Migräne bei Kindern: Symptome, Ursachen und Behandlung

Kopfschmerzen sind keine Seltenheit und können bereits in jungen Jahren auftreten. Etwa fünf bis zehn Prozent der Kinder zwischen sieben und 15 Jahren leiden unter Migräne-Symptomen, und selbst jüngere Kinder können betroffen sein. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung von Migräne bei Kindern, um Eltern und Betroffenen ein umfassendes Verständnis der Erkrankung zu ermöglichen.

Was ist Migräne?

„Migräne ist eine angeborene Erkrankung des Gehirns, die durch einen regelmäßig, zum Beispiel zweimal im Monat, auftretenden, sehr starken Kopfschmerz charakterisiert ist“, erklärt Professor Dr. Boris Zernikow, Leiter des Deutschen Kinderschmerzzentrums in Datteln. Dieser Schmerz wird bei Bewegung schlimmer und geht meist mit Licht- und Geräuschempfindlichkeit einher. Manchmal kommen auch noch Übelkeit und Erbrechen hinzu.

Symptome von Migräne bei Kindern

Migräne beeinflusst den Alltag der betroffenen Kinder stark. Das Schmerzempfinden unterscheidet sich von dem erwachsener Migränepatienten. Während Erwachsene oft einen einseitigen Schmerz verspüren, der über Stunden und Tage anhalten kann, ist bei Kindern der Kopfschmerz vorwiegend beidseitig und klingt manchmal schon nach 30 Minuten wieder ab.

Typische Symptome einer Migräne bei Kindern sind:

  • Kopfschmerzen: Meist beidseitig und an der Stirn lokalisiert.
  • Dauer: Oft kürzer als bei Erwachsenen, häufig ein bis zwei Stunden.
  • Begleiterscheinungen: Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen können auch ohne Kopfschmerzen auftreten.
  • Schwindelattacken
  • Aura: In Form von neurologischen Ausfällen, bekannt als Alice-im-Wunderland-Syndrom, bei dem Gegenstände oder Körperteile größer oder kleiner erscheinen.
  • Weitere Symptome: Abwesenheit, Blässe oder Hautrötungen, vermehrter Harndrang, Durst, erhöhte Temperatur oder Müdigkeit.

In einigen Fällen kündigt sich die Migräne-Attacke bei Kindern schon einen Tag vorher an, etwa durch eine bedrückte Stimmung oder fehlenden Appetit. Die Kinder wirken dann müde und erschöpft.

Bauchmigräne (Abdominelle Migräne)

Eine Besonderheit bei Kindern ist die Bauchmigräne, auch abdominelle Migräne genannt. Hierbei treten anfallsartig und in regelmäßigen Abständen Bauchschmerzen ohne Fieber auf.

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Begleitende Symptome der Bauchmigräne sind:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Blässe
  • Appetitlosigkeit
  • Lichtempfindlichkeit

Die Schmerzen treten meist im Bereich des Bauchnabels auf und können von einer Stunde bis zu drei Tagen dauern. Betroffene Kinder können während der Attacken nicht mehr lernen oder spielen und müssen sich hinlegen. In der Pubertät verwandelt sich die Bauchmigräne oft in eine Kopfschmerzmigräne oder verschwindet ganz.

Ursachen und Auslöser von Migräne bei Kindern

Die genaue Ursache von Migräne ist noch nicht vollständig erforscht. Es wird angenommen, dass eine Migräneneigung vererbt werden kann. Wenn Eltern unter Migräne leiden, haben auch ihre Kinder ein erhöhtes Risiko. Für das Auftreten von Schmerzattacken gibt es verschiedene Migräne-Auslöser, sogenannte Trigger, die von Kind zu Kind unterschiedlich sind.

Häufige Trigger für Migräne bei Kindern und Jugendlichen sind:

  • Stress: Leistungsdruck in der Schule, lange Betreuungszeiten, ausufernder Medienkonsum oder Konfliktsituationen in der Familie.
  • Unregelmäßiger Tagesablauf: Abweichende Essenszeiten und zu wenig Schlaf.
  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel wie Koffein, fermentierte Kuhmilchprodukte, Schokolade oder Glutamat.
  • Wetter: Wetterfühligkeit, insbesondere bei Umschwüngen und schwül-heißem Klima.
  • Physikalische und chemische Reize: Laute Geräusche, helles Licht oder starke Gerüche.

Bauchmigräne: Auslöser und Ursachen

Auch bei der Bauchmigräne spielen bestimmte Trigger eine Rolle. Psychischer Stress, Erschöpfung, Schlafmangel, grelles oder flackerndes Licht sowie bestimmte Lebensmittel können eine abdominelle Migräne begünstigen. Die tatsächliche Ursache ist jedoch wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.

Diagnose von Migräne bei Kindern

Die Diagnose von Migräne bei Kindern kann schwierig sein, da sich die Symptome je nach Alter unterscheiden können. Ärzte benötigen viele Informationen, um eine Diagnose zu stellen:

  • Wie lange, wie oft und wann treten die Beschwerden auf?
  • Gibt es neben den Kopfschmerzen weitere Symptome?

