Migräne bei extremer Kälte: Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Beschwerden, die viele Menschen betreffen. Gerade in der kalten Jahreszeit klagen viele Menschen über Kopfschmerzen, die während besonders heftiger Kältewellen bis zu mehrere Tage anhalten können. Spezialistinnen und Spezialisten unterscheiden rund 200 verschiedene Kopfschmerzarten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und präventiven Maßnahmen bei Migräne, die durch extreme Kälte ausgelöst oder verstärkt wird.

Ursachen von Kopfschmerzen und Migräne bei Kälte

Kälte kann auf verschiedene Weise Kopfschmerzen und Migräne auslösen oder verstärken. Hier sind einige der Hauptursachen:

  • Abkühlung der Kopfhaut: Wer an Frosttagen ohne winddichte Mütze oder gar mit nassen Haaren aus dem Haus geht, sorgt dafür, dass eisige Außentemperaturen das Blut in der Kopfhaut abkühlen. In der Folge verkrampft sich die dünne Muskulatur unter der Kopfhaut und ein allgemeiner Kopfschmerz kann auftreten. Für den Körper sind solche schnellen Temperaturwechsel der pure Stress. Ärzte und Wissenschaftlerinnen gehen davon aus, dass unser Körper in einem solchen Moment automatische Abwehrmechanismen ergreift, um das schnelle Abkühlen des Gehirns zu reduzieren.

  • Körperliche Anspannung: Auch eine allgemeine körperliche Anspannung, die uns beim Bibbern und Frieren im Freien ganz automatisch befällt, kann Kopfschmerz hervorrufen. "Bereits kurzzeitiges Kälteempfinden und Frieren kann dazu führen, dass betroffene Personen die Schultern hochziehen und sich ihre Muskeln in diesem Bereich verspannen. Mit der Zeit dehnen sich die Verspannungen dann über den Nacken und den Kopf aus und können zu Kopfschmerzen führen“, berichtet Dr. 01.

  • Temperaturwechsel: Gerade in der kühlen Jahreszeit kann der Wechsel von Zimmertemperatur zu einer niedrigen Außentemperatur zu Kopfschmerzen führen.

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  • Empfindlichkeit bei Migränepatienten: Menschen mit Migräne reagieren auf Temperaturreize meist besonders empfindlich: Plötzliche Kälte, starke Temperaturschwankungen, grelles Winterlicht oder Wetterumschwünge können bei ihnen Kopfschmerzen oder sogar Migräneattacken auslösen, weshalb ein konsequenter Kälteschutz und Sonnenbrille im Winter sinnvoll sind.

  • Kältekopfschmerz: Auch die Einnahme sehr kalter Getränke oder Speisen kann einen so genannten Kältekopfschmerz auslösen. „Der Kältekopfschmerz ist ein intensiver Schmerz, der abrupt und stechend in der Stirn auftritt. Kältekopfschmerzen sind zwar nicht gefährlich, können Betroffene aber sehr belasten“, erklärt Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) in Krefeld. „Mützen und Schals können ein Stück weit vor der Schmerzentstehung schützen. Ist der Kältekopfschmerz schon eingetreten, kann man durch langsames Aufwärmen und mit leichter Massage gegen die Schmerzen arbeiten. Bei Bedarf können die Betroffenen auch auf frei verkäufliche Schmerzmittel mit den klassischen Wirkstoffen wie ASS oder Ibuprofen zurückgreifen, um die Beschwerden zu lindern.“

  • Verkühlung der Kopfmuskulatur: Man vermutet, dass bei entsprechend empfindlichen Menschen bereits mäßige Temperaturänderungen (z.B. zwischen drinnen und draußen) von weniger als 10 Grad Celsius ausreichen können, um Kopfschmerzereignisse hervorzurufen. Dabei, so die allgemeine Annahme, kommt es zur Verkühlung der Kopfmuskulatur und in der Folge zu Verspannungen und Verkrampfungen dieser Muskelgruppe. Hinzu kommt, dass die akute Einwirkung von Kälte es den oberflächen-nahen Blutgefäßen stark erschwert, die Durchblutung angemessen zu regulieren, die Abkühlung des Blutflusses in diesen Gefäßen stellt für die Steuerung der Blutzirkulation also einen echten Stressfaktor dar. Solche Herausforderungen rufen immer Abwehrmaßnahmen hervor, weil das Gleichgewicht von Körperfunktionen gestört ist.

