehen in Kooperation von mehreren Forschungszentren. Die Wissenschaftler sehen darin eine große Chance: Sind die Mechanismen einer Erkrankung erst einmal bekannt, lassen sich gezielte Therapien entwickeln.
Botenstoffe und Entzündungen
Der Prozess, der die Migränesymptome auslöst, beginnt unter anderem in den Nervenzellen. Diese produzieren in bestimmten Situationen eine Überdosis von Botenstoffen - zum Beispiel Serotonin, die die Blutgefäße verengen und Entzündungsprozesse hemmen. Der Körper versucht nun, die Überdosis an Botenstoffen abzubauen - jedoch so stark, dass nur noch wenig Serotonin übrigbleibt. Das führt zu einer Weitung der Hirnhautgefäße; sie werden durchlässig für gewebefeindliche Stoffe. An den Gefäßen entstehen kleine Entzündungen. Gleichzeitig kann es durch die zunächst starke Anregung der Nervenzellen, gefolgt von einer Deaktivierung, zu einer Störung der Elektrolytkonzentration kommen. Insgesamt kommt es so zur Migräne. Die Betroffenen nehmen als Symptom dieses Vorgangs den typisch pochenden Kopfschmerz wahr, der meist von zusätzlichen Beschwerden wie Übelkeit begleitet wird. Was die Ursache für Migräne angeht, steht seit einiger Zeit der Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) im Verdacht, eine wichtige Rolle zu spielen. CGRP befindet sich im gesamten Nervensystem, also auch in Gehirn und Rückenmark. Es gibt bestimmte anatomische Strukturen im Gehirn, die mit der Migräne-Entstehung in Verbindung stehen und in denen sich auch CGRP und CGRP-Rezeptoren befinden. In mehreren Studien kristallisierte sich heraus, dass CGRP für die Weiterleitung von Schmerzsignalen während einer Migräne-Attacke verantwortlich zu sein scheint. Wissenschaftler konnten bei Migräne-Patienten einen erhöhten CGRP-Spiegel beobachten, sobald sich eine Schmerzattacke anbahnte. Was genau die Migräne fördert, ist aber noch ungeklärt. Möglicherweise liegt dem Beginn der Migräne auch eine Überaktivität der Nervenzellen im Migränezentrum des Hirnstamms als Ursache zugrunde: Das Nervensystem und die Reizverarbeitung stehen bei Migräne-Patienten unter Hochspannung. Die Überaktivität der Nerven veranlasst Fasern des Trigeminusnervs (fünfter von insgesamt zwölf Hirnnerven) dazu, Schmerzsignale an das Gehirn auszusenden.
Migräne mit Aura: Durchblutungsstörungen
Wenn Sie von einer Migräne mit Aura betroffen sind, können Sie während einer Migräneattacke an verschiedenen Seh-, Gefühls- und sogar Sprachstörungen leiden. Menschen mit Migräne haben häufig eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde. Bei Migräne mit Aura wird zusätzlich oft eine verminderte Durchblutung in bestimmten Hirnregionen festgestellt. Daher wird angenommen, dass ein Sauerstoffmangel in den betroffenen Hirnarealen für die Migräne mit Aura verantwortlich sein könnte.
Triggerfaktoren der Migräne
Zahlreiche Faktoren können als sogenannte Trigger den Migränekopfschmerz auslösen. Dazu zählen beispielsweise Stress, Veränderungen im Wetter oder Tagesrhythmus, Nahrungsmittel oder hormonelle Veränderungen. Die Migräne-Auslöser (Trigger) sind individuell sehr verschieden. Was bei einem Patienten im Verdacht steht, die Migräne hervorzurufen, muss nicht zwangsläufig auch auf andere Betroffene zutreffen. Oft besteht jedoch ein Zusammenhang mit einer plötzlichen Änderung der regulären Lebensgewohnheiten. Wenn man sich seiner persönlichen Migräne-Auslöser bewusst ist, kann einem diese Information dabei helfen, schneller auf eine Migräne zu reagieren. Im besten Fall kann dadurch sogar ein Migräneanfall verhindert, oder aber das Auftreten von Migräneattacken deutlich reduziert werden.
