Migräne und Ernährung: Ursachen, Behandlung und der Einfluss von Low Carb

Migräne ist mehr als nur ein Kopfschmerz; es ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen kann. Sie möchten mehr zum Thema Migräne wissen? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Migräne, insbesondere den Einfluss der Ernährung und die potenziellen Ursachen, einschließlich der Rolle von Low-Carb-Diäten.

Was ist Migräne?

Als Migräne werden halbseitige Kopfschmerzen bezeichnet, wenngleich bis heute nicht hinreichend geklärt ist, was genau Migräne ist und was ihre Ursachen sind. Viele benutzen das Wort Migräne, wenn sie von ihren Kopfschmerzen sprechen. Allerdings lässt sich bei Migräneanfällen eine Erweiterung und Reizung der Blutgefäße im Gehirn feststellen. Die Forschung ist sich bis heute uneinig, was Migräne genau ist. Man kann jedoch festhalten, dass es sich grundsätzlich um eine Überlastung der Nervenzellen- und fasern handelt. Diese Überlastung provoziert eine Stress- oder Entzündungsreaktion, die sich in der Erweiterung der Blutgefäße äußert.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Migräne ist eine komplexe Erkrankung, deren Ursachen vielfältig sein können. Es gibt eine genetische Veranlagung, aber auch äußere Faktoren spielen eine Rolle.

Stress

Stress ist der häufigste Auslöser von Migräneanfällen. Alltägliche Situationen wie bevorstehende Prüfungen, Überforderung bei der Arbeit oder Beziehungsprobleme erzeugen oft Stress.

Körperliche Überlastung

Körperliche Überlastung kann ebenfalls Migräneanfälle verursachen. Dies erklärt, warum einige Menschen nach dem Sport Migräne bekommen. Obwohl Sport und Bewegung grundsätzlich gut für Sie sind, benötigt Ihr Körper in diesen Phasen viel Energie. Dies kann zu einem Energiedefizit im Gehirn führen und somit Migräneanfälle auslösen.

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Hormone

Hormone können auch eine Ursache für Migräne sein. Nach einer Schwangerschaft können Migräneanfälle häufiger auftreten. Auch in den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel und die Hormone geraten generell durcheinander.

Äußere Einflüsse

Starke Kopfschmerzen können auch durch äußere Einflüsse ausgelöst werden. Auch Licht kann Anfälle auslösen. Bestimmte Lichteffekte und Hell-Dunkel-Kontraste können ebenfalls Migräne verursachen. Lärm kann auch eine Reizüberflutung verursachen und ein Auslöser für Migräne sein.

Ernährung

Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung von Migräne. Allerdings spielen Lebensmittel als Migräne-Auslöser keine wesentliche Rolle. Ernährungsbedingte Faktoren scheinen dem aktuellen Forschungsstand folgend als Auslöser von Migräneanfällen aus. Hat die Ernährung also keinen Einfluss auf die Migräne? Doch, die Ernährung hat durchaus großen Einfluss auf Migräne, allerdings anders als in der bislang viel zitierten Form.

Symptome der Migräne

Migräne ist mehr als nur ein Kopfschmerz. Die Attacken sind oft so intensiv, dass sie das tägliche Leben beeinträchtigen. Anders als beim Spannungskopfschmerz sind die Kopfschmerzen meist einseitig, pulsierend und werden durch Bewegung schlimmer. Reize wie Licht, Geräusche oder Gerüche sind unerträglich. Migräneattacken können zwischen vier Stunden und drei Tage andauern und werden teils von neurologischen Symptomen wie Sehstörungen eingeleitet. Migräne geht oft mit Übelkeit sowie Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit einher. Zu den Kopfschmerzen kommt bei manchen Patienten noch eine Aura dazu. Dieser Auraphase geht bei manchen Patienten noch eine Phase voraus, die von Müdigkeit, Gereiztheit und Heißhunger gekennzeichnet ist und sich somit in ihrer Symptomatik deutlich von der Aura unterscheidet.

Diagnose von Migräne

Viele unterschätzen die Krankheit und verwechseln sie mit gewöhnlichen Kopfschmerzen. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft hat das Dröhnen im Hirn in über 200 verschiedene Typen unterteilt. Grundsätzlich wird der primäre vom sekundären Kopfschmerz unterschieden.

