Migräne, Dorntherapie und Atlastherapie: Ein umfassender Überblick

Migräne ist eine weitverbreitete neurologische Erkrankung, von der in Deutschland rund eine Million Menschen betroffen sind. Sie äußert sich in heftigen Kopfschmerzen, oft begleitet von Symptomen wie Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer. Neben medikamentösen Behandlungen suchen viele Betroffene nach alternativen oder ergänzenden Therapieansätzen, um ihre Beschwerden zu lindern. In diesem Zusammenhang rücken die Dorntherapie und die Atlastherapie zunehmend in den Fokus.

Der Atlaswirbel: Schlüssel zur Gesundheit?

Der Atlas, benannt nach dem Titanen der griechischen Mythologie, der das Himmelsgewölbe trug, ist der oberste Halswirbel. Er trägt den Kopf, der bei einem durchschnittlichen Erwachsenen etwa 5-6 kg wiegt, und ist für die Aufhängung, Balance und Steuerung der Wirbelsäule zuständig. Der Atlaswirbel verbindet die Wirbelsäule mit dem Hinterhaupt/Schädel. Zusammen mit dem Axis (dem zweiten Halswirbel) ermöglicht er etwa 70% der Kopfbewegungen gegenüber dem Rumpf.

Eine Fehlstellung, Blockierung oder Dysfunktion des Atlaswirbels kann eine Kettenreaktion auslösen, die sich über die gesamte Wirbelsäule erstreckt. Da sich der gesamte Körper nach der Kopfstellung ausrichtet, kann eine Fehlstellung des Kopfes durch die restliche Wirbelsäule ausgeglichen werden, was zu weiteren Blockaden und muskulären Dysbalancen führen kann. Die Folge: Durch die Verschiebung des Atlaswirbels verspannen sich die umliegenden Muskeln und Faszien, wodurch sich langfristig auch der Schwerpunkt des Kopfes verschieben kann. Nahezu jeder Mensch hat eine Asymmetrie oder Fehlstellung des Atlas, die unentdeckt bleibt und zu vielfältigen Symptomen führen kann.

Ursachen einer Atlasfehlstellung

Die Ursachen für eine Atlasfehlstellung können vielfältig sein:

  • Geburtstrauma: Bereits während der Geburt kann es zu einer Fehlstellung des Atlas kommen.
  • Traumata: Schleudertraumata, Stürze, Kopfverletzungen oder Gehirnerschütterungen können ebenfalls eine Atlasfehlstellung verursachen oder verstärken. Auch Intubationen bei Operationen unter Vollnarkose können eine Rolle spielen.
  • Fehlhaltungen und -belastungen: Einseitige Belastungen, Fehlhaltungen oder Bewegungsmangel können langfristig zu einer Fehlstellung des Atlas führen.

Symptome einer Atlasdysfunktion

Eine Atlasdysfunktion kann sich in einer Vielzahl von Symptomen äußern, die oft nicht direkt mit dem Atlas in Verbindung gebracht werden:

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  • Kopfschmerzen und Migräne: Viele Patienten mit Kopfschmerzen und Migräne weisen eine Fehlfunktion des Atlaswirbels auf.
  • Nacken- und Rückenschmerzen: Die Fehlstellung kann zu Verspannungen und Schmerzen im Nacken- und Rückenbereich führen.
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen: Eine Atlasfehlstellung kann das Gleichgewichtsorgan beeinträchtigen und Schwindel verursachen.
  • Seh- und Hörstörungen: In einigen Fällen können auch Seh- und Hörstörungen auftreten.
  • Tinnitus: Ohrgeräusche (Tinnitus) können ebenfalls mit einer Atlasdysfunktion in Zusammenhang stehen.
  • Kiefergelenksdysfunktionen (CMD): Eine Fehlstellung des Atlas kann sich auf das Kiefergelenk auswirken und zu CMD führen.
  • allgemeine Behandlungsresistenzen bei Patienten
  • diffuse Beschwerden im gesamten Körper
  • Dysregulationen des Vegetativums und des Körpertonus

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome nicht ausschließlich auf eine Atlasblockade zurückzuführen sind, sondern auch andere Ursachen haben können.

Diagnose einer Atlasfehlstellung

Um eine Atlasfehlstellung zu erkennen, bedarf es einer sorgfältigen Untersuchung durch einen erfahrenen Therapeuten. Die Diagnose umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Eine ausführliche Befragung des Patienten nach seinen Beschwerden und seiner Krankengeschichte.
  • Körperliche Untersuchung: Abtasten der Halswirbel, des Kiefers und Beurteilung der Körperstatik.
  • Funktionstests: Überprüfung der Beweglichkeit der Halswirbelsäule und des Kopfes.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können Röntgenaufnahmen oder eine Computertomographie (CT) zur Beurteilung der Atlasstellung sinnvoll sein. Allerdings können normale Röntgenbilder und Magnetresonanztomographie (MRT) eine Atlasfehlstellung oft nicht ausreichend darstellen. Bei einer Computertomographie hingegen kann die Position des Atlas genau gesehen und gemessen werden, allerdings nur, wenn der Radiologe das Gerät spezifisch einstellt und gezielt nach einer Fehlstellung sucht.