Ein Kopfschmerz-Tagebuch, in dem das Kind jede Episode protokolliert, kann dem Arzt helfen, individuelle Stressfaktoren zu erkennen. Der Arzt bespricht dann mit dem Kind und seinen Eltern geeignete Maßnahmen, die den kindlichen Stress verringern und die seelische Widerstandskraft steigern können.

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Untersuchungen zur Diagnose

  • Körperliche Untersuchung: Um körperliche Ursachen auszuschließen.
  • Neurologische Untersuchung: Um neurologische Auffälligkeiten wie Sehprobleme oder Gleichgewichtsstörungen zu erkennen.
  • Hirnstrommessung (EEG): Um die Hirnaktivität zu untersuchen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): In bestimmten Fällen, um andere Ursachen auszuschließen.

Behandlung von Migräne bei Kindern

Eine komplette Heilung von Migräne ist nicht möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren und die Lebensqualität des Kindes zu verbessern.

Die Behandlung von Migräne bei Kindern umfasst:

  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Diese stehen im Vordergrund, insbesondere bei leichter Migräne.
  • Medikamentöse Therapie: Bei stärkeren Beschwerden oder wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichen.
  • Elterliche Unterstützung: Die Eltern sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Ruhe und Rückzugsort: Ein ruhiger, abgedunkelter Raum ist oft das beste Hausmittel gegen Migräne bei Kindern.
  • Regelmäßiger Sport: Kann bei vielen Kindern Linderung bringen.
  • Entspannungsübungen: Muskelrelaxation nach Jacobson und Yoga helfen Kindern, mit Migräne zu leben.
  • Biofeedback: Kann Kindern helfen, ihre Körperfunktionen bewusst zu beeinflussen und Migräne-Attacken abzuschwächen.
  • Ernährung: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann helfen, Trigger zu vermeiden.
  • Psychotherapie: Kognitive Verhaltens-, Hypno- oder Familientherapie können bei der Stressbewältigung helfen.

Medikamentöse Behandlung

Bei Kindern mit leichter Migräne steht eine Behandlung mit Medikamenten nicht im Vordergrund. Hilft diese leichte Therapieform nicht oder sind die Beschwerden stärker, liegt es auch in der Hand der Kinder- und Jugendärzte, eine geeignete Migräne-Therapie mit Medikamenten zu verschreiben und zu begleiten.

Medikamente, die bei Migräne bei Kindern eingesetzt werden können:

  • Schmerzmittel: Ibuprofen oder Paracetamol (Dosierung nach ärztlicher Anweisung).
  • Triptane: Für Kinder ab 12 Jahren, als Nasenspray (Sumatriptan oder Zolmitriptan).
  • Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen (z.B. Domperidon).
  • Präventive Medikamente: Bei häufigen Attacken können Betablocker (Propranolol oder Metoprolol) oder Antihistaminika (Cyproheptadin) eingesetzt werden.

Wichtiger Hinweis: Viele Migräne-Medikamente für Erwachsene sind für Kinder nicht zugelassen oder können schwere Schäden verursachen. Geben Sie Ihrem Kind niemals Medikamente, die Sie selbst einnehmen, ohne ärztliche Rücksprache.

Bauchmigräne: Behandlung

Gegen die Bauchmigräne helfen Entspannungsverfahren und die Abschirmung von Reizen. Das Führen eines Bauchschmerztagebuchs, um Trigger für die Attacken zu erkennen und einen guten Umgang damit zu finden, kann hilfreich sein. In der Regel sind Rückzug in ein abgedunkeltes Zimmer und Ruhe hilfreich.

Reicht dies allein nicht aus, kann nach ärztlicher Absprache Ibuprofen oder Paracetamol verabreicht werden. Bei häufigen Attacken können präventiv Medikamente wie Propranolol oder Cyproheptadin empfohlen werden.

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Die Rolle der Eltern

Die Eltern spielen eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Migräne bei Kindern. Sie sollten:

  • Ihre Kinder ernst nehmen, wenn diese über Kopfschmerzen klagen.
  • Beim Führen des Kopfschmerz- oder Bauchschmerztagebuchs unterstützen.
  • Für eine kindgerechte, gesunde, ausgewogene, bewegungsreiche und glückliche Lebensweise sorgen.
  • Den Alltag entschleunigen und Stress reduzieren.
  • Dem Kind einen ruhigen Rückzugsort bieten.
  • Entspannungstechniken gemeinsam mit dem Kind üben.
  • Sich bei Bedarf professionelle Hilfe suchen.

Vorbeugung von Migräne bei Kindern

Um Migräne-Attacken vorzubeugen, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Regelmäßiger Tagesablauf: Feste Schlaf- und Essenszeiten.
  • Ausreichend Schlaf: Für eine altersgerechte Schlafdauer sorgen.
  • Gesunde Ernährung: Ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit.
  • Stressmanagement: Stress vermeiden und Entspannungstechniken erlernen.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität.
  • Vermeidung von Triggern: Individuelle Auslöser identifizieren und meiden.
  • Einschränkung des Medienkonsums: Insbesondere vor dem Schlafengehen.

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