Migräne Ursachen: Die Rolle des Musculus Temporalis und anderer Faktoren

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, und Migräne stellt eine besondere Form dar, die oft mit intensiven, pochenden Schmerzen einhergeht. Die Ursachen von Migräne sind vielfältig und komplex, und es gibt zahlreiche Faktoren, die eine Rolle spielen können. In diesem Artikel werden wir uns auf die Rolle des Musculus Temporalis, einem wichtigen Kaumuskel, sowie andere mögliche Ursachen und Zusammenhänge konzentrieren.

Einführung

Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Funktionsstörung, die sich durch wiederkehrende, meist einseitige Kopfschmerzen äußert. Diese Schmerzen können von einer Vielzahl von Symptomen begleitet sein, darunter Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Ursachen sind vielfältig und oft schwer zu identifizieren.

Der Musculus Temporalis und seine Verbindung zu Kopfschmerzen

Der Musculus Temporalis, auch Schläfenmuskel genannt, ist einer der wichtigsten Kaumuskeln. Er befindet sich an der Schläfe und spielt eine entscheidende Rolle beim Kauen und Zähneknirschen. Verspannungen in diesem Muskel können zu Schmerzen im Schläfenbereich führen, die als Schläfenkopfschmerzen wahrgenommen werden.

Verspannungen und Triggerpunkte im Musculus Temporalis

In der Pohltherapie® geht man davon aus, dass Kopfschmerzen - bis auf extreme Ausnahmen wie Tumore im Kopf - auf verspannte Muskeln bzw. verspanntes Bindegewebe / Faszien auf diesen Muskeln zurückzuführen sind. Auch wenn es sich anfühlt, als käme der Kopfschmerz von ganz tief innen aus dem Kopf, so kann man doch zeigen, dass er von Muskeln und Bindegewebe / Faszien außen kommt. Damit ist Kopfschmerz auch von außen behandelbar.

Myogelosen und Triggerpunkte sind kleinste Knötchen in der Muskulatur, die unter anderem zu Schmerzen führen können. Triggerpunkte im Temporalis können nach hinten ausstrahlende Kopfschmerzen, Kieferschmerzen und Zahnschmerzen auslösen. Des Weiteren können Triggerpunkte im Temporalis die endgradige Kieferöffnung einschränken.

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Ursachen für Verspannungen im Musculus Temporalis

Es gibt verschiedene Faktoren, die zu Verspannungen im Musculus Temporalis führen können:

  • Parafunktionen: Nicht der Nahrungszerkleinerung dienende Bewegungen wie Knirschen und Pressen, Fingernägelkauen, Kauen auf Stiften, Kauen auf der Lippe u.ä. können die Kaumuskeln überlasten.
  • Stress und Angst: Viele Menschen neigen dazu, Stress über die Kiefermuskulatur abzubauen - durch Pressen oder Knirschen. Vor allem dann, wenn du eher ängstlich bist und den Temporalis nicht locker lassen kannst.
  • Zähneknirschen (Bruxismus): Beim Pressen hingegen werden die Zähne mit hoher Kraft zusammengebissen ohne zu reiben. Beiden Mechanismen gemeinsam ist die starke Muskelaktivität, die hinsichtlich Kraft und Dauer der Belastung weit über das normale Maß der Kaufunktion hinausgeht.
  • Kaugummi kauen: Ständiges Kaugummikauen kann den Temporalis überlasten und zu Triggerpunkten führen.
  • Schlechte Haltung: Eine nach vorne geschobene Kopfhaltung (z. B. durch ständiges Arbeiten am Computer) verstärkt die Belastung auf das Kiefergelenk.

Behandlung von Verspannungen im Musculus Temporalis

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Verspannungen im Musculus Temporalis zu behandeln:

  • Manuelle Therapie: Durch sanfte Mobilisationstechniken wird die Beweglichkeit des Kiefergelenks verbessert und muskuläre Dysbalancen ausgeglichen.
  • Triggerpunkt-Selbstmassage: Wenn diese Beschwerden durch Triggerpunkte ausgelöst werden, dann kannst du sie mit einer Triggerpunkt-Selbstmassage lindern bis lösen.
  • Dehn- und Kräftigungsübungen: Um deine Schmerzen ganz und nachhaltig zu lösen, empfehle ich zusätzlich, für deine Beschwerden passende Dehn- und Kräftigungsübungen auszuführen. So behandelst du auch noch weitere Schmerzauslöser in der Muskulatur und beugst der erneuten Entstehung von Triggerpunkten im Temporalis und allen anderen Muskeln vor.
  • Entspannungstechniken: Entspannungsmethoden wie Yoga oder Muskelrelaxation nach Jacobson könnten Ihnen helfen, Stress zu reduzieren.
  • Vermeidung von Parafunktionen: Es ist wichtig, nicht der Nahrungszerkleinerung dienenden Bewegungen wie Knirschen und Pressen, Fingernägelkauen, Kauen auf Stiften, Kauen auf der Lippe u.ä. zu vermeiden.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) als Ursache von Kopfschmerzen

Die craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist eine Funktionsstörung des Kausystems, die sich auf das Kiefergelenk, die Kaumuskulatur und die damit verbundenen Strukturen auswirkt. Obwohl die Bezeichnung „Dysfunktion“ auf den Kiefer hinweist, kann CMD weit über diesen Bereich hinaus Beschwerden verursachen - insbesondere Kopfschmerzen.

