Migräne und Endometriose: Ein komplexer Zusammenhang

Die Forschung der letzten Jahre deutet zunehmend auf einen Zusammenhang zwischen Migräne und Endometriose hin. Obwohl die genauen Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind, deuten Studien darauf hin, dass Frauen mit Endometriose häufiger an Migräne leiden und umgekehrt. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Studienlage, mögliche Ursachen und Therapieansätze für Betroffene.

Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die schätzungsweise 10-15 % der Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Dabei siedelt sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter an, meist im Beckenbereich, aber auch in anderen Organen wie Darm, Blase oder Lunge. Dies kann zu starken Schmerzen, insbesondere während der Menstruation, sowie zu Unfruchtbarkeit führen. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie).

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein können. Migräne tritt bei Frauen etwa dreimal häufiger auf als bei Männern, was auf hormonelle Einflüsse hindeutet. Es gibt verschiedene Formen der Migräne, darunter Migräne mit und ohne Aura.

Der Zusammenhang zwischen Migräne und Endometriose

Mehrere Studien haben einen signifikanten Zusammenhang zwischen Migräne und Endometriose festgestellt. Eine italienische Studie an 133 Frauen mit Endometriose und 166 gesunden Frauen zeigte, dass ein Drittel der Endometriose-Patientinnen an Migräne litt, verglichen mit nur 15 % in der Kontrollgruppe. Eine französische Studie ergab, dass das Risiko einer Endometriose bei Frauen mit Migräne signifikant höher war. Zudem waren die Endometriose-bedingten Schmerzen bei Frauen mit Migräne stärker.

Eine aktuelle Meta-Analyse von 13 Beobachtungsstudien mit insgesamt 331.655 Frauen ergab ein signifikant erhöhtes Risiko für Migräne bei Frauen mit Endometriose (OR 2,25). Besonders ausgeprägt war der Effekt für Migräne ohne Aura (OR 2,64).

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Eine Studie deutete eine mögliche Verbindung zwischen der Endometriose-Stärke und dem zusätzlichen Auftreten von Andenomyose an, welche das Migränerisiko erheblich steigerten. In dieser Studie traten Migräne signifikant häufiger bei Endometriose-Patientinnen (29,9 %) auf als in der Kontrollgruppe (12,1 %), Patientinnen mit Adenomyose hatten kein erhöhtes Risiko (9,8 %). Das Risiko besonders starker Endometriose war bei zusätzlicher Migräne 4,6-fach höher als bei Endometriose-Patientinnen ohne Migräne. Frauen mit Endometriose und Adenomyose hatten im Vergleich zur Kontrollgruppe ein 5,4-fach erhöhtes Migränerisiko.

Mögliche Ursachen für den Zusammenhang

Die genauen Ursachen für den Zusammenhang zwischen Migräne und Endometriose sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere Theorien:

  • Hormonelle Einflüsse: Sowohl Migräne als auch Endometriose werden von Hormonen beeinflusst, insbesondere von Östrogen. Beide Erkrankungen zeigen oft eine Zyklusabhängigkeit, wobei die Symptome kurz vor oder während der Menstruation stärker werden.
  • Neuroinflammation: Beide Erkrankungen gehen mit einer Dysregulation neuroinflammatorischer Signalwege einher. Beteiligte Mediatoren umfassen Prostaglandine, Zytokine (z. B. IL-6, TNF-α) und vasoaktive Neuropeptide wie CGRP.
  • Zentrale Sensitivierung: Eine erhöhte zentrale Schmerzsensitivierung könnte ein gemeinsamer Faktor sein, der erklärt, warum betroffene Patientinnen häufiger unter chronifizierten, multiplen Schmerzsyndromen leiden.
  • Genetische Veranlagung: Forschende fanden Hinweise darauf, dass Endometriose und Migräne eine gemeinsame genetische Veranlagung in Sexualhormongenen haben könnten.
  • Adenomyose: Die Autoren einer Studie deuteten eine mögliche Verbindung zwischen der Endometriosestärke und dem zusätzlichen Auftreten von Andenomyose an, welche das Migränerisiko erheblich steigerten.

Therapieoptionen bei Migräne und Endometriose

Die Therapie von Migräne und Endometriose sollte individuell auf die Bedürfnisse der Patientin abgestimmt sein. Ein interdisziplinärer Ansatz zwischen Gynäkologie, Neurologie und Schmerzmedizin ist oft sinnvoll.