Symptome von Kälte-bedingten Kopfschmerzen und Migräne

Die Symptome von Kopfschmerzen und Migräne, die durch Kälte ausgelöst werden, können variieren. Einige häufige Symptome sind:

  • Der Kopf fühlt sich schwer an und schmerzt.
  • Die Konzentration lässt nach.
  • Die Augen sind müde.
  • Man fühlt sich schlapp.
  • Pochende Schmerzen auf einer Seite des Kopfes (bei Migräne).
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit (bei Migräne).
  • Übelkeit (bei Migräne).
  • Seh-, Empfindungs- oder Sprachstörungen (bei Migräne mit Aura).

Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne bei Kälte

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kopfschmerzen und Migräne zu behandeln, die durch Kälte ausgelöst werden:

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  • Wärme: Bei akuten Kopfschmerzen durch Kälte helfen vor allem Wärme und Entspannung: Ein warmes Bad, eine heiße Dusche oder ein Wärmekissen im Nacken lösen verspannte Muskeln und können den Schmerz deutlich lindern. Ob kalte Füße im Winter, Periodenschmerzen oder die klassische Nackenverspannung - nichts hilft in einem solchen Fall mehr als Wärme. So helfen Körner-, Kirschkernkissen und Co. Wärme und eine vorsichtige Massage können helfen, die verkrampften Muskeln wieder zu lockern.

  • Kopfbedeckung: Bei empfindlichen Migräne-Patienten ist es deshalb vorbeugend ratsam, bei winterlichen Minusgraden eine wärmende Kopfbedeckung zu tragen. Den klassischen Kälte-Kopfschmerz kann man vermeiden, indem man bei kalten Temperaturen eine wärmende Kopfbedeckung trägt. Wenn die Mütze oder warme Kapuze über die Ohren reicht, sind alle empfindlichen Stellen gut geschützt.

  • Schmerzmittel: Leichte und mittelschwere Migräneattacken können dann mit herkömmlichen Kopfschmerzmitteln behandelt werden, in schweren Fällen helfen spezielle Migräne-Präparate. Bei Bedarf können die Betroffenen auch auf frei verkäufliche Schmerzmittel mit den klassischen Wirkstoffen wie ASS oder Ibuprofen zurückgreifen, um die Beschwerden zu lindern.“

  • Medikamentöse Behandlung bei Migräne: Ärzte empfehlen eine medikamentöse Behandlung bei aufkommender Migräne. Handelt es sich um eine leichte bis mittelschwere Migräneattacke, so können peripher wirksame Analgetika beziehungsweise nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) helfen. Ist die Migräneattacke stärker ausgeprägt, so empfiehlt sich eine Therapie mit speziellen Migränemitteln wie Triptane. Die Medikamente imitieren die Eigenschaften des körpereigenen Botenstoffes Serotonin mit dessen Hilfe die Weite der Blutgefäße reguliert wird.

  • Regelmäßigkeit: Dr. Murinova rät vor allem dazu, deinen Tagesablauf während des Winters so konstant wie möglich zu halten. Wenn du in den wärmeren Monaten gerne im Freien trainierst, solltest du dir vornehmen, auch bei schlechterem Wetter weiter zu trainieren. Wenn du dich regelmäßig mit Freunden triffst, mache weiterhin Pläne. Denke daran: Der Schlüssel liegt darin, die Anzahl der Veränderungen zu reduzieren, die du von Tag zu Tag und von Jahreszeit zu Jahreszeit erlebst.

