Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden, die fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens erfährt. Die Ursachen für Kopfschmerzen sind vielfältig und umfassen Spannungskopfschmerzen, Migräne oder Sinuskopfschmerzen. Oft bleibt die genaue Ursache unklar, sodass Betroffene nach möglichen Auslösern suchen. Eine mögliche Ursache, die in den Fokus gerückt ist, ist die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Wissensstand zum Zusammenhang zwischen Migräne und Schilddrüsenunterfunktion.
Schilddrüse und ihre Funktion
Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das sich im Halsbereich befindet. Sie produziert Hormone wie T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin), die eine zentrale Rolle im Stoffwechsel spielen. Störungen der Schilddrüse, wie eine Überfunktion (Hyperthyreose) oder eine Unterfunktion (Hypothyreose), können zahlreiche Körperprozesse beeinträchtigen. Eine Schilddrüsenunterfunktion entsteht, wenn die Schilddrüse nicht genügend Hormone produziert. Dies wird als primäre Hypothyreose bezeichnet. Die Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion entwickeln sich oft langsam und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Obwohl die Schilddrüse hauptsächlich den Stoffwechsel reguliert, können Probleme mit diesem Organ eine Vielzahl von Symptomen im gesamten Körper verursachen.
Kopfschmerz als Symptom der Schilddrüsenunterfunktion
Häufige Kopfschmerzen könnten auf Probleme mit der Schilddrüse hindeuten. Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wird häufig mit Kopfschmerzen, insbesondere Migräne, in Verbindung gebracht. Studien zeigen, dass etwa 30 % der Patienten mit einer Hypothyreose unter Kopfschmerzen leiden, die auf diese zurückzuführen sein könnten. Es wird geschätzt, dass etwa 30% der Patienten mit einer Hypothyreose unter Kopfschmerz leiden. Frauen sind dabei häufiger betroffen.
Der unklare Mechanismus
Wie allerdings Kopfschmerz, ob Migräne oder Spannungskopfschmerz, und zu geringe Leistung der Schilddrüse miteinander zusammenhängen, ist aktuell noch unklar. Der Mechanismus, der diesen Zusammenhang erklärt, ist noch nicht vollständig erforscht. Laut einer Metaanalyse besteht eine wechselseitige Beziehung zwischen Hypothyreose und Kopfschmerzen. Die Forschung zum Thema zeigte eine große Bandbreite in Teilnehmergruppen, Studiendesign und Studienziel. Zwei Studien untersuchten Unterfunktions-assoziierten Kopfschmerz mit dem Schwerpunkt auf klinischen Eigenschaften des Kopfschmerzes wie Zeitpunkt des Auftretens, Lokalisation am Kopf, Qualität und Stärke, und ob der Kopfschmerz auf eine Behandlung mit Schilddrüsenhormon ansprach. Fünf weitere Studien untersuchten stattdessen speziell Migräne und Schilddrüsenerkrankungen als Begleiterkrankungen. In der Mehrzahl dieser Studien wurde eine positive Assoziation gefunden: Migräne und Schilddrüsenprobleme traten also gehäuft gemeinsam auf. Eine andere Studie untersuchte die Entwicklung von Schilddrüsenunterfunktion und fand, dass Kopfschmerz, speziell wieder die Migräne, offenbar die Entwicklung von Schilddrüsenproblemen begünstigte.
Migräne und Hypothyreose: Eine mögliche wechselseitige Beziehung
Die Kopfschmerzexperten schlossen aus der Studienübersicht, dass weiterhin die Forschung keine klaren Antworten ermöglicht. Eine zweigleisige Verbindung zwischen Kopfschmerz und Schilddrüsenerkrankungen, besonders zwischen Migräne und Schilddrüsenunterfunktion, scheint aber möglich: die Krankheiten könnten sich also gegenseitig begünstigen oder verstärken. Um die Zusammenhänge gezielter zu untersuchen, sind nun aber größere Multizentrenstudien erforderlich.