Therapieoptionen bei Endometriose:

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder stärkere Schmerzmittel können zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden.
  • Hormontherapie: Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille oder Hormonspiralen können das Wachstum der Endometriose-Herde unterdrücken und die Schmerzen reduzieren. GnRH-Analoga können die Hormonproduktion unterdrücken und so die Endometriose-Herde schrumpfen lassen.
  • Operation: Bei starken Beschwerden oder Unfruchtbarkeit kann eine Operation zur Entfernung der Endometriose-Herde in Erwägung gezogen werden.
  • Ernährung: Studien weisen darauf hin, dass die Ernährung auch auf Endometriose einen großen Einfluss haben könnte. So fanden mehrere Studien Hinweise darauf, dass gesättigte Fettsäuren, Trans-Fettsäuren und rotes Fleisch das Risiko für Endometriose erhöhen könnten. Wohingegen sich Antioxidantien, mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Gemüse positiv hervortaten und in vielen Fällen zu einer Schmerzreduktion führen konnten. Besonders eine Mediterrane-Diät, Gluten-freie-Ernährung, Nickel-arme-Ernährung und die low-FODMAP Diät zur Linderung der Symptome und Schmerzen führen konnten.

Therapieoptionen bei Migräne:

  • Akuttherapie: Schmerzmittel wie NSAR oder Triptane können bei einer Migräneattacke eingenommen werden.
  • Prophylaxe: Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika können zur Vorbeugung von Migräneattacken eingesetzt werden. Seit einigen Jahren stehen auch CGRP-Antikörper zur Verfügung, die speziell gegen einen Botenstoff wirken, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.
  • Menstruelle Migräne: Bei menstrueller Migräne können spezielle Therapieansätze wie die Einnahme von Triptanen kurz vor oder während der Menstruation oder die kontinuierliche Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln sinnvoll sein. Auch die percutane Gabe von Östradiol zur Prävention menstrueller Migräne wurde untersucht.
  • sinCephalea App: In Bezug auf Migräne legen neuere Studien nahe, dass der Zuckerstoffwechsel und insbesondere starke Blutzuckerschwankungen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Migräne-Attacken spielen. Deshalb ist eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält von großer Bedeutung, um Migräneattacken zu reduzieren. Mit der Migräne-App sinCephalea kannst du jetzt individuell für dich testen, welche Lebensmittel deinen Blutzucker niedrig und stabil halten und so aktiv deine Migräne bekämpfen.

Besondere Aspekte bei Endometriose und Migräne:

  • Hormonelle Kontrazeptiva: Bei Frauen mit Migräne mit Aura ist Vorsicht bei der Verordnung von kombinierten oralen Kontrazeptiva geboten, da diese das Schlaganfallrisiko erhöhen können.
  • Hormonelle Transition: Bei transsexuellen Menschen, die eine Hormontherapie erhalten, kann sich die Migräneprävalenz verändern.
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen, Neurologen und Schmerztherapeuten ist wichtig, um die bestmögliche Therapie für die Patientin zu gewährleisten. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) haben gemeinsam eine Praxisleitlinie Migräne veröffentlicht, die Wissen über die Diagnostik und Therapie dieser Erkrankung fokussiert auf Frauenärzte vermittelt.

Die Rolle der Ernährung bei Endometriose und Migräne

Die Ernährung kann sowohl bei Endometriose als auch bei Migräne eine wichtige Rolle spielen. Einige Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Ernährungsweisen die Symptome beider Erkrankungen beeinflussen können.

Ernährungsempfehlungen bei Endometriose:

  • Reduktion von gesättigten Fettsäuren und Transfetten: Diese Fette können Entzündungen fördern und das Risiko für Endometriose erhöhen.
  • Erhöhung der Aufnahme von Antioxidantien und mehrfach ungesättigten Fettsäuren: Diese Nährstoffe können Entzündungen reduzieren und die Schmerzen lindern.
  • Mediterrane Ernährung: Diese Ernährungsweise ist reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten und kannEntzündungen reduzieren und die Symptome lindern.
  • Glutenfreie Ernährung: Einige Frauen mit Endometriose berichten von einer Besserung ihrer Symptome durch eine glutenfreie Ernährung.
  • Low-FODMAP-Diät: Diese Diät kann bei Reizdarmsymptomen helfen, die häufig bei Endometriose auftreten.

Ernährungsempfehlungen bei Migräne:

  • Regelmäßige Mahlzeiten: Unregelmäßige Mahlzeiten können den Blutzuckerspiegel schwanken lassen und Migräneattacken auslösen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Dehydration kann Migräneattacken begünstigen.
  • Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln: Einige Lebensmittel wie Alkohol, Käse, Schokolade oder Zitrusfrüchte können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
  • Niedrig-glykämische Ernährung: Eine Ernährung, die den Blutzuckerspiegel stabil hält, kann Migräneattacken reduzieren.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Ernährungsempfehlungen individuell variieren können. Es ist ratsam, sich von einem Arzt oder Ernährungsberater beraten zu lassen, um eine geeignete Ernährungsweise zu finden.

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