Häufige Migräne-Trigger im Überblick
- Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (z. B. am Wochenende)
- Ernährung
- Stress
- Saunabesuch
- Wetterwechsel
- Hormonelle Schwankungen, insbesondere während der Menstruation
- Einnahme von Hormonpräparaten (z. B. die Pille)
- Psychische Belastung
Stress und Psyche
Neben einer genetischen Disposition sind vor allem Stress und psychischer Druck die Hauptursache für Migräne. Kreisende Gedanken, Sorgen oder Ängste überfordern Körper und Geist und zeigen sich in Form von Anspannung und Kopfschmerz. In diesem Sinne ist das Auftreten von Migräne ein klares Warnsignal des Körpers mehr auf Ihre Bedürfnisse zu achten. Mittlerweile belegen systematische Studien, dass es nicht auf das Stressniveau selbst, sondern auf plötzliche Veränderungen im Stressniveau ankommt.
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Ernährung
Auch Ernährungsgewohnheiten und Veränderungen davon, können Migräneattacken auslösen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Unregelmäßige Nahrungsaufnahme
- Alkoholkonsum, insbesondere Rotwein
- Kaffee
- Lebensmittelzusätze
- Diverse Nahrungsmittel wie z. B. Käse, Schokolade, Nüsse sowie Gewürze
- Zu wenig Wasser - 2L pro Tag sind empfohlen
Nahrungsmittel werden sehr häufig als potentielle Migräne-Auslöser angesehen. In Studien zu einer Verbindung zwischen Kaffee (bzw. Koffein) und Migräne zeigten sich keine messbaren, einheitlichen Ergebnisse hinsichtlich des Auslösers einer Migräneattacke. Festhalten lässt sich jedoch, dass ein starker Koffeinentzug, die Wahrscheinlichkeit für eine Migräneattacke erhöht. Somit ist für Migränepatienten auch in diesem Fall die Regelmäßigkeit des Kaffee- bzw.
Hormonelle Veränderungen
Viele Frauen im gebärfähigen Alter leiden unter Migräneattacken. Das betrifft vor allem Patientinnen, die mit hormonell bedingter Migräne diagnostiziert wurden, die mit dem weiblichen Zyklus und Imbalancen in Verbindung gebracht wird (primäre Form). Denn der Östrogen-, Gestagen- und Opioid-Spiegel schwankt vor, während und nach der Menstruation. Besonders der Abfall des Östrogenspiegels bei den Frauen wird dabei als Auslöser betrachtet. Dabei wird zwischen zwei Formen der Menstruationsmigräne unterschieden. Bei der menstruelle Migräne kommt es während (oder zwei Tage vor bis zwei Tage nach) Einsetzen der Periode zu einer Migräne. Während der Schwangerschaft können sich Migränesymptome wie einseitig pulsierende Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit verbessern, da die Hormone sich stabilisieren.
Wetter und Umwelt
Gemäß einer retrospektiven Studie von Forschern des Kopfschmerzzentrum des Universitätskrankenhauses Policlinico Agostino Gemelli in Rom konnte bestätigt werden, dass Wetterschwankungen einen Einfluss auf eine Untergruppe von mit Migränepatienten haben. Dabei zeigte sich, dass meteorologische Schwankungen, insbesondere ein Temperaturanstieg zum Vortag, einen Einfluss auf den Ausbruch einer Migräneattacke haben. Etwa fünf Prozent der Patientinnen und Patienten gibt an, dass allein eine Reizüberflutung durch Lärm, grelles Licht oder intensive Gerüche wie Parfüm, ausreichend ist, um eine Migräneattacke auszulösen. Abrupte Reizveränderungen können Migräne auslösen, weil sie das empfindliche Gleichgewicht im Gehirn und im Nervensystem stören können, das bei Migräne-Betroffenen bereits anfälliger für Überreaktionen ist.
Körperliche Aktivität
Gemäß niederländischen und dänischen Studien zeigt sich, das starke körperliche Bewegung und Sport bei einigen Patienten als Migräne-Trigger eine Attacke auslösen können. Ohne Berücksichtigung blieben in den Studien jedoch der Einfluss des Trinkverhaltens, die Temperatur oder aktuellen Ess- und Schlafgewohnheiten der Teilnehmenden. Gleichzeitig spielt sportliche Betätigung eine wichtige Rolle innerhalb der Migräne-Vorbeugung.