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Behandlung von Migräne

Es gibt verschiedene Methoden, um Migräneanfälle zu lindern oder zu verhindern.

  • Ruhe & Dunkelheit: Legen Sie sich in einen ruhigen, dunklen Raum und versuchen Sie zu entspannen.
  • Kühlung: Eine Kühlkompresse oder ein kaltes Tuch auf der Stirn oder am Hinterkopf können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Massage & Akupressur: Eine sanfte Massage von Nacken und Kopf kann helfen, Spannungen und Schmerzen zu lindern. Auch eine Fußreflexzonenmassage kann die Durchblutung und den Energiefluss in Ihrem Körper verbessern.
  • Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, um Dehydration zu vermeiden - vor allem, wenn Sie unter Erbrechen leiden. Wasser ist hierbei sicher die beste Wahl, aber auch Tee (Kamille oder Pfefferminz) eignet sich gut.
  • Ingwer: Ingwer hat eine entzündungshemmende Wirkung und kann bei Übelkeit helfen. Sie können ihn, ganz nach persönlicher Vorliebe, in verschiedenen Formen einnehmen, z. B.
  • Pfefferminzöl: Pfefferminzöl hat eine beruhigende Wirkung auf den Magen und kann bei Übelkeit helfen. Tragen Sie dazu das Öl auf Ihren Schläfen und Ihren Nacken auf oder atmen Sie einfach den erfrischenden Duft ein. Achtung: Nicht aus Versehen das Öl in die Augen wischen!

Für Migräne gibt es neben den klassischen Schmerzmitteln auch spezielle Präparate, die sogenannten Triptane.

Prävention von Migräne

Wäre es nicht eine tolle Erleichterung und eine Bereicherung Ihrer Lebensqualität, wenn sich Migräneattacken reduzieren oder ihre Intensität abmildern lassen könnten?

  • Bewusster Alltag: Einige Veränderungen des Lebensstils können helfen, Migräne-Symptome zu lindern oder zu vermeiden.
  • Entspannungstechniken: Auf die Frage "Was hilft gegen Migräne" ist das sicher die Top-Antwort - und sie stimmt auch.
  • Trigger kennen & vermeiden: Bei einigen Menschen wird die Migräne durch bestimmte Auslöser in Gang gesetzt, z. B. Man vermutet daher, dass diese chemischen Verbindungen bei einigen Menschen Migräne begünstigen können.
  • Vitamine & Co können helfen, sich insgesamt fit zu fühlen und widerstandsfähiger zu sein. und Coenzym Q10 sein, z. B.

Expertentipp: Ein Schmerz-Tagebuch kann helfen, den Triggern auf die Schliche zu kommen - und gleichzeitig zu erkennen, was Ihnen guttut.

Ernährung bei Migräne: Was ist wichtig?

Eine ausgewogene und regelmäßige Ernährung ist besonders für Migränepatienten wichtig. Energiemangel als Ursache von Migräneanfällen. Demnach haben Menschen mit Migräne einen überdurchschnittlich hohen Energiebedarf im Gehirn, weil ihr Nervensystem Informationen besonders schnell verarbeitet. Triggerfaktor für Migräneanfälle sind demnach in der Regel nicht bestimmte Nahrungsmittel oder deren Bestandteile. Vielmehr kommt es laut aktuellem Wissensstand zu Migräneattacken, wenn dem Gehirn nicht ausreichend Energie aus der Nahrung zur Verfügung steht. Genau dieser Energiemangel aber lässt sich durch die richtige Ernährung bei Migräne vermeiden.

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Energiemangel vorbeugen

Das Gehirn braucht vor allem Kohlenhydrate, die in Form von Zucker mit dem Blut ins Gehirn gelangen. Die richtige Ernährung bei Migräne sorgt also für einen ausreichenden und möglichst konstanten Blutzuckerspiegel. Dadurch lässt sich laut Dr. Göbel „Migräneanfällen nachweislich vorbeugen oder die Häufigkeit reduzieren".

5 einfache Regeln zur Ernährung bei Migräne:

  1. Frisch und abwechslungsreich essen (möglichst selbst kochen, industriell verarbeitete Lebensmittel sparsam verwenden)
  2. Mehr komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Kartoffeln, Obst und Gemüse statt aus Weißmehlprodukten oder Süßspeisen
  3. Mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer
  4. Keine Mahlzeit auslassen
  5. Wenig tierische Fette und Zucker

Migräne und Low Carb: Ein Widerspruch?