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Vorbeugung von Kopfschmerzen und Migräne bei Kälte

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Kopfschmerzen und Migräne, die durch Kälte ausgelöst werden, vorzubeugen:

  • Kälteschutz: Menschen, die im Winter auf die Kälte besonders empfindlich reagieren und zu Kopfschmerzen neigen, sollten starke Temperaturschwankungen möglichst meiden. Außerdem sollten sie besonders darauf Acht geben, die empfindliche Kopfpartie zu schützen und sich nicht länger als nötig in der Kälte aufhalten.

  • Anpassungsfähigkeit verbessern: Darüber hinaus ist es von Vorteil, die eigene Anpassungsfähigkeit an das Wetter zu verbessern, indem Sie so oft wie möglich wetterunabhängig im Freien spazieren gehen. Sportarten wie Bergwandern, Walken, Radfahren oder Langlaufen sind optimal. Saunagänge in Kombination mit Wechselduschen trainieren die Gefäße, damit diese wieder rasch auf unterschiedliche Temperaturreize reagieren.

  • Wetterunabhängig im Freien bewegen: Sich in den Wintermonaten gar nicht nach draußen zu bewegen, ist keine gute Idee. Gerade in der dunklen Jahreszeit ist es für Körper und Seele wichtig, dass wir genug Tageslicht sehen und an die frische Luft gehen. Tageslicht ist außerdem für die körpereigene Produktion von Vitamin D nötig, das für einige wichtige Körperfunktionen unerlässlich ist. Allgemein unterstützt Bewegung an der frischen Luft unser Wohlbefinden und wirkt ausgleichend auf unser Nervensystem. Weil Stress und körperliche sowie psychische Anspannung nachweislich Auslöser sowohl für Spannungskopfschmerz als auch für Migräne sein können, sollte man versuchen, dem „Winterblues“ auch dadurch zu begegnen, dass man sich genug im Freien bewegt.

  • Auslöser finden: Zunächst solltest du die Auslöser deiner Migräne ermitteln und einen Plan erstellen. Nach Angaben der Cleveland Clinic kann ein Symptomtagebuch sehr nützlich sein: Es kann dir helfen, herauszufinden, worauf du empfindlich reagierst, und deinem Arzt helfen, deine Kopfschmerzen oder Migräneanfälle besser zu verstehen. Notiere Datum und Uhrzeit des Beginns der Kopfschmerzen, die Dauer der einzelnen Kopfschmerzphasen, die spezifischen Symptome (einschließlich der Stelle, an der du den Schmerz spürst und wie stark er ist) und alle Informationen, die Hinweise auf die Ursache der Kopfschmerzen geben könnten. Einige wichtige Faktoren, auf die du jedes Mal achten solltest, wenn du Kopfschmerzen hast: Wie viel Schlaf hast du in der Nacht zuvor bekommen? Wie ist das Wetter? Wie viel Nahrung und Wasser hast du an diesem Tag zu dir genommen? Wenn es dir gelingt, anhand eines Kopfschmerztagebuchs einige Auslöser zu ermitteln - z.B. eine bestimmte Art von Lebensmitteln oder eine Veränderung der Umgebung -, dann ist es an der Zeit, Strategien zu entwickeln, um diese Auslöser so weit wie möglich zu vermeiden, wobei dir dein Arzt helfen kann, wenn du Unterstützung benötigst.

  • Allgemeines Wohlbefinden: Dein allgemeines Wohlbefinden ist ein wichtiger Bestandteil der Kopfschmerz- und Migräneprävention. Natalia Murinova, MD, Leiterin des Kopfschmerzzentrums der University of Washington Medicine, erklärt: “Wenn du weißt, dass dein Gehirn für Migräne anfällig ist, bedeutet jeder erhöhte Stress einen erhöhten Energiebedarf”, sagt sie. Du solltest dein Energieniveau also stabil halten, und das bedeutet, dass du dich um deinen Geist und deinen Körper kümmern musst - und hier kommt die Selbstfürsorge ins Spiel. Das kann so aussehen, dass du genügend Schlaf bekommst (im Allgemeinen sieben bis neun Stunden für die meisten Erwachsenen), dich gesund und regelmäßig ernährst (achte darauf, keine Mahlzeiten auszulassen), ausreichend Flüssigkeit zu dir nimmst, ein Bewegungsprogramm schaffst, das dir Spaß macht, und jeden Tag eine Technik zum Stressabbau anwendest, wie z.B. Meditations-Apps oder Achtsamkeitstraining.