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Halswirbelsäule
Auch die Halswirbelsäule kann ein Trigger für Migräneattacken sein. Immer mehr Menschen sitzen arbeitsbedingt länger vor dem Computer und leiden an Nackenverspannungen. Und diese werden häufig für Migräne und andere Kopfschmerzarten verantwortlich gemacht, vor allem, wenn sie sich vom Nacken in Richtung der Augen ausbreiten. Aber können Störungen der Halswirbelsäule tatsächlich Kopfschmerzen oder Migräne hervorrufen? Diese Frage wird in der Medizin kontrovers diskutiert. Orthopäden vertreten oft die Meinung, dass Blockaden in der Halswirbelsäule zervikogene Kopfschmerzen - also Kopfschmerzen, die vom Nacken ausgehen - auslösen können. Dafür spricht beispielsweise auch, dass eine Physiotherapie bei einigen Patienten eine vorübergehende Besserung der Beschwerden erzielen kann. Was die Migräne anbelangt, so konnte eine Studie mittlerweile nachweisen, dass Menschen mit Veränderungen der Halswirbelsäule häufiger an Migräne leiden. Jedoch spielen Nackenschmerzen als Migräne-Trigger eher eine untergeordnete Rolle. Trotzdem sind viele Menschen davon überzeugt, dass Halswirbelsäulen-Blockaden Migräne auslösen.
Was hilft bei Migräne?
Der Verlauf eines akuten Migräneanfalls ist von Person zu Person individuell, sodass es keine Pauschallösung zur Linderung gibt. Folgende Maßnahmen haben sich jedoch als hilfreich erwiesen:
- Ziehen Sie sich in einen abgedunkelten, ruhigen Raum zurück und versuchen Sie, sich zu entspannen. Bewegung verstärkt meist den Schmerz.
- Rechtzeitig eingenommen kann ein passendes Arzneimittel in der richtigen Dosierung die Migräne erheblich lindern. Bei Migräneattacken können Triptane - die die erweiterten Gefäße im Gehirn wieder verengen - wirkungsvoll unterstützen.
Medikamentöse Behandlung
Zur Behandlung der Migräne mit Aura werden dieselben Medikamente wie bei einer Migräne ohne Aura eingesetzt. Leichte Migräne-Anfälle lassen sich häufig gut mit Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin und ähnlichen Schmerzmitteln behandeln. Bei Unwirksamkeit dieser Medikamente kann man spezielle Migränemittel, die so genannten Triptane einsetzen. Diese Medikamente hemmen die Botenstoffe oder Neurotransmitter, die während der Migräne-Attacke freigesetzt werden und unterbrechen dadurch die Attacke. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.
Vorbeugende Maßnahmen
Ein Migräneanfall, der erst gar nicht auftritt, ist der beste. Deshalb ist die Vorbeugung von größter Bedeutung. Helfen kann dir, einen gleichmäßigen Tagesrhythmus einzuhalten und abrupte und intensive Reizveränderungen so weit wie möglich zu vermeiden. Um Migräne-Anfälle zu verringern, ist es deshalb wichtig vermehrt auf Ihr Wohlbefinden Rücksicht zu nehmen und Ruhemomente im Leben zu schaffen, in denen Sie Stress abbauen und neue Energie und Kraft auftanken können. Achtsamkeitstraining, Entspannungsübungen und Yoga können zu einem Rückgang von Migräneattacken beitragen.
Welche Verhaltensweisen im Alltag und nicht-medikamentöse Maßnahmen können das sein, die einer Migräne mit Aura wirksam vorbeugen? Dazu gehören regelmäßiger Ausdauersport wie beispielsweise Joggen, Schwimmen, Radfahren, die Anwendung von Entspannungstechniken wie zum Beispiel Yoga, progressive Muskelrelaxation und autogenes Training oder Biofeedback-Techniken. Auch psychologische, zum Beispiel so genannte verhaltenstherapeutische Verfahren können helfen, insbesondere wenn auch eine Depression oder eine Angststörung bestehen. Wenn man solche nicht-medikamentösen Maßnahmen regelmäßig anwendet, merkt man dann, dass die Migräne weniger häufig auftritt und Attacken weniger schwer verlaufen.
