Migräne und Divertikulitis sind zwei unterschiedliche Erkrankungen, die jedoch möglicherweise miteinander in Verbindung stehen. Während Migräne eine neurologische Erkrankung ist, die sich durch starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit, äußert, ist Divertikulitis eine Entzündung von Ausstülpungen in der Darmwand, den sogenannten Divertikeln. Dieser Artikel beleuchtet die beiden Krankheitsbilder und untersucht mögliche Zusammenhänge.
Was ist Divertikulitis?
Bei der Divertikulose entstehen Ausstülpungen der Darmwand, die als Divertikel bezeichnet werden. Diese Divertikel sind im Prinzip harmlos und verursachen keine Beschwerden, solange sie sich nicht entzünden oder bluten. Sind mehrere Divertikel in einem Darmabschnitt vorhanden, spricht man von einer Divertikulose. Etwa 30 Prozent der 60-Jährigen haben Divertikel, bei den über 85-Jährigen sind es sogar 65 Prozent. Experten gehen von circa 14 Millionen Betroffenen in Deutschland aus.
Ursachen und Risikofaktoren
Divertikel entstehen vor allem in Abschnitten mit schwacher Muskulatur, meist im sogenannten Sigma des Dickdarms, einem S-förmigen Abschnitt vor dem Mastdarm. In diesem etwa 40 bis 45 Zentimeter langen Teil ist der Druck des Stuhls auf die Darmwand besonders hoch, was die Entstehung von Divertikeln begünstigt. Sie können aber auch in allen anderen Teilen des Dickdarms vorkommen - außer im Rektum.
Das Risiko für Divertikel steigt mit dem Alter, weil sich Bindegewebe, Muskulatur und Beweglichkeit der Darmwand verändern. Dazu kommen genetische Ursachen, denn die Gene entscheiden über die individuelle Qualität und Haltbarkeit des Bindegewebes. Zu den Risikofaktoren gehören auch:
- Genetische Veranlagung
- Fortgeschrittenes Alter
- Starkes Übergewicht
- Gestörte Darmbewegung
- Schwaches Bindegewebe
- Bewegungsmangel
- Rauchen
- Ballaststoffarme Ernährung und übermäßiger Verzehr von rotem Fleisch
Was im Einzelfall genau dazu führt, dass sich Divertikel entzünden, ist nicht endgültig geklärt. Sicher ist aber, dass ballaststoffarme Ernährung eine wichtige Rolle spielt. Bei ballaststoffarmer Kost hat der Stuhl wenig Volumen, wird oft hart und verbleibt länger im Darm. Um die Entleerung voranzubringen, steigert der Körper den Druck im Darm. Die Gewebewand von Divertikeln aber ist oft dünn und die Durchblutung schlecht, da die Blutgefäße gedehnt und abgeknickt sind.
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Symptome der Divertikulitis
Divertikel bleiben häufig unbemerkt, solange sie nicht zu Beschwerden führen. Sie können aber chronische Verdauungsbeschwerden und Schmerzen verursachen oder sich entzünden. Die meisten Divertikel sind harmlos und verursachen keine Beschwerden. Man unterscheidet drei Erkrankungsformen:
- Divertikulose: Es sind mehrere Divertikel vorhanden, die keine Beschwerden verursachen.
- Divertikelkrankheit: Sie besteht, wenn die Ausstülpungen Beschwerden oder Komplikationen verursachen. Anzeichen sind häufig Schmerzen im Unterbauch. Zudem können Blähungen, Blut im Stuhl, Durchfall oder Verstopfungen auftreten. Die Symptome sind oft nach dem Essen stärker und lassen nach dem Stuhlgang nach.
