Natürliche Behandlung von Migräne durch die Pille: Ursachen, Symptome und Linderung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch pochende Kopfschmerzen, Sehstörungen und Übelkeit gekennzeichnet ist. Etwa 16 % aller Frauen im Alter von etwa 40 Jahren sind in Europa mit Migräne belastet. Viele Betroffene suchen nach Möglichkeiten, die Schmerzen ohne Medikamente zu lindern, insbesondere während der Schwangerschaft, wenn Vorsicht bei der Einnahme von Arzneimitteln geboten ist.

Migräne verstehen

Migräneattacken dauern definitionsgemäß mindestens 4 Stunden, können aber auch bis zu drei Tage lang anhalten. 30-40 % aller Migräne-Kranken durchlaufen zunächst eine sogenannte Prodromalphase mit Müdigkeit, Schlafproblemen und verändertem Essverhalten. Migräne-Kopfschmerzen werden durch körperliche Aktivität nicht gelindert, sondern eher verstärkt.

Es existieren grundsätzlich zwei Typen der Migräne: mit und ohne sogenannte Aura. Die Migräne mit Aura beginnt dabei mit einer Vorstufe, die sich in Sehproblemen und einem Schwindelgefühl äußert. Die Differenzierung zwischen einer Migräne ohne Aura und beispielsweise einem Kopfschmerz vom Spannungstyp kann schwierig sein. Daher werden mindestens 5 Attacken gefordert, bevor die Diagnose gestellt wird. Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit oder Geräuschempfindlichkeit begleitet. Die Beschwerden setzen oft in den frühen Morgenstunden ein bzw. äußern sich bereits beim Aufwachen.

Migräne mit Aura

Migräne mit Aura geht meist mit visuellen Störungen (Sehstörungen), aber auch sensible Wahrnehmungsstörungen, motorische Störungen, aber auch möglicherweise Wortfindungsstörungen (aphasische Aura) schon vor dem Anfall auf, dauern überwiegend weniger als eine Stunde an. Sehstörungen könen z. B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien sein oder auch ein Sehverlust. Sensible Störungen können sich in Kribbelmissempfindungen oder auch Taubheitsgefühl äußern. Migräneanfälle mit Aura ereignen sich fast immer nur außerhalb der Menstruation; menstruelle Attacken mit Aura sind die Ausnahme.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, Migräne von anderen Kopfschmerzarten zu unterscheiden:

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  • Spannungskopfschmerz: Der Kopfschmerz tritt im Bereich des gesamten Kopfes auf, ist drückend-ziehend, jedoch nicht pulsierend. Vegetative Begleitsymptome wie Lichtscheu und übermäßige Lärmempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen sowie Appetitlosigkeit treten in der Regel nicht und, wenn doch, nur sehr selten begleitend auf.
  • Cluster-Kopfschmerz: Der Kopfschmerz ist streng einseitig und zeichnet sich durch in Attacken auftretende „extremste Kopfschmerzen“ im Bereich von Schläfe und Auge aus. Die heftigen und einseitigen Attacken dauern meist zwischen 15 und 180 Minuten und treten unvermittelt vornehmlich aus dem Schlaf heraus auf.

Migräne und die Pille: Ein komplexes Zusammenspiel

Die Antibabypille kann bei einigen Frauen Migräne auslösen oder verstärken. Dies hängt oft mit den Hormonschwankungen zusammen, die durch die Einnahme der Pille entstehen. Insbesondere der Östrogenspiegel spielt eine Rolle bei der Entstehung von Migräneattacken.

Einige Studien belegen, dass ein absinkender Östrogenspiegel Migräne-Attacken begünstigt. Entscheidend ist aber nicht die absolute Höhe des Hormonspiegels, sondern nur dessen Veränderung. In der ersten Hälfte des Zyklus steigt der Östrogenspiegel stetig an, danach nimmt er leicht ab und steigt ca. 4-5 Tage vor der Periode wieder an. Kurz vor oder der während der Regelblutung fällt er aber plötzlich stark, so dass sich an diesen Tagen häufig eine Migräne-Attacke ankündigt.