Eine ketogene Ernährung ist bei Migräne nicht zu empfehlen, da bei dieser Art der Ernährung nur eine sehr geringe Menge an Kohlenhydraten konsumiert werden. Auf Fastenkuren und Low-Carb-Diäten verzichten. Kohlenhydratarme Ernährungskonzepte (Low-Carb-Diäten) und Fastenkuren wie das Teilzeitfasten liegen voll im Trend. Für Menschen mit Migräne sind diese Diäten nicht geeignet, weil das Gehirn aus Fetten und Eiweißen nur unzureichend Energie gewinnt. Personen mit Migräne reagieren überempfindlich auf Reize, unter anderem auch auf Schwankungen des Blutzuckerspiegels. Das Gehirn gewinnt seine Energie aus Kohlenhydraten. Allerdings können auch hier bestimmte Lebensmittel verantwortlich sein. Komplexe Kohlenhydrate stabilisieren den Blutzuckerspiegel, wodurch Migräneanfälle verhindert werden können.

Der Fall der ketogenen Diät

Bei ketogener Ernährung wird der Kohlenhydratanteil der Nahrung drastisch eingeschränkt, damit andere Energiereserven genutzt werden. Gespeichertes Fett wird in der Leber zu Ketonkörpern umgewandelt und als neue Energiequelle für das Gehirn und andere Organe nutzbar gemacht. Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten (z. B. Die ketogene Diät ist eine langfristige Ernährungsumstellung. Um den Zustand der sogenannten Ketose zu erreichen braucht es bei Erwachsenen mehrere Tage. Kurzfristig werden die Wirkmechanismen dieser Diät also nicht funktionieren.

Kontroverse Meinungen

Dr. Caroline Jagella, Chefärztin in der Neurologie der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein im Taunus, geht hingegen davon aus, dass eine ketogene Ernährung auch bei Migräne helfen könnte. Die Annahme: Durch die hohen Fett- und Proteinanteile soll der Blutzuckerspiegel konstant bleiben. Jagella verweist auf mehrere aktuelle Studien, die eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf vermuten lassen. Es gelte herauszufinden, wer auf die ketogene Diät anspricht und welche Form des Ernährungskonzepts im Alltag praktikabel und erfolgreich sein kann, so Jagella.

Nocebo-Effekt bei Lebensmitteln als Migräne-Auslöser

Ungeachtet aller Forschungsergebnisse sind viele Menschen mit Migräne fest davon überzeugt, dass bestimmte Lebensmittel Migräneattacken auslösen. Warum ist das so? Aufgrund eines überholten vermeintlichen Wissens über die Ursachen von Migräne halten nun viele Migränekranke Heißhunger für das untrügliche Anzeichen eines bevorstehenden Migräneanfalls. Da der Migräneanfall tatsächlich kommt, sehen Betroffene ihre Annahme bestätigt - und diese verfestigt sich immer weiter. So entsteht Schmerz durch eine negative Erwartungshaltung und wird sogar verstärkt. Mediziner sprechen von einem Nocebo-Effekt: Schmerzen entstehen, weil Menschen davon überzeugt sind, dass die Schmerzen auftreten werden.

Individuelle Trigger finden

In jedem Fall ist es sehr sinnvoll, nach den individuellen Migräne-Triggern zu suchen. Ein wertvolles Hilfsmittel sind Kopfschmerztagebücher, wie der Kieler Kopfschmerzkalender oder das Kopfschmerztagebuchz der DMKG. Auf keinen Fall ist es sinnvoll, bei Migräne ohne guten Grund auf eines oder mehrere Lebensmittel zu verzichten.

Fazit

Migräne ist eine komplexe Erkrankung, bei der die Ernährung eine wichtige Rolle spielen kann. Es gibt keine allgemeingültige "Migräne-Diät", aber eine ausgewogene und regelmäßige Ernährung mit komplexen Kohlenhydraten kann helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Energiemangel im Gehirn vorzubeugen. Low-Carb-Diäten sind für Migränepatienten in der Regel nicht geeignet, es sei denn, sie werden unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt und individuell angepasst. Es ist wichtig, die eigenen Trigger zu identifizieren und zu vermeiden, um Migräneanfälle zu reduzieren.

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