- Divertikulitis: Wenn sich die Divertikel entzündet haben, kommt es zu plötzlichen Schmerzen im Unterbauch, manchmal begleitet von leichtem Fieber und Übelkeit. Erbrechen ist eher selten. Einige Patienten berichten über Eiter, Schleim oder Blut im Stuhl. Auch das Wasserlassen ist mitunter schmerzhaft. Das kann passieren, wenn durch die Divertikulitis eine krankhafte Verbindung zwischen Darm und Blase entstanden ist. Die Krankheit wird auch Links-Appendizitis genannt, da die Symptome denen einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) ähneln - allerdings auf der linken Unterbauchseite und nicht auf der rechten, wo der Blinddarm liegt.
Charakteristisch sind vor allem dumpfe und nicht-kolikartige Schmerzen, die meist im linken Unterbauch sitzen. Der Darmabschnitt dort hat nämlich einen engeren Durchmesser als andere Abschnitte - einer der Gründe, warum Divertikel hier bevorzugt auftreten. Manchmal ist der entzündete Darmbereich als verdickte Walze im linken Unterbauch tastbar, die bei Berührung wehtut. Viele Betroffene beschreiben den Schmerz als dumpf und drückend oder ihren Stuhldrang als sehr unangenehm und schmerzhaft (Tenesmus).
Sehr oft treten bei akuter Divertikulitis auch Symptome im Bereich der Verdauung auf wie Verstopfung, Durchfall, Blähungen, Übelkeit und/oder Erbrechen. Vor allem bei älteren Menschen verursachen spitze und/oder harte Nahrungsbestandteile manchmal Verletzungen oder Blutungen der Divertikel. Blutauflagerungen auf dem Stuhl sind daher ebenfalls mögliche Divertikulitis-Symptome. Blut im Stuhl kann aber auch auf andere Erkrankungen hindeuten wie Hämorrhoiden, Darmpolypen oder Darmkrebs.
Bei einer chronischen Divertikulitis kommt es wiederholt zu Entzündungen der Divertikel. In der Folge verengt sich manchmal der Darm stellenweise (Darmstenose) und ist dann dort weniger gut passierbar. Das verstärkt meist die Verstopfung, die Blähungen und andere verdauungsbezogene Symptome. Divertikulitis und Darmstenose verursachen manchmal einen vollständigen Darmverschluss (Ileus). Dieser medizinische Notfall muss schnellstens behandelt (meist operiert) werden.
Rückenschmerzen zählen nicht zu den typischen Symptomen einer Divertikulitis. Allerdings sind die typischen Symptome wie der Schmerz im linken Unterbauch oder die Verdauungsbeschwerden vor allem bei älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem oft schwach ausgeprägt. Gleichtzeitig treten bei diesen Betroffenen zudem untypische Beschwerden auf, die auf den ersten Blick nicht eine Divertikulitis vermuten lassen.
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Allgemein gilt: Nicht immer sind alle Symptome, die auftreten, typisch für eine Divertikulitis. In manchen Fällen entpuppen sich auch untypische Symptome als Divertikulitis. Beispielsweise kommt es vor, dass die Entzündung auf die Harnblase übergreift. Symptome wie vermehrter Harndrang und/oder Problemen beim Wasserlassen entstehen. Besonders, wenn parallel andere Divertikulitis-Symptome bestehen, ist es wichtig, dass Sie dies in jedem Fall ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen.
Behandlung der Divertikulitis
Die Behandlung einer Divertikulitis richtet sich nach dem Schweregrad. Experten unterscheiden folgende Stadien:
- Stadium 0: Divertikulose ohne Beschwerden
- Stadium I: akute, unkomplizierte, auf die Darmwand beschränkte Divertikulitis
- Stadium II: akute, komplizierte Divertikulitis (mit den Stufen a bis c), die unterschiedlich weit über die Darmwand ausgebreitet ist (Stadium IIc ist beispielsweise eine Perforation, bei der der Darm nach außen durchgebrochen ist - ein Notfall!)