Therapieansätze: Dorntherapie und Atlastherapie

Sowohl die Dorntherapie als auch die Atlastherapie zielen darauf ab, Fehlstellungen und Blockaden im Bereich der Wirbelsäule, insbesondere des Atlaswirbels, zu korrigieren und somit die Beschwerden des Patienten zu lindern.

Dorntherapie

Die Dorntherapie ist eine manuelle Behandlungsmethode, die von dem Landwirt Dieter Dorn entwickelt wurde. Sie basiert auf der Annahme, dass Fehlstellungen der Wirbel und Gelenke zu funktionellen Beschwerden und Schmerzen führen können. Ziel der Dorntherapie ist es, diese Fehlstellungen auf sanfte Weise zu korrigieren und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

Die Behandlung erfolgt durch gezielte, sanfte Bewegungen und Druckimpulse, die der Therapeut an den betroffenen Wirbeln und Gelenken ausübt. Der Patient führt dabei aktive Bewegungen aus, um die Korrektur zu unterstützen. Die Dorntherapie wird häufig in Kombination mit der Breuß-Massage angewendet, einer sanften Massage der Wirbelsäule, die die Muskulatur entspannen und die Wirbel in ihre natürliche Position zurückbringen soll.

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Atlastherapie

Die Atlastherapie ist eine spezielle Form der Manuellen Therapie, die sich auf die Behandlung des Atlaswirbels konzentriert. Es gibt verschiedene Ansätze der Atlastherapie, die sich in ihrer Durchführung und den verwendeten Techniken unterscheiden.

  • Manuelle Atlastherapie: Bei dieser Methode werden die Fehlstellungen des Atlaswirbels mit sanften manuellen Techniken korrigiert. Der Therapeut übt dabei gezielte Druckimpulse auf den Atlas aus, um ihn in seine natürliche Position zu bringen.
  • Gerätegestützte Atlastherapie: Bei dieser Methode kommen spezielle Geräte zum Einsatz, die mechanische Schwingungen oder Vibrationen erzeugen. Diese Schwingungen sollen die Muskelverspannungen im Bereich des Atlas lösen und die Repositionierung des Wirbels erleichtern. Ein Beispiel hierfür ist die foreas Therapie, eine Weiterentwicklung der Atlaskorrektur mit Hilfe eines Vibrationsgerätes. Diese Methode ermöglicht es, auch weitere Halswirbel mit Hilfe des Vibrationsgerätes zu korrigieren und die Muskulatur zu entspannen.
  • AtlasMed-Therapie: Diese Technik nutzt spezielle Geräte, die mechanische Schwingungen erzeugen und eine Resonanz im Muskelgewebe hervorrufen. Ihr Zweck besteht darin, eine tiefgehende Entspannung der Muskelverspannungen zu fördern und so die Repositionierung des fehlgestellten Atlas zu ermöglichen.

Die Atlastherapie zielt darauf ab, die Fehlstellung des Atlas zu korrigieren, die umliegenden Muskeln zu entspannen und die natürliche Beweglichkeit der Halswirbelsäule wiederherzustellen. Dadurch sollen die Beschwerden des Patienten gelindert und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.

Weitere Therapieansätze

Neben der Dorntherapie und der Atlastherapie gibt es noch weitere Therapieansätze, die bei Migräne und anderen Beschwerden im Zusammenhang mit einer Atlasdysfunktion eingesetzt werden können:

  • Akupunktur: Die Akupunktur ist eine traditionelle chinesische Behandlungsmethode, bei der feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden, um den Energiefluss anzuregen und Blockaden zu lösen. Sie kann bei Migräne und Verspannungen im Nackenbereich eingesetzt werden.
  • Chirotherapie: Die Chirotherapie ist eine manuelle Behandlungsmethode, bei der Blockaden der Wirbelsäule und der Gelenke durch gezielte Handgriffe gelöst werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Übungen können helfen, die Muskulatur im Nacken- und Schulterbereich zu stärken, Fehlhaltungen zu korrigieren und die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern.
  • Kiefergelenkstherapie (CMD-Therapie): Bei Kiefergelenksdysfunktionen kann eine spezielle Therapie zur Behandlung der CMD sinnvoll sein.
  • Osteopathie: Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die darauf abzielt, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und Funktionsstörungen im Bewegungsapparat zu beheben.
  • Schmerztherapie: In einigen Fällen kann eine begleitende Schmerztherapie mit Medikamenten oder anderen Verfahren erforderlich sein, um die Beschwerden des Patienten zu lindern.