Symptome von CMD

CMD ist eine vielschichtige Erkrankung, die sich durch eine Reihe von Symptomen äußern kann:

  • Kopfschmerzen und Migräne - oft morgens oder nach langem Kauen
  • Verspannungen im Nacken und Schulterbereich - durch Fehlbelastungen
  • Kieferknacken oder -schmerzen - spürbar beim Öffnen oder Schließen des Mundes
  • Zähneknirschen (Bruxismus) - häufig nachts unbewusst
  • Schwindel und Tinnitus - durch die enge Verbindung zwischen Kiefer und Innenohr
  • Eingeschränkte Mundöffnung - Gefühl einer Blockade im Kiefer

Wie CMD Kopfschmerzen verursacht

Das Kiefergelenk (Temporomandibulargelenk) ist über Muskeln, Faszien und Nervenbahnen eng mit der Schädelbasis, dem Nacken und der oberen Wirbelsäule verbunden. Besonders relevant sind dabei:

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  • Die Kaumuskulatur: Muskeln wie der Musculus masseter (Kaumuskel) und der Musculus temporalis (Schläfenmuskel) setzen direkt am Schädelknochen an. Verspannungen oder Fehlbelastungen dieser Muskeln können zu Spannungskopfschmerzen führen.
  • Die oberen Halswirbel: Fehlstellungen im Kiefer können über Muskelketten und Faszien Verspannungen in der Halsmuskulatur verursachen, was wiederum zu sogenannten cervikogenen Kopfschmerzen führt.
  • Das Nervensystem: Der Trigeminusnerv (Nervus trigeminus) versorgt sowohl das Kiefergelenk als auch große Teile des Gesichts und des Kopfes. Reizungen dieses Nervs durch Muskelverspannungen oder Gelenkfehlstellungen können migräneartige Kopfschmerzen auslösen.

Diagnose von CMD

Die Diagnose einer CMD erfolgt in der Regel durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physiotherapeuten, Zahnärzten, Kieferorthopäden und manchmal auch Orthopäden oder Neurologen. Dabei kommen folgende Untersuchungsmethoden zum Einsatz:

  • Anamnese (Befragung des Patienten)
  • Manuelle Funktionsdiagnostik (Untersuchung von Kiefer und Muskulatur)
  • Zahnärztliche Untersuchung & Bissanalyse

Behandlung von CMD

Die Behandlung von CMD zielt darauf ab, Überlastungen im Kiefergelenk und in der Muskulatur zu reduzieren und das Zusammenspiel zwischen Kiefer, Kopf und Nacken wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Studien zeigen, dass konservative CMD-Therapien Kopfschmerzintensität und -häufigkeit reduzieren können.

  • Physiotherapie: Manuelle Therapie am Kiefergelenk, Neurodynamik, Haltungsschulung & Ergonomieberatung, Kieferübungen für zu Hause.
  • Zahnärztliche Unterstützung: Anfertigung von Aufbissschienen zur Entlastung des Kiefergelenks.

Zervikogener Kopfschmerz (CEK)

Zervikogener Kopfschmerz (CEK) ist ein häufig chronifizierendes, sekundäres Kopfschmerzsyndrom. Die Kopfschmerzen entstehen als übertragener Schmerz auf Grundlage der Konvergenz der Afferenzen von C1-C3 und des N. trigeminus im spinalen Trigeminuskern.

Diagnose von CEK

Klinisch präsentieren sich CEK üblicherweise streng einseitig auftretend, mit stark divergierender Dauer von Stunden bis Wochen. Während sie initial episodisch auftreten, chronifizieren sie im Verlauf häufig. Zeichen, die auf eine zervikogene Ursache schließen lassen, sind in der Diagnosestellung essenziell. Dazu gehören eine eingeschränkte Beweglichkeit der HWS, die Möglichkeit, Kopfschmerzen entweder durch manuellen Druck auf die Nackenmuskulatur, durch bestimmte Kopfbewegungen oder durch lang andauernde Fehlhaltung auszulösen sowie eine Schmerzausstrahlung von hinten nach vorne.

Vor allem der Flexions-Rotations-Test (FRT) gilt als besonders valide für zervikogen assoziierte Kopfschmerzen und weist eine moderate Reliabilität im Rahmen von CEK und auch Migräne auf.