- Stadium III: chronisch wiederkehrende Divertikulitis - die Krankheit verläuft in Schüben
Leichtere Verläufe werden in der Regel konservativ behandelt. Meist kommen Antibiotika zur Bekämpfung der Bakterien zum Einsatz. Ob eine Ernährungsumstellung die Beschwerden lindern kann, ist nicht gut untersucht, sie wird aber oft empfohlen. Bei anhaltenden Beschwerden oder Komplikationen ist eine Behandlung im Krankenhaus notwendig. Dort werden die Antibiotika häufig über die Vene gegeben. In schweren Fällen kann es notwendig sein, vorübergehend auf feste Nahrung zu verzichten und mit Flüssignahrung oder intravenös ernährt zu werden.
Chirurgen empfehlen bei einer Divertikulitis im Stadium IIa oder IIb, den betroffenen Darmabschnitt zu entfernen - entweder innerhalb von 48 Stunden nach Beginn der Entzündung (frühelektiv) oder im entzündungsfreien Intervall nach Beendigung der Therapie (in der Regel vier Wochen später). Die Operation erfolgt über einen Bauchschnitt oder laparoskopisch durch eine Bauchspiegelung mit kleinen Schnitten - auch Schlüssellochchirurgie genannt.
Schwere Komplikationen wie ein Darmverschluss oder eine Perforation erfordern eine Notoperation. Auch bei wiederkehrenden Entzündungen (Stadium III) ist eine Operation sinnvoll. Die frühere Empfehlung, erst nach dem dritten Schub der Erkrankung zu operieren, gilt heute allerdings nicht mehr.
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Vorbeugung der Divertikulitis
Eine ballaststoffreiche Ernährung in Kombination mit ausreichend Flüssigkeit - mindestens zwei Liter pro Tag - hält den Stuhl weich, regt die Verdauung an und verringert so das Risiko, dass Divertikel überhaupt entstehen, sich entzünden oder wieder auftreten. Ballaststoffe stecken unter anderem in Gemüse, Obst, Getreide und Hülsenfrüchten.
Manche Menschen mit Divertikeln haben eine verändertes Darmmikrobiom. Die normale Darmflora enthält verschiedene Darmbakterien, die den Darm gesund halten. Studien weisen darauf hin, dass sogenannte Probiotika, die teilweise lebende Bakterienkulturen enthalten, Verdauungsbeschwerden lindern können. Probiotika sind in fermentierten Milchprodukten wie Joghurt oder Buttermilch und in fermentiertem Gemüse enthalten. Welche Art von Probiotika bei welchen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes helfen kann, ist allerdings noch nicht geklärt.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung und entsteht nicht durch ein stressiges Leben. Den meisten Betroffenen sieht man die Krankheit nicht an, außer, man erwischt sie im akuten Anfall. Migräne, insbesondere die chronische Migräne, ist kein simpler Kopfschmerz, sondern eine der schlimmsten Schmerzzustände, die Menschen heimsuchen. Sie zählt zu den schwersten Behinderungen, insbesondere von Frauen. So bestehen nicht nur die typischen meist einseitigen, stechenden, hämmernden, pulsierenden Kopfschmerzen - nein, der gesamte Körper ist in Mitleidenschaft gezogen.
Symptome der Migräne
- Typische, meist einseitige, stechende, hämmernde, pulsierende Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit
- Weitere Symptome: Heißhunger, Verstopfung und Harndrang
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den bekannten Auslösern gehören:
- Stress
- Hormonelle Veränderungen (insbesondere bei Frauen)
- Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke (z.B. Alkohol, Käse, Schokolade)
- Schlafmangel
- Wetterumschwünge
Behandlung der Migräne
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Paracetamol)
- Triptane (spezifische Migränemittel)
- Antiemetika (gegen Übelkeit und Erbrechen)
- Prophylaktische Medikamente (z.B. Betablocker, Antidepressiva)
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen (z.B. Entspannungstechniken, Akupunktur)
Mögliche Zusammenhänge zwischen Migräne und Divertikulitis
Obwohl Migräne und Divertikulitis unterschiedliche Erkrankungen sind, gibt es einige mögliche Verbindungen:
Darm-Hirn-Achse
Unser Gehirn und unser Darm stehen in Verbindung. Dieses System wird Darm-Hirn-Achse genannt und spielt bei vielen Erkrankungen eine Rolle. Der Kopf steuert unser Verdauungssystem. Bist du beispielsweise nervös, wird dir übel, vielleicht bekommst du auch Durchfall. Und bist du verliebt, fühlst du Schmetterlinge im Bauch tanzen. Andersherum meldet das Verdauungssystem dem Gehirn zum Beispiel, ob wir satt oder hungrig sind. Und melden Magen oder Darm Giftstoffe, löst das Gehirn Erbrechen oder Durchfall aus, um diese loszuwerden. Gehirn und Darm kommunizieren permanent miteinander über die Darm-Hirn-Achse.