Die foreas Therapie im Detail

Die foreas Behandlung ist eine Weiterentwicklung der altbewährten Atlaskorrektur mit Hilfe eines Vibrationsgerätes. Das Besondere an dieser Methode ist die Möglichkeit, weitere Halswirbel auch mit Hilfe des Vibrationsgerätes zu korrigieren, wodurch sie auch deutlich effektiver wird.Damit ist sie der manuellen Therapie deutlich überlegen, da nur eine Sitzung benötigt wird, um alle Wirbel in ihre korrekte Position zu schieben. Des Weiteren bewirkt die Vibrationsmassage eine deutlich spürbare und langanhaltende Entspannung der Muskulatur. Auch die Verklebungen der Faszien werden hierdurch maßgeblich gelöst.

Ablauf der foreas Therapie

  1. Anamnese: Ausführliche Analyse der Symptome des Patienten.
  2. Untersuchung: Abtasten der Halswirbel, des Kiefers und Aufnahme von Bildern der Körperstatik, um ein Gesamtbild des Ist-Zustandes zu erhalten.
  3. Lösen von Verspannungen: Vorbereitung der Muskulatur durch manuelle Techniken oder Massage.
  4. Korrektur des Atlaswirbels & weiterer betroffener Wirbel: Anwendung des Vibrationsgerätes zur schonenden Korrektur der Wirbel.
  5. Massage: Ca. 20-minütige Massage zur Lockerung des Rückens und ggfs. weiterer betroffener Bereiche.
  6. Folgetermin: Besprechung der Reaktionen nach dem ersten Termin und erneute Analyse der IST-Situation.

Vorteile der foreas Therapie

  • Effektive Korrektur: Durch die Kombination von Vibration und manuellen Techniken können Fehlstellungen der Wirbel effektiv korrigiert werden.
  • Muskelentspannung: Die Vibrationsmassage sorgt für eine spürbare und langanhaltende Entspannung der Muskulatur.
  • Faszienlösung: Verklebungen der Faszien werden gelöst, was zu einer Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung führen kann.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Die foreas Methode betrachtet die Wirbelsäule und das Kiefergelenk als Einheit und berücksichtigt deren взаимосвязь.

KISS-Syndrom bei Säuglingen und Kleinkindern

Das KISS-Syndrom (Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung) ist eine spezielle Form der Atlasdysfunktion, die bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten kann. Es wird häufig durch die Geburt verursacht, insbesondere bei schwierigen Geburten. Die Blockierungen in einem Wirbelsäulensegment führen zu Verkrampfungen, einseitiger Muskulaturverkürzung sowie einer daraus resultierenden dauerhaften Verhärtung.

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Symptome des KISS-Syndroms

Die betroffenen Kinder (KISS-Kinder) leiden oftmals unter einer Vielzahl von Störungen, die eine Verzögerung der kindlichen Entwicklung nach sich ziehen. Zu den typischen Symptomen gehören:

  • asymmetrische Haltung
  • Kopfschiefhaltung
  • Kopfhalteschwäche und / oder ausgeprägte Kopfrückbeuge / Überstreckung
  • einseitige Schlafhaltung / durchgestreckte Haltung beim Schlafen
  • hohe Berührungsempfindlichkeit des Nackens
  • Schlafstörungen, häufiges Aufwachen
  • Schlagen oder Pressen des Kopfes gegen die Bettwand („Head Banging“)
  • einseitige bevorzugte Blickrichtung
  • abgeplatteter Hinterkopf
  • verlängerte bzw. ausgeprägte Drei-Monats-Koliken
  • Trinkprobleme (z. B. Schwierigkeiten beim Anlegen an der Brust)

Therapie des KISS-Syndroms

Ziel der KISS-Therapie ist es, die Verspannungen und Verhärtungen - und damit die Fehlfunktionen - dauerhaft zu lösen. Mithilfe der Atlastherapie, die ggf. in Kombination mit weiteren manuellen Therapien angewendet wird, werden die Fehlstellungen sanft und einfühlsam gelöst. Mit sanften Berührungen wird der kleine Organismus bei der Neuausrichtung unterstützt. Oftmals ist bereits eine Behandlungseinheit ausreichend. In der Folgezeit sollte das Verhalten des Kindes genau beobachtet werden.

Wichtige Hinweise und Kontraindikationen

  • Erfahrung des Therapeuten: Die Untersuchung und Behandlung des Atlaswirbels erfordert Erfahrung und Expertise. Es ist wichtig, sich an einen qualifizierten Therapeuten zu wenden.
  • Degenerative Veränderungen: Grundsätzlich sind degenerative Veränderungen an den Wirbelgelenken oder Bandscheibenvorfälle meistens keine Kontraindikation für eine Atlastherapie.
  • Individuelle Ergebnisse: Die Ergebnisse der Atlastherapie können individuell variieren. Nicht bei jedem Menschen führt die Behandlung zu einer Verbesserung der Beschwerden.
  • Keine Heilversprechen: Ein AtlantoMed-Therapeut stellt keine medizinischen Diagnosen und gibt keine Heilversprechen. Seine Befundung beschränkt sich ausschließlich darauf festzustellen, ob eine Ausrichtung der Halswirbel erforderlich ist.
  • Bewegung nach der Behandlung: Nach der Behandlung sollten Sie sich viel bewegen. Machen Sie z.B. Kräftigungsübungen, Dehnungsübungen oder Sport.

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