  • Kopfschmerztagebuch: Bei häufigen Problemen mit Kopfschmerzen ist das Führen eines Kopfschmerztagebuchs hilfreich, um Zusammenhänge mit Auslösefaktoren zu identifizieren. In einem Tagebuch können jeweils Stärke, Dauer, Beschaffenheit und Begleitbeschwerden sowie mögliche Auslöser der Schmerzen notiert werden. Auch sämtliche Medikamente, die eingenommen wurden, sollten vermerkt werden, um die Einnahme von Schmerzmitteln effektiv kontrollieren zu können. Denn ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln kann zu einem Dauerkopfschmerz führen.

  • Langsam genießen: „Hirnfrost“ kann man leicht entgehen, indem man sehr kalte Getränke und Speisen langsam und in kleinen Portionen genießt.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Treten Kopfschmerzen bei Kälte plötzlich, sehr stark oder völlig ungewohnt auf, sollte möglichst bald eine Arztpraxis aufgesucht werden. Das gilt vor allem, wenn der Schmerz „wie aus heiterem Himmel“ einschießt, wenn er sich trotz Ruhe, Wärme und einfachen Schmerzmitteln nicht bessert oder über mehrere Tage anhält. Ein Warnsignal sind Begleitsymptome: Kopfschmerzen kombiniert mit Fieber, Nackensteifigkeit, starker Übelkeit, Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, starker Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen gelten als Notfall und sollten umgehend in einer Praxis oder Klinik abgeklärt werden. Grundsätzlich ist es bei regelmäßigen Kopfschmerzen wichtig, dass sie mit einem Arzt abgeklärt werden, um eine gezielte Behandlung oder auch Prophylaxe vornehmen zu können.

Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen äußert. Diese Kopfschmerzen sind oft von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Migräne kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und zu Einschränkungen in Beruf und Freizeit führen.

Formen der Migräne

Es gibt verschiedene Formen der Migräne, die sich in ihren Symptomen und ihrem Verlauf unterscheiden. Die beiden Hauptformen sind:

  • Migräne ohne Aura: Diese Form der Migräne ist durch Kopfschmerzen gekennzeichnet, die von Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können.
  • Migräne mit Aura: Bei dieser Form der Migräne treten vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome auf, die als Aura bezeichnet werden. Diese Symptome können Sehstörungen, Sprachstörungen oder Empfindungsstörungen sein.

Ursachen der Migräne

Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den Umweltfaktoren, die Migräne auslösen können, gehören Stress, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel und Wetterveränderungen. Auch hormonelle Veränderungen können bei Frauen Migräne auslösen.

Behandlung der Migräne

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Migräne zu behandeln. Dazu gehören:

  • Akutbehandlung: Bei einer akuten Migräneattacke können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Triptane eingenommen werden. Triptane sind spezielle Migränemittel, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und so die Kopfschmerzen lindern können.
  • Prophylaxe: Wenn Migräneattacken häufig auftreten, kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Dazu können Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika eingesetzt werden. Auch Entspannungstechniken wie Yoga oder progressive Muskelentspannung können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.

Selbsthilfemaßnahmen bei Migräne

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch einige Selbsthilfemaßnahmen, die bei Migräne helfen können:

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und vermeiden Sie Schlafmangel.
  • Stress vermeiden: Versuchen Sie, Stress zu vermeiden oder abzubauen.
  • Ausreichend trinken: Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Essen Sie regelmäßig Mahlzeiten und vermeiden Sie lange Pausen zwischen den Mahlzeiten.
  • Triggerfaktoren meiden: Versuchen Sie, Ihre persönlichen Triggerfaktoren zu identifizieren und zu meiden.

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