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Eine aktuelle Untersuchung ergab, dass Patienten mit einer Hypothyreose unilaterale, episodische, pulsierende Kopfschmerzen aufweisen können, die von Übelkeit und/oder Erbrechen begleitet sind. Bei der Hälfte der untersuchten Patienten bestand in der Vorgeschichte eine Migräne. Eine mögliche Erklärung für den gefundenen Zusammenhang könne sein, dass Kopfschmerzen das Immunsystem aktivieren und dies die Anfälligkeit für eine zukünftige Schilddrüsenunterfunktion erhöhe, vermuten die Forscher. Zudem könne der Stress, der durch Kopfschmerzen entstehe, hierbei eine Rolle spielen. Andere Umweltfaktoren oder genetische Faktoren seien ebenfalls denkbar. Unklar sei zudem, wie beide Erkrankungen miteinander interagierten. So sei es ebenfalls möglich, dass eine Schilddrüsenunterfunktion bei Kopfschmerzpatienten zu häufigeren Schmerzattacken führe.
Subklinische Hypothyreose und Migräne
DGP - Patienten mit unterschwelliger, subklinischer Schilddrüsenunterfunktion leiden nach einer neuen Untersuchung häufiger an Migräne als Kontrollpersonen mit gesunder Schilddrüse. Eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyroidismus) fällt bei den Untersuchungen beim Arzt nicht unbedingt auf, da sie den Schwellenwert für einen Behandlungsbedarf nicht erreicht. Studien zeigten, dass sowohl klinisch relevante (Behandlungsbedarf angezeigt) als auch subklinische Schilddrüsenunterfunktion und Migräne zusammenhängen.
Dazu luden sie 151 Patienten (im Durchschnitt 48 Jahre alt) zur Teilnahme ein, die bei mehreren Untersuchungen eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion aufwiesen. Außerdem wurden 150 Kontrollteilnehmer (im Durchschnitt 50,86 Jahre alt) eingeladen. Bei allen Teilnehmern wurden Migränesymptome und -eigenschaften in einer Befragung geklärt. Außerdem wurde bei allen Patienten die Schilddrüsenaktivität gemessen, in dem das Thyroid-stimulierende Hormon (TSH), freies Triiodothyronin, freies Thyroxin und Antikörper gegen die Schilddrüse bestimmt wurden. Es zeigte sich, dass Migräne häufiger bei Patienten mit unterschwelliger Schilddrüsenunterfunktion (46 %) auftrat als bei den Kontrollen (13 %). Dies galt sowohl für Migräne mit als auch ohne Aura. Allerdings unterschieden sich Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion mit und ohne Migräne nicht in ihrer Hormonlage und den Antikörpern gegen die Schilddrüse. Patienten mit unterschwelliger, subklinischer Schilddrüsenunterfunktion leiden demnach häufiger an Migräne als Kontrollpersonen mit gesunder Schilddrüse.
Hashimoto-Thyreoiditis und Migräne
MedWiss - Frühere Studien konnten bereits einen wechselseitigen Zusammenhang zwischen Migräne und einer Schilddrüsenunterfunktion aufzeigen. Die Hashimoto-Thyreoiditis (HT) ist heutzutage die Hauptursache für eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Die Prävalenz der Hashimoto-Thyreoiditis nimmt in der Allgemeinbevölkerung stetig zu. Bei der Erkrankung handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei welcher der Körper Antikörper gegen Schilddrüsenbestandteile bildet. In der Studie wurde die Prävalenz von Hashimoto-Thyreoiditis bei Migräne analysiert, zudem wurde untersucht, ob das Vorhandensein einer HT den Schweregrad der Migräne beeinflusst.
Die retrospektive, beobachtende Kohortenstudie umfasste Migränepatienten, die an einem polnischen Kopfschmerzzentrum in Behandlung waren. Es wurden 928 geeignete Migränepatienten in die Studie einbezogen, davon waren 88,7 % Frauen. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer betrug 36,09 Jahre. Bei 592 Probanden (63,8 %) wurde eine episodische Migräne (EM) diagnostiziert, bei den übrigen Teilnehmern eine chronische Migräne (CM). Bei 258 Migränepatienten (27,8 %) wurde zusätzlich ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz dokumentiert.