In einer Untersuchung trat die Migräne bei 22% der weiblichen Migräne-Betroffenen besonders häufig (über 50%) in einer bestimmten Phase ihres Menstruationszyklus auf. Dabei muss zwischen einer reinen menstruellen Migräne (5-10 % der Patient:innen mit Migräne) und einer menstruationsassoziierten Migräne unterschieden werden. Bei der menstruellen Migräne treten die Attacken in mindestens zwei Drittel der Menstruationszyklen ausschließlich kurz vor oder nach der Periode auf. Bei der menstruationsassoziierten Migräne fallen die Attacken zwar gehäuft in die Tage rund um die Menstruation, treten zusätzlich aber auch in anderen Zyklusphasen auf.

Mittlerweile raten Ärzt:innen eher von einer hormonellen Therapie durch die orale Gabe von Östrogen oder Hormonpflastern ab, da die Migräne- oder Kopfschmerz-Attacke dadurch nur für ein paar Tage verschoben, aber nicht verhindert wird. In der großen norwegischen Studie Head-HUNT wurden 13.944 Frauen im gebärfähigen Alter zur Verwendung von Verhütungsmitteln befragt - mit einem erstaunlichen Ergebnis: Frauen, die östrogenhaltige orale Kontrazeptiva (Pille) einnahmen, hatten durchschnittlich 1,4-mal häufiger Migräne-Attacken und 1,2-mal häufiger Spannungskopfschmerzen als diejenigen, die auf eine andere Weise verhüteten.

Menstruation und Migräne-Aura

Neben der Unterscheidung zwischen menstruationsassoziierter und menstrueller Migräne muss bei der Frage nach einer geeigneten Verhütungsmethode noch zwischen einer Migräne mit und ohne Aura unterschieden werden.

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  • Migräne ohne Aura: Bei Migräne ohne Aura ist die Verhütung mit Pille oft hilfreich, um weitere Attacken abzuschwächen oder sogar zu verhindern. Dabei ist es wichtig, Dosierung und Einnahmefrequenz zu beachten, denn Migräne ohne Aura wird häufig beim prämenstruellen Abfall des Östrogenspiegels vor der Periode getriggert.
  • Migräne mit Aura: Bei Migräne mit Aura hat die Pille leider keinen positiven Nebeneffekt, denn sie wird selten menstruell assoziiert. Die WHO rät Aura-Patient:innen mit Migräne sowohl von östrogenhaltigen als auch gestagenhaltigen Pillen in jeden Altersstufen ab, weswegen alternative Verhütungsmethoden besonders interessant und wichtig sind.

Wenn eure Kopfschmerzattacken erstmalig bei Anwendung einer Pille aufgetreten sind, solltet ihr das Präparat auf jeden Fall absetzen.

Alternative Verhütungsmethoden

Wenn eure Kopfschmerz- oder Migräne-Attacken unabhängig von eurem Zyklus auftreten, solltet ihr eher auf Alternativen zur hormonellen Verhütung zurückgreifen. Kupfer- oder Gold-Spiralen, mechanische (z.B. Kondome oder Diaphragma) oder natürliche Verhütungsmethoden sind mögliche Alternativen. Etwas weniger zuverlässig, aber ebenfalls möglich ist die Verhütung durch Zeitplanung.

Wollt ihr trotz Migräne hormonell verhüten, wählt am besten eine niedrig dosierte Pille, die nur das Hormon Gestagen (z.B. Mini-Pille) enthält, statt zusätzlich noch Östrogen, wie es bei den meisten Kombinationspillen der Fall ist. Diese wird ohne Pause eingenommen, sodass hier auch der Abfall des Hormonspiegels wegfällt.

Natürliche Behandlungen und Hausmittel gegen Migräne

Es gibt verschiedene natürliche Behandlungen und Hausmittel, die bei Migräne helfen können:

  • Rückzug in einen dunklen, ruhigen Raum: Dies ist besonders effektiv bei Migräne mit Aura. Legen Sie sich einen mit kaltem Wasser getränkten Waschlappen auf die Stirn und gönnen Sie sich Ruhe.
  • Koffein: Koffein verengt die Blutgefäße im Gehirn, was bei Migräne helfen kann. Ein Tasse Kaffee mit Zitrone kann die Schmerzhemmung des Körpers fördern und liefert Vitamin C.
  • Ingwer: Ingwer ist als wirksames Mittel gegen Übelkeit bekannt, aber er kann auch Migräne-Schmerzen lindern oder sogar beseitigen. Die Schärfe des Ingwers regt den Magensaft-Fluss und die Darmbewegungen an.
  • Pfefferminzöl: Das enthaltene Menthol kann die Migräne-Attacke verhindern. Das Öl kühlt und hat eine durchblutungsfördernde sowie entkrampfende Wirkung, außerdem blockiert es das Weiterleiten von Schmerz-Impulsen. Sie können ein paar Tropfen Pfefferminzöl auf Stirn, Schläfen und Nacken auftragen und sanft einmassieren. Pfefferminze kann auch als Tee bei Migräne hilfreich sein. Die ätherischen Öle beruhigen zudem gleichzeitig den Magen.
  • Lavendel: Das ätherische Öl kann Migräneschmerzen verringern.
  • Mutterkraut: CO2-Extrakt aus Mutterkraut kann die Zahl der Migräneanfälle reduzieren.
  • Pestwurzextrakt: Es gibt Studien, die die Wirksamkeit gegen Migräne belegen.
  • Weidenrinde: Ein Kräutertee aus Weidenrinde kann als Hausmittel Migräne zumindest lindern.
  • Magnesium: Experten vermuten, dass das Mengenelement, das zum Beispiel bei der Kontraktion der Muskeln im Körper eine Rolle spielt, auch bei Migräne wirksam sein kann. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Magnesium die menstruationsbedingte Migräne verhindern bzw. lindern kann.

Weitere natürliche Ansätze

  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation, Meditation oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und Migräne vorzubeugen.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Sie kann helfen, zu hohe Ansprüche an sich selbst, aber auch ungünstige Erwartungen wie die Furcht vor dem nächsten Migräneanfall zu lindern.
  • Regelmäßiger Tagesablauf: Achten Sie auf einen geregelten Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten und Bettruhe.
  • Ernährungsumstellung: Eine Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, kann Migräneanfällen vorbeugen. Vermeiden Sie unregelmäßige Mahlzeiten und stark verarbeitete Lebensmittel.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie über den Tag verteilt 1,5 Liter oder mehr Wasser.

Medikamentöse Behandlung

Wenn Hausmittel und natürliche Behandlungen nicht ausreichen, können Medikamente zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden:

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  • Akuttherapie: Bei leichter bis mittelschwerer Migräne können nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac kombiniert mit einem Antiemetikum (z. B. Metoclopramid) eingesetzt werden. In der nächsten Stufe können Triptan-Präparate (z. B. Rizatriptan oder Sumatriptan) verwendet werden.
  • Prophylaxe: Zur Vorbeugung von Migräne können Blutdrucksenker, Hormonpräparate, Antidepressiva oder neurologische Medikamente eingesetzt werden.

Wichtige Hinweise

  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie nach drei Tagen keine Besserung Ihrer Beschwerden spüren.
  • Wenn Sie Arzneimittel gegen eine andere Krankheit einnehmen müssen, sollten Sie auf mögliche Wechselwirkungen mit Hausmitteln gegen Migräne achten.
  • Gewöhnen Sie sich einen geregelten Tagesablauf an, auch das kann hilfreich sein.
  • Achten Sie auf einen geregelten Tagesablauf, da das Migränehirn Routine liebt, Unregelmäßigkeiten dagegen hasst! Achten Sie daher auch am Wochenende auf dieselben Schlaf- und Aufstehzeiten wie im Berufsalltag.
  • Essen Sie regelmäßig gesunde Mahlzeiten. Achten Sie darauf, dass Sie mindestens alle fünf Stunden essen, um längere Fastenperioden zu vermeiden.
  • Meiden Sie Alkohol! Meiden Sie Lebensmittel, die Histamin oder andere biogenen Amine enthalten.
  • Lassen Sie alle Fertigprodukte/Fertiggetränke links liegen, die Glutamat und/oder Aspartam enthalten.
  • Optimieren Sie Ihre Magnesiumversorgung!
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Koffeinkonsum maßvoll bleibt.
  • Vermeiden Sie Stress, indem Sie sich beispielsweise ab sofort nur noch realistische und keine zu hohen Ziele stecken.

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