Passt im Verdauungstrakt etwas nicht, spürst du das möglicherweise im Kopf: Entzündungen im Magen-Darm-Bereich führen bei vielen Menschen zu Kopfschmerzen und begünstigen Migräne. Zum Beispiel haben manche Migräne-Patienten, die mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert waren, nach der Behandlung des Bakteriums deutlich leichtere, weniger oder sogar gar keine Migräne-Attacken mehr. Helicobacter pylori führt zu entzündeter Magenschleimhaut. Anzeichen für eine Infektion können Völlegefühl, Bauchschmerzen oder Übelkeit sein. Auch die entzündliche Autoimmunkrankheit Zöliakie hängt mit Migräne zusammen. Bei Menschen mit Zöliakie löst der Verzehr von Weizenprodukten Entzündungen im Dünndarm aus. Sie haben häufiger mit Migräne zu kämpfen als Menschen ohne Zöliakie. Ähnlich geht es Patienten mit der entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn.
Über welche Mechanismen Entzündungen im Magen-Darm-Trakt Migräne begünstigen, ist noch nicht endgültig geklärt. Eine Theorie ist die „Leaky-Gut“-Hypothese, frei übersetzt mit Durchlässiger-Darm-Hypothese. Ein gesundes Verdauungssystem kann deiner Migräne guttun. Immer mehr Forschung deutet etwa darauf hin, dass die Darmflora - darunter versteht man die Mikroorganismen, die deinen Darm besiedeln, darunter Bakterien, Pilze und sogenannte Protozoen - Schmerzwahrnehmung beeinflussen kann. Bei Migränikern scheint die Darmflora verändert zu sein. Eine Studie untersuchte die Zusammensetzung der Darm-Mikroorganismen von Menschen mit episodischer Migräne, mit chronischer Migräne und ohne Migräne. Das Ergebnis: Alle Gruppen unterscheiden sich in der Zusammensetzung ihrer Darmflora. Manche Bakterienarten sind bei besonders vielen Migräne-Patienten vertreten, andere eher bei der Gruppe ohne Migräne.
Gemeinsame Risikofaktoren
Einige Risikofaktoren, die sowohl bei Migräne als auch bei Divertikulitis eine Rolle spielen, sind:
- Entzündungen: Chronische Entzündungen im Körper können sowohl Migräne als auch Divertikulitis begünstigen.
- Ernährung: Eine unausgewogene Ernährung kann sowohl Migräne als auch Divertikulitis triggern.
- Stress: Stress kann sowohl Migräneanfälle als auch Divertikulitis-Schübe auslösen.
Bauchmigräne
Eine weitere Verknüpfung von Migräne und Magen-Darm-Trakt ist die sogenannte Bauchmigräne, auch abdominelle Migräne genannt. Darunter versteht man durch Migräne bedingte Magenschmerzen und Bauchkrämpfe, die regelmäßig in Anfällen auftreten und eine Stunde, aber auch mehrere Tage dauern können. Bei Erwachsenen ist diese Migräne-Form selten, eher Kinder und Jugendliche plagen sich damit. Die Bauchmigräne kann in der Pubertät verschwinden oder in eine Kopfschmerz-Migräne übergehen.
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