Wenn diese Maßnahmen nicht reichen, können verschiedene Medikamente zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden. Dazu gehören Blutdruckmittel wie Betablocker, Antidepressiva, die auch in der Behandlung von Schmerzen gut wirksam sind, und bestimmte Mittel, die eigentlich gegen Epilepsie wirken, die aber auch in der Behandlung einer Migräne wirksam sind. Seit einigen Jahren gibt es eine neue Behandlung mit so genannten Antikörpern gegen einen bestimmten Botenstoff, das so genannte CGRP, das während des Migräne-Anfalls ausgeschüttet wird. Antiköper sind Proteine, die diesen Botenstoff abfangen bzw. dessen Wirkung an den Nervenzellen und Hirngefäßen vermindern können.
Migränetagebuch
Jeder sollte herausfinden, welche persönlichen Triggerfaktoren bei ihm eine Migräne auslösen, sei es Stress, Blutzuckerschwankungen, Wetterumschwünge oder andere Reize. Beobachten Sie Ihre Kopfschmerzen und individuellen Triggerfaktoren, um Migräneattacken vorzubeugen. Um jedoch die eigenen Auslöser zu erfassen, sollten Sie Ihren Alltag über einen konstanten Zeitraum beobachten. Hierfür ist ein sogenanntes Migränetagebuch oder ein Migränekalender zu empfehlen. Darin können Sie nicht nur Ihren Schlaf- Wachrhythmus festhalten, sondern auch beispielsweise den eigenen Alkohol- oder Koffeinkonsum sowie Ihre Mahlzeiten dokumentieren.
Triggermanagement
Statt strenger Vermeidung erkannter Trigger wird heute bisweilen ein Triggermanagement empfohlen, bei dem sich Betroffene den Triggern in geringem Umfang aussetzen. Zur Dokumentation von Symptomen und Auslösern und zum Triggermanagement werden verschiedene Apps (kostenfrei und kostenpflichtig) angeboten. Die Krankenkassen übernehmen auf Rezept die Kosten einer solchen App, wenn das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sie in das Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen aufgenommen hat.
Ernährungstipps
Pauschal bestimmte Lebensmittel zu meiden, die möglicherweise Migräne auslösen könnten, schränkt dein Leben unnötig ein. Wichtig zu wissen: Zwischen dem Verzehr eines Lebensmittels und dem Auftreten einer Migräneattacke können mehrere Stunden liegen. Außerdem sind Lebensmittel oft dann ein Auslöser, wenn sie in Kombination mit anderen Triggern auftreten. Daher kannst du alles essen und trinken, was nicht eindeutig durch dein Kopfschmerztagebuch als Auslöser identifiziert wurde. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung mit vielen frischen Zutaten ist jedenfalls eine gute Wahl - und macht mehr Spaß!
Für die Prävention und Behandlung von Migräne ist ein individueller und ganzheitlicher Ansatz entscheidend. Dazu gehören:
- Aufmerksamkeit für deine persönlichen Auslöser, die du mithilfe eines Migränetagebuches herausfinden kannst.
- Eine vollwertige Ernährung ohne Nährstoffmangel. Hierzu gehören frisches Obst, Gemüse und möglichst frisch zubereitete Gerichte. Fertigprodukte meiden und möglichst Produkte ohne Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker bevorzugen.
- Regelmäßig und in Ruhe essen. Circa 2,5 Stunden vor dem Schlafengehen solltest du das letzte Mal etwas essen.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Das bedeutet mindestens 1,5 Liter pro Tag, am besten eignen sich Wasser, Kräuter- oder Ingwertee.
- Ein ausgewogener Lebensstil. Ein geregelter Tagesablauf, Ausdauersportarten, wie beispielsweise Joggen, gezielte Entspannungsmethoden wie progressive Muskelentspannung und vollwertige Ernährung können sich günstig auf Migräne auswirken.