Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, von der schätzungsweise 30 Prozent der Frauen und 12 Prozent der Männer in Deutschland betroffen sind. Charakteristisch sind starke, pochende Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl Akuttherapien zur Linderung der Symptome während eines Anfalls als auch Prophylaxe zur Reduktion der Anfallshäufigkeit. Dieser Artikel vergleicht die Akuttherapie mit Ibuprofen und Dolortriptan (Almotriptan) und stellt weitere Behandlungsoptionen vor.
Akuttherapie der Migräne: Analgetika und NSAR
Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken stellen Analgetika und nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oft die erste Wahl dar. Studien belegen die beste Wirksamkeit für Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen. Die S1-Leitlinie Migräne empfiehlt zur Akuttherapie 1000 mg ASS, eventuell in Kombination mit Metoclopramid. Für Ibuprofen konnte gezeigt werden, dass 400 mg effektiver sind als 200 mg. Die maximale Dosis in der Selbstmedikation beträgt 1200 mg.
Bedeutung der Darreichungsform
Brausetabletten sind Filmtabletten vorzuziehen, da sie den Wirkstoff bereits in gelöster Form enthalten und somit schneller wirken. Zudem sind sie besser verträglich, da keine punktuell hohen Wirkstoffkonzentrationen an der Magenschleimhaut vorliegen.
Paracetamol: Eine Alternative?
Obwohl Paracetamol häufig bei Kopfschmerzen eingesetzt wird, ist es in Studien bei Migräne weniger wirksam als ASS und Ibuprofen. Die Leitlinie empfiehlt Paracetamol nur dann, wenn andere NSAR kontraindiziert sind oder nicht vertragen werden.
Triptane: Spezifische Migränemittel
Bei mittelstarken bis starken Migräneattacken sind Triptane die Mittel der ersten Wahl. Sie sind spezifische Migränemittel und wirken nicht bei Spannungskopfschmerzen. In Deutschland sind sieben Triptane zugelassen, von denen einige verschreibungspflichtig sind: Eletriptan, Frovatriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan. Für die Selbstmedikation stehen Almotriptan (Dolortriptan®) und Naratriptan (Formigran®) zur Verfügung.
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Wirkmechanismus der Triptane
Triptane imitieren die Eigenschaften des körpereigenen Botenstoffes Serotonin, der die Weite der Blutgefäße reguliert. Sie wirken als Agonisten, indem sie die Serotonin-Bindungsstellen auf den Blutgefäßen besetzen, was zu einer Verengung der Blutgefäße in den Hirnhäuten führt und den Migräneanfall unterbricht. Zudem hemmen sie die Freisetzung entzündlicher Eiweißstoffe im Gehirn und reduzieren die Fortleitung von Schmerzimpulsen.
Almotriptan vs. Naratriptan: Welches Triptan ist besser geeignet?
Almotriptan (Dolortriptan®) wirkt schneller als Naratriptan, die Wirkung setzt hier bereits nach 45 bis 60 Minuten ein, während Naratriptan erst nach etwa vier Stunden wirkt. Die mittlere Eliminationshalbwertszeit beträgt für Naratriptan sechs Stunden, für Almotriptan 3,5 Stunden. Somit eignet sich Naratriptan eher für längere Migräneattacken, während Patienten, die erfahrungsgemäß eher an kurzen Migräneepisoden leiden, auch mit Almotriptan ausreichend lang therapiert sind. Almotriptan gilt zudem als eines der verträglichsten Triptane hinsichtlich der Nebenwirkungen.
Bei Naratriptan nehmen Migränepatienten initial 2,5 mg ein. Bei unzureichender Wirkung kann nach vier Stunden eine zweite Dosis genommen werden. Die Tageshöchstmenge liegt bei zwei Tabletten und somit insgesamt 5 mg Naratriptan. Almotriptan wird initial mit 12,5 mg dosiert, hier können Patienten bereits nach zwei Stunden eine weitere Tablette einnehmen. Allerdings ist auch hier mit zwei Tabletten, folglich 25 mg Almotriptan, die Tageshöchstmenge erreicht.
Weitere Triptane im Überblick
Sumatriptan: Wirkt schnell und stark, aber die Wirkung hält nicht lange an und es gibt einige Nebenwirkungen, etwa Müdigkeit oder Schwindelgefühl. Als Spritze gilt Sumatriptan Experten zufolge als das am schnellsten wirksame Triptan gegen akute Migräne.