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Behandlung von CEK

Nach eingehender Anamnese, körperlicher Untersuchung mit neurologischem Status und den oben beschriebenen physischen Tests werden bei CEK die auffälligen muskuloskeletalen Zeichen behandelt. Manuelle Therapie spielt dabei ebenso eine Rolle wie aktives Training der möglicherweise schwachen lokalen Nackenflexoren oder der hypertonen und sensitiven globalen Nackenmuskulatur, wie z. B. des M. trapezius pars descendens.

Arteriitis Temporalis

Wenn ein Patient ständig unter Kopfschmerzen an den Schläfen leidet und schon das Berühren der Schläfen wehtut, könnte das auch eine Riesenzellenarteritis sein (RZA, früher auch als Morbus Horton bzw. als Arteriitis temporalis bekannt). Das ist eine Entzündung der Schläfenarterien auf beiden Seiten des Kopfes. Der Schmerz ist stark, pochend und brennend, meist liegt er auf einer Seite des Kopfes. Manche Patienten klagen auch über leichtes Fieber, Müdigkeit, Appetit- oder Gewichtsverlust oder eine empfindliche Kopfhaut.

Diagnose von Arteriitis Temporalis

In den meisten Fällen führt der Arzt oder die Ärztin eine Ultraschalluntersuchung der Schläfenarterien durch, in der er oder sie den Blutfluss darstellt (Dopplersonografie). Die Schläfenarterie lässt sich auch mit einer Magnetresonanztomografie (MRT) beurteilen.

Deuten Krankheitszeichen und bildgebende Untersuchungen auf eine Arteriitis temporalis hin, entnimmt der Arzt oder die Ärztin in vielen Fällen eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der betroffenen Schläfenregion und untersucht sie mikroskopisch.

Behandlung von Arteriitis Temporalis

Nach der Diagnose einer Arteriitis temporalis raten Ärzte zur sofortigen Einnahme eines Kortisonpräparats. Die anfängliche Dosis beträgt in der Regel 40 bis 60 Milligramm Prednisolon täglich.

Weitere Ursachen von Kopfschmerzen

Neben den bereits genannten Ursachen gibt es noch weitere Faktoren, die Kopfschmerzen auslösen können:

  • Spannungskopfschmerzen: Bei Spannungskopfschmerzen klagen die Betroffenen über leichte bis mittelstarke Schmerzen, die meist an beiden Seiten des Kopfes liegen. Sie strahlen vom Hinterkopf und den Schläfen zur Stirn und oft auch hinter die Augen aus.
  • Migräne: Heftige Kopfschmerzen an Schläfen und Stirn, die meist auf einer Seite liegen, aber auch auf die andere Seite wechseln können, sind Anzeichen für eine Migräne.
  • Sinusitis: Bei einer Erkältung spüren Sie meist Kopfschmerzen in Schläfen und Stirn, oft auch zwischen den Augenbrauen. Denn die Nasennebenhöhlen, vor allem die Stirnhöhlen, sind dann oft entzündet.
  • Clusterkopfschmerzen: Clusterkopfschmerzen sind extrem heftige Kopfschmerzen, die sich anfühlen, als würde eine glühende Nadel durchs Auge gestoßen. Typisch ist, dass die Krankheit episodisch auftritt - manchmal auch mit größeren Intervallen.
  • Trigeminusneuralgie: Bei dieser Krankheit tut das Gesicht weh. Das liegt am Drillingsnerv (Nervus trigeminus), der die Empfindungen der beiden Gesichtshälften weiterleitet. Bei der Neuralgie ist meist nur eine Gesichtshälfte betroffen.
  • Kopfschmerzen nach einem Unfall: Lassen Sie sich vom Arzt untersuchen, um festzustellen, ob Sie eine Gehirnerschütterung haben - Symptome: dumpfe und drückende Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Schläfrigkeit. Auch ein Schleudertrauma kann Kopfschmerzen verursachen.

Was Sie selbst gegen Kopfschmerzen tun können

  • Kopfschmerztagebuch: Wenn Sie nicht genau wissen, woher Ihre Kopfschmerzen kommen ist ein Kopfschmerztagebuch sehr hilfreich.
  • Hausmittel: In manchen Fällen können Sie Ihre Kopfschmerzen mit Hausmitteln lindern. Das gilt vor allem für leichte Schmerzen. Manchem Betroffenen, der nach langem Sitzen am Schreibtisch der Kopf wehtut, hilft aber auch eine Kälteanwendung. Hilfreich könnte auch Pfefferminzöl sein, das Sie auf Stirn oder Schläfen auftragen und sanft einmassieren können.
  • Ergonomie am Arbeitsplatz: Müssen Sie viel am Schreibtisch sitzen? Dann überprüfen Sie, ob Tisch, Stuhl und Computer ergonomisch eingestellt sind.
  • Entspannungstechniken: Eine Entspannungsmethode wie Yoga oder Muskelrelaxation nach Jacobson könnte Ihnen helfen, Stress zu reduzieren.
  • Schlaf: Achten Sie außerdem darauf, ausreichend zu schlafen.

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