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Analyse über 928 Patienten: Jede 10. Bei 106 Teilnehmern (11,4 %) wurde eine Hashimoto-Thyreoiditis diagnostiziert, bei 148 (15,9 %) eine Schilddrüsenunterfunktion, während 84 Teilnehmer (9,05 %) beide Diagnosen hatten. Die statistische Auswertung zeigte, dass das Vorhandensein von chronischer Migräne positiv mit einer Hashimoto-Thyreoiditis (OR: 1,76; p = 0,045), Medikamentenübergebrauchskopfschmerz und der Migränedauer assoziiert war. Die Hashimoto-Thyreoiditis kommt bei Migränepatienten, insbesondere bei Frauen, sehr häufig vor und ist eine der häufigsten Begleiterkrankungen bei Migräne. Die Ergebnisse der Studie lassen darauf schließen, dass eine Hashimoto-Thyreoiditis den Verlauf einer Migräneerkrankung negativ beeinflusst und sogar zu deren Chronifizierung beitragen kann.
Diagnose und Behandlung
Ein Schilddrüsen-Bluttest ist die zuverlässigste Methode, um eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse zu diagnostizieren. Dieser Test kann entweder beim Hausarzt oder mithilfe eines Heimtests durchgeführt werden. Die Forscher hatten Daten von mehr als 8.000 US-Amerikanern aus einer über 20 Jahre angelegten Studie analysiert.
Eine Schilddrüsenunterfunktion lässt sich in der Regel gut mit Hormonersatzpräparaten behandeln. Bei Migränepatienten mit ausgeprägter Hypothyreose machen Ärzte oft gute Erfahrungen mit einer Levothyroxin-Behandlung. Ob eine solche Therapie auch Patienten mit subklinischer Hypothyreose nützt, haben Anastasie Bougea et al., Universität Athen, Griechenland, geprüft. Sie verabreichten das Medikament 45 Migränepatienten ohne Aura, bei denen TSH-Werte über 4,5 mU/l bei normalen T4-Werten gemessen wurde. Die Patienten bekamen zwei Monate lang 50-100 mg Levothyroxin pro Tag. Dabei ging die Schwere der Migräne auf einer 10-Punkte-Analogskala von 6,5 vor auf 1,2 Punkte nach der Behandlung zurück, die Zahl der monatlichen Migränetage sank von 14,7 auf 1,9. Beide Unterschiede waren statistisch signifikant. Die Studie liefere erste Hinweise, dass auch bei subklinischer Hypothyreose eine L-Thyroxin-Behandlung die Migränesymptome deutlich lindern könne, sagte Bougea auf dem europäischen Neurologenkongress in Amsterdam. Solche Hinweise müssten nun natürlich placebokontrolliert geprüft werden.
Weitere Ursachen und Trigger von Migräne
Es ist wichtig zu beachten, dass Migräne ein multifaktorielles Geschehen ist. Das Phänomen Kopfschmerz kann als individuelles multifaktorielles Geschehen verstanden werden. Insofern wirken unterschiedliche Faktoren zusammen, die verschiedene Typen von Migräne hervorbringen. Neben der Schilddrüsenfunktion spielen auch andere Faktoren eine Rolle, wie z.B.:
- Hormonelle Schwankungen (prämenstruelles Syndrom)
- Histaminintoleranz
- Nahrungsmittelallergien
- Blutzuckerschwankungen
- Oxidativer Stress
- Mikronährstoffmangel
- Stress
- Schlafmangel
- Wetterumschwung
- Kaffeekonsum
Unter den Triggern besitzen biogene Amine (Histamin und Tyramin) eine besondere Bedeutung. Beide Substanzen entstehen in Lebensmitteln durch bakterielle Fermentationsprozesse, z. B. bei der Reifung von Käse, Wein oder Sauerkraut.
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Therapieansätze bei Migräne
Behandlungskonzepte sind individuell unterschiedlich und setzen mit geeigneten Therapeutika an den jeweiligen ursächlichen Faktoren an. Der Ablauf der Therapie vollzieht sich oftmals stufenweise.
- Akuttherapie: Triptane (zur Verkürzung akuter Schmerzattacken)
- Prophylaxe: Beta-Blocker, Topiramat, Valproinsäure, Flunarazin, Amitriptylin (mit möglichen Nebenwirkungen)
- Alternative Analgetika: CBD, Pestwurz, Mutterkraut, Silberweide
- Ernährung: Low Carb, ketogene Diät
- Mikronährstofftherapie: Elektrolyte, Omega-3-FS, Coenzym Q10
- Darmtherapie
- Entspannungsverfahren, Biofeedback
- Neue Wirkstoffe: CGRP-Hemmer (Erenumab)
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