Eletriptan, Zolmitriptan: In einer Studie erwies sich das Kopfschmerzmittel Eletriptan als sechsmal wirksamer als Ibuprofen, Zolmitriptan war fünfeinhalbmal und Sumatriptan fünfmal so wirksam.
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Wann sollten Triptane nicht eingenommen werden?
Triptane sollten nicht regelmäßig eingenommen werden, da sie sonst zu medikamenteninduziertem Dauerkopfschmerz führen können. Sie sind unter anderem bei schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen kontraindiziert.
Weitere Behandlungsoptionen und Medikamente
Eine Studie ergab, dass einige Migränemedikamente bei der Behandlung zwei- bis fünfmal so wirksam sein können wie Ibuprofen - insbesondere die Wirkstoffklassen Triptane, Ergotika und Antiemetika sollen hier positiv herausgestochen haben.
Antiemetika
Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen) können bei Migräneattacken sinnvoll sein, da sie einerseits direkt die Symptome Übelkeit und Erbrechen reduzieren, andererseits die Magen- und Darmaktivität normalisieren können. Dadurch kann die Aufnahme des Medikamentes gegen die Schmerzen verbessert und beschleunigt werden.
Kombinationspräparate
Eine gängige Kombination von Medikamenten zur Behandlung von Migräne, nämlich Aspirin, Paracetamol und Koffein, erwies sich als wirksamer als Ibuprofen. Kombinationspräparate wie Thomapyrin oder Boxagrippal vereinen mehrere Wirkstoffe, um Schmerzen gezielt und effektiv zu lindern. Sie enthalten meist eine Kombination aus Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Koffein oder anderen ergänzenden Substanzen, wodurch die schmerzlindernde Wirkung verstärkt werden kann.
Alternative Schmerzmittel
Andere NSAR waren wirksamer als Ibuprofen, bei den Mitteln Ketorolac, Indomethacin und Diclofenac lagen die Angaben zur Wirksamkeit bei um die 60 Prozent wirksamer als Ibuprofen.
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Migräneprophylaxe
Bei häufigen Migräneattacken kann eine Prophylaxe sinnvoll sein. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, darunter Betablocker (Metoprolol und Propranolol), der Calciumantagonist Flunarizin oder Antikonvulsiva (Topiramat und Valproinsäure). Seit kurzem ist auch der erste Antikörper, Erenumab (Aimovig®), zur Migräneprophylaxe zugelassen. Als nicht verschreibungspflichtige Optionen zur Migräneprophylaxe führt die S1-Leitlinie ASS (100-300mg), Magnesium (2×300mg), Magnesium (2×300mg) in Kombination mit Vitamin B2 (2×200mg) und Coenzym Q10 (2×75mg) an, doch ist die wissenschaftliche Evidenz hier nur gering.
Pflanzliche Mittel
Teufelskralle ist ein pflanzliches Mittel, das vor allem bei chronischen Gelenk- und Rückenschmerzen eingesetzt wird. Die Wurzel der südafrikanischen Pflanze enthält Bitterstoffe, die zur Linderung von Schmerzen und zur Unterstützung der Beweglichkeit beitragen können.
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Schmerzmitteln
- Schmerzmittel sollten nicht über einen längeren Zeitraum ohne ärztlichen Rat eingenommen werden.
- Ein Übergebrauch von Schmerzmitteln kann zu medikamenteninduziertem Kopfschmerz führen.
- Bei Unsicherheiten, Vorerkrankungen oder gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente ist eine ärztliche Beratung ratsam.
- Die Tageshöchstdosis auf der Verpackung sollte beachtet und das Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat maximal 3 Tage am Stück eingenommen werden.
- Es sollten die zeitlichen Einnahmeabstände beachtet werden, besonders bei Kindern.
- Bei anhaltenden oder ungewöhnlichen Beschwerden ist es ratsam, einen Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren.
Verhalten während eines Migräneanfalls
Es gehört zu einer der ersten Maßnahmen in der Behandlung des Migräneanfalles, eine Reizabschirmung einzuleiten. Da die Lärm- und Lichtempfindlichkeit vielen Betroffenen gut bekannt ist, versuchen sich viele Menschen durch schnelle und übermäßige Einnahme von Medikamenten arbeitsfähig zu erhalten.
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